Sette 8
IRerhWTfl e. L. Donnerstag, den 8. Januar 1931
Nr. 6
taHinbuftrle für die Tanfgebiete Halle, Magdeburg, Anhalt und Thale einen Schiedsspruch, der die alten Lohnsätze vom 18. Febr. 1928 am 12. Ian. 81 wieder in Kraft setzt. Ab 23. Febr. werden die Stundenlöhne der Akkordarbeit ter u m weitere 2 Pf g., das heißt von 80 auf 78 Pfg., gesenkt. Der Antrag aus Einführung von Ortsklaffen in Anhalt ist abgelehnt worden. Damit werden die Löhne um 4 Pfg. in der Schicht abgcbaut. Die Arbeitgeber hatten eine Lohnkürzung von 15 Proz. gefordert. Die vorstehende Lohnregelung kann erstmalig mit vierwöchiger Kündigungsfrist zum 1. August 1931 gekündigt werden. Erklärungsfrist ist Donnerstag 15. Januar.
Essen, 7. Ian. Nach Mitteilung des Essener Einzelhandelverkandes hat der Verband seinen etwa 10 000 AngesteIlten zum 31. Januar die Kündigung zugestefft. Die Maßnahme erfolgte zwecks Neuregelung der Gehaltssätze.
Preislenkung
bei Markenartikeln
Berlin, 7. Jan. Die Verhandlungen des Reischwirtschaftsrats über Preisbindung von Markenartikeln find in den letzten Tage« derart gefördert worden, daß man in absehbarer Zeit mit einer Verordnung rechnen darf. Wie die „Dofi. Ztg." erfahren haben will, soll beabfichtigt fein, allen Fabrikanten, die seit dem L August keine Preisermäßigungen durchge- führt haben, eine etwa 14tägige Frist zu stellen. Innerhalb dieser muß eine Senkung der Preis, um mindestens 1 v v. H. erfolgen, oder der betreffende Artikel verliert feine« Preisschutz.
Die Lohnbeihilfe
H e i I b rv n n. 7. Jan. In einer großen demokratischen Versammlung sprach heute abend Reichsfinanzminister Dr. Dietrich. In seinen Ausführungen ging der Minister besonders auf die Pressestimmen ein. die in der deutschen und internationalen Presse zu seinen in Stuttgart gemachten Vorschlägen laut geworden find und erklärte, daß seine Vorschläge mit Subventionspolitik nichts zu tun hätten. Er habe ausdrücklich gesagt, bei der lebenswichtigen (!) Produktion sei «inzusetzen und nicht etwa bei einem einzelnen Unternehmen eines solchen lebenswichtigen Produktionszweiges. Daß er durch seine Pläne die Finanzwirtschaft erschüttere, sei ein Vorwurf, für den keinerlei Beleg beigebracht werden könne. Die söffe ein Schaden für die Wirtschaft entstehen, wenn man. statt die Arbeitslosen zu unterstützen, das Geld dazu auf* wenden, sie zu beschäftigen? Daraus könne höchstens ein Vorteil entstehen. Er wolle die Arbeitslosenversicherung nicht abschaf- sen; denn sonst hätten wir am anderen Tage eine Revolution im Lande, sondern nur den Arbeitslosen Beschäftigung geben.
Die ^DAZ." hebt hervor, daß der Plan, die Mittel der Arbeitslosenunterstützung zur Verbiffigung und Steigerung der Prvduktton einzusetzen, schon früher von namhaften Industriellen vorgeschlagen worden sei. Cs bestehe bei dem Diet- rrchschen Verfahren die große Gefahr, daß diese öffentlichen Zuschüsse verewigt werden würden. Außerdem würde der leistungsfähigere und billigere Betrieb durch die staatliche Unterstützung seiner Konkurrenten geschädigt werden. In vielen Fällen träte bei der Mehrbeschäftigung zu den Lohnaufwendungen auch Kapital- verbrauch hinzu. Wenn man also mit dem Drettichschen Plan einen Teilversuch auf begrenztem Gebiet und für begrenzte Zeit machen wolle, so müsse man einen Augenblick wählen, in dem gleichzeitig ausländische Finanzierungsmöglichketten vorhanden wären.
Schon wieder 633 Millionen Schulden
Berlin, 7. San. Der Hauptausschub des Preußischen Landtages begann am Mittwoch die Vorberatung des neuen Haushaltes. Der Haushalt der Obcrrechnungs- kammer fand unverändette Annahme. Beim Haushalt der Staatsschuldenverwal- tung wurde darauf hingcwiesen, daß Preu- tzen am 1. April 1921 keine Schulden mehr gehabt hab«, nachdem mit der Uebernahme der Eisenbahnen auf das Reich auch die preu- tzischen Staatsschulden durch das Reich übernommen worden waren.
Hente stehe man bereits wieder einer Schuldenlast von 633 Millionen gegenüber:
gegen das Vorjahr sei eine Mehrbelastung von 91 Millionen zu verzeichnen. Die Schuldenlast erfordere einen Zinsendienst von 67 Millionen im Jahre. Der Ausschuß be- schloh, beim Etat der allgemeinen Finanzoer- waltung noch in eine Aussprache hierüber einzutreten. Darauf wurde der Haushalt der Staatsschuld angenommen. Ohne wesentliche Aussprache sanden Annahme auch die Haushalte der Münzverwaltung und des „Reichsund Staats-Anzeigers".
Die Masurenfahrt des Reichskanzlers Blutige Ueberfälle der Kommunisten
Lqck, 7. Jan. De, Reichskanzler berührte aef seiner Ostreife am Mittwoch in den frühen Morgenstunde« Insterburg. Dort kam es während der An« Wesenheit des Kanzlers zu blutigen Ueberfälle« v o « Kommunisten auf Nationalsozialisten und auch auf unbeteiligte Straßenpaffanten, wobei u. a. drei Nationalsozialisten durch Dolchstiche schwer verletzt wurden. Es handelt fich um planmäßig vorbereitete Ueberfälle. Die Täter stäche« auch auf hstrmlos Vorübergehende ein und verschwände« dann sofort, daß fie bisher nicht ermittelt werden konnten. Wie bisher verlautet, sollen im ganzen fünf Per, fönen schwer und drei leicht verletzt worden sein. Die Täter schlugen auch Fensterscheiben ein und brachten Niederrufe gegen die Regierung aus.
Auf der Weiterfahrt stiegen die Landräte der berührten Kreise in den Sonderzug und erstatteten dem Kanzler ihren Bericht. In Lyck wurden die Berliner Herren vomNegierungsprästdent vonRupertl- Allenstein, Landrat Dr. Döbereiner- Lyck und einer Abordnung der Stadt empfangen. Die Besprechungen fanden im Saale des Rathauses statt, vor dem die Schüler des Gymnasiums Aufstellung genommen hatten und bei dem Erscheinen des Reichskanzlers begeisterte Hochrufe ausbrachten.
Gelegentlich der Weiterreise nach Allen- stein befanden sich unter den Gästen des Sonderzuges auch einige deutsche Siedler, die ihre Notlage darlegten und um möglichste Abhilfe baten. In Allenstein schloß sich der inzwischen über Königsberg ein- getroffene Reichsbankpräsident den Teilnehmern der Ostreise an. Dr. Luther hat auf seiner Reise im Kraftwagen einen Unfall erlitten, der aber glimpflich abgelaufen ist. Nur der Wagen wurde stark
beschädigt. An den Besprechungen im Rathaus zu Allenstein nahm u. a. auch der Präsident der Handelskammer W r o n k a teil, der besondere Maßnahmen für den ostpreußischen Handel erhat.
Gegen Abend traf dann der Sonderzug in D e u t s ch-E y yl a u ein, wo die Herren im Zug übernachten.
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Die polnische Presse, besonders aber die Regierungsblätter, sind über die Ostmarkenreise des Reichskanzlers sehr erregt. Während das maßgebendste Regierungsblatt. die „Gazeta Polska", sich in ihrer Mittwochausgabe nur auf die Berliner Meldungen beschränkt, wird das Schwesterblatt Kurjer Porannh" maßlos ausfällig. Die Reise des Kanzlers sei eine herausfordernde Orgie, die vor affen Dingen in den begrüßenden Ansprachen der »Spitzen der Gesellschaft- zum Ausdruck gekommen sei. Affe diese Reden, die im CinverständniS mit der Reichsregierung verfaßt worden seien, sind nach Ansicht des Blattes v o l l v o n b r u- talsten Angriffen auf Polen. Alles weise darauf hin, daß man es hier zweifellos mit einem „pedantisch arrangierten Spektakel" zu tun habe. Als Beweis führt das Blatt den Arttkel des preußischen Finanzministers im „Dörsen-Courier" an, der vor wahnsinniger Wut gegen Polen überfließe. In diesem Arttkel hätte der Finanzminister den unbeeinflußbaren Willen, Polen seine West gebiete zu rauben, zum Ausdruck gebracht, wobei er sich bewußt verhetzender und in höchstem Maße herausfordernder Ausdrücke bedient hätte. Dies affeS sei in der Tat eine Wagnersche Ouvertüre zu Genf, wöbe: der Reichsauhenminister seine Helden- rvffe zu spielen habe. Zum Schluß versetzt das Blatt der polnischen Oppositton noch einen Seitenhieb, indem es erklätt, daß das Material, welches die Berliner Presse zur systemattschen Hetze gegen Polen verwende, ihr von der sogenannten „Elite der polnischen Intelligenz" zur Verfügung gestelll werde. ...
Grauenhafter Kindesmord
Das eigene Kind in religiösem Wahn getötet
S p a n b a u, 7. Ian. In der vergangenen Nacht verübte hier der 36jährige Katasterobersekretär Schätzte eine furchtbare Bluttat, indem er feinem zweijährigen Söhnchen Gerhard in feinemBettchen mit einem Messer die Kehle dnrchschnit 1. Nach der Tat begab sich der Unglückselige, das blutige Messer in der Hand, notdürftig bekleidet, zur Polizei, wo er verstört um sich blickte und auf alle Fragen nur immer wieder äußerte: „Die Zeit ist um." Da er den Polizeibeamten bekannt war, konnten diese in der Wohnung sogleich feststellen, was sich ereignet hatte. Die Gründe, die ihn zu der Tat veranlaßt haben, find noch nicht völlig getlärt Es scheint sich aber um religiösen Wahnsinn zu handeln.
Der Katasterobersekretär Schätzte, der heute nacht seinem Söhnchen die Kehle durchchnitt, hat. wie sich nunmehr herausstellt, tatsächlich in religiösem Wahn gehandelt. Er erklätte den Polizeibeamten: „Nehmen Sie mich in Schutzhaft. Sch bin Ssaak, und mein Vater Abraham hat mich vor 7000 Jahren dem Herrn zum. Opfer gebracht. Sn meinem Sohne habe ich die Wiederge- burt Abrahams erkannt und ihn nun aus Rache getötet, weil er mich damals geschlachtet hat." Die Polizei hat ermittelt, daß er seit langem der Weißenberg-Sekte angehötte, deren Versammlungen in Spanbau er zu besuchen pflegte. Er erzählte seiner Frau, die den Zustand ihres Mannes leider nicht rechtzeitig erkannt hat, viel davon, daß das Ende der Welt bevorstehe und „die Zeit der christlichen Wiedergeburt" gekommen sei. Das Schlächtermesser, mit dem er die Tat verübte, hatte er vor wenigen Tagen ins Haus gebracht. Frau Schätzke, die diesem Umstand keine Beachtung geschenkt hatte, mußte ebenfalls in ärztliche Pflege gebracht werden, da sie durch die furchtbare Tat ihres Mannes selbst in geistige Verwirrung geraten ist.
Opfer des Lawinenunglücks bei Brianco« geborgen.
ff. Paris, 8. Ian. Nach angestrengter Arbeit ist es einer Hilfskolonne von 100 Alpenjägern gelungen, die Leichen der sechs verschwundenen französischen Touristen in den Alpen bei Briancon aufzufinden. Unter ihnen befindet fich ein Vater mit zwei Kindern. Die sechs Touristen waren bekanntlich am Sonnabend morgen bei dem Versuch, einen Bergkamm von 2400 Meter Höhe zu ersteigen, durch eine Lawine überrascht wor
den. Die Nachforschungen nach de« noch immer verschollenen vier Touristen und nach de« Pariser Studenten sind bisher ergebnislos verlaufen. Man wird voraussichtlich die Schneeschmelze abwarten müssen, ehe man mit Aussicht auf Erfolg weiter suchen kann.
Folgenschwere Gasexplosion.
ff. Hamburg, 8. Ian. In der ersten Eeschäftswohnuna eines Neubaublocks der Buchdrucker-Genossenschaft, ereignete sich gestern eine schwere Gasexplosion. Während sich im Kochherd Feuer befand und der Eashahn geöffnet war, entzündete sich das ausströmende Gas mit einer solchen Wucht, daß ein dreiteiliges Fenster auf die Straße geschleudert wurde, eine Wand zwischen Wohnstube und Badezimmer ein- stürzte und mehrere Türen zersplitterten Bis zu dem dritten Obergeschoß wurde in sämtlichen Zimmer« die Verfleidung von den Türen weggeriffen, zahlreiche Türfüllungen eingedrückt und Sckilöffer und Sperrhaken durch den gewaltigen Luftdruck geöffnet. In der Wohnung fand man den 55fährigen Wohnungsinhaber tot auf. Ob es sich um ein Unglücksfall oder die Tat eines Lebensmüden handelt, steht noch nicht fest.
Tragischer Unglücksfall in eine«, Wohnwagen. — Zwei Tote.
ff. Paris, 8. Jan. Ein tragischer Unglücksfall ereignete sich am Mittwoch in einem Wohnwagen, der feit Monaten in einem Pariser Außenvierrek steht, und in dem eine fünfköpfige Familie lebt Als man am Mittwoch mittag keines der Familienmitglieder den Wagen hatte verlassen sehen, öffneten die Nachbarn die Türe gewaltsam und fanden die ganze Familie bewußtlos auf ihren Ruhelagern. In der einen Ecke des Wagens limmte noch ein Koksofen, der das Unglück herbeigeführt hat. Ein sofort benachrichtigter Arzt konnte bei der Frau und einem Kinde nur noch den Tov feststellen, während der Mann und zwei Kinder mit einer lebensgefährlichen Kohlenoxydgasvergiftung in das Krankenhaus überführt wurden.
Bier Knaben ertrunken.
Wemding, 7. San. Auf Dem in der Nähe der Stadt gelegenen Weiher sind gestern acht Knaben im Alter von acht bis 10 Jahren auf dem Eise eingebrochen. Vier von ihnen konnten gerettet werden, während die anderen vier ertrank«.
Staatssekretär Dr. Kempkes f
Berlin, 7. Ian. Wie die Rational« liberale Korrespondenz meldet, ist der langjährige Leiter der Sesamtorganisatioy der Deutschen Vollspattei Staatsfekretär z. D. Kempkes am Dienstagabend einem Herzschlag erlegen. A. Kempkes Hal ein Alter von fast 60 Jahren erreicht. Essen geboren, war er dort Jahrzehnte hindurch als Rechtsanwalt tätig und nahm am kommunalpolittschen Leben regen Anteil. Don 1919 bis 1928 vertrat er als Abgeordneter der Deutschen Volkspartei Düsseldorf-Ost im Reichstage; von da an bis 1930 war er auf der Reichsliste gewählt. Bei den letzten Wahlen verzichtete er, um jüngeren Kräften Raum zu geben, auf eine WiederaufsteUung. Dr. St re. femann, dessen besonderes Vertrauen der Verstorbene besah, berief ihn 1921 als Vorsitzenden des geschäftsführenden Ausschusses der Pattei an die Spitze der Organisation. 1923 war er unter Strese- manns Kanzlerschaft Staatssekretär Ser Reichskanzlei. Auf Wunsch von Dr. Scholz, mit dem er aus der Studienzeit befreundet war, behiell er nach Strese- manns Tod seine Qlemter in der Partei so lange, bis die von ihm selbst mitberatene neue Satzung in Kraft treten konnte. Ende 1930 hat der Verstorbene dann seinen Rücktritt von den bishettgen Parteiäm» tem vollzogen; aber auf Wunsch der Parteivorstandes eine Reihe wichttger Aufgaben ehrenamllich wettergeführt.
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Ende des Berliner Vertrages
Die deutsch-russischen Beziehungen stehen vor einer sehr bedeutungsvollen und vielleicht entscheidenden Entwicklung, da im Frühjahr d. 3s. der sogenannte Berliner Vertrag zwi- schen Deutschland und Rußland abläuft. D« Vertrag wurde am 24. April 1926 geschlossen und betrifft die außenpolitischen Beziehun- gen hinsichtlich Schiedsgerichtsbarkeit unh Neutralitätsverabredungen. Eine Verlängerung des A b k o m rn en s ist im Set« trägster! nicht vorgesehen, sondern es ist lediglich die Bestimmung enthalten, daß die beiden Partner sich rechtzeitig vor Ablauf der fünfjährigen Laufzeit über diese Frage in Verbindung setzen. Wie verlautet, Hai man russycherseits in dieser Angelegenheit auch schon mit Deutschland Fühlung ge» nommen, aber die offiziellen Verhandlungen sind noch nicht eingeleitet worden. Es scheint überhaupt, daß Deutschland sich zunächst abwartend verhält und den Russen die Snitia» iive überläßt.
Um den Fürsten Bulow
Die Denkwürdigkeiten des Fürsten Bülow, die jetzt der Oeffentstchkeit oorliegen, haben in den politischen Kreisen viel Interesse gefunden, aber noch mehr Kritik. Eine sehr merkwürdige Erläuterung dieser Memoiren gab dieser Tage der Eeschichtsprofessor an der Tübinger Universität zum besten. Für das, was hier bekundet wird, wird der Verfasser die Verantwortung selbst tragen müssen.
Professor Haller stellt in seinen Ausführungen die Persönlichkeit Holsteins der des Fürsten Bülow gegenüber und wagt die Behauptung, daß vom Herbst 1899 bis zuin Frühajhr 1906 in der Regel gar nicht Büloo> selbst die Politik des Deutschen Reiches bestimmt habe, sondern Holstein. Das Rätsel dieser seltsamen Passivität des Fürsten Bülow glaubt Professor Haller in einem bestimmten Dottall gefunden zu haben, den er wie folgt beschreibt: „Die Fürstin Büloo besaß aus ihrer frühen Jugend die Liebesbriefe eines damals viel bewunderten Künstlers, des Pianisten Carl T a u s i g, die in einer Kassette gehütet wurden. Diese Kassette hat Holstein im Herbst 1899 entwendet und, nachdem er sich des Inhalts bemächtigt batte, wieder an ihren Platz stellen lassen. Seitdem war Bülow, der bis dahin ziemlich selbständig sein Amt geführt batte, in Holsteins Hand. Der Vorgang spiegelt sich deutlich in bei Akten. Er erklärt vollauf die Rolle, die btt Reichskanzler in den de"tsch-engl'schen Bündnisverhandlungen gelvielt hat. erklätt eben!» seine widerwillige Unterordnung unter Holsteins Kttegspolitik in der,Mgrokknkrage. erflärt die zarte Rücksicht, die er noch am den Amtsentlassenen nahm, indem er M ständig um Rat fragen ließ und erflärt aui die Art non Holsteins Sturz."
^?i°se Angaben des Tübinoer Uniners'täts- nrofessors sind so ungeheuerlich, daß wir o< sie noch nicht 3it glauben nermögen, benot nicht oom Verfasser das Bewei^material b diese unglaubliche Geschichte geliefert worbe« ist.
Kein Verbot b»« w'marque-Films in Wien.
Wien, 7. Ian. Die Frage, ob Remaraue-Film. dessen erste Aufführung für zahlendes Publikum auf heute na* mittag 5 Uhr im Sckweden-Kino angese? ist, verboten wird oder nicht, beschäktiL die Oeffentlichkeit in hohem Maße. nun in früher Rachmittagsstunde ber* lautet, hat die Regierung den 'Beschs' gefaßt, die Aufführung nicht zu verbiet^ und die Polizei hiervon verständigt. wird erklärt, man wolle noch abwarter» Demnach ist heute mit der Aufführung- aber auch mit neuerlichen Strahenkun^ gedungen zu rechnen, gegen die die lizet umfassende Vorkehrungen mfft.