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DKiMf, ttn 30. M1930

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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

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Marburg a.i!abn

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Anzeiger der nmttichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

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Ein neuer Riesenfehlbetrag

Das deckungslose Defizit des Reichshaushalts überschreitet schon jetzt 700 Millionen

Fortschreitende Radikalisierung

Bauernbewegung in Bayern

Berlin, 30. Dez. Zn Südbayern, im Znntal, im Chiemgau, im Mangfallgau und i« den angrenzenden Gebieten ist eine neue, radikale Bauernbewegung unter Führung des Bauern Altenbur­ger aus Henkwes entstanden, die bereits starken Anhang in kleinbäuerlichen Krei­sen gesunden hat. Die Parole ist: Die bisherigen Standesorganisationen, in Händen politischer Parteien, haben ver­sagt. Es kann nicht mehr so weiter gehen. Wir greifen zur Selbsthilfe, um uicht Haus und Hof zu verlieren. Zn

Rosenheim, Alp ing und Mies­bach fanden grobe Kundgebungen der neuen Bewegung statt. Zahlreiche Diskussionsredner traten für die neue Be­wegung ein und erklärten, die Bauern- bewegung wäre der Notschrei eines zu Tode getroffenen Standes. Käme keine Hilfe, dann sei der Zusammenbruch un­aufhaltsam. Die Schutzzölle wären viel zu spät gekommen. Nur ein Abgeordneter der Bayerischen Volkspartei stellte sich der Bewegung entgegen und sprach sich für die alten Organisationen aus.

Das neue Defizit

Als Leistungen des Reichs an die Reichs­anstalt für Arbeitslosenversicherung waren im laufenden Reichsetat im ganzen 374 Millionen N-ll eingesetzt, und zwar 50 Millionen als Notstock, 184 Millionen als Zuschug und 140 Millionen als Darlehen. Alle diese Ansätze find schon seit Ende Oktober verbraucht; der Notstock wurde schon im Zuli erschöpft, der Reichs­zuschuh im Zuni, der Darlehensbetrag Ende Oktober. Vo« November an hatte also die Reichsanstalt keine« etatmäßigen Anspruch mehr auf Zuschüsse aus der Reichskafie, obwohl die Zahl der unter- ftützungsberechtigten Arbeitslosen gerade in diesem Monat fühlbar zu steige« be­gann. Der Zuschußbedarf dürfte sich aller­dings in de« Wintermonaten dadurch ver­ringern, dab seit Anfang Oktober der 61/2%i9C Beitragssatz gilt, wodurch sich die Einnahmen der Reichsanstalt beträcht­

lich erhöhen. Auf der andere« Seite er­fordern die wachsende« Unterstützunge« trotzdem Beitragsleistungen des Reiches, ohne dab heute genau zu sehe« wäre, wie­viel bis zum Ende des Rechnungsjahres benötigt wird. Nach den Schätzungen der Regierung wird das Reich noch für wenigstens 200 Millionen auf­zukommen haben, da die Reichskasse nach dem Gesetz vom Sommer d. Z. jeweils bis zur Hälfte des Mehrbedarfes einspringen muh. Dieser Mehraufwand, für den im Etat keine Deckung vorhanden ist, wird dazu beitragen, das Defizit des Haus­halts, das ohnehi« wegen der Steueraus­fälle über eine halbe Milliarde hinausgeht, noch zu erhöhen, und wird »uherdem in den ersten Monate» des neuen Zahres auch kasfenmähig eine« star­ke« Druck aus die Reichsfinanzen ausiibe«.

Die Abdeckung des kommunalen Defizits

Trotz der durch die beiden Notverord­nungen auferlegten neuen Steuern hat es sich herausgestellt, daß die Kommunen mit mehr als 10 000 Einwohnern im laufenden Haushaltsjahr mit einem Defizit von rund 400 Millionen Mark rechnen müssen. Diese Ausgaben, für die im Augenblick noch keine Deckung vorhanden ist, haben die zuständigen kommunalen Spitzenorganisationen in der letzten Zeit wiederholt beschäftigt und man ist, wie wir hören, inzwischen übereingekommen, alle Möglichkeiten auszuwerten, die eine Sen­kung dieser Defizitziffer herbeiführen kön­nen. Wie notwendig dieses Bestreben ist. geht daraus hervor, daß allein die kurz­fristige Kommunalverschuldung mit 200 Millionen Mark angesetzt werden muß. Die Reformbestiebungen gehen nun im Augenblick dahin, die beabsichtigten Spar­maßnahmen auf dem Gebiet des Kran­kenhauswesens, des Schulwesens und auf dem Gebiet der kommunalen Wohlfahrtspflege anzusetzen. Ein-

I zelheiten über die Durchführung der Spar- maßnahmen liegen zwar im Augenblick noch nicht fest, man wird aber, wie wir hören, bemüht sein, alle Härten zu ver­meiden, Um zu verhindern, daß die All­gemeinheit als Leidtragender aus den kommunalen Etatskürzungen hervorgeht. Zunächst ist beabsichtigt, die erzielten Er­sparnisse für die Abdeckung der kurzfristi­gen Anleihen zu verwenden, man ist sich aber schön jetzt klar darüber, daß dies im günstigsten Falle nach Ablauf von einem bis anderthalb Jahren geschehen kann. Schon in der aller nächsten Zeit« werden die zuständigen Körperschaften über die Einzelheiten der neuen Aktion abschlie­ßende Beratungen einleiten, und es steht zu erwarten, daß schon zu Anfang des nächsten Jahres mit der Durchführung der kommunalen Sparaktion gerechnet werden kann, deren praktische Auswirkungen aller­dings kaum bis zum Ablauf des Haus­haltsjahres fühlbar in Erscheinung treten können.

Neun Tote geborgen

Die Katastrophe in Algier

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fl. Paris, 30. Dez. Bon der Kata­strophenstelle in Algier liegen immer noch keine Einzelheiten vor. Man ist jedoch sicher, daß noch eine große Zahl von Leichen unter den Trümmern begraben liegt, rechnet aber nicht damit, vor heute nachmittag bis zu ihnen vordringen zu könne», da etwa 100 000 Kubikmeter Erde auf ihnen lager«. 300 Soldaten und Ein­geborene find mit de« Aufräumungs­arbeiten beschäftigt, die nur mit äußerster Vorsicht durchgeführt werden können, da man immer «och neue Erdrutsche befürchtet. Glücklicherweise hat der sintflutartige Regen aufgehört, sodaß die

Bergungsarbeiten nunmehr schneller durch- geführt werden könne«.

Zu den Aufräumungsarbeiten bei der Einsturzkatastrophe in Algier wird berich­tet, daß bisher neun Todesopfer geborgen wurden. Der deutsche Ge­neralkonsul in Algier, Bindels, dessen Villa unmittelbar neben der Einsturzstelle liegt, erklärte, er habe den Eindruck ge­habt, als ob ein Erdbeben der Katastrophe vorangegangen sei. Im Augenblick des Abstürzens der Erbmassen habe er ein unterirdisches Grollen vernommen, das einem Donner sehr ähnlich gewesen sei. Man vermutet, daß noch mindestens 30 Leichen unter den Trümmern liegen.

r Straßenraub in Mainz

st. Mainz, 30. Dez. Heute vormittag kurz «ach 9.30 Uhr wurde in der Nähe der Reichsbankfiliale ein verwegener Straßen­raub ausgefLhrt. Zwei Angestellte der Mainzer Volksbank kamen von der Reichs- bank. wo sie Ultimogelder in Höhe von 90000 Mark abgehoben hatten. Zn der Nähe des Serichtsgebäudes sprangen aus einem Anto, das allem Anschein nach gestohlen ist, zwei mit Revolver« bewaff­nete Persone« »nd entrisse« dem einen Angestellten die Aktentasche mit dem (Selbe. Während einer der Räuber mit de« Selbe im A»to verschwand, gab der zweite auf mehrere Verfolger zwei Revolverschüsse ab, die abe? nicht trafen. Das Auto mit dem Eelde ver­schwand über der Rheinbrücke, verfolgt oo« mehreren anderen Autos, lleber das Er­gebnis der Verfolgung ist bis jetzt «och nichts bekannt.

Bankraub in Köln

Köln, 29. Dez. Montag vormittag wurde auf die Depositenkasse der Deut­schen Bank in der Dürener Straße ein dreister Raubüberfall verübt. Um 10 Uhr erschienen im Kasienraum drei mit Re­volvern bewaffnete Burschen und verlangten von den beiden anwesenden Beamten die Her­ausgabe des Geldes. Als ein Beamter die Alarmglocke in Tätigkeit setzen wollte, feuerte einer der Burschen einen Schuß auf ihn ab, durch den der Beamte jedoch nur leicht verletzt wurde. Während zwei der Räuber die Be­amten in Schach hielten, sprang der dritte über den Zahltisch und riß aus dem offen­stehenden Eeldschrank für etwa 15 000 M Bar­geld und Wertpapiere an sich.

Nach der Beschreibung der Täter find zwei von ihnen 18 bis 19, einer etwa 2527 Jahre alt. Nach der Tat fuhren die Burschen in einer dunklen Sechssitzer-Limousine, vermut­lich einem alten Adlerwagen mit gefälschten Kennzeichen, in Richtung Köln davon.

Der Kriminalpolizei gelang es heute gegen 19 Uhr, einen ihr bekannten Autodieb festzu­nehmen, der in Verdacht stand, an dem heu­tigen Ueberfall aus die Filiale der Deutschen Bank beteiligt gewesen zu sein. Der Festge-