Marburg «.Lahn
Vorschrift 60*1» Aufschlag
UMVERSiTÄTS- 8I3LI0THEK MARBURG/LAHN
schlag. Sleklam.-M!llim 0.40 DM. Jede» Rabatt güi «U Barrabalt.
Vfferten.Sebühri 25 Pfg. Beleg, werben berechnet.
rlMvüWM
5M»r
LlmöeözelUW
MN MM--.1 I» 6 -<- Ma
utt «WJCtgCnptclf DCTTugt |BC den 11 gespalt. ZeUermiilltareter 0.08 SM^sog. kleine Anzeigen and gamilienan,eigen bei Bar,ablang 0.07 SM. «örtlich« and «a#- wSrttge Anzeigen 0.10 SM Bei
Freilos, den L Januar ISA
SbechMsche
Jcitunn
DK .Sberbesslsch« Zettnng* «f schein! sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich 2.20DM.au<- schließl. Zustellungsgebübr, durch »le Post 2.45 GM. Für etwa durch Streik. Maschinendefett oder tte- mentare Ereignisse «»-fallend« Muarmern wird kein OrfaH ge- leistet. Verlag. Dr. §. Httzerotb» der Untd-Dnchdruckerrl Srt. Ang Koch. Markt 21/23. gernspr-cher! Rr. 54 uud St. 55. «gstscheckkonto: Amt Frankfurt e. «K. St. 5015. — Sprech,eit 6» Siedaktion bon 10—11 twd */,l—1 Uhr.
//// A-
'' Nr.l 66.3nbtg.
Anzeiger für (das frühere kurheffifche) Oberhessen
Anzeiger der amtliche« Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
eutschlands Forderungen an das Ausland
Gleiche Sicherheit für alle Völker — Durchführung der allgemeinen Abrüstung Erhaltung der sittlichen und sozialen Lebensgrundlagen des deutschen Volkes
Me traditionelle Äeujahrskundgebung im Reichspräsidentenhaus ging noch mehr als in irgend einem früheren Jahre über den Rahmen des Austausches von Höflichkeiten hinaus. Angesichts der besonderen, schwierigen Lage und der brennenden Probleme auf allen Gebieten sind sowohl die Reichsregierung als auch der Reichspräsident auf die Bedürfnisse und Möglichkeiten der deutschen und der internationalen Politik in Worten eingegangen, die in 'Berliner politischen Kreisen großen Eindruck gemacht haben und allgemein starken Widerhall finden werden.
So viel Gewicht naturgemäß auf die besonderen Sorgen des deutschen Volkes gelegt wird, kommt in den Reden doch das entschlossene Festhalten an der Politik der Zusammenfassung aller positiven Kräfte zum Ausgleich der starken Interessengegensätze der Völker und des Fortschrittes der Menschheit zum Ausdruck. Im Rahmen dieser Politik muß aber, wie Reichsregierung und Reichspräsident übereinstimmend betonten, dafür gesorgt werden, daß Die sittlichen und sozialen Leben e* grundlagen des deutschen Volkes nicht erschüttert werden. Die Pflicht Und die im vergangenen Jahre einge- , tretene Wandlung der Weltwittschafts- lage begründen die Notwendigkeit, der Revision des Poungplanes näher zu treten. An das Ausland richtet sich der Ausdruck der Befriedigung über Die nun endlich bewirkte Räumung der Rheinlands als Fortschritt auf dem Wege ßum wahren Frieden, und ebenso die gleichfalls im Interesse der wahren Befriedung erhobene Forderung nach Durchführung des Grundsatzes der Gleichberechtigung und der gleichen Sicherheit aller Völker. Anter deutlicher Anspielung auf die gerade in dieser Hinsicht so unbefriedigenden Ergebnisse der verschiedenen Genfer Konferenzen sprach der Reichspräsident vor dem diplo- mattschen Korps die Erwartung aus, daß Die internationale Zusammenarbeit sich rm kommenden Jahre als wirksam genug erweise. um das deutsche Volk vor weiteren schmerzlichen Enttäuschungen zu bewahren. Den auf dem deutschen Volke lastenden wirtschaftlichen und seelischen Druck auch mit dem von ihr allein abhängenden Maßnahmen zu beheben, ist der entschlossene Wllle der Reichsregierung. Der Reichspräsident warnte in diesem Zusammenhang in eindrucksvollen Worten davor, die politischen und persönlichen Gegensätze zu einem Kampf ausarten zu lassen, der das Deutsche Volk zerreißt und zur Bildung eines gemeinsamen Willens unfähig macht.
Diese wohlüberlegten programmatischen Aeußerungen, mit denen die verantwott- lichen Führer des deutschen Reiches bei einem feierlichen Anlaß vor die Well- öffentlichkeit getreten sind, haben Anspruch darauf, überall in ihrer ganzen Bedeutung gewürdigt zu werden.
Die Neujahrsempfänge in Berlin
Am Neujahrstage fanden beim Reichspräsidenten die üblichen Empfänge statt. Gegen 11 Uhr nahm der Reichspräsivent am Portal die Meldung der Wache, die mit Musik vom Brandenburger Tor gekommen war, entgegen. Um 12 Uhr empfing der Reichspräsident im Großen Saale des Reichs- präsidentcn-Hauses das Diplomatische Korps. Dabei hielt der Doyen
Nuntius Orjenigo eine Ansprache. „Es ist mir ein Herzensbedürfnis", so führte er in der llebersetzung u. a. aus, „ein treuer Dolmetsch zu sein aller edlen Wünsche des Gedeihens, die meine
erlauchten Kollegen heute für Ihre Person und für die große Nation hegen, deren Geschicke Sie, Herr Reichspräsident, mit bewundernswerter Kraft und Frische lenken. Die Morgenröte dieses neuen Jahres ist leider nicht ohne Trübung.
Die Rot breitet überall ihren Trauerschleier aus.
Es hat fast überall nicht an hochherzigen Versuchen gefehlt, dieser gewaltigen Weltkrise abzuhelfen. Wir beobachten mit großer Genugtuung die Anstrengungen, mit denen Deutschland die Krise zu überwinden sich bemüht. Aber die Erfahrung erbringt immer erneut den Beweis, daß ohne die volle und aufrichtige Eintracht der Nationen es unmöglich ist, eine wirkliche wirtschaftliche Wiedergesundung der Völker herbeizuführen. Möge die wirtschaftliche Not ein
fl. Tsse,n, 2. Jan Auf einer Anzahl »0« Zechen im Ruyrkohlenbergbau tam es heute früh unter dem Druck von Arbeitslosen, die die Zechentore besetzt hatten, zu wilden Streiks. Während auf einzelnen Zechen nur ein TeU der Belegschaft nicht eingefahren ist, ruht auf anderen Zechen des Bezirks die Arbeit vollständig. Soweit sich bis jetzt feststellen lieft, werde« von diesem Streik etwa 20 Zechen des Ruhrbetriebs betroffen.
Anläßlich des zehnjährigen Bestehens der Reichswehr sprach Reichswehrmini st er Eroener gestern abend auf der Deutschen Welle im Rundfunk über Geschichte, Aufgaben und Leistungen der Reichswehr. Er stellte fest, daft die Wehrverfassung, die uns den zu zwölfjähriger Dienstzeit verpflichteten Berufssoldaten gebracht hat und im Vergleich zu dem Wehrsystem der anderen Länder die relativ höchsten Kosten verursache, dem Willen des deutschen Volkes widerspreche. Dann ging er auf den ungeheuren Gegensatz Süschen den Deutschland auferlegten Be- ränkungen im Ausbau seiner Wehrmacht und dem Ergebnis der letzten Genfer Abrüstungsbesprechung ein.
Deutschland verlange für sich das gleiche Maft au Sicherheit, das alle anderen Staaten für sich in Anspruch nehmen.
Die Welt dürfe über die Tragweite dieser Frage nicht im unklaren bleiben. Es handele sich hier um eine Lebensfrage, nicht nur für uns, sondern auch für den Völkerbund und die Zukunft der Welt. Der Aufbau der deutschen Wehrmacht unter den vorgeschriebenen Bedingungen stelle an die Selbstzucht, die Berufsfreudigkeit und das Staatsbewußtsein der Reichswehrangehörigen die höchsten Anforderungen. Aus der Auflehnung gegen den äußeren Druck seien Ereignisse wie die
Antrieb werden zu neuen ernstgemeinten Versuchen, um die innigere Einigung der Geister, die gegenseitige herzliche Verständigung unter den Nationen M erreichen, die allein feste Gewähr bietet für eine gesicherte Freiheit und Ruhe in allen Ländern und einen dauernden Frieden unter den Völkern."
Sodann überbrachte der Nuntius dem Reichspräsidenten noch im Namen der Staatsoberhäupter, die durch das Diplomatische Korps vertreten werden, die besten Wünsche.
In seiner Erwiderung dantte
der R e i ch s p r 8 s i d e n t
zunächst für die dargebrachten Wünsche. Er führte dann u. a. aus:
„Mit besonderer Wucht treffen die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise bas deutsche Volk. Unsere Hoffnung auf eine
Funktionärkonserenzett tut Ruhrgebiet.
B ■ chUm, *3 Jan. In Den Geschäftsstellen des Bergbau-Jndustriearbeiter-Verbandes, Bezirk Ruhrgebiet, fanden heute 14 Funktions- konfcrenzen statt, die sich mit der lohnpolitischen Lage im Ruhrbergbau befaßten. In allen Konferenzen wurde der Aufruf der Bergarbeiterverbände gutgeheitzen, in dem die Belegschaften aufgefordert werden, keine neuen Arbeitsverträge abzuschlietzen, die die vom Zechenverband gewünschte Lohnherabsetzung vorsehen. Einer eventuellen Aussperrung am 15. Januar, so wurde weiter ausgeführt, würden die Bergarbeiter mit Ruhe und Entschlossenheit entgegensehen. Ebenso entschlossen würden sie sich gegen die politischen Streikparolen der KPD. und der revolutionären Ee- werkschaftsopposition wenden.
des Jahres 1920 und Stimmungen, wie sie im Leipziger Prozeß sichtbar wurden zu erklären. Die Staatsraijon fordere aber ihre strenge Unterdrückung. Die Reichswehr dürfe niemals eine Prätorianergarde werden, die nach eigenem Gutdünken in die Geschicke des Staates eingreift.
Unabhängig vom Streit der Parteien habe die Wehrmacht nut dem Staat zn dienen.
Die beiden bisherigen Reichspräsidenten hätten dafür gesorgt, daß die Linie der Ueberparteilichkeit auch in Zeiten politischer Hochspannung bisher klar eingehalten worden ist. Die äußeren Schwächen der Wehrorganisation gelte es durch die persönliche Tüchtigkeit und den inneren Wert jedes einzelnen Soldaten soweit wie möglich auszugleichen. Nachdem der Reichsminister dann noch Fragen der Ausbildung und verschiedene Reformen auf dem Gebiet des Straf- wesens eingehender behandelt und sich ferner mit dem Aufbau der deutschen Marine beschäftigt hatte, schloß er unter nochmaliger starker Betonung des Gedankens, daß die Reichswehr weder Rechts- noch Linkskurs kennt, mit der Feststellung, daß niemand in Deutschland einen Krieg wolle, aber daß die Landesverteidigung eine Lebensfrage der Ration sei. Ohne Wehrhaftigkeit und Selbstbehauptungswillen könne kein großes Staatswesen bestehen
dauernd wirksame Besserung der Lage ist auch von Umständen abhängig, über die wir nicht allein Herr sind.
Mit steigender Spannung erwartet da» deutsche Soll, daß die internationale Zn» sammenarbeit sich im kommenden Jahr al» wirksam genug erweist, um das deutsche Soll vor weiteren schmerzlichen Enttäuschungen zu bewahren.
Der Ausgleich der starken Interessengegensätze, die allenthalben das Schicksal der Völker bedrohen, kann nicht in Vereinzelung vollzogen werden. Zusammenfassung aller positiven Kräfte zur Beseitigung der Krise und zur Ueberwindung der Hindernisie für den Fortschritt der Menschheit ist die große Friedensaufgabe, an der Deutschland mitzuwirken entschlossen ist."
Der Empfang der Reichsregierung.
Um 12.30 Uhr empfing der Reichspräsident die Reichsregierung. In Vertretung des beurlaubten Kanzlers begrüßte Reichswehrminister G r ö n e r den Reichspräsidenten mit einer Ansprache. Er wünschte zunächst dem Reichspräsidenten Gesundheit und Wohlergehen im neuen Jahr. „Wir sind dem Geschick von ganzem Herzen dankbar", so sagte Gröner weiter, „in Ihnen ein Oberhaupt zu besitzen, auf das die ganze Welt mit Verehrung blickt und dem die Liebe des ge samten deutschen Volkes gilt.
Seit den Abmachungen über den Renen Plan hat sich in der gesamten Meltwirt- schastslage eine so tiefgehende Wandlung vollzogen, daß die Reichsregiernng vor die ernste Frage gestellt ist, ob das deutsche Soll die in dem Reuen Plan vorgesehenen Lasten zu tragen vermag.
Die Reichsregiernng ist sich ihrer Pflicht bewußt, dafür zu sorgen, daß die sittlichen und sozialen Lebensgrundlagen des deutschen Volkes nicht erschüttert werden." Gröner er- innerte dann an die Befreiung des Rheinlandes von fremder Besatzung am 1. Juli des vergangenen Jahres. Er bezeichnete den Abzug der Bahnschutztruppen als einen Schritt vorwärts auf dem Wege zur endgültigen Heimkehr des Saargebiets ins Reich. Die berechtigten Beschwerden der deutschen Minderheiten hätten in unserer Oeffentlichkeit einen starken Widerhall gefunden. Die Reichsregierung werde in der Sorge für das deutsche Volk jenseits der Grenze eine ihrer wichtigsten Aufgaben sehen. Zur Abrüstungsfrage erklärte Gröner: „Schmerzlich empfindet das deutsche Volk, daß der Grundsatz der Gleichberechtigung. der auch für unser Volk einen selbstverständlichen Anspruch hat, noch nicht gewährleistet ist.
Roch immer ist die feierlich übernommene Serpflichtung auf Abrüstung durch dir an- deren Mächte nicht in die Wirklichkeit nm- gesetzt und noch immer muß sich Deutschland in seiner Sicherheit bedroht fühlen.
Auch hier wird es Aufgabe der Reichsregierung sein, mit allem Nachdruck dafür einzutreten. daß der Grundsatz gleicher Sicherheit für alle Völker, ohne den eine wahre Befriedung unmöglich ist. sich durchsetzt."
Der Reichspräsident
stellte in seiner Erwiderung fest, daß von den Wünschen, mit denen er vor einem Jahr diesen Tag begrüßt habe, sich nur der eine erfüllt habe: dem besetzten Gebiet ist die langersehnte Befreiung von fremder Besatzung wiedergegeben worden. Er gedachte sodami der Saardeutschen, die sich ttotz ihrer staatlichen Trennung mit uns immer eins fühlten und ungebrochenen Mutes auf den Tag der Rückkehr ins Vaterhaus warteten. Sodann führte der Reichhpräsident aus: „Mit voller Zustimmung entnehme ich aus Ihren Worten, daß die Reichsoeaierung sich der ernsten Lage bewußt ist, die sich infolge der tiefgreifenden Aenderung der weltwirtschaftlichen Verhältnisse seit der Zeit entwickelt hat, als wir uns aus den von Ihnen hervorgehobenen Gründen zur Annahme des Neuen Planes ent-
Wilder Streik im Ruhrbergbau
ZehnJahreDeutscheWehrmacht
Ein Rundfunkvortrag des Reichswehrministers