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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Umkämpfte Ministersessel

Die Umbildung der Regierung mutz bald erfolgen

Um Curtius und Wirth

Vorstoß gegen Curtius

Außenpolitische Debatte?

Gegen den Hetzfilm

Tumult um Remarque

Der Reichstag wird sich am Schluß sei- »er heutige« Sitzung darüber 3« entschei­de« haben, ob er noch in eine Debatte über die außenpolitische Lage eintreten will Die Reichsregierung ist, nrie die Blätter berichten, bemüht, diese Debatte, von der sie sich keinen Nutzen verspricht, z« vermeiden. Reichskanz­ler Brüning, der bereits gestern mit dem Führer der Bolkspartei, Dingel- dey, verhandelt hat, wird heute vormit­tag weitere Besprechungen mit einem Teil der hinter der Negierung stehenden Par­teien haben. An de« Besprechungen wird, »ie de,Vorwärts" berichtet, auch Reichsaußenminister Dr. Curtius teil- aehmen. Bor der Plenarsitzung werden die meiste« Fraktionen zusammentreten, um sich über ihre Stellungnahme zu der Frage der außenpolitischen Debatte schlüs­sig zu werden. Eine Reihe von Parteien ist der Ansicht, daß es richtiger wäre» die mannigfachen z«r Außenpolitik vorliegen­den Anträge schon jetzt zu behandeln. Dem Tageblatt" zufolge sieht man der Frak­tionssitzung der Christlich-soziale« mit be­sonderem Interesie entgegen, da diese Eruppe zwar die Notverordnung der Re­gierung gebilligt habe, auf außenpoliti­schem Gebiet aber 3« einer schärferen Ton­art neige.

Zu der Besprechung des Kanzlers mit dem Mg. Dingeldey berichtet das D. T., es sei anzunehmen, daß Mg. Dingeldey zum Ausdruck gebracht habe, rr habe mit seiner Magdeburger Rede keineswegs für die nächste Zukunft For­derungen ankündigen wollen, die die Ab­sichten der Regierung störten. Auch die Wünsche mancher Kreise, baldigst eine Aenderung in der Besetzung sowohl des Reichsinnenministeriums herbeizusühren, dürften von der offiziellen Führung der Volkspartei im Augenblick nicht gefördert werden.

Nachdem die große Linie der Regie- rungspolitik durch die Annahme der Rot- derordnung einstweilen gesichert ist, kon- -enttiert sich der politische Kampf um «nzelne Mitglieder des Reichskabinetts. Rm umstrittensten, und wohl auch am mei­sten gefährdet, ist Herr Curtius, aber auch um die Person des Innenmini­sters wollen die parlamentarischen Kom­binationen nicht zur Ruhe kommen. Da­bei ist anzunehmen, daß die Stellung von Dr. W i r t h von dem Ausgang des Kamp­fes um Curtius abhängig ist, denn sollte ^eser gestürzt werden, so werden sich Wi­derstände gegen Wirth selbst m's dem Szenen Regierungslager heraus bemerk­bar machen, die einstweilen noch unter der Oberfläche geblieben sind. So rechnet man wich mit einem Vorstoß aus volkspartei- uchen Kreisen, die auf eine Ambesetzung des Innenministeriums drängen. Die Be­mühungen des Reichskanzlers zielen selbst­verständlich auf Beseitigung dieser Per- wnalkrise hin, aber allgemein wird er­wartet, daß das neue Jahr sehr bald eine Umbildung des Reichskabinetts bringen wird, wobei neben dem Reichskanzler nur

die Positionen von Grüner, Dietrich, Stegerwald und Schätze! als unbedingt ge­sichert gelten. Die Frage der Umbildung des Kabinetts wird aber auch noch von an» derer Seite her berührt, da die Volks- Partei augenscheinlich stark auf Wieder­besetzung des Reichswirtschaftsministeriums drängt. Da auch das Justizministerium noch verwaist ist, ergeben sich weitere Kombinationen, die von der zukünftigen Regierungspolitik stark bedingt sind.

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Berlin, 8. Dez. Vor der 9-llhr-Borstel- lung des Films3m Westen nichts Neues" kam es deute abend erneut zu schweren Tu- multszenen auf dem Nollendorfplatz. Eine große Menschenmenge umlagerte den vollkom­men von der Polizei abgeriegelten Platz, zu dem nur Leute mit Eintrittskarten zum Mo- zgrtsaal Zutritt erhielten. Sämtliche Halte­stellen der Straßenbahn und die Station Nol­lendorfplatz der Untergrundbahn waren auf-

Soubkoffs Ende

Petit P a r i f i e n" berichtet aus Luxemburg, daß Alexander Soubkoff, der dort als Tellerwäscher tätig ist, i« letzter Zeit Zeichen von Geistesstörung gezeigt habe. Da feine Heilung wenig wahrscheinlich sei. spreche man davon, ihn ! zu internieren. Man habe die Zustim­mung seiner Familie dazu erlangt. Seine *

kn Bonn wohnende Mutter sei vor einige« Tagen in Luxemburg eingetroffen, um sich über das Befinden ihres Sohnes zu unter­richten. Ma« dürfe nicht überrascht sein, wenn Alexander Soubkoff, binnen kurzem zur Beobachtung in eine Klinik überführt und dann endgültig interniert würde.

Laval beider Kabinettsbildung

Zm Laufe des Dienstag wird sich Ar­beitsminister Laval darüber entscheiden, ob er den ihm erteilten Auftrag zur Re­gierungsbildung endgültig annimmt ode, nicht. Sollte die Annahme erfolgen, so wird die Zusammensetzung des Kabinetts nur noch eine Frage von Stunden sein. Die Radikal-Sozialisten find nicht von ihrem Standpunkt abgewichen und haben nach wie vor ihre Mitarbeit von dem Ausschluß der Gruppe Marin abhängig gemacht. I« parla­mentarischen Kreisen erwartet man, daß Laval unter Umständen auch auf die Mit­arbeit der Radikal-Soziale« verzichtet und ein Kabinett der Persönlichkeiten aufstellt. Diese letzte Möglichkeit werde aber erst dann i« Frage kommen, wen« die Radikal-Sozialiste« in ihrer Dienstag- Sitzung Stellung gegen Tardieu neh­men sollten. Sollten di« Radikal-Sozia­listen dagegen beschließen, bis zur Gruppe Maginot ihre volle Unterstützung z« ge­währen, auch wenn Tardieu selbst im Ka­binett vertrete« ist, so. wird Laval vor­aussichtlich auf die Mitarbeit der Marin- Gruppe verzichten.

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Als einziges Blatt berichtetEcho de Pari s, daß Senator Laval bereits gestern abend in später Stunde dem Prä­sidenten der Republik über den Stand sei­ner Besprechung zur Lösung der Krise Bericht erstattet habe und daß man mit Sicherheit die schnelle Bildung eines Ka­binetts Laval voraussehen könne. Laval wünscht ein Ministerium unter Mitarbeit der Radikalen zu bilden. ' Wenn sie aber auf ihrem Standpunkt, eine bestimmte

Partei auszuschließen, beharren sollten, würde er auch ohne sie regieren. Das Blatt will auch schon folgende Persönlich­keiten als wahrscheinliche Mitarbeiter Lavals nennen können: Briand Tar­dieu, Chäron, Barthou. Magi­not, Flandin, Reynaud, Da­vid, vielleicht sogar Mandel und von den Radikalen, falls sie sich zur Mitarbeit entschließen sollten, Daladier, Queuille und de Jouvenel. Die Anwesenheit Dala- diers im Kabinett, so versichert man in best unterrichteten Kreisen, würde Laval eine sichere Mehrheit in der Kammer ver­schaffen, und auch im Senat dürfte er auf keine Schwierigkeiten stoßen. Auch nach demM a t i n scheint es, daß die Ver­handlungen, die Laval führt, so gut wie abgeschlosien sind. Nach diesem Blatt soll die Maringruppe bereit sein, mit den Radikalen zusammen zu arbeiten. Das Blatt sagt deshalb, daß das Schicksal des Kabinetts Laval einzig und allein vom Verhalten der Ra­dikalen abhängt, und fragt: Werden sie eine Haltung einnehmen, die die endgül­tige Verurteilung jeder republikanischen Konzenttation bis 1932 bedeutet und in- I folge dessen im Widerspruch mit der Ab­stimmung der Radikalen im Senat stehen würde?

Am späten Abend hat Senator Laval seine Aeußerung, daß er auf die Mit­arbeit Tardieus bei der Bildung seines Kabinetts größten Wert lege, noch mit besonderem Nachdruck wiederholt. Er erklärte, nach einer Havas-Meldung, die effektive Mitarbeit Tardieus fei für ihn eine conditio sine qua non. Sollte Tar­dieu morgen spontan den Wunsch äußern, nicht in sein Kabinett einzutreten und ihm nur seine Unterstützung als Abgeord­neter in der Kammer versprechen, dann würde er, Laval, auf die Kabinettsbil- duna verzichten.

gehoben. Die Polizei ging mit dem Gummi­knüppel gegen die ständig anwachsende Men­schenmenge vor, die ständig von neuem Deutschland erwache l" rief. Dr. Goebbels er­schien pünktlich um 9 Uhr zu der angekündig- ten Protestversammlung der Nationalsozia­listen in seinem Wagen, fuhr jedoch zum Wit, tenbergplatz weiter und zog die Massen mit sich dorthin.

Um %19 Uhr sammelten sich die Demon­stranten wieder auf dem Wittenbergplatz. Die Polizei hatte die Ansammlungen zunächst zer­streut. Es bildete sich aber bald darauf ein Demonstrationszug, der, geführt von einem Lautsprecherauto, viergliedrig über den Platz zog. Die Tauentzienstraße selbst war durch eine Polizeikette abgesperrt. In einem Logen durch die Ansbacher und Augsburger Straß« marschierte der Zug nach dem Kurfürsten­damm. Das Lautsprecherauto, durch das na­tionalsozialistische Kampflieder zu Gehör ge­bracht wurden, wurde von der Polizei in die Tauentzienstraße abgeleitet. Das Auto wurde stchergestellt; die Insassen wurden zwangsge- stellt. Als der Zug sich dem Kurfürstendamm näherte, wurde er durch Polizei getrennt. Eine größere Anzahl, die auf mehrere tausend ge­schätzt wird, wurde abgedrängt. Der Hauptteil des Zuges machte die Aktion der Polizei, die sich bemühte, einzelne Teile abzutrennen, da­durch illusorisch, daß die Demonstranten je­weils im Laufschritt schnellstens aufschlossen.

In den späteren Abendstunden hielt bann Dr. Goebbels auf dem Wittenbergplatz seine angekündigte Rede über den FilmIm Westen nichts Neues" den er als eine Kultur­schande bezeichnete. Die Nationalsozialisten, so kündigte er an, würden es nicht gestatten, daß der Frontsoldat heruntergerissen werde.

Nach den Kundgebungen auf dem Nollen­dorfplatz und dem Fehrbellinerplatz lösten sich die Massen auf und zogen in größeren und kleineren Trupps durch verschiedene Sttaßen ab. Am Untergrundbahnhof Fehrbellinerplatz wurde die Sperre überrannt, und tausende von Personen, zum größten Teil ohne Fahrkarten, stürmten durch die Sperre auf die Bahnsteige. Die einfahrenden Züge waren in wenigen Augenblicken so überfüllt, daß mehrfach die Fensterscheiben eingedrückt wur­den. Auch auf den anderen Bahnhöfen setzten die Nationalsozialisten, ihre Demonstrationen fort. Am Nollendorfplatz stiegen sie wieder aus und versuchten unter dem RufeDeutsch­land erwache!" aus dem Bahnhof auf den Nollendorfplatz zu gelangen, um hier neue Demonstrationen zu inszenieren. Die Schutz­polizei war aber auf dem Posten und drängte die Nationalsozialisten in den Bahnhof zurück, wobei wiederholt, da den Beamten Wider­stand entgegengesetzt wurde, vom Gummiknüp­pel Gebrauch gemacht werden mußte.

Als immer weitere Züge, vorwiegend mit Nationalsozialisten besetzt, am Nollendorfplatz hielten und die Demonstranten aussteigen wollten, wurde schließlich, um erneuten Un­ruhen vorzubeugen, der Bahnhof Nol- len dorfplatzgesperrt, und sämtliche Züge mußten bis Betriebsschluß, ohne hier anzuhalten, durchfahren.

Die nationalsozialistischen Demonstrations­züge, die am Abend sich nach den Protestkund­gebungen am Nollendorfplatz zum Wittenberg­platz und von dort durch die Ansbacher-, Augsburger- und Rankestraße zogen, bewegten sich weiter durch die Uhlandstraße zum Kur- f ü r st e n d a m m. An der Ecke llhlandsttaße vor dem Kaffee llhlandeck wurde sie von Dr. Goebbels, der mit mehreren Parteigenos­sen aus seinem Auto stand, erwartet.

Die Demonstranten zogen über den Kur- küriteudamm mit entblößten Häuptern