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Sbechessische

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Anzeiger für ldas frühere kurhessische) Oberhesie»

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Anzeiger der amtliche« Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Die Entente der Gläubiger

Sensationeller Leitartikel derTimes" - Deutschland hat kein Recht auf ein Moratorium

So sagt dieTime--"

Noch längst keine Krisis!"

Fehlschlag der Kommunisten

Der wilde Streik beendet

In einemDeutschland und der young- plan" überschriebenen Leitartikel behan­deltTime s" aus der Neujahrsan­sprache des General E r o e n e r an den Reichspräsidenten die Stelle, in der die Frage ausgeworfen wird,

ob Deutschland im Stande sei« werde, die ihm auferlegten finanziellen Lasten zu tragen.

Times" führt aus: Daß die hervor­ragende Gelegenheit des Neujahrsemp­fangs dazu ausersehen wurde, diese Frage offiziell anzuschneiden, ist zweifellos darauf zurückzuführen, daß Dr. Brü­ning und seine Kollegen angesichts einer sehr heiklen und schwierigen Lage im In­nern mit Recht auf Erfolg bei der Durch­führung ihrer wichtigen Aufgaben nur rechnen zu können glauben, wenn es ihnen gelingt, von den extremen Flügeln der nationalen Bewegung eine große Gruppe der gemäßigten Richtung los zu lösen, die seit langem eine kraftvollere Außenpolitik fordert. Das allgemeine Ziel einer solchen Politik ist natürlich

die Abänderung des Versailler Ver­trages und besonders der wirtschaft­lichen Vereinbarungen,

die aus ihnen hervorgegangen sind. Eine aus weiten Kreisen kommende Forderung nach irgend einer Art Befriedigungspoli­tik, die die wirkliche Erklärung für den bemerkenswerten Aufstieg der National­sozialistischen Partei gibt, ist durch den Fortschritt der Weltdepression sehr ge­stärkt worden.

Es könne indesien, so sagtTimes" weiter, bezweifelt werden, ob eine so deutliche Anspielung auf die Möglichkeit eines Moratoriums zur Erreichung dieses Zieles beitragen werde. Aus der Ent­stehungsgeschichte des Boungplanes gehe hervor, daß die Bestimmungen über ein Moratorium lediglich als letzte Zu­flucht gemeint seien. Diese Bestim­mungen seien an die Stelle der Funktion des Transfers des Dawes-Planes ge­treten. um die Stabilität der deutschen Währung zu sichern, und durch die Ein­teilung der Annuitäten in einen ge­schützten und einen ungeschützten Teil sei klar gestellt worden, daß die Bestimmun­gen sich nicht auf die Natur der Repara­tionsverpflichtung als solche, sondern I e - diglich auf den jährlichen Transfer bezogen.

Nur eine Krisis, die so gewaltig fei, daß sie die wirschafliche Stabilität Deutschlands unmittelbar gefährde, könne demzufolge der deutschen Re­gierung die Berechtigung geben, die besondere Art von Zahlungsunfähig­keit zu erklären, die als Morato­rium bezeichnet werde.

Tatsächlich sei nun aber eine unerträg­liche Anspannung des deutschen Budgets oder der ausländischen Wechselbestände der Reichsbank noch nicht eingetre­ten !!) Bei der zeitweiligen Krisis, die dn letzten Sommer eintrat, handelt es sich nicht um eine Unmöglichkeit, die Ver­tragsverpflichtungen zu erfüllen, sondern um eine Krisis des Vertrauens, wie sie nicht nur durch vorzeitige Auf­rollung der Moratoriumsfrage hervorge­rufen werden müffe. sondern auch durch

politische Aeußerungen der Art, in denen sich neulich Dr. Saas erging.

Die Politik, Schmerz zu äußern, be­vor man verletzt sei, (!!) sei in einer Welt der Realpolitik gefährlich, so zweckmäßig sie auch erscheinen möge als Mittel, den Nationalsozialisten den Wind aus den Segeln zu nehmen. Zn wirt­schaftlicher Beziehung könne diese Politik nur dazu beitragen, gerade die Krisis her­beizuführen, gegen die ein Moratorium dienen solle, und in politischer Beziehung könne sie nur die Solidarität der Gläubiger Deutschlands stärken, wie dies die jetzigen Erörterungen zwi­schen dem britischen und dem französischen Schatzamt deutlich ankündigten.

fk. Essen, 6. Zan. Wie der Tele- graphen-llnion gemeldet wird, ist die Nacht zum Dienstag im ganzen Streikgebiet ruhig verlaufen. Nir, gends ist es zu Ansammlungen, zu Störungen der öffentlichen Ruhe oder zu Gewalttätigkeiten gegen Arbeitswillige gekommen. Die Zeche« im Duisburger Bezirk melden übereinstimmend, daß die Arbeit von alle« Belegschafts-Mitgliedern fast vollzählig aufgenommen worden ist.

DasRuhr-Echo", das Organ der K. P. D. meldet hingegen, daß der Streik verschärft weiter gehe.

Goldproblem und doungplan

Anter der AeberschriftDeutschland läßt seine Gläubiger nicht im Stich Verliert den Mut nicht" bringtSvenska Dagbla- det" eine Unterredung mit dem Reichs- bankpräsidenten Dr. Luther.

Dr. Luther erklärte dem Blatt zufolge u. o.:Wenn man noch irgendwo an der Stabilität der deutschen Reichsmark ge­zweifelt hat, so muß die Krisis, die Deutschland jetzt überwunden hat, die Zweifler eines Besseren belehrt haben". Nachdem der Reichsbankpräsident die Schwierigkeiten in der Begleichung der kruzfristigen Anleiheschulden skizziert und bezüglich der radikalen Wittschaftsprv- gramme eine beruhigende Erklärung ab­gegeben hatte, kam er auf den Boungplan zu sprechen.

Mit großem Rachdruck muß von deut­scher Sette betont werden, daß zum Boungplan auch die Voraussetzungen ge­hören, die von den anderen erfüllt werden müssen. Deutschland kann seine Tribut- zahlungen nicht leisten, wenn es nicht aus­reichend ausführen kann. Der Boung- plan ist nicht durchzuführen, wenn Deutsch­land nicht langfristigen Auslandskredit bil­lig erhält. Erst wenn Deutschland von dem Druck der kurzfristtgen Anleihen be- freit ist, können sich seine eigenen Kräfte entwickeln. Es ist weiter unvorstellbar, daß die internationale Zunahme der Kauf­kraft des Goldes nicht auch auf die Quote der Reparationszahlungen rückwirken sollte. Der laufende Gedanke des Dawes­planes war, Deutschlandnichtüber {ein Leistungsvermögen hinaus zu belasten. Dies muh natürlich auch für den Boungplan gelten. Man muß darauf Rücksicht nehmen, daß der Lebens­standard des deutschen Volkes beibehalten werden kann. Die veränderten Derhäll- nisse, die sich aus der Zunahme des Gold­wertes ergeben, müssen dem Vorwärts- sttebenden neue Möglichkeiten öffnen. Je deutticher Deutschland seine Unterschrift unter den Boungplan als bindend aner­kennt, mit um so größerer Kraft kann bas Land von den übrigen Konttahenetn for­dern, daß sie ihre Schuldigkeit tun. <

Englische zuständige Kreise enthalten sich im großen und ganzen irgendwelcher Kom­mentare zu den in Paris gepflogenen Ver­handlungen. Diese seien technischer Natur gewesen.

Es wird jedoch nicht in Abrede gestellt, daß zwischen Frankreich und England in ihrer Eigenschaft als Gläubigermächte gegen­über Deutschland gemeinsame Interessen vor­handen seien.

Grundsätzlich steht die englische Politik auf dem Standpunkt, daß ein etwaiger Antrag Deutschlands auf eine Verzöge­rung der Tributzahlungen gemäß dem Boungplan oder auf irgendeine sonstige finanzielle Revision durchaus uner­wünscht ist.

Zunächst sei der Boungplan erst seit einem Jahre im Gange. Die gegenwärtige Ent­wicklung der englisch-französischen Verhand­lungen bewegte sich weiter in einer Richtung, die durch das Aufwerfen von deutschen For­derungen nur gestört werden könne, und end­lich halte England daran fest, daß jeder Schritt einer europäischen Macht hinsichtlich Amerikas mehr schaden als nutzen könnte.

Sollte jedoch Deutschland die Revision des Boungplanes aufwerfen, so würde England sich energisch jeder Behandlung dieser Frage außerhalb der im Boungplan vorgesehenen Bestimmungen widersetzen. Es würde aber auch ernste Einwände gegen die Inkraft­setzung der Bestimmungen des Boungplanes selbst erheben.

Man gibt dabei der Befürchtung Aus­druck, daß in diesem Augenblick sofort die Erörterungen über gewisse im Boungplan enthaltene Klauseln wieder aufleben würden, deren Interpretation noch nicht ganz eindeutig feststehe. An­scheinend bezieht sich diese Auffassung auf die Sanltionsklausel.

Ob dieser Punft in Paris jetzt wieder zur Erörterung gestanden hat oder nicht, darüber schweigen sich natürlich die Londoner Stel­len aus. Es ist aber charafteristisch, daß die Eemeinsamkeü der Interessen der Gläu­bigermächte offen zugegeben wird, so daß man den Eindruck gewinnt, als ob die in den Pariser Meldungen über eine etwaige Eemeinschaftsfront der englischen und ftan- zösischen Finanzministerien und möglicher­weise auch der Regierungen nicht unbegründet sind. Die klare Betonung der englischen ab­lehnenden Haftung gegenüber deutschen finan­ziellen Revisionsplänen unmittelbar nach der Beendigung der Pariser Konferenz ist auf jeden Fall für die Beurteilung der Lage äußerst wertvoll.

Ruhige Lage im Dortmunder Bezirk.

Der Montag ist im Dortmunder Bezirk, von ganz belanglosen Zwischenfällen ab­gesehen .ruhig verlaufen. Die Belegschaf­ten sind auf den Zechen vollzählig an­gefahren. Im Hammer-Bezirk streiken auf den Zechende Wendel" undWestfalen" einige hundert Bergleute. Aufde Wen­del" sind von 1573 nur 1130 Bergleute angefahren, 443 befinden sich im Streik. Auf der ZecheWestfalen" in Ahlen sind von 780 Mann nur 271 angefahren.

In der Mittagsschicht vom Montag war. wie der Bergbauver- e i n mitteilt, eilt weiterer starker Rückgang der Ausgangsbewegung festzustellen. Wäh­rend in der Mittagsschicht von Samstag 13,9 v. H. der Desamrbelegschaft am Streik beteiligt war, ist der Hundertsatz am Mon- auf 6,61 v. H. gefallen. Auf elf weiteren S.^achtanlagen, auf denen in der Früh­schicht teilweise noch gestreikt wurde, ist die Belegschaft am Montag nachmittag vollzählig angefahren, so daß auf ins- gesamt 33 Anlagen der Ausstand jetzt als beendet gellen kann.

Zechenbefitzer fordern mindestens 8%igen Lohnabbau.

DerBörsen-Courier" berichtet aus Esten, daß in Zechenbesitzerkreisen erneut bekundet wird, eine Einigung auf der Basis einer Lohnherabsetzung unter 8% sei ausgeschlossen. Wenn der Schlichter einen Schiedsspruch mit geringerer Lohn- Herabsetzung fällen würde und das Reichs­arbeitsministerium ihn später verbindlich erklärte, würden die Zecheubesitzer ihre Zustimmung nicht geben können.

Der Sabotageakt auf der Zeche Pluto in Wanne-Eickel.

Zu dem bereits gemeldeten Absturz eines Förderwagens auf der ZechePluto" in Wanne-Eikel wird uns noch ergänzend mitgeteilt, daß nicht ein, sondern drei Förderwagen in den Schacht gestürzt wor­den sind. Gestern wurden auf der Stein­halde der Zeche einige Gestalten mit ge­schwärzten Gesichtern beobachtet, die allem Anschein nach die Tat ausgeführt haben. Durch den Absturz der Wagen ist die Förderung auf beiden Schächten der Zeche unterbrochen, da es sich bei dem durch den Sabotageatt bettoffenen Schacht um die Förderanlage für beide Schächte handelt. Soweit sich bis jetzt übersehen läßt, wird die Belegschaft bis zum Freitag mit der Arbeit aussetzen müssen.

Keine Schwierigkeiten in der Kohlen« Versorgung

Berlin, 5. Ian. Der plötzlich, wenn auch nicht ganz unerwartet ausgebrochene T e i I ff r e i f im Ruhikohlenbezirk, von dem nach Lage der Dinge anzunehmen ist, daß er schon in den nächsten Tagen been­digt sein wird, hat Befürchtungen nach einer Störung in die Kohlenversorgung hervorgerufen. Diese 'Befürchtung ist so­wohl, was den inländischen Be­darf, als auch die Versorgung der aus­ländischen Verbraucher anbetrifft, durchaus unbegründet.

Trotz des Ausfalles in der Förderung als Folge der partiellen Ausstände reicht das geförderte Material aus.