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Montag.

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Anzeiger für (das frühere kurheffifchej Oberhesfen

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Erhöhte Alarmbereitschaft

Zahlreiche Zusammenstöße im Ruhrgebiet Tote und Verwundete Die Streikbewegung flaut etwas ab

ft Bochum. 5. Juni. In der Nacht zum Montag drang die Bochumer Polizei überraschend in die Räume bct örtlichen Ä. P. D.-Leitung ein. Eine sogenannte Ar- beitslosenstaffel von über 100 Man« wurde auf Kraftwagen i n s Polizeipräsidium geschafft.

Die Umstellung des Häuserblocks, in dem die K. P. D.-Leitung ihre Geschäftsräume hatte, erfolgte so überraschend, daß es zu keinerlei Zwischenfällen kam. Der Polizei war bekannt geworden, daß die Arbeits­losenstaffel Montag früh auf der Zeche Präsident" eingesetzt werden sollte, um durch Gewaltanwendung und Sa­botageakte die Arbeitseinstellung zu er­zwingen.

Unter den Zwangsgestellten sind zahl­reiche Führer der Bochumer *R. P. D., so­daß damit der Bochumer Streikleitung ein empfindlicher Schlag versetzt fein dürfte.

Sturm auf eine Polizeiwache

Am Samstag abend kam es in L i n t - fort zu einem regelrechten Kampf zwi­schen der Polizei und den Streikenden. Etwa 2000 Streikende versuchten, die Polizeiwache zu stürmen, was jedoch nicht gelang, da genügend Verstärkungen von auswärts vorhanden waren. Die Ursache des kommunistischen Angriffes war die Verhaftung von zwei Rädelsführern, die gewaltsam befreit werden sollten.

Im Verlaufe der Schießerei, die etwa eine Stunde ununterbrochen an­dauerte. hatten die Angreifer einen Toten, zwei Schwer- und zehn Leichtverletzte zu beklagen.

Don drei Personen, die dem Rheinberger Krankenhaus zugefllhrt worden waren, gelang es zweien, am Sonntag wieder zu flüchten. Die Polizei er­litt keine Verluste.

Die Lage im Mörser Bergbaugebiet.

. Der Sonntag ist im Kreise Mors völ­lig ruhig verlaufen. An drei Orten hat­ten die Kommunisten zu Kundgebungen gegenPolizeiterror" einberufen, in denen beschlossen wurde, den Streik unter keinen Umständen abzubrechen.

Aus der Fülle der vorliegenden Mel­dungen über die Lage im Ruhrgebiet seien folgende wichtigsten Tatsachen noch­mals kurz zusammengefaßt: In Bochum tagten am Sonntag über 200 Delegierte des Bergbau Jndustrie-Arbeiterverbandes, und in Dortmund, Hamm und Gelsen­kirchen nahm der Eewerkverein christlicher Bergarbeiter in drei großen Bezirkskonfe- renzen Stellung zum Lohnkonflikt. In den genannten Konferenzen wurden die Lohnabbauforderungen der Ze­chenbesitzer entschieden abgelehnt, die Streikbewegung der Kommu­nisten aber mit ihren gewaltätigen Aus­schreitungen gegen arbeitswillige Berg­leute scharf verurteilt.

In Bochum fand eine große von der Revolutionären Eewerkfchaftsopposition einberufene Schachtdelegierten-Konferenz statt. Die 800 Teilnehmer setzten sich aus Anhängern der Kommunistischen Partei, Erwerbslosen, Frauen und Mitgliedern der kommunistischen Jugend zusammen. Aus den Ausführungen des Haupt­referenten ging hervor, daß man am Mon­tag auf allen Schachtanlagen des Ruhrge- dietes mit verstärkten Maßnah- wen eingreifen will, um die Streik­bewegung auf das ganze Ruhrgebiet aus- ^idehnen. Nötigenfalls will man den -Kampf in die Zechenkolonien hineintra­gen. Ferner soll in den nächsten Tagen versucht werden, die Anhänger der ver­

schiedenen Verkehrsverbände und die Me­tallarbeiter in die Bewegung hineinzu­ziehen, um es zu einem General­streik im Ruhrrevier zu treiben. Der Redner erklärte, daß das Endziel des Kampfes die Errichtung eines Sowjet­deutschlands sei. x

Am Sonnabend gegen 21 Uhr wurde in Mengede eine Anzahl Arbeitswilliger Bergleute, die sich auf dem Wege zu ihrer Arbeitsstelle auf der Zeche Adolf von Hanselmann befanden, plötzlich von meh­reren Kommuni st en beschossen. Der Bergmann Schramowski brach sofort tot zusammen. Sein Bru­der und zwei weitere Bergleute erlitten

schwere Verletzungen. Als Täter kommen zwei Kommunisten aus Mengede in Frage. Einer konnte bereits festgenommen wer­den, während der andere flüchtig ist. Die Polizei säuberte sofort die Straße von den Kommunisten und beschlagnahmte bei ihnen drei Revolver, Dolchmesser und Schlagwerkzeuge.

Hinsichtlich der Streiklage ist zu sagen, daß sich die Zahl der Streikenden im Bochumer Bezirk am Sonntag nicht wesentlich verändert hat. Auch die Streik­ziffer auf den Hamborner Schachtanlagen der Vereinigten Stahlwerke und der Zeche Neumühl ist im großen und ganzen un­verändert und der Sonntag ruhig verlau-

Vor neuen Verhandlungen?

Stegerwald fährt ins Ruhrgebiet

Wie wir erfahren, hat am Sonnabend abend und im Laufe des Sonntags an den zuständigen Stellen eine Reihe von Be­sprechungen stattgesunden, die der Lage im Ruhrgebiet galten. Reichsarbeits­minister Dr. Stegerwald hat die Si­tuation mit dem Schlichter Dr. Drahn durchberaten und dann am Sonntag abend eine längere Besprechung mit dem Reichs­kanzler gehabt. Das Ergebnis dieser Be­ratungen ist, daß Dr. Stegerwald am Montag morgen nach Dortmund fahren wird, um die Situation an Ort und Stelle anzusehen. Die Reise steht angeblich nicht im Zusammenhang mit den Rachrichten über die Teilstreiks und die Ausschrei­tungen der Radikalen. Diese werden viel­mehr in Berlin ziemlich ruhig be­urteilt, zumal auch der Verlauf der Konferenzen der Verbände gezeigt habe, daß die Mehrheit der Arbeiterschaft durch­aus besonnen ist und die Ausschreitungen sich im wesenüichen auf den linksrheini­

schen und den nördlichen Teil des Ruhr­gebiets beschränken. Diese Gebiete sind bei solchen Anlässen erfahrungsgemäß immer unruhig gewesen. An zuständiger Stelle hat man das radikale Vorgehen der Kommunisten auch erwartet, da es Kar war, daß sie die schwere Schlappe, die sie im Berliner Metallkonflikt erlitten haben, durch verstärkte Agitation wieder wettzu­machen versuchen würden.

Die Reise des Reichsarbeitsministers gilt dem Ziel, die neuen Verhand­lungen des Schlichters mit den beiden Parteien, die bekanntlich für den kommendenMittwoch angesetzt sind, vorzubereUen. Die Situation ist insofern schwierig, als auf der einen Seite die Gewerkschaften von weitergehenden Zu­geständnissen offenbar ein Anwachsen der radikalen Richtung befürchten, während andererseits auch die Kündigungen die Kompromihmöglichkellen erschwert haben.

fen. Dagegen hat sich die Streiklage auf den linksrheinischen Zechen seit Sonn­abend mittag weiter verschärft, und noch kritischer dürfte die Lage am Montag werden, da dann alle diejenigen, die will­kürlich drei Schichten gefeiert haben, wegen Kontraktbruchs entlas­sen werden. Im Recklinghausener Be­zirk, war am Sonnabend abend eine er­höhte Arbeitsaufnahme zu verzeichnen war, macht sich laut Mitteilung des Reck­linghausener Polizeipräsidiums eine Ver­schärfung der Kampfmaßnahmen der Re­volutionären Eewerkfchaftsopposition be­merkbar. Hier wurden an verschiedenen Stellen Arbeitswillige überfallen und verletzt. Besonders stark wirken sich die Eewaltsmaßnahmen der REO. in Marl aus. So wurde am Sonnabend nachmit­tag die durch den Ort ziehende Polizei­streife mit Steinen und Flaschen bewor­fen. Nach 21 Uhr verschärfte sich die Lage in Marl ganz erheblich. Als eine Poli­zeistreife eine Zechenkolonie beging, stieß sie auf eine größere Menschenmenge. Bel den Versuchs diese auseinanderzutrei­ben, wurden droa 20 Schüsse aus den be­nachbarten Häusern, Kellern und sonstigen Schlupfwinkeln auf die Polizei abgegeben. Gleichzeitig ergoß sich ein Hagel von Zie­gelsteinen, Kohlen und Bierflaschen auf die Beamten. Die Angreifer hatten vor­

her sämtliche Laternen an den Straßen zertrümmert, so daß es den Polizeibe­amten, die sofort energisch gegen die Menge vorgingen, schwer war, die Täter zu fassen. Verletzte hatte es hier nicht gegeben.

In Bottrop wurden am Sonnabend an verschiedenen Stellen ebenfalls die Ar­beitswilligen von Streikenden belästigt. Fünf Bergleute wurden hier mit Stöcken, Knüppeln usw. mißhandelt. Das Ueber- fallkommando konnte hier die Ruhe wie­der herstellen und die Täter zum Teil festnehmen.

In Gelsenkirchen wurde ebenfalls ein lleberfall auf eine drei Mann starke Po­lizeistreife verübt. Hier wurde den Be­amten von mehreren Personen Pfeffer in die Augen geworfen. Eine 100 Mann starke Polizeibereitschaft aus Hagen ist heute in Buer eingetroffen.

Die Lage am Montag vormittag.

fk. Essen, 5. Jan. Die am gestrigen Sonntag auf der Bochumer Konferenz der REO. (Revolutionärer Eewerkschafts- Opposition) für heute angekündigte Ver­schärfung des Streiks ist nach den bisher vorliegenden Meldungen allem Anschein nach nicht eingetreten. Aus dem Ham­borner und Recklinghäuser Bezirk wird vielmehr ein Abflauen des Streikes ge­

meldet. Auf SchachtWilhelm" der Zeche Pluto in Wanne-Eickel wurde gestern ein Förderwagen in den Schacht gestürzt. Mit diesen Sabotageakten will man anscheinend versuchen, die noch nicht am Streik beteiligte Belegschaft der Zeche Pluto zur Arbeitsniederlegung zu zwin­gen.

Im übrigen hat die Polizei im Bezirk Recklinghausen im Hinblick auf die gestrigen Beschlüsse der REO. alle Vor­kehrungen getroffen, um die arbeitswil­ligen Bergleute vor Belästigung zu schützen. Zusammen mit der Kriminal­polizei wurde ein besonderer Streifen­dienst organisiert. Die gesamte Polizei befindet sich in erhöhter Alarmbereit­schaft. Schnellwagen fahren durch die Straßew um sofort eingreifen zu können. Diese Maßnahmen, zusammen mit dem Umzugs- und Persammlungsverbot des

Stillegung der sächsischen

. Glas-Industrie

ft Dresden, 5. Jan. Wie der Schutzverdand Deutscher Glasfabriken, Be­zirksgruppe Sachsen, mitteilt, hat, nachdem die Lohnoerhandlungen gescheitert stad und eilt Schiedsspruch nicht zustande ge, kommen ist, am 1. Januar in der sächsischen Hohl- und Preßindustrie der tariflose Z u st a n d begonnen. Da nur ein Bruch­teil der Arbeiterschaft die von den Arbeit­geber« nach vorangegangener Kündigung vorgeschlagenen neuen Lohnbedingungen angenommen hat, sind die wenigen noch in Betrieb befindlichen Hütten mit nur vereinzelten Ausnahmen ab 5. 1. 1931 zum völligen Stillstand gekom­men.

Recklinghäuser Polizeipräsidenten, haben bewirkt, daß die Tätigkeit der Mitglieder der REO. eine starke Einschränkung er­fahren hat, die sich dann auch im günstigen Sinne auswirkte.

Die weiteren Meldungen über die Streiklage auf den einzelnen Zechen las­sen einen starken Rückgang der Streikbe­wegung erkennen. Am Sonnabend streik­ten bei der Frühschicht 11,96 Prozent der Belegschaft, heute früh dagegen fehlten trotz der eifrigen Agitation am gestrigen Sonntag nur 7,10 Prozent. Dieses Er­gebnis läßt darauf schließen, daß mit einem Abflauen der Streikbewegung ge­rechnet werden kann.

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Rur 12000 Arbeitslose in Frankreich

Paris, 3. Jan. Wie amtlich bekanntge­geben wird, belief sich die Gesamtzahl der Ar­beitslosen in Frankreich am 25. Dezember auf 11952. Die Presse weist darauf hin, daß man in der letzten Dezemberwoche 1929 nur 817 Arbeitslose gezählt habe. Trotz dieses ungün­stigen Vergleichs ist von einer ernsten Gefahr in Frankreich vorläufig gar keine Rede. Die Arbeitslosigkeit bezieht sich nur in ganz ge­ringem Maße auf die französischen Industrie­gebiete, da 10 000 Arbeitslose auf das Seine- Departement und davon 6731 auf Paris selbst entfallen. Die höchste Arbeitslosenziffer wurde am 10. März 1927 mit annähernd 82 000 Ar­beitslosen verzeichnet. In der letzten Dezem- berwoche sind übrigens' 1239 ausländische Ar­beiter nach Frankreich eingewandert.