Wonlag, m iLSlmuarMl
Me »Oberhessisch« Seihmg* et- sechsmal wichentlich. Be- «ngSpreiS monatlich 2.20®9R.«u<* MIeßl. ZusiellungSgebühr, durch Post 2.45 GM. Für etwa durch At«ik, Maschinendefekl »der ele- ^rntare Ereignisse ausfallend« Kummern wird kein Ersatz geleistet- Verlag, Dr. §. Hitzeroth, V^<k der Untv-Duchdruckerei q-h. Aug. Koch, Markt 21/23. Aernshrrcher: Rr. 54 und Sir. 55. «»stscheckkontoi Amt Frankfurt «. W. Rr. 5015. — Sprechzeit jtt Redaktion von 10—11 «*6
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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Der Schiedsspruch gefällt und abgelehnt
Sämtliche tarifbeteiligten Vergarbeiterverbände haben am Sonntag den neuen Schiedsspruch abgelehnt
6 Prozent Lohnkürzung
Amerikanische Sorgen
Sonnabend mittag 13.45 Uhr fällte der Schlichter für Westfalen. Professor Dr. vr-h«, den S^iedsspruch für den Ruhr- kohlenbergvan.
Der Schiedsspruch sieht eine Lohnkürzung von 6 Prozent vor.
Der Schiedsspruch besagt:
L Der Vertrag vom 4. September 1930 wird vom 1. Zanuar 1931 ab wieder in Kraft gesetzt mit der Mahgabe, daß sich sämtlich« Löhne um 6 Prozent er« mäßigen.
2. Die zum 15. Zanuar 1931 zum Zwecke der Vertragsänderung ausgesprochenen Kündigungen gelten als zurückgenommen.
3. Dieser Vertrag gllt bis zum 30. Zuni 1931 und läuft bei sechswöchiger Kündigungsfrist je ein halbes Zahr länger.
Zn der gestrigen großen Revierkonferenz der Funktionäre des Bergbau-Jndu- ftriearbeiterverbandes (Alter Bergarbeiterverband) ergab die am Schluß der Konferenz vorgenommene Abstimmung, daß die anwesenden Delegierten einstimmig den Schiedsspruch ablehnten. In der »orangegangenen Aussprache wurde betont, daß durch den Schiedsspruch das Maß des Erträglichen weit überschritten worden sei. Nachdem die Erbitterung unter den Bergarbeitern einen ungemein starken Grad erreicht habe, sei es den organisierten Bergarbeitern außerordentlich schwer, das Lohndiktat kampflos hin- zunehmen. Wenn sich die Bergarbeitervertreter in der heutigen Konferenz trotzdem für die Hinausschiebung des Kampfes schweren Herzens entschließen würden, dann geschehe das nur in der Hoffnung, daß recht bald der Zeitpunkt zum Los- lchlagen günstiger als jetzt sei.
In einer gestern in Essen tagenden außerordentlichen Generalversammlung des Eewerk-Vereins Christlicher Bergarbeiter Deutschlands, die zu dem Lohnkampf im Ruhrbergbau Stellung Mrhm, und zu der die Vertreter aus dem Ruhrgebiet vollzählig erschienen waren, wurde nach Berichterstattung über die Verhandlungen und den Schiedsspruch sowie einer ausgedehnten Aussprache eine Entschließung gefaßt, in der es u. a. heißt:
Die Bergarbeiter und ihre Familien im Ruhrgebiet befinden sich in einer äußerst drückenden Notlage.
Bon 383 000 Ruhrbergleuten wurde«
n« letzte« Zähre fast 100 000 ent-
lasten.
Außerdem find im Zahle 1930 über 9,5 Millionen Feierschichten infolge «bsatzmangel eingelegt worden. Dadurch wurde das Einkommen der Bergarbeiter «edeutend vermindert. Der Schiedsspruch simmt den Bergleuten trotz der bisherigen -Mfer weitere sechs Prozent vom Tarifen. Die wirtschaftliche Lage des Ruhr- Bergbaues rechtfertigt den Schiedsspruch mcht. Sie ist bedeurend bester als sie vom r^enverband dargestellt wird. Die Lohn- msten je Tonnen sind gefallen.
Durch die Senkung der Selbstkosten ist die ab IDr^mber 1930 eiage- ireteirr Kohlenpreissenkung um durch- sthnittllch eine Reichsmark mehr als ausgeglichen.
Die Behauptung der Zechenverwaltung, daß es dem Ruhrbergbau finanziell schlecht geht und er mit Zuschüssen arbeite, kann deshalb nicht stimmen. Die außerordentliche Generalversammlung lehnt darum den Schiedsspruch mit aller Entschiedenheit ab. Um für die Zukunft Klarheit über die Lage des Bergbaues zu schaffen und Meinungsverschiedenheiten zu vermeiden, fordert die Generalversammlung die Einführung einer unparteiischen Instanz zur ständigen Prüfung der Rentabilität des Bergbaues, wie sie in England besteht
Die Konferenz der Vertrauensmänner des Hirsch-Dunckerschen Verbandes (Abteilung Bergarbeiter) hat den Schiedsspruch gleichfalls einstimmig abgelehnt.
fk. N e w y o r k, 12. Zan. Im Jahresbericht der Chase National-Bank, der größten Bank der Welt, gibt Albert H. W i g g i n s, der Vorsitzende ihres Eoverning Board, eine aufsehenerregende Erklärung über die Revidierung der interalliierten Schulden, über die amerikanische Zollpolitik und die amerikanische Wirtschaftslage ab. Wie Mister Wiggins ausführt, wird
die Frage der Streichung oder Herabsetzung der interalliierten Schulden im steigenden Matze in der ganzen Welt erörtert
und die Wichtigkeit dieses Problems übersteigt bei weitem die Bedeutung der Dollarbeträge dieser Schuld. Ohne auf die
Neue Streikhetze
Gründung eines „Roten Bergarbeiter-Verbandes"
Von der kommunistischen Streilleitung der Ruhrbergarbeiter war für gestern die Dritte Schachtdelegiertenkonferenz einberufen worden mit dem Ziele, Stellung zu den Schlichtungsverhandlungen und der Streillage sowie zur Gründung eines Roten Einheitsverbandes der Bergarbeiter Deutschlands zu nehmen. Die Tagung dauerte etwa sechseinhalb Stunden. Vertreten waren 134 Schachtanlagen mit 1268 Delegierten. Zunächst nahm man allgemein Stellung gegen den Schiedsspruch und den von ihm festgesetzten 6prozentigen Lohnabbau und forderte zur Fortführung des Streikes am Montag auf.
Dann beschloh die Konferenz einstimmig die Gründung des Einheitsverbandes der Bergarbetter Deutschlands.
Die Redner wandten sich scharf gegen die Gewerkschaften und ihre Führer H u s e m a n n und 2 m b u s ch, denen man Verrat vorwarf. Als Zweck des neuen Verbandes wurde angegeben die Herstellung einer großen Einheitsfront der Bergarbeiter auf der Grundlage des
revolutionären Klassenkampfes, Führung erfolgreicher Kämpfe um bessere Löhne und Arbeitsbedingungen für die Bergarbeiter, ferner Kampf bis zur Vernichtung des kapitalistischen Systems und zur Auflösung der jetzigen Bergarbeitergewerkschaften. Die neue Streikwelle solle der Auftakt sein zu einer großen Offensive für die Siebenstundenschicht, die Einbeziehung der Gemaßregelten und Erwerbslosen in den Produktionsprozeß und gegen jede Lohnsenkung. Beschlossen wurde der Beitritt zur Roten Hilfe für Unterstützung bei Streiks und Aussperrungen. An die oberschlesischen Bergarbeiter wurde ein Begrüßungstelearamm gerichtet, ebenso eine telegraphische Mitteilung über Den Beschluß eines neuen Streiks und die Gründung des Einheitsverbandes an die Sowjetregierung in Moskau. Der neue Verband erstrebt Den Anschluß an die Rote Eewerkschaftsinter- nationale.
An die Tagung schloß sich eine Demonstration in Duisburg und eine zweite in Ruhrort, die beide ohne Zwischenfälle verliefen.
Nur keine Abrüstung!
fk. Paris, 12. Jan. Zum Zusammenhang mit der allgemeinen Abrüstungskonferenz gab eine hochstehende französische Persönlichkeit, die den Arbeiten des Vorbereitenden Ausschusses von Anfang an beigewohnt hat (gemeint ist sicherlich M a s s i g l i) den Vertretern der Pariser Blätter eine Erklärung ab.
lieber bett Zeitpunkt des Zusammentritts der Konferenz erklärte er, datz vor
dem Frühjahr 1932 kaum damit z« rechnen sei,
denn jeder Staat müsse Zeit haben, die außerordentlichen Verhandlungen vorzubereiten. Der Verhandlungsort liege noch nicht fest. Genf werde auf alle Fälle zu klein sein, eine Abordnung in einer Gesamtstärke von rund 2000 Köpfen aufnehmen zu können. Man habe an Lausanne und Brüssel gedacht. Bisher habe aber nur Wien das ehemalige kaiserliche Schloß zur Verfügung gestellt. Es sei jedoch auch nicht unmöglich, datz man sich auf Paris, Berlin oder London einigen würde. Was dem französischen Standpunkt in der Abrüstungsfrage angehe, so könne schon jetzt
gesagt werden, daß Frankreich und Belgien nicht erst die Abrüstungskonferenz abgewartet hätten, um ihre Heeresstärken im höchsten Ausmaß herabzusetzen (??).
Für Frankreich könne es keine neuen Sicherheits-Garantien geben, die es verpflichten, sein Heer auch nur um einen einzigen Mann zu verringern.
Deutschland und die anderen Mächte wüßten dies wohl. In der allgemeinen Abrüstungskonferenz werde es auch weniger auf die Abrüstung wie auf eine Abänderung der Verträge ankommen.
Der Eesandtenp osten in Warschau.
Berlin, 11. Ian. Wie eine Berliner Korrespondenz meldet, steht die Ernennung des Vortragenden Legationsrats von Moltke, des jetzigen Dirigenten der Ostabteilung des Auswärtigen Amtes, zum deutschen Gesandten in Warschau bevor. Eine endgültige Entscheidung ist allerdings noch nicht getroffen. Als Nachfolger von Moltkes wird der jetzige Generalkonsul in Leningrad, Erich Zechlin, der Bruder des Reichspressechess, genannt«
vielen Gründe und Eegengründe auf beiden Seiten oder auf die Frage der Großzügigkeit der Schuldenstreichung einzugehen, so erklärt er ausdrücklich, bin ich fest überzeugt, daß es ein gutes Geschäft für unsere Regierung wäre, im jetzigen Zeitpunkt Schritte für eine Herabsetzung dieser Schulden einzuleiten. Unter den das Wirtschaftsleben beeinflussenden ungünstigen Faktoren ist der gefährlichste das Unvermögen der fremden Länder, genügend Dollarbeträge zu bezahlen, um uns sowohl ihre Schuldenverzinsung und Rückzahlung als auch in ausreichendem Maße unsere Ausfuhr bezahlen zu können. Von Mitte 1924 bis 1929 schoben wir die Auswirkung der ungünstigen Einflüsse unserer hohen Zölle auf unseren Export hinaus, indem wir in größerem Umfang ausländische Anleih en kauften. Die Folge davon war, daß die Zinsen und Amortisationslasten der fremden Länder von Jahr zu Jahr gestiegen sind, und unser Markt für Ausländsanleihen in Unordnung geriet.
Wir stehen daher heute vor der Wahl, entweder die Zölle herabzusetzen ober unsere stark zusammengeschrumpfte Ausfuhr wieder aufzubauen.
Hinsichtlich der Aussichten für eine Konjunkturbelebung erklärte Miller Wiggins, daß nach seiner Ansicht, der Tiefstand der Depression etwa erreicht »ei und die nächste große Bewegung zu einer Belebung führen werde. ,.Jch erwarte, daß die Wirtschaftslage zu Ende 1931 erheblich besser als zu Ende 1930 sein wird. Ich weiß zwar nicht, ob wir niedrigere Börsenkurse haben werden oder nicht, ich weiß aber, daß viele Aktien und Anleihen jetzt niedriger als in normalen Zeiten stehen und zu Kursen bewertet werden, die für die Käufer einen Anreiz bieten sollen.
Zur Lohnfrage erklärte Wiggins, es sei unrichtig, daß hohe Löhne geeignet seien, eine günstige Konjunktur herbeizuführen: vielmehr könne umgekehrt
auch eine günstige Konjunktur die Hebung des Lohn-Niveaus begründen.
Würden die Löhne höher gestellt als es die Wirtschaftslage rechtkertige, ginge der Bevölkerungsstand und die Kaufkraft der Arbeiter Amerikas zurück. Die Geschäftswelt habe während des letzten Jahres guten Willen gezeigt, mit den Arbeitern hierüber zu verhandeln und in vielen Industriezweigen dürften sie von den Arbeitnehmern vernünftiger Weise die Annahme einer mäßigen Lohnherabsetzung erlangen, damit die Produktionskosten vermindert und der Bevölkerungsstand und die Kaufkraft der Arbeiter erhöht werden könnten. Die Beschränkung der Einwanderung zusammen mit einem verhältnismäßigem Kapitalüberfluß und den natürlichen Hilfsquellen sei ein genügender Schutz für das amerikanische Lohnniveau.
Untergang eines der italienischen Südamerika- Flugzeug«. — Die Mannschaft gerettet.
Rio de Janeiro, 10. 3an. Nach einem Radiogramm, das die Associated Preß aus Natal erhielt, ist das von Baistrocchi geführte italienische Flugzeug bei Fernando de Noronha untergegangen, als es versuchte, nach Natal zu starten, wo die übrigen Flugzeuge noch warten. Die Mannschaft des Flugzeuges ist gerettet. Es handelt sich um das Flugzeug, das beim St. Paul-Felsen notlanden mußte und von einem italienischen Zerstörer nach Fernando de Noronha o*--- schleppt wurde«