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Anzeiger für (das frühere kurhessischej Oberhesse»
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Pläne für den Transozeanflugverkehr
Do X wieder startbereit — Aenderung der Aonstruktionspläne Dr. Rumplers
Die Reparaturen des „Do. X , der rm Paten von Lissabon durch einen Brand beschädigt wurde, schreiten so rüstig fort, datz die Dormerwerke Mitte Januar den Wer- terflug des Flugschiffes erwarten. Das Erotzflngboot soll über die Kanarischen und Kap Verdischen Inseln nach Südamerika fliegen, Rio de Janeiro einen Besuch abstatten und von hier auf der Route, die auch der „Graf Zeppelin" genommen hat, zach Newyork steuern.
Das amerikanische Interesse an der Weilerfahrt des „Do. X" ist sehr grotz, da man allgemein die Lösung eines regel- mähigen Transorean-Flugverkehrs von den ErohfluMllgen erhofft.
Die Pressepropaganda für den „Do.-X"-Flug hat unter diesen Umständen wieder stärker eingesetzt. Auch die übrigen Typen des Grotzflugzeugbaues werden dabei eingehend gewürdigt.
Rach der sehr freundlichen Aufnahme der deutschen Konstrukteure Rohrbach und Dornier findet neuerdings auch Dr. Rumpler wieder Aufmerksamkeit. Gelegentlich eines grohen Nationalflugtages in 'Dayton (Ohio) sollte er einen Vortrag über I seine Pläne halten. Da Dr. Rumpler an I dem persönlichen Erscheinen verhindert war. I wurde wenigstens das Manuskript des Vor- kträges von Prof. Klemin von der llni- | versität Newyork verlesen.
v Dr. Rumpler hat seine Konstruktions- pläne geändert.
: Seht Flugschiff ist jetzt mehr den Plänen Prof. Junkers' für Ganzmetall-Land- Mug zeuge angenähert worden. Aehnlich wie bet Junkers werden die wichtigsten Räume des Flugzeuges in den Flügelnunter- gebracht, die 'an der dicksten Stelle 2,3 , Meter hoch werden sollen. Der Antrieb erfolgt durch 10 starke Motore, die so beschaffen sind, datz unter Umständen 6 bei Beginn des Fluges und vier nach dem Aufbrauchen des Benzmvorrats gegen Flugende zur Fortbewegung des Flugzeuges ausreichen. Damit die Feuersgefahr herabgemindert wird, soll der Brennstoff von den Passagierräumen und von den Motorenkammern feuersicher abgr-
> trennt werden.
Dr. Rumpler errechnet für sein Flugboot eine Geschwindigkeit von 300 Kilometern m der Stunde, so datz der Flug von Hamburg nach Mwyork günstigstenfalls
" in 20 Stunden erledigt werden kann.
Die Modelle des Flugschiffes sind bereits in der Aerodynamischen Versuchsanstalt und in dem Strömungsinstitut in Hamburg durchgeprüft worden.
Tie größten Schwierigkeiten für den Konstrukteur Dr. Rumpler bestehen natürlich in der Geldbeschaffung für den Flugzeugbau. Soweit bisher bekannt ist, kann das nötige Geld m Europa nicht aufgebracht werden. Dr. Rumpler versucht deshalb, amerikanische Geldkreise für sein Modell zu interessieren. Bei der Hausse in Flugbooten, die man für die nächsten Jahre erwartet, bestehl durchaus die Möglichkeit, dah auch der Rumplersche Plan zur Durchführung gelangt.
Der Flug des italienischen Transozeangeschwaders.
Rom, 26. Dez. Das Geschwader der 14 italienischen Wasserflugzeuge ist am ersten Weihnachtsfeiertag in Villa Eisneros um 7.55 Uhr örtlicher Zeit gestartet und in Volama, der Hauptstadt von Portugiesisch-Euniea, um 16.30 Uhr Ortszeit gewassert. Damit ist die letzte afrikanische Etappe erreicht. Das nächste Flugziel ist Port Natal in Brasilien.
In der Ueberquerung des Ozcans auf einer Strecke von rund 3000 Kilometern wird das Flugzeuggefchwader feine Hauptprobe zu bestehen haben.
Für diese Etappe, die über die Noronha- Jnseln führt, find 18 Stunden Flugzeit vorgesehen und zwar will General Dalbo bei Vollmond, also etwa am 5. Januar, starten. Für jedes Flugzeug find 3500 Kilo Brennstoff, 180 Kilo Del und 50 Kilo Wasser auger den Lebensmitteln für die vier Mann Besatzung bestimmt. Der südliche Dzean ist von 1922 bis jetzt zwölf mal überflogen worden, doch immer von Einzelflugzeugen, so daß der Eeschwader- Transozeanflug ein ganz neues Wagnis darftellt.
Berwendung des Luftschiffes bei den amerikanischen Flottenmanövern.
ft. London, 27. Dez. Reuter meldet aus Washington, das amerikanische Luftschiff „Los Angeles" wird zum ersten Male an den amerikanischen Flottenmanövern, die am 12. Februar in den Gewässern von Panama beginnen, für Erkundungszwecke teil- nehmen. Als das Luftschiff auf Grund eines Abkommens mit Erohbritannien, Frankreich und Italien von Deutschland abgeliefert wurde, wurde eine Verwendung für militärische Zwecke ausdrücklich untersagt. Die nötige Erlaubnis wurde jedoch kürzlich eingeholt.
Politischer Neujahrsanfang
Kanzler-Reise nach dem Osten
Mitte Januar, nach der Rückkehr des Kanzler, von seiner Ostpreuhenreise am 11. 1. wird der politische Aktivität der Reichsregierung wieder in vollem Umfange einsetzen. Im Vordergrund steht der Ausbau und' die endgültige Stabilisierung der in der Juli- und Dezember-Notverordnung enthaltenen Finanzierung. Dazu gehört weiter die Ausnutzung aller Möglichkeiten, die zu einer Ankurbelung der Wirtschaft führen können, Fragen des Arbeitsbeschaffungsprogrammes, Reform der Arbeitslosenversicherung, Kartellnotverordnung, Sanierung der Kommunalfinanzen und die Verabschiedung des Etats. An großen Aufgaben fehlt ds der Reichsregierung zu Jahresbeginn also nicht.
Die vor einiger Zeit angekündigte Reise des Reichskanzlers nach den östlichen Provinzen wird, wie wir hören, vom 6. bis 12. Januar stattfinden. In der Beglei
tung des Kanzlers werden sich Reichsfinanzminister Dietrich und die Leiter der Dststelle bei der Reichskanzlei, Reichsminister Treviranus und Wohlfahrtsminister Hirtsiefer, befinden. Die Reise wird die Gebiete berühren, die von der Dsthilfe ersaht werden, und soll dem Zwecke dienen, dem Kanzler und den anderen beteiligten Ministern ein klares Bild von der Lage der ö st l i ch e n Wirtschaft und ihren Bedürfnisien zu geben. Die Ergebnisse werden voraussichtlich Gegenstand weiterer Beratungen sein, in denen die Frage behandelt werden wird, ob und in welcher Weise Reich und Staat den verschiedenen Wünschen nach Erweiterung und Ausgestaltung der Dsthilfe entgegenkommen können. Dah hierbei die finanzielle Frage eine besondere Rolle spielen muh, versteht sich bei der starken Anspannung im Etat des Reichs und Preuhens von selbst.
Bristol im Dunkeln
Das E-Werk durch Feuer zerstört
fk. L o n d o n, 27. Dez. Am Weihnachtsabend zerstörte ein E r o h f e u e r die neuen Elektrizitätswerke in Portishead fast vollständig, so dah die Stadt Bristol zeitweilig völlig ohne jede Beleuchtung war.
Annähernd 4000 Liter Del gingen in
Flammen auf, die 25 Meter hoch aufschossen.
Etwa eine halbe Stunde lang bildete das ganze Werk ein einziges Flammenmeer. Erst nach vier Stunden gelang es der Feuerwehr aus Bristol des Feuers einiger« matzen Herr zu werden. Alle Juwelenhändler in Bristol schlofien wegen der Dunkelheit ihre Läden. Die Lichtspieltheater mutzten zunächst ihren Betrieb ein- stellen bis es möglich war, bei behelfs- mähiger Beleuchtung die Vorführungen fortzusetzen. Bor 23 Jahren war das Elektrizitätswerk von Bristol vollständig niedergebrannt und zwar auch am Weihnachtsabend.
Ruhiger Verlauf der Wcihnachtsftitrlage in Berlin.
Berlin, 26. Dez. Der Verlauf der beiden Weihnachlsfeiertage in der Reichsbaupt- stadt wurde durch keinerlei größere Zwischenfälle getrübt. Reben kleineren Verleyrs- unfällen waren eine Reihe von Wohnungs
bränden, zum Teil durch umstürzende Weihnachtsbäume verursacht, zu verzeichnen, die von der Feuerwehr aber schnell gelöscht werden konnten. Sieben Personen nahmen sich während der Feiertage das Leben.
Für den Heiligen Abend waren von kommunistischer Seite Demonstrationen von Erwerbslosen angekündigt worden. Von der Polizei war daraufhin erhöhte Alarmbereitschaft angesetzt. Bereits am Nachmittag sah man überall in der Stadt verstärkte Polizeistreifen und Berittene Polizei. Im allgemeinen kam es nur zu kleineren Ansammlungen. hauptsächlich im Zentrum der Stadt. Dabei wurden rund 20 Personen -wangsge- stellt.
Die Ernennungen in Sowjetrutzland.
Moskau, 26. Dez. Der Volkskommifiaren- rat der U.S.S.R. bestätigte di: neue Zusammensetzung des Rates der Arbeit und Verteidigung. Vorsitzender: Molotow. Stellvertretende Vorsitzende Rudsutak, Kuibyschew, Andrejew, Mitglieder: Stalin, Ordschonikidse, Woroschilow sowie der Ackerbauminister der U.S.S.R. Iakolew. der Finanzkommisiar der S.S.S.SR. Grinko, der Belieferungs- kommisiar der U.S.S.R. Nikojan und der Direktionovorsitzende der Staatsbank, Kal- manowitsch.
10 Jahre Reichswehr
Don Major a. D. von Keifer.
Am 1. Januar 1931 jährt sich zum zehnten Male der Tag an dem die Reichswehr in ihrer heutigen Gestalt aufgestellt wurde. Rach den Wirren der ersten Re- volutionszeit, die das alte Heer in seinen Grundfesten erschüttert und seine Auflösung nötig gemacht hatten, und nach der Bildung zahlreicher Freikorps, die den Grenz- und Heimatschutz übernahmen, trat im Januar 1919 der „Reichswehrausschuß- zusammen, um die Grundlagen für ein neues, einheitlich gegliedertes Heer auszuarbeiten. Am 6. März 1919 wurde ein Gesetz zur Bildung einer vorläufigen Reichswehr erlassen, die die nötigen militärischen Aufgaben bis zur endgültigen Schaffung einer neuen Wehrmacht übernehmen sollte. Zunächst wurden aus den Freiwilligenkorps 43 Reichswehrbrigaden von verschiedener Stärke unter zwei Gruppenkommandos aufgestellt, bis Ende Juli 1919 das Versailler Diktat mit seinen militärischen Bestimmungen allen bisherigen Plänen ein jähes Ende Bereitete. Run galt es, die 43 vorläufigen Reichswehrbrigaden in 20 Brigaden,, das sogenannte Aebergangsheer, zusammenzulegen, aus dem sich dann durch weitere Verkleinerung allmählich das vorgeschriebene 100 000- Mann-Heer entwickeln sollte.
Der Kapp-Putsch und die Anruhen int Ruhrgebiet erschwerten die Heeresvermin- derung erheblich; trotzdem war bis zum 1. Mai 1920 die Heeresstärke bis auf 200 000 Mann zurückgekehrt. Der Bei den Verhandlungen in Spa int Juli 1920 gestellte Antrag, diese Heeresstärke anstatt der int Friedensvertrag zugelassenen 100 000 Mann beibehalten zu dürfen, wurde den den Siegerstaaten abgelehnt und unter ultimativen Drohungen die schnellste Durchführung des Diktats gefordert. Dis zum 1. Oktober 1920 wurde nunmehr das Heer auf 150 000 Mann verkleinert, und seit dem 1. Januar 1921 besteht unsere Reichswehr in der heutigen Stärke von 100 000 Mann und unter der von unseren Kriegsgegnern genau vorgeschriebenen Organisation.
Danach seht sich das Heer aus 21 Infanterie-, 18 Kavallerie- und 7 leichten Artillerie-Regimentern mit den notwendigen technischen Truppen zusammen, eingeteilt in zwei Gruppen mit im ganzen 7 Divisionen und 2 Kavalleriedivisionen. Abgeschafft ist die allgemeine Wehrpflicht, statt dessen für die Mannschaft eine 12- jährige, für die Offiziere eine 25jährige freiwillige Dienstverpflichtung vorgeschrieben. Verboten ist die Ausbildung von Reserven, die Aufstellung eines Großen Generalstabs, jede Art von Mobilmachungsvorbereitung, der Bau von Befestigungen außer den wenigen von den Siegerstaaten nach Art und Stärke genau festgelegten und jede militärische Betätigung in der entmilitarisierten Rheinzone. Verboten sind ferner alle neuzeitlichen Waffen .wie Flugzeuge, schwere Arftllerie, schwere Minenwerfer, Kampfwagen und Gaswaffen.
Der Ausbau der jungen so eng beschränkten Wehrmacht, ihre Einstellung auf die neuen Aufgaben eines Berufsheeres mit langjähriger Dienstzeit und auf seine gegen früher ganz veränderte Stellung Staat und Volk gegenüber wurden durch die innen- und außenpolitischen Schwierigkeiten außerordentlich erschwert. Besonders die Interalliierte Militärkontrollkommission und die sogenannte Botschafterkonferenz haben sich bemüht, einer gedeihlichen Entwicklung des Reichsheeres