Gegen den polnischen Terror
Nur Heuchelei und Lüge
Eine mißglückte Aktion
10 Jahre Zuchthaus
Sie bestreiten alles
Marburg« ragrsaWtser
SelMe Lan-eszeitma
Rr.rv ßß.Mrg. Marburg a.Lahn
Polen spricht sein Bedauern aus.
Berlin, 12. Jan. Die polnische Regierung hat durch ihre hiesige Eesandschaft wegen lleberfliegung deutschen Gebietes durch polnische Militärflieger ihr Bedauern ausgesprochen.
Ein polnischer Flieger stark belastet.
Zynski aus Szersk im Weich,elkorridor im Zusammenhang mit dem Erenzzwischenfall in Neuhöfen vom 24. Mai vorigen Jahres folgendes Urteil: Der Angeklagte wird wegen fortgesetzter versuchter Ausspähung militärischer Eeheimnisse nach § 3 des Spionagegesetzes unb § 43 des Strafgesetzbuches, versuchter Tötung im Sinne des § 214 StrEV. und wegen Patz- und Waffenvergehens zu einer Gesamt- zuchthausstrafe von zehn Jahren verurteilt. Dem Angeklagten werden 7 Monate der erlittenen Untersuchungshaft angerechnet. Die beschlagnahmten Waffen und Munition
Hinsichtlich der beiden hauptsächlichsten Beschuldigungen. nämlich des fortgesetzten Versuches der Erspähung militärischer Geheimnisse und des Versuchs des Totschlags hat der Senat den Schuldbeweis für vollständig geführt erachtet. Es ist dabei auf deutschem Boden zu einer Betätigung gekommen, und zwar jedenfalls am 24. Mai 1930, als der Angeklagte den Versuch machte, einige im militärischen Interesse geheimzuhaltende Gasmasken sich zu verschaffen und nach Polen zu bringen.
Zu der Frage desversuchtenVerbre- chens des Totschlags ist der Senat in allen wesentlichen Punkten der Darstellung des Zeugen Sender gefolgt. Danach ist festgestellt, daß der Angeklagte mehrfach auf Sender geschossen hat. In Bezug auf das Strafmaß hat der Senat dem Angeklagten keine mildernden Umstände 'ubilligen können.
Leipzig, 12. Jan. Der vierte Strafsenat des Reichsgerichts verkündete am Montag mit-
Brandstiftungen in den Zuckerplantagen auf Kuba.
st. Newyork, 13. Jan. Wie aus Havanna berichtet wird, haben die Brandstiftungen in den Zuckerplantagen in den letzten Tagen einen derartig beängstigenden Umfang angenommen, daß die kubanische Regierung beschlossen hat, sämtliche Heeres- und Marinestreitkräfte, den politischen Geheimdienst und die Kriminalpolizei zum Kampfe gegen die Brandstifter heranzuzieben
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Ziel 5 Tage.
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werden eingezogen.
Zur B e g r L n d u n g des Urteils führte der Vorsitzende Reichsgerichtsrat Schmitz u. a. aus:
SWtag, een 13.8mumr 1931
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3um Schluß gibt die polnische Regierung dem Völkerbundsrat die A n o rd nu ng en der Lokal- und Zentralbehörden bekannt, die im Zusammenhang mit den Zwischenfällen in Oberschlesien verfügt worden seren. Die polnische Rote, so heißt es end- llch, stützt sich auf ein umfangreiches Be- wersmaterial, das in zehn Anhängen zusammengefaßt ist.
..Der zweite Teil der Rote geht auf die Vorwurfe wegen des Wahlterrors !nJ^.erschlesien ein. Es wird versucht, diese Vorwürfe an Hand von Material zu widerlegen. Die tiefere Ursache einer gewissen Erregung der Geister in Oberschlesien während der Wahlzeit sei m der Reaktion zu suchen, die in der polnischen öffentlichen Meinung durch den Terror gegen die durch keine Minderheiten- vertrage geschützten polnischen Minder- heiten in Deutschland und durch die po- littsche Aktion Deutschlands gegen den Pol- mschen Staat als Ganzes ausgelöst worden sei. Dies habe in der polnischen Oef- fentlidtfeit Anruhe hervorgerufen und die
Minderheiten gehindert, dem polnischen Staat gegenüber ein loyales Der-
E- hat sich der Deutsche Volksbund veranlaßt gesehen, eine Beschwerde an den Völkerbundsrat mit dem Ersuchen zu richten,
feftzuftrklen, daß die Artikel 75 und 83 der Genfer Konvention verletzt worden sind.
unb ferner zu beschließen, daß die polnische Regierung geeignete Maßnahmen treffen möge, wn der deutschen Bevölkerung zu zeigen, daß die Wiederholung derartiger Vor- kommnisie ausgeschlossen ist. Ebenso soll ge- prufr werden, ob die dem Aufständischenver- band eingeraumte Sonderstellung weiter aufrecht erhalten werden kann.
Das Urteil im Eolassowitzer Prozeß.
Rybnick, 12. Jan. Im Eolassowitzer Prozeß verkündigte unter allgemeiner großer Spannung der Vorsitzende folgendes Urteil:
Siebe« vo« de« acht Angeklagte« werden nach § 227 Absatz 1 des Strafgesetz, buche« für schuldig befunden. Es werden verurteilt die Angeklagten Kubla und W a t«t zu je ly2 Jahren Gefängnis. Der Angeklagte Swierze zu 1 Jahr Gefängnis, die Angeklagte« Waclawik, Otto
V daraufhin die Zusicherung gegeben hat, 8 d,e schuldigen Beamten disziplinarisch yaft und gegen die Täter ein Strafver- * £ .eitet werden wird. Bisher sind Er larung der Regierung gegen 17 wnte Disziplinarverfahren einge« ft und gegen Zivilpersonen Strafverfahren worden. Da sich die Regierung
At entschließen konnte, die Verletzung i vi^u wum qeg ©enfet Konvention anzuerken- • hällnis zu finden.
। Heber 100 Terrorakte
L^attp 12. 3an. Die vom Deut- sch en Volksbund an den Völkerbund lerichtete Beschwerde weist über 100 Terrorakte gegen die deutsche Minderheit auf, he besonders in den Monaten Ottober unb November verübt worden sind und die durch ausführliche Protokolle, die allein 50 Quartetten umfassen, belegt werden.
An den Ausschreitungen haben sich nach i der Beschwerdeschrift nicht nm die Auf- s ständischen beteiligt, sondern auch zahl- . reiche Beamte.
^.Terrorakte setzten nach der bekannten vahlrede des Ministers Treoiranus, sigeii die in ganz Polen eine Reihe von Protestkundgebungen veranstaltet worden warn, em und steigerten sich in Ostoberschlesien pnz besonders nach der „Antideutschen r^we , die vom Aufständischenverband ver- esialtet wurde. Nachdem die Vertreter der machen Minderheit beim Wojewoden ver- kolich wegen des Schutzes der deutschen iinderheitsangehörigen vorstellig geworden bren. wandten sie sich am 1. November tele- Fßpni'-a). an den Innenminister, und als die- i F,Stritt ebenfalls erfolglos blieb, an den Tanoenten der Gemischten Kommission für peri^Ieften, Salon her.
i3n einem besonderen Abschnitt der Ve- werdeschrift wird der Wahlverlauf und die tab, gegen die in allen drei schlesischen knlkreiien von der Deutschen Wahlgemein- PN Einspruch erhoben wurde, behandelt. Das Ergebnis der Untersuchung sämt- »cher Terrorakte hat Cakonder der pol- I bischen Regierung zur Stellungnahme
überreicht.
3m dritten Teil wird der Versuch gemacht, Beweise zu erbringen, daß die Vor- falle während der Wahlzeit in Oberschle- sten den Rahmen von Wahlzwischenfällen nicht überschritten hätten. Diese Zwischenfälle könnten nicht mit Wahlzusammenstößen in anderen Ländern, bei»
Die polnische Presse veröffentlicht heute den Inhall der polnischen Antwort- " " t e auf die deutsche Beschwerdenote an den Vvllerbund. Die polnische Rote besteht danach aus vier Tellen. Im ersten Teil wird nachzuweisen versucht, daß die Aktton der Reichsregierung den in Minderheitenfragen zugelassenen Raum über- schritten habe, und daß die deutsche Rote den Charakter einer unmittelbaren politischen Aktton trage. Das Verhalten der Reichsregierung habe die leidenschaftliche Champagne der deutschen Presse und öffentlichen Meinung, die sich auf erdichtete und übertriebene Tatsachen stütze, verstärkt.
। Zymik unb Kurt Tymik zu je 6 Monate« Gefängnis. Der Angeklagte Brezek wird freigesprochen. Die Untersuchungs, haft wird sämtlichen Verurteilte« in voller Höhe angerechnet. Auch i« der U t« teilsbegründung ging der Bor- sitzende mit keinem Wort auf polt, tische Momente ein.
Der letzte Verhandlungstag brachte noch em unerwartete Sensation. Auf Verlangen der Verteidiger befragte das Gericht die Angeklagten nach ihrer Rationalität. Unter allgemeiner Bewegung int Zuhörerraum bekannten sich drei der acht Angeklagten, darunter auch der Hauptbeschuldigte Kubla, zur polnischen Nationalität. Damit ist also der polnische Versuch, den bedauerlichen Eolassowitzer Raufhandel politisch gegen die deutsche Minderheit auszuschlachten, vollkommen zusammengebrochen. In der Anklageschrift wird ausdrücklich gesagt, daß die Beweggründe des lleberfalls auf Snapka nur in der politischen Agitation, in dem Gegensatz der Rationalitäten und in dem Haß der Mitglieder der nationalen Minderheit gegen den polnischen Staat zu suchen sein. Diese Beschuldigung, die in der polnischen Presse noch in bedeutend verstärktem Maße wiederholt wurde, hat sich nun als völlig haltlos erwiesen.
Berliner Blätter über das Urteil.
Bier britische Militärflieger tödlich verunglückt.
sk- London, 13. Jan. Bei Flugzeug- unfallen fanden gestern vier Mitglieder der britischen Luststreitkräfte den Tod In der Rahe von Misson (Grafschaft Nottingham) rannte ein Bombenflugzeug, das eine Notlan- oung vornehmen mußte, in einen Graben Akug um und wurde zertrümmert. Die drei' Insassen, zwei Offiziere und ein Seroeant tonnten natb mehrstündiger Arbeit nur" noch ichen geborgen werden. In der Graf- schaft Essex stießen bei einem Eeschwaderflua oon Einsitzern zwei Flugzeuge zulammen, das eine stürzte in die Tiefe. Der Insasse, ein Offi- Jter, war sofort tot. 3m ganzen sind hiermit !7^uen Jahre bisher 7 Mitglieder der btt. tischen Luftstreltkrafte tödlich verunglückt.
varmso« stehe, den Tatsachen entsprechen. I ta8 tn bem Spionageprozeß gegen den polni- vtan vermutet vielmehr, daß Wolf in Erenzwachtkommissar Adam Biedr- ^attowitz bei den dortigen Fliegern sarnisoniert ist. Weiterhin steht fest, daß Dolf unmittelbar nach seiner Festnahme mich den wachthabenden Reichswehr- ibergefteiten an diesen die Frage richtete: Ist Reichskanzler Brüning heute in Dppeln?“ Diese Frage läßt klar erkennen, aß der polnische Flieger genau wußte, daß r sich über Oppeln und nicht, wie er spä- er angab, über Thorn befand Die an- eren Angaben, daß er die Oder mit der veichsel verwechselt habe, werden damit uch unwahrscheinlich.
öbechessssche Zeitung
Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
Arr-eiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg
«das Ergebnis der bisherigen Untersuchung über die Landung der beiden polnischen Militärflieger in Oppeln sind, dem „Lokal- Anzeiger" zufolge, soweit bis jetzt feft- steht, die Polen schwer belastet. Die Untersuchungskommission die aus Offizieren der zweiten Kavalleriedivision besteht, hat im Gegensatz zu den Angaben des polnischen Zsliegerpiloten Wolf einwandfrei sestge- tellt, daß der K o m p a ß in dem Führerlugzeug vollkommen intakt war. Inzwischen sind auch Zweifel darüber aufgetaucht, ob die Angaben des polnischen «liegers Wolf, daß er in Krakau tn Garnison stehe, den
,Teil der Berliner Morgenblätter be- «chafttgt sich in Kommentaren mit dem Urteil des Rybniker Gerichtes gegen die Eolasso- witzer Einwohner. Der „Lokalanzei. ger schreibt: Als sich herausstellte, daß von den acht Angeklagten nicht weniger als sieben | p o In i sch er Rationalität waren und sich damit die Basis der mit so großem Tamtam vorbereiteten Anklage völlig verschob schwenkten Anklage und Prozeßleitung schleu- nigft um und erkannten auf Gefängnisstrafen, die im Verhältnis zu dem Anklageaufgebot fast geringfügig erscheinen wollen. Aber Polen hat ia auch olle Ursache, sich nach dem Fliegerskan- dal von Oppeln eine bessere Einführung für b« Genfer Ratstagung zu sichern. — Die ..Germania" betont, daß wieder eine Aktion gegen die deutsche Minderheit zusammengebrochen sei. Als wichtigstes Ergebnis dieses Pro- zesses musse die Tatsache herausgestellt werden daß die Behauptung der Anklageschrift, es habe sich um eine wohlvorbereitete Handlung mit staatsfeindlicher Tendenz gehandelt, die auf eine „gesteigerte Aktion des deutschen Minder- _____________________ W1HVC.,U , heitenelementes" und auf die Abneigung ge- spielsweise in Deutschland, verglichen wer- ?eTUburiübhTn Pn°Inl,Wenm€ta-at Surückzuführen
d>- E-HItz-ng der politischen Sei- M? L"
^5fan9 angenommen also dieser Prozeß nich? dienen, geschweige denn P^^ern an Toten und etwa gegen die deutsche Minderheit ^ausge- Derwundeten nach sich gezogen habe. | schlachtet werden können. — Auch der B ö r.
s e n k u r i e r" unterstreicht, daß der als großer Schlag gegen die deutsche Minderheit gedachte prozeg zu ammengebrochen sei. Der Fall Eo- lassowitz sei eine Angelegenheit von Polen unter Polen geworden. Die deutsche Minderheit wußte ausgeschaltet werden.