Mitas, ten Monnat 1931
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Schon wieder eine Erenzüberfliegung
Ein polnisches Militärflugzeug überfliegt Paulsdorf in Oberschlesien - Zeichen und Nummer sind festgesiellt
Ein großer Erfolg
Italiens Geschwaderflug
Um den Reichsbaushalt
Die D. V, P. gegen Dietrich
Rio de Janeiro. 15. Jan. Die italienischen Transozeanflieger. die heute oormittaft von Bahia zum letzten Etappen- flng «ach Rio de Zaneiro aufgestiegen waren« find nachmittags 4.30 Uhr (Brasilianischer Zeit) über Rio eingetroffen, Sber dem Re »nter dem Jubel der Be- vAkerung in geschloffener Formation ihre Kreise zogen. Eie gingen dan« auf die Bucht von Rio nieder. Damit habe« von den vierzehn Wasserflugzeugen, die am 17. Dezember von dem italienischen Seeflughafen Orbetello zud dem Brasflienflug gestartet waren, elf Flugzeuge die 10 000 Kilometer lange Strecke i« sechs Flugad- schnittea glücklich zurückgelegt.
Havas berichtet aus Rio de Zaneiro über die Ankunft des italienischen Flua- reuggeichwaders im dortigen Haien. Dle letzte Etappe von Bahia nach Rio wurde mit einer Stundenaeschroindigkeit von 192 Kilometern zurückaelegt. Den Flugzeugen waren die Kriegsschiffe vorausgeeilt, die während des Fluges von der Westküste Afrikas nach Natal auf hoher See Spalier gebildet hatten. Sofort nach der Ankunft der Flugzeuae begab stch der brastlianische Marineminister an Bord des Führerilug- zeuges, wo er General B a I b o begrüßte. Die im Haien verankerten Schiffe gaben wie die umliegende Flotte Salutschüsse ab.
Musiolinis Dank
ff. Rom. 16. Jan. Als die Nachricht vom Eintreffen des Balbo-Gefchwaders tn Rio de Zaneiro in Rom bekannt wurde, richtete Mussolini an Balbo ein Telegramm, in dem es u. a. heiht:
„Versammele die Mannschaft und verlies ihr folgenden Tagesbefehl: Mit dem Eintreffen in Rio. der letzten Etappe Eures Fluges, ist Euer großes Unternehmen beendet. Ihr versteht, warum ich Euer Eintreffen am Ziel abaewartet habe, ehe ich Euch Lob für den Flug, der von mir gewollt und von Euch so glänzend durchgekührt wurde, übersandte. So lang nicht alles beendet ist. ist nichts beendet. Meine Gedanken gelten in erster Linie den fünf Kameraden, die in Volama^ gefallen ünb. Italien ehrt Re, als wären ste im Gefecht gefallen. Ihr Opfer hat bewiesen, daß der Ueberseeflug eine Menge von tödlichen Ristken verlangt. Der Flug Italien—Brasilien hat keinen Vorläufer in der Geschichte des Flugwesens. Er har bewiesen, was das italienische Flugwesen im Jahre 9 faschistischer Zeitrechnung hinsichtlich der Menschen und auch der Maschinen ist. Die einzig dastehende Größe des Fluges ist allgemein anerkannt worden, von Königen, von Füreitn, von Staatsoberhäuptern, von den Massen. Die Wellen der Begeisterung über Eueren Flug sind von einem zum anderen Horizont ge- stangen. Zum ersten Male ist die ungeheuere Weite des Ozeans von einem szlugzeuageschwader überwunden worden. Das ist die Tatsache, die in der Geschichte verankert bleibt. Mit dieser Tatsache Rnd Sure Namen unläßlich verknüpft. In Erwartung der noch größeren Probe des Flugwesens im Jahre 10 der Revolution ist Italien stolz auf Euch Ueberseeflieger.
Ihr habt das italienische Flugwesen auf die Tagesordnung der Welt gesetzt und Euch um das Vaterland verdient gemacht."
Mussolini hat ferner an Balbo persönlich ein „kameradschaftlich begeistertes Lob" gerichtet, sowie den Marineminister beauf- targt, den Offizieren und Mannschaften der italienischen Begleitschiffe seine Freude über das ausgezeichnete Zusammenarbeiten zwischen Flotte und Fliegertruppe aus» zudrllcken.
In der Nacht ist das Vefehlsblatt der faschistischen Partei erschienen, das außer dem Tagesbefehl des Duce eine Botschaft des Parteisekretärs an die Ueberseeflieger enthielt: „Zur See und durch den Himmel", heißt es darin „hat das erneuerte Italien den Lateinern Amerikas die Größe und Zuneigung Roms, der gemeinsamen Mutter, überbracht.
Wann ist
Der Haushaltsausschuß des Reichstages fetzte am Donnerstag die allgemeine Aussprache über den Haushaltsplan für 1931 und über die Erklärung fort, die Reichsfinanzminister Dr. Dietrich gestern im Ausschuß abgegeben hat. Zunächst sprach als Vertreter der Deutschen Volkspartei
Ab«. Cremer, der die volksparteiliche Forderung auf Einsparung weiterer 3 0 0 Millionen im Haushalt begründete und erklärte, daß die Erfüllung dieser Forderung von entscheidender Bedeutung für die weitere Haltung der Deutschen Volkspartei sei. Im einzelnen führte Dr. Cremer aus, eine Schilderung der Finanzlage könne nicht an den außenpolitischen Forderungen vorbeigehen, die eine große Mehrheit des deutschen Volkes erhebe.
genug?
ff. Breslau, 16. Jan. Gestern nachmittag Hai wieder ein polnischer Militärflieger die deutsch-polnische Grenze überflogen. Er kam aus der Richtung Kreuzburg und überflog den Ort Paulsdorf und verschwand dann in der Rich- tung Kostellitz. Das Flugzeug ist von mehreren Personen, u. a. von einem Landjäger durch das Fernglas einwandfrei als polnisches Mili- tärflugzeng erfannt worden. Zeichen und Rumme, find festgestrllt. Cs flog schätzungsweise in 400 Meter Höhe.
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Die letzten Erenzüberfliegungen durch polnische Flieger, deren Ursache im Augenblick noch nicht völlig aufgeklärt ist, vervollständigen eine lange Liste von ähnlichen Vorkommnissen, die stch seit 1924 ständig in steigendem Maße ereignet haben. Es existiert sogar darüber eine Statistik, die mehr als 40 Grenzverletzungen feststellt. Es handelt stch teilweise um polnische Eeschwaderflüge, andernteils um mehrere polnische Flugzeuge, die über deutschem Gebiet gesichtet wurden. Mit der Zunahme der politischen Spannung zwischen Polen und Deutschland steigern stch auch diese lleberfliegungen deutschen Gebietes, denn 1924 wurde nur ein Fall einer solchen Grenzverletzung beobachtet, während 1925 und 1926 überhaupt keine polnischen Flüge über deutschem Gebiet stattgefunden haben. 1927 wurden drei Fälle bekannt, und im darauffolgenden Jahre bemerkte man auch nur zwei polnische Flugzeuge in Deutschland. Dann setzten aber plötzlich die Grenzverletzungen in erhöhtem Maße ein und schon 1929 sind 15 Fälle von Erenzüberfliegungen zu verzeichnen, während das vergangene Jahr nahezu 20 Geschwader- oder Einzelflüge von polnischen Fliegern innerhalb der deutschen Grenzen brachte. Das erste Flugzeug des Jahres 1930 tauchte am 12. Januar bei Marienwerder auf, im Mai erfolgten vier polnische Grenzverletzungen, im Juli wurden sogar sechs Flugzeuge beobachtet. Im September wurde in der Lauenburg e r Gegend eine polnische Maschine gestchtet und Ende des gleichen Monats überflogen zwei Flugzeuae die Grenze ;m Weichselgebiet. Noch im Oktober
wurde dann ein Flugzeug in der Gegend von Marienwerder beobachtet. Auf die deutschen Proteste, die im Sommer des vergangenen Jahres gegen diese fortgesetzten Grenzverletzungen erhoben wurden, bat die polnische Regierung zwar scharfe Maßnahmen in Aussicht gestellt, der Fall bei Oppeln hat jedoch wenig vor einer Wirkung dieser Maßnahmen bemerken lassen. 'Ist das Maß noch nicht voll?
Auftakt zur Europakonferenz
Genf. 15. Ian. Am Freitag vormittag um 11 Uhr beginnt die europäische Konferenz, die sich auf der letzten Völkerbundsversammlung in Gestalt eines „Studienkomitees für die europäische Union" konstituiert hat. Die Verhandlungen leitet der französische Außenminister Briand. Es nehmen daran die 27 europäischen Staaten, die dem Völkerbünde angehören, teil: Rußland und Türkei sind nicht eingeladen; über ihre Teilnahme an den weiteren Arbeiten des Komitees wird vielleicht die jetzige Konferenz einen Beschluß fassen. Die überwiegende Mehrzabl der teilnehmenden Staaten hat ihre Außenminister entsandt.
Die Konferenz beginnt mit einer vertraulichen Sitzung, in der das Programm der Tagung erörtert wird. Zn der dann folgenden öffentlichen Sitzung wird der Präsident der Wirtschaftskonferenz, die im November in Genf tagte, Colijns-Holland, einen Bericht über die Arbeiten dieser Konferenz erstatten. An diesem Bericht wird sich eine allgemeine Aussprache anschließen. Es ist weiter vorgesehen ein Bericht des Vorsitzenden des Finanzkomi- tees, Suvich-Jtalien. Hauptaufgabe der jetzigen Tagung ist die Festsetzung eines Arbeitsprogramms.
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Wie den Blättern zufolge verlautet, soll im Rahmen des diplomatischen Revirements, das voraussichtlich nach der Rückkehr des Reichsaußenministers Dr. Cur- tius von Genf stattfinden wird, auch ein Wechsel bei der deutschen Gesandtschaft in Wien vorgenommen werden, und zwar soll der bisherige Botschaftsrat in Paris, Rieth, zum Gesandten in Wien ernannt werden. Der jetzige Gesandte Graf Lerchenfeld werde die deutsche Vertretung in Luxemburg voraussichtlich übernehmen.
Em so schweres Vorhaben wie die Revision der Reparationsverpflichtungen mache es notwendig, daß die psychologischen und materiellen Voraussetzungen erfüllt werden, nämlich die Ordnung der Reichsfinanzen und die Behebung der Wirtschafts- und Arbeitsmarktkrise.
Der Minister habe nicht die Bedenken $n zerstreuen vermocht, daß man in Zukunft durch SteuerausfSlle vor neue Entscheidungen gestellt werde.
Wenn man eine Verminderung der öffentlichen Lasten anstrebe, dann könne man an der Finanzgebarunq der Länder und Gemeinden nicht vorbeigehen. Es müsse Befremden erregen, wenn trotz der Kürzung der Bezüge der Beamten und Angestellten des Reiches viele führende Männer in der Ee- meindewirtlchaft Gehälter beziehen, die weit die Reichsbeamtengehälter übersteigen. Das gelte namentlich für die Oberbürgermeister der rheinischen Städte. So schnell wie möglich müßten auch die Reformen zum Abschluß gebracht werden, um die Sozialver- stcherungen auf versicherungstechnische Grundlagen zu stellen. Die Dezembereinnabmm des Reiches Zwingen zu dem Schluß, daß die schädlichen Einflüsse des Wirtschaftsverfalls auf die Reichsfinanzen nicht nur für den Rest des Etatsiahres. sondern auch für das Sabr 1931 nicht genügend berücksichtigt sind. Es ist die Aufgabe des Reichsfinanzministers, die hierdurch entstandene Lücke anszuiüllen und zwar nach seiner eigenen Erklärung nicht durch Besoldungskürzung oder neue Steuern, sondern
nur auf dem Wege weiterer energischer Ausgabenkürzung.
Die Parteien und der Haushaltsausschuß haben die Aufgabe der Prüfung, nicht des Vorschlages solcher Maßregeln. Die Deutsche Volksvartei macht von der Vorlegung eines entsprechenden Programms vor der Beratung des Etats im Plenum des Reichstages ihre Mitarbeit am Etat abhängig.
Abg. Dr. Köhler iZtr.) sprach der Finanzverwaltung seine Anerkennung für die Abwicklung des so ungeheuer schwierigen Etats für 1930 aus. Manche der für die Gemeinden bestellten Staatskommissare hätten sich leider keineswegs auch als Sparkom- missare erwiesen. Materiell ist im Etat 1931 manches Begrüßenswerte geleistet worden. Trotz aller Abstriche scheint es aber durchaus nicht so, als sei der Etat ein „Armeleute- Etat". Vielmehr kommt man zu dem Eindruck, als sei es einigen Ressorts doch gelungen, gewisse Aufwendungen aufrecht zu erhalten. die durch die Rot der Zeit nicht m allen Fällen gerechtfertigt sind. Steuerer- Höhungen dürfen selbstverständlich nicht mehr vorgenommen werden, ebenso sind weitere Abstriche an den Äeamtengehältern nicht möglich und politisch erträglich. Dor der Inangriffnahme einer allgemeinen Subventionspolitik muß dringend g e - warnt werden. Die Gemeinden müßten ihre Besoldungspolitik überall den Grundlagen der Reichsregierung angleichen.
Abg. Dr. Schlittenbauer (Bayr. Vpt.) betonte, daß das Reich niemals finanziell gesunden werde, solange es für die Länder und Gemeinden den Finanzoor - mund spielen wolle. Die beste Lösung wäre die Einführung des Zuschlagsrechtes zur Einkommensteuer für die Gemeinden. Ferner sollte man den Ländern eine Standardsteuer zu eigener Verwaltung überlassen.
Daraufhin nahm erneut
Reichsfincmrminister Dietrich
das Wort. Er wies darauf hin, welche Sorgen in der Etatsgebarung jetzt auch das reiche Nordamerika habe, wo man zum ersten Male die Revarationszahlung zur Balanzie- rung des Etats verwenden mußte. Trotzdem habe sich noch ein Defizit ergeben. Auch England und Italien hätten mit Etats-