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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberheffen
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Marburg «.Lahn
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Polen wird immer unverschämter
Drei polnische Militärflieger in Uniform kreisen während des Reichskanzlerbesuches über Oppeln
Wie lange noch?
Vor dem Schiedsspruch
Sester« nachmittag erschienen, während der Reichskanzler in Oppel« weilte, drei polnische Militär-Flugzeuge über der Stadt und kreisten fast eine Stunde, dis sie von der Polizei verfolgt wurden, worauf zwei der Flugzeuge dicht bei der Stadt landeten, während das dritte verschwand. Die in Uniform befindlichen polnische« Militärflieger wurden festgenommen. Sie behaupteten, sie hätte« sich im Schneetreiben verflogen. Da Oppeln immerhin 60 Kilometer entfernt von dex Grenze liegt und die Flieger sich ungewöhnlich lange über der Stadt bewegten, muh man eher mit einer Herausforderung anläßlich des Kanzlerbesuchrs rechnen.
Sestern nachmittag ist ein poluifcher Flieger, der aus Richtung Kreuzburg kam, bei Rosenberg notgelandet. Ws der Flugzeugführer vo« den herbsi- geeilten Landleuten erfuhr, daß er sich auf deutschem Gebiete befinde, bestieg er eiligst seine Maschine und folg in Richtung Lublin itz weiter. Die Polizei aus Rosenberg kam am Landungsort erst an, als der Flieger schon wieder gestartet war.
Zu den Grenzüberfliegungen bei Oppeln durch polnische Flieger schreibt die „Germania": Sollte es nicht mehr als ein Zufall oder ein Versehen sein, daß gerade am Tage des Kanzlerbesuches in Oppeln drei polnische Militärflugzeuge eine Stunde lang über dieser Stadt kreuzten, die angesichts ihrer geographischen Lage und ihres Umfanges mit keiner anderen Ortschaft auf 100 Kilometer in der Runde verwechselt werden kann! Betrachten wir getrost diesen >,Fehlflug" als eine polnische Demo» st ration gegen Deutschland in einem Augenblick, wo man in Polen eine Frontaloffensive gegen die deutschen Klagen und Beschwerden- über die Mißhandlung der deutschen Minderheit unternimmt. Diesmal hat uns der Zufall des corpus delicti in die Hand ge- wielt, und wir werden Gelegenheit haben, Polens Piloten Auge in Auge zu fragen, was sie eigentlich immer wieder mit ihren Maschinen über deutschen Boden zu suchen haben. Daß sie nicht als Friedenstauben kommen, ist jedem klar, der die Gesinnung polnischer Militärkreise und die Stimmung an der deutsch-polnischen Grenze kennt • •
Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" weist darauf hin, daß wir uns Jahre hindurch die ständigen Grenzverletzungen durch polnische Militärflugzeuge haben gefallen lasten. Die deutschen Beschwerden wurden mit Dementis und mit Ausflüchten beantwortet. Es bedeutet eine unerhörte Provaktion gegenüber dem Deutschen Reiche, zum Bestich des Kanzlers in Oppeln polnische Militärflugzeuge zu entsenden, es bedeutet aber weiterhin eine Provokation gegenüber dem Völkerbund. Unmittelbar vor dem Zusammentritt des Völkerbundsrats, der über schwere Verletzungen des Rechts durch Polen entscheiden soll, wagt dieser Ruhestörer einen neuen llebergriff von so unentschuldbarer Dreistigkeit, daß
ihm keine routinierte Lügenmaschine umdeuten wird können.
Von der Reichsregierung aber verlangen wir schärfsten Protest gegen den letzten polnischen llebergriff, der dem Völkerbund einen neuen schlüssigen Beweis für die Berechtigung unserer Beschwerden und unserer Warnungen zu geben geeignet ist.
Auch der „Tag" spricht von einer ungewöhnlich dreisten polnischen Provokation, die beweise, daß die Polen glaubten, sich Deutschland gegenüber so ziemlich alles herausnehmen zu können. Diese neueste Leistung der polnischen Luftspionage sei vorbedachter Akt zynischer Frechheit.
Die neue Notverordnung hat in Berliner politischen Kreisen eine überwiegend gute Aufnahme gefunden. Man erkennt allgemein an, daß der Reichsarbeitsminister sich mit außerordentlicher Energie um die Lösung des Problems bemüht hat. Er ist dabei von dem Gedanken ausgegangen, daß der Ruhrkonflikt sich in diesem Augenblick wirtschaftlicher Depression und politischer Schwierigkeit nicht zu einer großen politischen Frage auswachsen dürfe, deren Auswirkung in keinem Verhältnis zu der 2prozentigen Lohnsenkung stehen würden, die die Parteien von sich aus nicht zugeben wollen. Diese 2 Prozent machen bei einem Gesamtjahreslohn von 750 Millionen Mark, da der neue Schiedsspruch nur für ein halbes Jahr gefällt werden wird, nur iy2 Millionen aus. Die Bedeutung dieser Summe wird durch das politische Jntereste an der
Angst vor der Wahrheit
Die „Kölnische Zeitung" veröffentlicht einen Aufsatz: „Befragt die Völker über die Abrüstung!", worin sie. ausgehend von dem Mißerfolg der Vorbereitenden Abrüstungskonferenz, u. a. schreibt:
„Bevor die Weltabrüstungskonferenz Zusammentritt, muß Klarheit darüber herrschen. wie die Massen der Völker zur Abrüstung stehen. Wie wäre es deshalb mit dem Vorschlag, daß Dr. Cuttius auf der bevorstehenden Tagung des Völkerbundsrates einen Antrag auf Durchführung einer solchen Volksbefragung über die Abrüstung einbrächte? Der Völkerbundsrat könnte nötigenfalls einen Ausschuß einsetzen, welcher der Völkerbundsversammlung im September genauere Vorschläge unterbreitet, damit eine solche Aktion in den einzelnen Staaten alsbald durchgesühtt werden kann.
Das Ergebnis dieser Volksabstimmungen würde di« denkbar beste Grundlage für die Weltabrüstungskonferenz darstellen.
Die Regierungen würden wissen, welches der Wille ihrer Völker in bezug auf die Ab
rüstung ist. Fühtt der Vorschlag zu keinem Erfolg, nun, den einen Erfolg würde seine Erötterung bestimmt haben: Die abrüstungswilligen Völker werden die Staatsmänner der anderen Völker erkennen. Klarheit über alles!"
Dieser Artikel veranlaßt das „Journal" zu der Feststellung, daß die Reichs- regierungf?) noch nie so eindeutig gesprochen und noch nie den Siegerstaalen gegenüber so klar und deutlich ihre Absichten kundgetan habe. Die Frage sei im Augenblick nur noch die. ob Dr. Curtius tatsächlich im Büro des Völkerbundes einen derartigen Antrag einreichen werde. Das „O e u v r e" ist der Auffassung, daß eine internationale Zusammenarbeit im Schoße des Völkerbundes einen anderen Ton verlange als denjenigen, den das Blatt angeschlagen habe.
D«r Völkerbund werde sich jedenfalls . mit derartigen Ultimaten nicht abfinden.
Wer mit der Hand auf den Tisch schlage und etwas fordere, setze sich der Gefahr einer ebenso scharfen Ablehnung aus, woraus niemals gute Früchte entspringen könnten.
Der Reichskanzler in Oberschlesien
Oppeln, 9. Jan. Reichskanzler Dr. Brüning und die ihn begleitenden Herren begaben sich kurz nach ihrer Ankunft in Oppeln in das Oberpräsidium, wo sich eine große Anzahl führender Persönlichkeiten aller oberschlesischen Kreise eingefunden hatte. Oberpräsidenl Dr. L u k a s ch e k begrüßte den Reichskanzler. Nachdem eine Reihe von Rednern die besonderen Wünsche und Sorgen Oberschlesiens zum Ausdruck gebracht und eingehend begründet hatten, führte Reichsminister Treoiranus aus, daß es nur noch eine Frage von Tagen sein werde, bis Auszahlung der llmfchuldungs- kredite Wirliichkeit werde. Im Schlußwort erllärte der Reichskanzler u. a.:
Notwendig fei, daß in den Grenzgebieten Abhilfe geschaffen würde, ohne patteipolitisch« Gegensätze, die di« Bevölkerung in unoerantwortlicher Weis« aufpeitsche und ihr den Glauben nehmen, daß «in ernster Wllle der Regierung zum Helfen vorhanden sei.
Alsdann begann die Fahrt durch das. winterlich verschneite Obettchlesien, zunächst
nach Rosenberg, wo eine Besprechung mit Vertretern der Kreise Rosenberg, (Butten« tag und Kreuzberg im Landratsamt stattfand. Von hier'aus fuhren der Reichskanzler und feine Begleitung im Sonderzug nach Beuthen weiter. Dort wurden die Herren beim Verlassen des Bahnhofsgebäudes mit „Niederrufen" empfangen. In der Stadtbücherei begrüßte Oberbürgermeister Dr. Knakrich den Reichskanzler und unterbreitete ihm die Nöte und Wünsche der südöstlichen Grenzecke.
Im Auto wurde die Reise fortgesetzt und führte nach Hindenburg. Von dort ging es weiter nach Eleiwitz, wo im Haus „Oberschlesien" eine Besprechung mit den Vertretern der Städte Eleiwitz und Hindenburg statt- fand.
Die Kommunisten haben die Gelegenheit der Kanzlerreise auch hier zu agitatorischen Kundgebungen wahrgenommen. Bei der Abfahrt in Beuthen war es zu einem groben Zwischenfall gekommen. Die Fenscheibe eines Autos wurde durch einen S t e i n w u r f zer- trümmert, da es sich aber um eine Scheibe aus splitterfreiem Glas handelte, wurde niemand verletzt. In Hindenburg und auch in Eleiwitz kam es vor dem Haus „Oberschlesicn" zu Ansammlungen von Kommunisten, die Schmährufe gegen die Regierung ausstießen.
Beilegung des Konflikts weit übertroffen. Auch führende Persönlichkeiten der Wirtschaft sind unter diesen Umständen der Auftastung, daß der Weg der Notverordnung der einzig gangbare sei.
Die Hauptbedenken, die in Kreisen der Regierungsparteien gegen die Notverordnung vorgebracht werden, kommen von der Deutschen Volkspartei. Sie richten sich hauptsächlich dagegen, daß die Verordnung sich nicht auf den Ruhrkonflikt beschränkt, sondern als „Lex Ruhr" auch auf andere Fälle angewandt werden kann. Die Reichsregierung hat der Verordnung aber aus einem gewissen Zwang heraus diesen Charakter gegeben, weil sonst die Möglichkeit bestand, daß in der nächsten Zeit noch einige andere Verordnungen dieser Art erlassen werden müßten. So ist z. B. damit zu rechnen, daß die gleiche Frage int oberschlesischen Bergbau schon in wenigen Tagen erhebliche Schwierigkeiten machen wird.
Der Reichskanzler ist im übrigen den Bedenken, die gegen eine Regelung durch Notverordnung zu erwarten waren dadprch entgegengekommen, daß et gegenüber dem ursprünglichen Entwurf für drei wesentliche Aenderungen eintrat, das ist 1. die Ersetzung des Einmannspruchs durch das Dreimännerkollegium, 2. die zeitliche Befristung, die an- Ö5 ein Jahr betragen sollte auf den 31.
, und 3. die Bestimmung, daß die Frage, ob ein dringendes Staatsinteresse vorliegt, nicht vom Reichsarbeitsminister, sondern vom Kabinett getroffen wird. Auck in den Kreisen der Deutschen Voltspartei haben die Aenderungen immerhin erheblichen Eindruck gemacht, sodaß nicht anzunehmen ist daß ernste Schwierigkeiten von dieser Seite kommen.
Der Reichskanzler hat den Führer der Deutschen Volkspartei, den Abg. Dingeldey, über die Notverordnung unterrichten lasten. Man kann wohl vermuten, daß der Reichskanzler nach seiner Rückkehr noch weiter mit Dingeldey verhandeln wird, um eine vollkommene Verständigung herbeizuführen.
Der für heute abend zu erwartende Schiedsspruch wird eine Lohnsenkung von etwa 6 bis 6y2 Prozent bringen. Der in den früheren Erörterungen einmal aufgetauchte Gedanke, die Haldenbeftände durch einen größeren Kredit zu beleihen, wird nun nicht durckgeführt werben. Auf der anderen Seite ist im Augenblick auch keine Erhöhung der Knappschaftsbeiträge zu erwarten. Das Problem br Sanierung der Knappschaftsversicherung wird zunächst ruhen, bis die Verhältnisse im Ruhrbergbau wieder ein normales Aussehen bekommen haben.
Ereueltaten in China
„Time s“ melden aus Peking: Nach chiue- sischen Berichten, die durch amtliche und private Mitteilungen bestätigt werden, find im südlichen Kiangsi im Lause von 9 Monaten 30000 Menschen von Räubergesindel niedergemetzelt worden. Die Banditen unterstanden dem mohammedanischen Führer M a t i n g t s i n und hatten nach Abzug der Earnisonstruppen, die das Gebiet verließen, um am Bürgerkrieg teilzunehmen, freie Hand. Nach einer weiteren Meldung sind 20000 Frauen von dem Gesindel ge- sangen genommen worden und mindestens 30000 Personen in dem ausgeplündetteu Bezirk den Hungertod gestorben. In der Stadt L i h s i m hatten die entmenschten Horden aus Wut über den ihnen von der Bürgerwehr geleisteten Widerstand die gesamte Bevölkerung mit Ausnahme der Insassen des Eesängnistes getötet. Ferner wird gemeldet, daß sie Gefangene, deren Familien kein Lösegeld zahlten, zu verbrennen pflegten. Die Nankinger Regierung habe di, Entsendung einer Strasexpedition angeordnet.