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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhesse»

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Anzeiger der amUichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

der Selbstbesinnung Der Remarque-Film verboten

. Jetzt sind sämtliche Behörden für das Verbot '

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Mit wenigen Ausnahmen

Die Presse begrüßt das Verbot

Die Not der Gemeinden

Schon wieder neue Kredite

Berlin, 11. Dez. Nach halbstündiger Beratnng verkündete der Vorsitzende der Filmoberprüsstelle das Urteil, wonach der Film3m Westen nichts Neues" wegen \ Gefahrdnng de» deutschen An« sehen, verboten sei. 3« der Begrün - düng nahm ex lediglich zu diesem Punkte Stellung und betonte, daß da, Urteil nicht unter dem Eindruck der Straße gefalle« sei. Auch habe sich das Gericht nicht von de« Ausführungen Dr. Frankfurter» be, j einflusien lassen, i« denen es hieß, daß die amerikanische 3«d«strie sich nach einem Verbot dieses Filmes evtl, aus Deutsch- * land zurückziehen könnte.

Alle Berliner Morgenzeitungen beschäftigen sich ausführlich mit der Entscheidung der Filmoberprüsstelle aus 'Verbot des Filmes <^3m Westen nichts Neue s."

Bo fsi sche Zeitung" undDer- Bonner Tageblatt" bezeichnen es als un­richtig, daß der Film geeignet sei, dem deut­schen Ansehen im Auslande Schaden zuzu- fügen. 3m Gegenteil lägen ASicherungen vor, daß der Film im Auslande Verständnis für das gemeinsame Leid des Krieges erweckt habe.. DerVorwärts" nennt das Ver­bot einen Terrorhieb. Die Eefährung des deutschen Ansehens sei nicht durch die Auf- führung des Filmes hervorgerufen worden, sondern durch den Kampf, der gegen ihn ge­führt worden fei. Der Spruch der Ober- prüfstelle schädige das deutsche Ansehen aufs allerschwerste.

3m Gegensatz zu allen drei genannten Blättern, die in dem Urteil ein Zurück- weichen vor derStraße" sehen, unterstreicht derB ö r s e n - C o u r i e r" die Bemerkung des Vorsitzenden der Filmoberprüsstelle, der sich in der Begründung dagegen verwahrt, daß das Verbotunter dem Eindruck der Strahe" gefällt sei. Das Blatt greift je­doch das Wort des sächsischen Vertreters zur Kennzeichnung des Urteiles auf, der von einerWirkungszensur" gesprochen habe. Um diese habe es sich in der Tat gehandelt, nur damit sei der Spruch mindestens erklärlich geworden.

DieG e r m a n i a", die ebenfalls betont, dah die Filmprüfstelle unbeeinfluht durch die Demonstrationen entschieden habe, gibt ihre Zustimmung zu den sachlichen Gründen für das Verbot Ausdruck. Das Blatt lehnt den Film ab, denn es wünscht, dah die geistigen Waffen, mit denen um den Frieden gekämpft werden müsse, makellos und unantastbar sein Müssen und die echte nationale Würde nicht verletzen.

Ti« Rechtspresse begrüßt einstimmig die Entscheidung des Filmgerichtes.Lokal- Anzeiger" undB ö r f e n - Z e it u n g" weisen aus "den Gegensatz in der Stellung­nahme der Reichsregierung und der preußi­schen Regierung zu dem Film hin, und sehen m dieser verschiedenen Auffassung der beiden Regierungen eine schwerwiegende inner- politische Frage. DieDeutsche All- Sem eine Zeitung" beglückwünscht die mlmoberprüfstelle zu ihrem Mut, der ein Wut der Sachlichkeit fei. DieDeutsche Tageszeitung" und die ,^Drutsche Zeitung" beschäftigen sich in ihren Kom­mentaren auch mit der ausländischen Fassung rts Filmes, die sie für noch bedenklicher für 665 deutsche Ansehen im Auslände halten.

Die kommunistische ZeitungBerlin am Morgen" nennt das Urteil eine voll­ständige Kapitulation vor Hitler, der einen «Sieg" errungen habe^DieRote Fahne" bezeichnet es alsBrünings erstes Koalitions­angebot an Silier.

Kein Verständnis.

Berlin, 11. Dez. Die Abendblätter geben eine Korrespondenzmeldung wieder, nach der Donnerstag vormittag int Mozart- sacck eine Vorführung der amerikani- fch e n F a s s u n a des Filmes3 m W e st e n nichts Neues" vor dem preußischen 3nnen- minister Severing, dem Ministerpr- präsidenten Braun, dem Kultusminister Grimme, dem Polizeipräsidenten, dem Kommandeur der Berliner Schutzpolizei Sei- mannsberg, sowie verschiedenen höheren Be­amten Preußens stattgefunden habe. Wie die Korrespondenz hört, habe man im preuhi- I'chen Snnenminijterium durch die Vorführung die Auffassung gewonnen, dah auch die amerikanische Fassung des Filmes keine Setze darstelle. (!)

Berlin, 11. Dez. Im Plenum des Preu- hischen Staatsrates brachte am Donnerstag Finanzminister Dr. HöpKer-Aschoff den Etat für 1931 ein. Unter Hinweis aus die Notverordnungen meinte er, als man in Wei­mar die Verfassung verabschiedete, sei man da­von überzeugt gewesen, datz sich immer eine verantwortungsbewußte Mehrheit finden werde. Im Reichsparlament zeige sich jetzt das Gegenteil. Die im Reichstag vorliegen­den Aen derungsan träge würden eine Aus­höhlung der Notverordnung bedeu­ten. Preußen werde die Kürzung der Beam­tengehälter durch eine in den nächsten Tagen zu veröffentlichende Verordnung herbeiführen. Der Minister wiederholte dann das schon be­kannte Zahlenmaterial des neuen preutzifchen Etats und fügte hinzu,

Die Begründung des Verbots

Berlin, 11. Dez. Vor der Filmober­prüfstelle begann heute vormittag die Prüfung des FilmesIm Westen nichts Neues" mit einer Vorführung des in Deutschland zugelaffene« Bildstreifens.

Der Vertreter des Neichswehr- ministeriums,

der zunächst sprach erinnerte an das seiner­zeitige ablehnende Gutachten seines Mi­nisteriums vor der Filmprüfstelle. Die of­fenen Beleidigungen in Filmen, feien int verlaufe der letzten Jahre verschwunden; an die Stelle solcher Filme wären aber jetzt andere getreten, in denen der Deutsche verunglimpft und als lächerlich hingestellt werde.

Die heutigen antideutschen Filme feie« so raffiniert hergestellt, datz sie nur auf» schärfste verurteilt werde« könnten.

Der Protest der deutschen Preffe richte sich dagegen, dah die Leistungen der deut­schen Soldaten in den Augen der Welt herabgesetzt würden. Gegen die realistische Darstellung sei an sich nichts einzuwenden, das pazifistische Jedal werde ebenfalls nicht bestritten. e

Man müsse sich aber frage«, warum dieses Ideal gerade mit de« Soldat«« der deutsche« Wehrmacht «achge- wiese« würde.

Mit Kürzungen oder Streichungen sei der Protest der Wehrmacht nicht zu beschwich- ttgen.

Hierauf befürwortete der Sachverstän­dige des Auswärttgen Amtes die Unter­sagung des Filmes und betonte, dah aus dem Auslände Berichte eingegangen feien, wonach der Film das deutsche Anseh« im Auslande schädige.

Der '

Vertreter des Rrtch»i««e«mi»isteri««» wies darauf hin, datz der Film eine ein­seitige Darstellung des Kriegserlebnisies fei. Er sei eine Darstellung der deutschen Niederlage und müsie daher auf den deutschen Beschauer quak- voll und niederdrückend wirken. Er bringe Darstellungen von Vorgängen, die tn ihrer Häufung und realistischen Schilde­rung um so peinlicher wirkten, als es fast

ganz an Momenten fehle, die die Men­schen aus der Qual des Augenblicks zu einem höheren Erlebnis emporgehoben zeige. Das deutsche Volk sei in diesem Winter in einem Zustande so tiefer Rot und Zerrissenheit, daß alles abzulehnen sei, den inneren Zwiespalt noch zu ver­tiefen.

Der Reichsminister des Innern bejahe ««ter diesen Umständen die Frage, »b die Vorführung des Filmes die -ffentliche Ordnung gefährde.

In Anschluh daran erteilte der Vor­sitzende den Vertretern der Länder, die den Widerruf der Zulasiung des Filmes beantragt haben, das Wort. Der Vertre­ter Sachsens erklärte u. a., in zehn oder fünfzehn Jahren werde man den Film mit größerer Ruhe betrachten. Aber heute müsse die Erregung im deutschen Volke gewürdigt werden.

In seiner Begründung führte der Vor­sitzende der Filmoberprüsstelle aus: Da es sich um Weltanschauungsfragen handele, seien die im Film spielenden Personen Typen und nicht Einzelschicksale, und. diese

I Typen würden das Ansehen der Kriegs­teilnehmer auf das empfindlichste ver­letzen.

E» wäre unbestreitbar, datz e» trat deutsche Soldaten wäre«, die jammern und schreie«, während die Franzose«, die gegen de« Stacheldraht anrennen, schweigend sterbe, dürfen. Im ganze« »erde der Film der Semütsversaffung de, Teilnehmer om Kriege nicht ge­recht.

Die Filmoberprüfstelle habe sich im Ärigen dem Standpunkt des Reichsinnen­ministeriums angeschlosien, dah der Film die deutsche Niederlage und nicht den Krieg zeige. Er möchte, so betonte der Vorsitzende, das Volk sehen, das sich die Darstellung der eigenen Niederlage vom Ausland gefallen laste. Wenn der Film weiter liefe, so würde das Ausland doch sagen, daß wir die Darstellung billigen würden. Im übrigen sei die Entscheidung der Filmoberprüsstelle nicht unter dem Druck der Straße gefallen. Das Verbot er­folge wegen der Gefährdung de» deutschen Ansehens im Auslande.

während man die Neneknnahmen der Ge­meinden auf 200 Millionen schätzen könne, wüste man mit Mehrbelastungen von 300

Millionen rechnen.

Auch die den Gemeinden gegebene Möglichkeit doppelter Zuschläge zur Bier- und Büraer- steuer biete nur beschränkte Einnahmequellen. Möglicherweise entstünden bei den Gemeinden noch höhere Fehlbettäge. Die Lage sei sehr ernst.

Ms Generalberichterstatter, der dieses Amt jetzt zehn Jahre inne hat, referierte Dr. Kai­ser (3entr.) über die Ausschußverhandlungen. Das Gutachten des Ausschuffes fordert vor allem einen gerechten Finanz- und Lastenaus- gleich und bemängelt, daß gerade Wohnungs­baumittel zur Realsteuersenkung Verwendung finden sollen und datz man keine Rücksicht auf die örtlichen Besonderheiten nehmen wolle. Die Kaffenschwierigkeiten der Ge­meinden seien zu einem Massennotstarid gx, worden, der im Sanierungswerk des Reiche? kaum Beachtung gefunden habe.

Innenminister Severing begann mit dem Wunsche, die sachliche Verhau ülungsart des Staatsrates möge sich auch im Reichstag end- lich einmal durchsetzen. Severing sprach den Wunsch aus, datz von allen Stellen,' die die Selbstverwaltung zu schützen hätten, der Ver­such unternommen werde, sie auch in Notzei­ten aufrechtzuerhalten. Stände die Frage zur Entscheidung:Kommunales Ehaos oder Staatskommiffar?" so sei ein Staatskommis­sar immer noch das Bessere. " Ms die Kom­munisten dem Minister unter großer Heiter­keit zuriefenDas sagt feder Fäszist", fuhr der Minister fort:Ja, feder Faszist, auch der kom- munistifche". Jedenfalls müffe jeder dazu bei­tragen. das kostbare Gut der Selbstverwaltung zu schützen. In Zeiten der Not müffe man auf das Gebot der Vernunft und des unab­wendbaren Zwanges hören.

Freiberr von G a y l, der für die Arbeits­gemeinschaft u. a. die tßerroaltungsreform ver­langte, erklärte,

man müffe endlich einmal öffentlich wahr- heistgemStz feststellen, datz die preutzifchen Gemeinden bis Anfang Februar ein Defizit von 600 bis 700 Millionen Reichsmark hätten, und daß bereits in allernächster Zeit die Kas­sen namhafter Gemeinden leer fein würden, Im Osten werde man in absehbarer Zeit die Zahlung von Barlohn ein stellen muffen und Naturallohn nur so wett geben können, wie er vor dem Verhungern schützt. Als er die SPD. mit der Behauptung an­griff. sie trahtiere die Jugend mit Gummi­knüppeln, wenn es die Ehre des Vaterlandes zu verteidigen gelte, entstanden neue Lärm- fzenen, wobei der Redner alsunverschämter Lümmel" bezeichnet wurde.

Für das Zenttum verlangte Elfes die Verwaltungsreform und Staatshilfe für die Gemeinden. Auf die Jugend müsse man mäßi­gend einwirken.

Feger sDem.f, der sich zu dem Ausdruck Unverschämtheit" gegen von Gayl be­kannte, erhielt einen Ordnungsruf.

Die Einzelberatung beginnt am Freitag.

Re«e Vergiftungen j« Belgien.

Brüssel, 11. Dez. 3m Zusammen­hang mit de« rätselhafte« Todesfälle« i« der Umgebung von Brüssel wird nunmehr bekannt. daß bei mehreren Personen i« O o stacker bei Ernt in der vergangenen Wach« dieselbe« vergistungserscheinungen angeblich infolge de» starken Nebel» vor­gekommen st«d. Todesfälle sind jedoch «icht zu verzeichnen.