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Sonnabend, ten 20.9(3.1930
Die .SberheMsch« Zeitung^ erscheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich 2.20GM.<urS» schließ!. Zustrllungsgebühr. durch pl« Post 2.45 GM. Für etwa durch Streik. Maschinendefekt »der «le» «enlare Eretgniffe ausfallende Kummern wird fehl Ersatz geleistet. Verlag. Dr. §. Httzerotß. Druck der Unid-Vuchdruckerek Zoh. Aug. Koch. Markt 21/23. Fernsprecher: Rr. 54 uub Rr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Rr. 5015. — Sprech,ett der Redaktion do» 10—11 und ‘Al—1 Uhr.
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Anzeiger für (das frühere knrhefsische) Oberhesse«
St. 29$ 65.3o6ro- Marburg a. 8*
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Deutschland braucht Kolonien
Das Zollwaffenstillstandsabkommen vor dem Reichskabinett
Dr. Schnee bei Curtius
Kraftvolle Kolonialpolitik!
Das Parlament vertagt
Steeg will regieren
Reichsaußenminister Dr. Curtc'uS empfing gestern den Präsidenten der Deutschen Kolonialgesellschaft, Gouverneur z. D. Dr. Schnee, sowie als Vertreter des Vorstandes Dr. Hindorf, Generaldirektor Kemner und Frau Hedwig von Bredow, Vorsitzende des Frauenbundes der Deutschen Kolonialgesellschaft. Die Abordnung überreichte eine vom großen Vorstand der Deutschen Kolonialgesellschaft gefaßte Entschließung, in der an die Reichs- regiemng die Aufforderung gericytet luiri), eine entschlossene, kraftvolle und zähe Politik zum Schutze der deutschen kolonialen Rechte und Ansprüche zu verfolgen.
Bor allem müsse erwartet werden, daß die Reichsregierung alle« Bestrebungen der englischen Regierung, den Mandatscharakter vo« Deutsch-Ost-
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Berlin, 19. Dez. Zn der heutigen kurzen Ministerbesprechung, die nur der
afrika zu verwischen, mit allem Nachdruck entgegentritt.
Der Reichsaußenminister Dr. Curtius betonte in seiner Erwiderung, daß die deutsche Regierung nach wie vor zu ihrem Memorandum von 1924 stehe, das der Erwartung Ausdruck gibt, daß Deutschland zu gegebener Zeit aktiv am Mondatss^-"- beteiligt werde, sowie zur Erklärung des Reichsministers Dr. Srresemann in der Reichstagsrede vom 24. Juni 1929, wonach die deutsche Wirtschaft eine Erweiterung ihrer Rohstoffbasis benötigte, und zu der von chm selbst in der Reichstagsrede vom 26. Juni 1930 abgegebenen Erklärung, daß Deutschland seine Forderung nach kolonialer Betäftgung aufrechterhalte. Er sagte zu, die Entschließung zur Kenntnis des Reichskabinetts zu bringen und sie zum Gegenstand der Behandlung im Rahmen der Gesamtaußenpoliftk zu machen. Zu der ostafrikanischen Frage wies Dr. Curtius auf die wiederholten, auch heute noch gültigen Erklärungen hin, die er und sein Amtsvorgänger im Reichstag abgegeben haben, daß die Reichsregierung eine tatsächliche Bedrohung des Mandats- shstems mit allen Mitteln zu verhindern
Die Arbeit an den Notverordnungen
Dank des Reichspräsidenten und des d eilet Reichskanzlers.
hing in St. Blasien vertreten. Sodann "üiute Reichskanzler Dr. Brüning seinen Dkinisterkollegen für die überaus wertvolle und tatkräftige Mitarbeit, die sie ihm in diesem Zahre, namentlich bei Vorbereitung und Durchsetzung der großen foxtr? Notverordnungen, geleistet höt-
«n. Er teilte hierbei mit, daß auch der Herr Reichspräsident ihn ersucht hätte, Puch in seinem Namen allen Kabinetts- Mitgliedern und ihren Mitarbeitern seinen Dank und seine volle Anerkennung iit die wertvolle Arbeit, die im ver
x* «Erledigung einiger lausender Angelegen- WA I heiten galt, gedachte Reichskanzler Dr. “ Brüning am Schluß des plötzlichen Hinscheidens des deutschen Gesandten n a u s ch e r in Warschau. Staatssekretär $r. von Bülow wird die Reichsregie-
gangenen Jahre zum Besten des Vaterlandes geleistet sei, auszusprechen. Der Reichskanzler richtete die Bitte an seine Ministerkollegen, diese Worte des Dankes und der Anerkennung des Herrn Reichspräsidenten zugleich in seinem Namen auch ihren Beamten in den einzelne^ Ministerien zu übermitteln, ohne deren hingebungsvolle und unermüdliche Arbeit die großen Aufgaben nicht hätten gemeistert werden können.
Paris, 19. Dez. Am Schluß der heutigen Sitzungen wurde i« Kammer und Senat das Dekret verlesen, durch da- die außerordentliche Parlamentstagung geschlossen wird. Das Parlament wird erst gegen Mitte Zanuar wieder zusammentreten.
In der Kammer wurde die Verlesung des Dekrets seitens der Parteien, die zn
Im Dienst abgestürzt
Königsberg i.Pr^ lg.Dez. In der Nähe des Gutes Klein-Wickbold bei Tarau stürzte heute morgen kurz nach acht Uhr das Flugzeug der hiesigen Wetterwarte ab. Die beiden Insassen, Flugzeugführer Max Schwabe und der Beobachter Dr. Rudolf Otto Steiner, käme« dabei «ms Leben.
Zu dem Absturz des Flugzeuges der Königsberger Wetterwarte bei Klein-Wickbold werden noch folgende Einzelheiten berichtet: Die Maschine war, wie üblich, zu Beobachtungen der Witterung morgens kurz nach 8 Ahr aufgestiegen. Cs handelte sich um einen Albatros-Apparat, mit dem Piloten Schwabe am Steuer und dem Assistenten Dr. Steiner, einem Meteorologen,
am Beobachtersitz. Das Flugzeug ging nach dem Start in' beträchtliche Höhen, um dort die Wetterbeobachtungen vorzunehmen. Dann begann es langsam auf geringere Höhen zu gehen, da sich eine Vereisung des Tragdecks bemettbar machte. Bei einer scharfen Kurve im letzten Augenblick rutschte der vereiste Albatros über das linke Tragdeck ab und schlug auf die Ezde auf. Der Anprall war so stark, daß ganze Motor im Acker verschwand. Der Flugzeugführer wurde mit dem Kopf und dem Leib in den vorderen Teil des Führerstandes gedrückt. Der Tod dürfte auf der Stelle eingetreten sein. Dr. Steiner muh mit dem Kopf an irgend einer spitzen Kante aufgeschlagen sein. Er gab keine Lebenszeichen mehr von sich, als man ihn aus der Maschine zog.
Das Genfer Handelsabkommen
der Mehrheit des gestürzte« Kabinetts Tardieu gehörte«, mit starkem Liir« ausgenommen. Der der Fraktion Mari« a«, gehörende Abg. Faure rief, zu de« anwesende« Minister« gewa«dt: „Sie find feige! Sie habe« nicht den Mut, weiter, hin vor dem Parlament zu erscheinen!"
Einen Augenblick fchie« es, als ob die Abgeordneten handgemein werden wollten, und die Saaldiener mnßten eingreifen, um ein Handgemenge zwischen der Mitte und der Linke« zu verhindern.
Steeg rechtfertigt sich.
Die Maßnahme des Ministerpräsidenten, der am Freitag nachmittag ganz unerwartet Kammer und Senat in die Ferien schickte, wird in der Pariser Mor- genpresie sehr stark beachtet. Sämtliche Oppositionsblätter sind sich darin einig, daß dieses Ereignis als Angstmanöver hinzustellen sei. Die Mehrheitspresse findet dagegen die Maßnahme ganz natürlich, da sie den erhitzten Gemütern Gelegenheit gebe, sich zu beruhigen. Ministerpräsident Steeg hat nun in den späten Abendstunden des Freitag eine „Rechtfertigungsverlautbarung" veröffentlicht, in der er den Finanzausschuß der Kammer für die Schließung der Sitzungsperiode verantwortlich macht. Der Eeneralberichterstatter des Finanzausschusses habe ihn wissen lasten, daß der Ausschuß keine Zeit zu verlieren habe, den Haushalt für 1931/32 vorzubereiten. Um diesem Wunsche nachzukommen und um ein provisorisches Zwölftel zu verhindern, habe die Regierung es für richtiger befunden, die außerordentliche Sitzungsperiode zu schließen und beide Häuser in die Ferien zu schicken.
Die Reichsregierung hat sich, wie der Börsen-Courier berichtet, entschlossen, den gesetzgebenden Körperschaften das Genfer Handelsabkommen vom 24. März 1930 zur Ratifikation vorzulegen. In der Begründung der Reichsregierung zum Genfer Handelsabkommen heißt es u. a.: Die im Handelsabkommen vorgesehene Regelung beschränkt sich auf den Versuch einer gewisten Stabilisierung des bestehenden Zolltarifniveaus.
Als weiteres Merkmal des Handelsabkommens ist hervorzuheben, daß es sich zwar nicht rechtlich, wohl aber tatsächlich auf europäische Staaten beschränkt.
Bo« den durch Deutschland zu übernehmenden Verpflichtungen kommt die größte Tragweite dem Verzicht auf die KLudigung der mit de« andere« Teilnehmerstaaten abgeschloste- nen Handelsverträge zu.
Nicht ausgeschlosten ist die Aendeung bestehender vertraglicher Abreden im Wege der Vereinbarung mit dem jeweiligen Vertragspartner,' allerdings vorbehaltlich des Kündigungsrechts betroffener dritter Staaten.
Die weitere Verpflichtung, Zollerhöhungen den Teilnehmerstaaten vor ihrer Inkraftsetzung anzuzeigen, und sich auf Verhandlungen über eine gütliche Verständigung einzulasten, kann zu lln- träglichkeiten kaum Anlaß geben, da jeder Staat in von ihm als dringend ange
sehenen Fällen berechtigt ist, von einer Voranzeige abzusehen mit der Folge, daß auch die Verhandlungspflicht entfällt. Das im Falle von Zollerhöhungen den betreffenden Staaten zustehende Kündigungsrecht ist daher die einzige unbedingt eintretende Folge von Zollerhöhungen.
Die so getroffene Regelung ist als das Mindeste desten anzusehen, was gefordert werden mußte, wenn das Abkommen der deutschen Ausfuhr einen gewisten Schutz gegenüber handelspolitischen Maßnahmen des Auslandes geben soll. Von dem Abkommen darf eine nicht zu schützende Entlastung der deutschen Ausfuhr erwartet werden.
Der Kredit für Berlin gesichert.
Berlin, 20. Dez. Wie die Blätter erfahren, ist in abschließenden Verhandlungen am Freitag abend der Kredit für die Stadt Berlin endgültig fichergestellt worden, und zwar gewährt das von der Seehandlung geführte Bankkonsortinm einen Kredit von 23 Millionen Watt, nachdem die Vertreter der Stadt eine bindende Erklärung abgegeben haben, sich den fehlenden Rest des beantragte« Kredit anderweitig zu beschaffe«.
Maßregelung des Majors Fra«co.
Madrid, 19. Dez. Der spanische Aero- club hat den Fliegermajor Franco und die anderen spanischen Flieger, die mit ihm nach Portugal geflüchtet find,, von der Mitgliederliste gestrichen.
Poincar^s Befinden weiter gebestert.
Paris, 19. Dez. Hebei Poincarcks Befinden wurde heute vormittag folgender Krankheitsbericht ausgegeben: Die Besterung hält an, Temperatur 37, Atmung regelmäßig, normaler Blutdruck. Absolute Ruhe ist notwendig. Vor Sonntag vormittag wird kein weiterer Bericht ausgegeben werden.
Poincaräs Reconvaleszenz wird, wie Marineminister Sarraut, der heute vormittag eine längere Unterredung mit Poincar^s Hausarzt hatte einem Mitarbeiter des „Paris Midi" erklärte, sehr lange dauern.
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Der neue Vizekönig
Viscount Willingtoa znm Bizekönig von Indien ernannt.
London, 19. Dez. Der König hat den bisherigen Generalgouoerneur von Kanada, Vis- connt Willingtoa, znm Bizekönig und Ge- ueralgouvernenr von Indien als Nachfolger Lord Irwin» ernannt.
Nykoff seines Postens enthoben.
Moskau, 19. Dez. Die Zentralexekutive der Sowjetunion enthob den Vorsitzenden des DolkSkommissarenrates der Sowjetunion Rhkoff seinem Wunsche gemäß seines Postens und ernannte Molo- tojj zu jeme« Nachfolger.