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Montas, ten 15. M1930

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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

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Explosion auf einer Vergnügungsyacht

Der Dampfer gesunken 29 Passagiere werden vermißt

Polnischer .Minderheitenschutz"

Die neue Polennote

Eine Erklärung Dingeldeys

Sparforderungen der D.V.P.

Berlin, 13. Dez. Das namens der Reichsregierung gestern in Genf von dem .Generalkonsul Dr. Völckers dem Eeneral- lsekietär des Völkerbundes überreichte Schrei- -oird nunmehr im Wortlaut bekannt gegeben. -Sn dem Schreiben heißt es:

'Mit Schreiben vom 27. v. Mts. habe ich namens der deutschen Regierung Be­schwerde geführt über Gewalttaten, die an« Ltzlich der Wahlen in Oberschlesien gegen die dältsche Minderheit verübt worden sind. Seit­dem hat die deutsche Regierung Kenntnis 'von zahlreichen weiteren Gewalttaten in Polnisch-Oberschlesien erhalten, die gleichfalls «ne flagrante Verletzung der Be - Aimmungen über die Genfer Kon­vention vom 15. Mai 19 2 2 darstellen. Die wichtigsten Fälle sind in der Anlage Wfgeführt. Ich bitte Sie, das neue Material den Mitgliedern des Völkerbundes als Unter« lege für die Behandlung der Angelegenheit ent der bevorstehenden Ratstagung zuleiten zu wollen."

In der Anlage werden dann die zwölf -krassesten, der deutschen Regierung neu zur Kenntnis gekommene Vorfälle beschrieben, h>on denen wir nur einige anführen.

F a l l 3: Am 15. November wurde Johann Wainczyk das Opfer eines Stratzenüberfalles p Nikolai. Eine Bande von 10 bis 12Auf- Mändischen" in Zioilkleidung fiel über ihn her pmb mihhandelte ihn auf das schwerste. Die Kolizei, die von der Ehefrau um Schutz für Mt Transport des Mißhandelten ins Lazarett iflebeten wurde, lehnte dies ab. Fall 5: 'Am 22. November wurde der Kesfelheizer LSofet Woisch in Eintrachts-Hütte von einer 'Lande von 30 bis 40 Menschen in seiner Wohnung überfallen. Woisch ist Schwer- ftr i e g s b e I ch ä d i g t e r und nur zu 50 Pro- yent erwerbsfähig. Woisch wurde, nur dürf- fh'a bekleidet, auf die Straße geschleppt. Dort Wurde er u. a. mit einem Kabelstück miß­handelt, bis er zusammenbrach. Fall 7: Am 22. November wurde in Zwonowitz der Tastwirt Wilczek von einer Bande von etwa :15 bewaffnetenAufständischen" überfallen. Wilczek wurde mit gefährlichen Werkzeugen sm barbarischer Weise mißhandelt. Auch seine Ehefrau und seine zehnjährige Tochter wurden mißhandelt. Fall 8: Äm 23. November wurde der Arbeiter Meinusch in Kochlowitz aus der Wohnung herausgezerrt, in der Hauseinfahrt an die Wand gestellt und mit Erschießen bedroht. Die Angreifer schleppten ihn darauf in eine Gastwirtschaft. Hier wurden die Mißhandlungen fortgesetzt. Zwei Polizeibeamte sahen untätig zu und brachten ihn später nach der Polizeiwache, unterwegs wurde er von einem der Polizei­beamten weiter mißhandelt.

Die deutsche Beschwerde fährt fort:Auch «eie Aufzählung erschöpft nicht die vorge- tommenen Gewalttaten. Die Zahl der ins­gesamt der deutschen Regierung bekannt ge­wordenen Terrorakte verschiedener Art, die ®t Angehörigen der deutschen Minderheit begangen worden sind, erreicht annähernd 200. Nahezu überall ist das gleiche Ver- »gen der Polizeiorgane festzustellen."

Zum Schluß heißt es:Die in der An­lage des Schreibens vom 27. November auf« Mihrten Tatsachen veranschaulichen bereits "tn Zustand völliger Schutz- und Rechtlosig- teit, unter dem die deutsche Minderheit in Polnisch-Oberschlesien seit langem leidet. Das vorstehend wiedergegebene weitere Material beweist noch klarer, daß die schrankenlose Ee- Mtherrschaft derAufständischen", die mit Men, Gesundheit und Eigentum der Ange- jjvrigen der deutschen Minderheit nach Be- «eben verfahren konnten, sich nicht in ein- «lnen Ausschreitungen erschöpft und auf ein» «ne Bezirke beschränkt hat, sondern daß hier D. Ty st em offener Bedrückung der »linderheit vorliegt, das sich über ganz volnisch-Oberschlesien erstreckt und sich in «hllosen Gewalten Luft macht."

Widerstand gegen den Remarque-Film auch in Oesterreich.

Wien, 13.Dez. Der Streit um den Film3m Westen nichts Neues", dessen Aufführung für Anfang Januar in Wien bereits angekündigt ist, beginnt hier be­reits Proteste hervorzurufen. Verschiedene Verbände, die Deutsche Turnerschaft und die Frontkämpfervereinigung, verlangen ein Verbot und erwarten, daß der Innen­minister eine rasche Entscheidung treffen wird, um einer Beunruhigung der Oeffent- lichkeit rechtzeitig zu begegnen, da im Falle der Aufführung des Remarque-Filmes mit Gegenkundgebungen sicher zu rechnen sei.

Berlin, 12. Dez. Auf einem staats­politischen Abend der Deutschen Volkspartei des Wahlkreises 3 äußerte sich der Partei­führer Dingeldey über die polttische Lage nach der Vertagung des Reichstages.

Sehr eingehend befaßte sich Dingeldey mit dem Antrag, den die Deutsche Vollspartei noch vor der Vertagung des Reichstages ein­gebracht hat, worin die Reichsregierung er­sucht wird, bis zum Wiederzusammentritt des Reichstages einen ErgSnzungshaushalts- plan für 1931 vorzulegen, durch den wei­tere 300 Millionen Mark Ausga­ben gespart werden können. Dingeldey sagte hierzu, daß keine Gewähr dafür gege­ben sei, daß der vorliegende Etat für 1931 bet den Steuereinnahmen auch weitere Rück-

Explosion des Benzintanks

ft. Rewy-rk, 15. Dez. Wie aus Miami (Florida) gemeldet wird, ereig, uete sich an Bord des Vergnügungs- dampfers(Eure! a", der über 150 Fahr­gäste an Bord hatte, auf hoher See ein Explosionsunglück. Bisher tonn­ten 144 Fahrgäste gerettet und drei Tote geborgen werde«. Mehrere Personen wer­de« «och vermißt. Bei de« Rettunga- arbeite« spielte« sich erschütternde Szene« ab. Ein Dampfer, der zur Hilfe geeilt war, war schnell überfüllt. Rur das rasche Eingreifen der Küstenwache verhinderte, daß das Unglück größeres Ausmaß an­nahm. DieEureta", die wenige Minu­ten «ach dem Unglück sant, war mit einem Elasboden ausgerüstet, der die Beobachtung der Meereswunder und Ko­rallenriffe gestattet.

Einzeheiten über de« «»fall, die jetzt betannt werden, besagen, daß drei Ex- plosionen erfolgte». Bei der ersten , Explosion sei beretts eine große Panit ' unter den Passagieren ausgebrochea, die aus Furcht v-r den Haifischen »och auf de« brennende« Hei«« Dampfer bleibe« wollte«, bis die zweite Explosion, die im Benzi-tant erfolgte, sie zum Abspringen zwang. Mehrere Fahrzeuge der Küstenwache, Jachten und Fischer, boote retteten über 100 Passagiere, darunter viele Kinder. Bermitztwer. de« 29 Personen. Da bis heute morgen nur 3 Tote festgeftellt wurden, hofft man, daß sie von irgend welchen Fahrzeugen gerettet worden find.

Der Aufftand in Spanien Zwei Führer des Aufstandes vo« Jaea standrechtlich erschofiea.

Paris, 14. Dez. Wie Havas zu der niedergeschlagenen Meuterei von Jaca aus Madrid berichtet, sollen Hauptmann Gala«, der fich selbst als der verant- worüiche Urheber der Bewegung bezich- tete, und Hauptmann Salenas vom Kriegsgericht zum Tode verurteUt und be­reits standrechtlich erschossen worden sein; die andere» angeNagten Offiziere seien zu lebenslänglichem Ge­fängnis verurteilt worden. Insgesamt wurde gegen fünf Offiziere, zwei Sergan- te« und drei Aerzte verhandelt.

liebet Huesca wurde gestern nachmittag dex Belagerungszustand verhängt. Die Zahl der an dem Ausstand Betettigten soll 700 betragen.

Die Ausstandsbewegung in Jaca ist, wie eine Havasmeldung aus Hendaye besagt, als unterdrückt anzusehen. Die Regie­rungstruppen haben, dem Temps zufolge, 800 Gefangene gemacht, darunter zwei Ilniversitätsprofessoren und mehrere Ma­

drider Studenten. Der gleichfalls gefan­gen genommene und nach einer Havasmel­dung bereits erschoßene Hauptmann Ga­lan hat die Eesamtschuld sür die Aus­standsbewegung aus sich genommen und erklärt, er sei die Triebfeder der Be­wegung gewesen. Die Besorgnis der Re­gierung, daß die Unruhen wieder auf­flackern könnten, scheint noch nicht voll­kommen behoben zu sein, denn heute früh ist, wie Havas meldet, das Stand­recht verhängt worden.

Familientragödie in Chamber«.

P a r i s, 13. Dez. In Chambery ereignete sich eine furchtbare Familientragödie, die vier Todesopfer forderte. Ein 48jähriger Bank­angestellter erfälug aus Furcht zu sterben und feine Familie in Not zurüchulasfen mit einem Gummiknüppel seine Frau, seinen 18jährigen Sohn und seine 11jährige Tdchter. Dann verübte er Selbstmord durch Einatmen von Leuchtgas.

Walfisch kentert ei« Fischerboot.

Oslo, 14. Dez. Ein ungewöhnlicher und tragischer Unglücksfall hat sich am Sonnabend vor Tromsö abgespielt. Drei junge Fischer aus Tromsö waren mit ihrem Boot hmaus- gefahren. Plötzlich tauchte in ihrer Nähe ein riesiger Walfisch auf. Der Walfisch ge­riet unter das Boot und warf es um. Die drei Fischer ertranken. Ihre Leichen konnten noch nickt aeboraen werden.

Die Preissenkungsattion i« Italien. 65 Geschäfte in Rom behördlich geschlossen.

Rom, 13. Dez. Der Präfekt von Rom hat am Sonnabend die Schließung von 23 Geschäften angeordnet, die Lebensrnittel zu höheren Preisen verkauften, als sie von dem faschistischen Provinzialverband des Handels für angemessen erachtet wurden. Sett Beginn der Preissenkungsaktton sind in Rom bereits 65 Geschäfte vorüber­gehend geschlossen worden. Auch in an­deren Städten und Gemeinden wird in gleicher Weise Verfahren. Der Preisabbau wird in Italien aber auch ganz zielbewuht gefördert, indem neben den Druck seitens der Präfetten die Herabsetzung von Steu­ern und Gebühren durch die Kommunen tritt

Die Preissenkungsaktion

Gegen die Zurückhaltung der Käuferschast im Textilwarenkauf.

Stuttgart, 14. Dez. (WTD.) Im Wirtschaftsministerium fand gestern eine Besprechung mit den Vertretern der Textil­industrie und des Textilhandels über die Preissenkung bei den Textilwaren statt. Die Vertteter der verschiedenen Zweige der Textilindustrie sowie des Groß- und Einzelhandels gaben ihrer ernsten Besorg­nis über die gegenwärtige Zurückhaltung der Käuferschaft Ausdruck, denn dem Rück­gang des Umsatzes könne die Höhe der Un­kosten nicht angepaßt werden, zumal durch die Preisherabsetzungen an den Lägern er­hebliche Verluste entstanden seien. Es be­stehe die Gefahr, daß, wenn sich der Um­satz nicht bessere, die Verkaufspreise wieder echöht werden müßten. Bei dieser Sach­lage hat das Wirtschaftsministerium an die Käuferschaft die dringende Bitte ge­richtet, gerade jetzt mit ihrem Einkäufen nicht zurückzuhatten, sondern ihren Bedarf in gewohnter Weise zu decken.

schlüge und damit einen weiteren Steuer­ausfall berücksichtige. Die Regierung könne nur bann Vertrauen im Volke erhalten, und der Glaube des Volkes, daß die Opfer nicht umsonst gebracht sind, erhalten bleiben, wenn nicht auch beim Haushalt 1931 plötzlich wie­der em Defiztt zu verzeichnen sei, das bann burch eine weitere Anziehung ber Steuer­schraube gebeckt werben müßte. Die Deut­sche Volkspartei könne auch nicht zu Tribut- verhanblungen gehen, ohne einen geordneten, gegen alle Rückfälle gesicherten Etat zu Ha­ven. Vor der Klärung dieser Fragen im Sinne der Wünsche der Deutschen Volks- p artet werbe bie Haltung ber Reichstags­fraktion gegenüber ber Regierung abhängig sein.

Zu der Frage der Stellung der Deutschen Dolkspaftet zu den Nationalsozialisten un­terstrich Dingelbey seine Ausführungen in Magbeburg, baß es staatspolitisch flug sei, bie nationalen wertvollen Kräfte, bi« in bie- ser Paftet zweifellos vorhanben seien, für ben Aufbau bes Staates nutzbar zu machen. Augenblicklich set bie Möglichkeit ber Heber» nähme ernstlicher Verantwortung burch biese Paftet sehr skeptisch zu beurteilen, ba sie sich nicht entschlossen von einet staatspolitischen 3bee letten lassen.