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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhesfe»
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Der Tag der Reichsgründung
Hindenburg bei den Feiern im Reichstag und im Sportpalast
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Reichstags war festlich geschmückt. Ueber dem Präsidentensitz war wieder der große Reichsadler angebracht, darunter die Worte „Einigkeit und Recht und Freiheit". Zu beiden Seiten des Präsidentenplatzes zwei große Fahnen, links die schwarz-rot-goldene Flagge des Reiches, rechts die schwarz-weißrote Reichskriegsflagge mit der schwarz-rot-goldenen Gösch und dem Eisernen Kreuz in der Mitte des Fahnentuches. Dor dem Präsidentensitz auf einem Hintergrund von weißem Flieder die Kolossal- büste des Fürsten Bismarck in Bronze; rechts und links sowie hinter den Regierungs
bänken an den Wänden entlang die ruhmreichen Fahnen des alten Heeres, die zum Teil schon in dem Kriege vor 60 Jahren mitgeführt waren getragen von Reichswehrsoldaten der Traditionsbataillone unter dem Kommando von zwei Offizieren.
Die auswärtigen Missionen waren nicht geladen, da es sich um eine rein nationale Feier handelte. Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Regierungsparteien hatten, mit Ausnahme der Rationasozialisten und Kommunisten, Vertreter entsandt. Unter den Eingeladenen befanden sich sieben Kriegsveteranen aus dem Feldzug von 1870/71, darunter vier, die an der Kakferproklamation im Spiegelsaal zu Versailles am 18. Januar 1871 teilgenommen haben.
Pünktlich zur festgesetzten Stunde um 11% Uhr erschien
der Reichspräsident, der durch die Versammelten durch Erheben von den Sitzen begrüßt wurde. Der Reichspräsident trug das Erotzkreuz des Eisernen Kreuzes und den Stern dazu. Er wurde begleitet von dem Reichspräsidenten Löbc, dem Reichswehrminister Eroener und dem Reichsinnenminister Wirth. Rach einem musikalischen Vortrag ergriff
Geheimrat D. Dr. Wilhelm Kahl das Wort zur Festrede. Er begann mit einer Schilderung der Kaiserproklamation in Versailles. die er selbst miterlebt hatte. Rechtlich fei am 18. Januar 1871 nichts Neues geschehen. Die Verträge, die die deutsche Einheit brachten, waren Ende 1870 bereits fertiggestellt Aber wo bisher das Wort „Präsident und Bund" gestanden hatte, trat nunmehr das Wort Kaiser und Reich". Was durch zwei Menschenalter das deutsche Volk in nationalen Dingen geträumt, gedichtet, gehandelt, worum es gestritten und gelitten hatte, war erfüllt. Seit jenem Tage, fuhr der Redner fort, seien 60 Jahre verganaen. Der „ewige Bund", wie es in der Verfassung des deutschen Kaiserreichs hi-rß habe nur 47 Jahre 10 Monate 8 Tage gedauert. Ein Weltbeben habe die europäische Staatenordnung erschüttert, das Reich ai den Abgrund gerissen und seine Grenzen ringe»
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Den Höhepunkt des Festtages bildete Feier, die die Reichsregierung
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Berlin, 19. Jan. Aus Anlatz der 60. Wiederkehr des Tages der Reichsgründung Sden gestern in Eroß-Berlin zahlreiche ent statt, veranstaltet von der Reichs- reeieruncL den vier Hochschulen und von zahl» reichen Verbänden, Vereinen usw. Die Ee» bLaoe der Reichs-, Staats- und städtischen Behörden und die Kirchen hatten Fahnenschmuck angelegt, ebenso auch viele Prioathäuser. Die Denkmäler Kaiser Wilhelms J. und seiner Paladine Bismarck, Moltke und Roon, waren mit Lorbeerkränzen geschmückt.
vlockengeläute und ein
Gottesdienst im Dom, an dem Reichspräsident v. Hindenburg in Begleitung von Staatssekretär Dr. Meißner und seines Adjutanten, Oberstleutnant v. Hin- «denburg, und ferner Mitglieder der Reichs- «nd der Staatsregierung, der Parlamente sowie viele hohe Offiziere des Heeres und der Marine teilnahmen, leiteten den festlichen Tag ein. Dem Reichspräsidenten wurden bei seiner Ankunft und wieder bei der Abfahrt vor dem Dom lebhafte Huldigungen darge- kacht. In der St. Hedwigs-Basilika wohnte der Gedenkfeier als Vertreter des Reichspräsidenten. Staatssekretär Dr. Pünder bei. Die Feier vollzog sich hier infolge der Krankheit des Bischofs in einem schlichten Rahmen.
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Der Reichspräsident während der Reichsgründungsfeier des Kyffdäuserbundes im Berliner Sportpalast
drückt. Aus der Quelle einer Lüge seien ihm unerträgliche Lasten aufgebunden. Die Reichsgründungsfeier soll keine Jubelfeier werden, sondern eine Feierstunde tiefen Ernstes, heiliger Entschlüsse, eine Atempause auf dem Werdegang deutscher Einheit und Freiheit.
Der Redner gab einen kurzen Ueberblick über die Geschichte seit 1806. In Steins Bekenntnis: „Ich kenne nur ein Vaterland, das heißt Deuttchland" liege der Wurzelboden des deutschen Reichsgedankens. Aber erst nach den Freiheitskriegen habe der Leidensweg und die Probe vaterländischer Geduld begonnen. Der „Deutsche Bund" habe den deutschen Einheitsgedanken in alle Schlupfwinkel verfolgt. Die Sturmjahre 1848 brachten neue Enttäuschung. In den folgenden Jahren war das nationale Dasein noch ärmer als zuvor. Für die Weltpolitik kam Deutschland überhaupt nicht in Betracht. Der Bruderkrieg von 1866 schien Einheit und Reich auf immer zu zerstören. Es war die schwerste Probe und die letzte. In der Stille war einem überragenden Geiste die Lösung der deutschen Frage schon anvertraut, der Reichsgründer schon auserwäblt. Die Schicksalsführung der Weltpolitik habe eingegriffen, eine spanische Thronkandidatur zum Kriege und zur deutschen Waffenbrüderschaft geführt.
Seit dem Tage von Sedan war der Reichsgedanke Gemeingut.
Aber die heutige Feier, sagte Dr. Kahl, solle nicht nur Gedächtnis und Erinnerung sein, sondern habe den tieferen Sinn der Willens- I erneuerung und vaterländischer Entschlüsse im Geiste unserer Geschichte. Die Feier der Reichsgründung könne keinen anderen Sinn haben als den eines Gelöbnisses der Reichserhaltung und keine andere Losung als die: „Haltet das Reich". Auf die Aufgaben der Gegenwatt hinweisend nannte der Redner vor allem die Wiederherstellung der Einheit von Staat und Volk. Der Patteikampf, der Volkskampf gegen „diesen Staat" sei verhängnisvoll. Grundsätzlicher Kampf gegen die Verfassung dürfe niemals Volksparole sein. Die Sorge ums Vaterland müsse den Konflitt lösen, die mit höchstem Pflichtbewußtsein verbundene realpolitische Einsicht, daß die Rettung und Reichserhaltung nur auf dem tatsächlich bestehenden festen Rechtsboden möglich sei. Das schlechthin Notwendige sei der Staat, nicht seine Form, sondern seine Einheit mit dem Volke.
Einen durchdringenden Appell, erklärte Dr. Kahl, möchte er noch an drei seelische Kräfte richten und zwar: Zum ersten mehr Vertrauen. Verloren sei nur das Volk, das sich selbst verloren habe. Der Geist, der die deutsche Geschichte getragen, werde uns auch
nach 1918 und 1919 in die Höhe führen. Zum zweiten mehr Geduld. Die Zeitmaße der Geschichte seien anders als die unseres stürmisch klopfenden und verlangenden Herzens. Die Gerechtigkeit sei, möge dies auch Zweifeln und Widerspruch begegnen, doch auf dem Marsch. Zum dritten doch etwas mehr Dankbarkeit: gegenüber dem Vater des Vaterlandes und den Staatsmännern, die an erster und schwerster Stelle die Verantwortung tragen, seien sie lebend ober tot.
Dr. Kahl schloß seine Rede mit dem Ruf Fichtes zur weltgeschichtlichen Verantwortlichkeit: „Es ist daher kein Ausweg: Wenn ihr versinkt, so versinkt die ganze Menschheit mit, ohne Hoffnung einer einstigen Wiederherstellung", und mit der Verheißung Schenkendorfs: „Nimmer wird das Reich zerstört, wenn ihr einig seid und treu". Dies beides bleibe der dauernde Gewinn unserer Reichsgründungs- feter.
Nachdem das Staatsorchester von der Veet- hovenschen E-Moll-Symphonie den vierten Satz vorgettagen hatte, hielt
Reichskanzler Dr. Brüning
eine Ansprache, in der er u. a. sagte:
Sechzig Jahre sind heute vergangen, seitdem das Reich gegründet und ein Ring um die Stämme Deutschlands geschlungen wurde. Stunden schweren Unglücks waren dem Reich beschieden und Schatten Leides und tiefer Trauer haben sich auf unser Volk gesentt. Aber das vor 60 Jahren geschmiedete Band eint uns noch heute. Das Gut der Reichseinheit ist gerettet. Die Erinnerung an jenen Höhepuntt deutscher Geschichte wird uns die innere Kraft geben, unerschrocken und unerschüttett auf dem Wege des deutschen Wiederaufstieges fortzuschreiten, aus dem uns das Oberhaupt des deutschen Volkes vorangeht. Ihn, unseren hochverehrten Herrn Reichspräsidenten, als Zeugen der Reichsgründung heute unter uns zu sehen, gibt dieser Feierstunde eine besondere Weihe. Wir werden in dem Glauben an eine bessere deutsche Zukunft nicht verzagen und alles bar» an setzen, dem feierlichen Wunsche der Proklamation von 1871 entsprechend auch unsererseits auf dem Gebiete nationaler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung Mehrer des Deutschen Reichs an den Gütern und Gaben des Friedens zu sein.
Nach der Ansprache des Reichskanzlers fand die Feier mit dem Absingen der ersten und dritten Strophe des Deutschlandliedes ihren Abschluß. Nach der Feier schritt der Reichspräsident unter den Klängen des Präsentier- mattoes und lauten Jubelrufen der Menge
inft entblößtem Haupte in Begleitung des Reichswehrministers und mehrerer Offnere die Front der Fahnenkompanie und der präsentierenden Ehrenkompanie ab. Sodann fuhr Reichspräsident von Hindenburg in den Sportpalast, wo der
Deutsche Reichskriegerbund KyffhSufer die Erinnerung an die Reichsgründung durch eine Deutsche Weihestunde beging. . Der Reichspräsident wurde bei seinem Erscheinen von den Tausenden, die den gewaltigen Raum bis auf den letzten Platz füllten, mit brausenden Hurrarufen empfangen. Der erste Präsident des Deutschen Kyffhäuser- bundes, General der Attillerie a. D. von Horn, hielt die Festrede, in der er der ab- ten Veteranen und der Toten des Weltkrie- ges gedachte. Während sich die Fahnen zu Gbren der Gefallenen senkten, spielte die Musik gedämpft „Ich hatt' einen Kameraden".
Rach der Festansprache richtete der Reichspräsident von seinem Platz aus etwa folgende Wotte an die Festversammlung: „Liebe Kameraden! Heute vor 60 Jahren zählte ich zu denen, die dem ersten Kaiser des wiedererstandenen Deutschen Reiches zujubelten. Seitdem haben wir vieles verloren, was uns lieb und teuer war und unserem alten Soldatenherzen auch weiter unvergessen bleiben wird. Eins aber ist uns geblieben: das Vaterland. Ihm wollen wir in seiner Not über alles Patteiwesen hinweg in selbstloser Liebe und Treue dienen und solches Gelübde in dieser Weihe- stunde durch den Ruf bekräftigen: Deutschland Huna!" Nachdem der dreifache Hurra- ruf verhallt war, wurde das Deutschlandlied gesungen. Der große Zapfenstreich mit dem Niederländischen Dankgebet bildete den ein drucksvollen Abschluß der Weihestunde.
Die Feiern im Neich
Auch im Reiche wurde der Gedenktag der Reichsgründung allenthalben festlich begangen.
In München veranstaltete die bayerische Staatsregierung im Festsaat des „Odeon" eine Feier, an der die bayerische Regierung in ihrer Gesamtheit, ferner viele Landtagsabgeordnete, zahlreiche Vertreter der Reichs-, Landes- und Gemeindebehörden, des diplomatischen Korps, der Reichswehr, der Münchener Hochschulen und der Wittschaft teilnahmen. Professor Alerande r von Müller hielt die Festrede. Ministerpräsident Dr. Held brachte in einer kurzen Schlußansprache em Hoch auf den Reichspräsidenten und das deutsche Vaterland aus.
Auf dem Königsplatz fand später ehe Parade der in München gamifonieiten Truppen des Wehrkreises 7 statt.
Die bayerischen vaterländischen Verbände veranstalteten ehe Reichsgründungsfeier im Zirkus Krone.
In Stuttgart versammelte sich die Reichswehrtruppe des Standottes (Stuttgart im Hof des Neuen Schlosses, wo eh Appell mit Parade stattfand, dem die gesamte würüembergische Staatsregierung beiwohnte. Die 41 Fahnen der alten württembergischen Regimenter, die die Truppen mftführten, wurden von der Menge jubelnd begrüßt. Nach der Parade fand unter großer Beteiligung der Bevölkerung h der Stadthalle eine gemeinsame Reichsgründungsfeier der württembergischen Staatsregierung, der Reichsbehörden, der Reichswehr, der Stadt Stuttgart, der Technischen Hochschule Hohenheim statt, bei der Universitätsprofessor Dr. Schönfeld -Tü- bmgen die Gedenkrede hielt.
In Karlsruhe
fand anläßlich der 60. Wiederkehr des Reichsgründungstages eine Feier im Saale der Festhalle statt, an der die Mitglieder der badischen Regierung, die Spitzen der Behörden und etwa 3000 Personen teilnahmen. Prof. Dr. Holl von der Technischen Hoch- schule hielt die Festrede.