Donnerstag, ten4.9tj.1930
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Post 2.45 ®M FÖ, etto« durch Streik. Maschtniidefeke »der cte- vcntatt «retgntffe «aefoOrobe Kümmern wird (eia Ersatz g«. letzet. Verlag, Dr. S Hitzerotd, druck der U»id-V«chdru<kerel g»h. Aug. Koch, Markt 21/23. Aernsprecher: St«. M uud Rr 56. Postscheckkonto: SKnt Frankfurt «. M. Str. 6015. — Sprech zeit her Redaktion do« 10—11 w*
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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
St. 284 05. WO.
Marburg «.Lahn
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachnnge« für Stadt und Kreis Marburg.
Keichstagssitzung Blutige Demonstrationen
| lleberfälle und Zusammenstöße in Hamburg und Leipzig
Mit Messern gegen die Polizei >
Ein Polizeiwachtmeister in Hamburg getötet — Die Täter entkommen
I Hamburg, 3. Dez. Etwa 250 Kom« Munistev, teilweise i« der Uniform der f„Rote » Marine", zogen heute abend dnrch den Alte» Steinweg, wo ihnen mehrere Ordnungspolizisten entgegentraten, »e mit Zohlen und Beschimpfungen emp« Sangen, zu Boden gerissen, geschlagen und getreten wurde». Zn- »wischen herüeigerufene Polizeiuerstärkung löngte von de« Gummiknüppeln Gebrauch »wachen. In bct Nähe des Erotzneumarktes Vwnrde mit Messern auf die Beamten ein- Mstochen, wobei ein Polizeihanptmann Mne» Messerstich 1» de« Leib nnd in den ^igefinger, ein Revierkommissar Messer- Mche in den Rücke» und erhebliche Gesichts- berletzunge« erhielt, während ein Polizei- Wachtmeister durch Messerstiche in die Malsschlagader getötet wurde Die Kom- Muniste» flüchteten schließlich nnd entka- Wle» bis auf zwei im Schutze der Dunkel- Eit "
kZusammenstötze in Chemnitz
» Chemnitz, 3. Dez. In den Abend- Minden des Mittwochs versuchten, wie das Polizeipräsidium mitteilt, Kommunisten Motz des im Zusammenhang mit dem Reilstreik der Straßenbahner, am Diens- Mg erlassen polizeilichen Verbotes in ge- Shlossenem Trupp auf den Straßen zu de- Monftrieren. Als im Stadtteil S o n - Wernberg ein solcher Demonstrations- Sug aufgelöst werden sollte, nahmen die Demonstranten gegen die Polizei eine Drohende Haltung ein. Sie zogen sich Sann in ein Streiklokal zurück und be- Warfen von dort aus die Beamten mit Mteincn. Nach Abgabe mehrerer Schreck- Müsse schritt die Polizei zur Räumung les Lokals, nahm etwa 120 Demonstran- len fest und brachte sie nach dem Polizei- Sräfidium.
I Ein Toter in Leipzig
■ Leipzig. 3. Dez. Zu schweren Z u - Rammenstößen zwischen K o m m ü n - st e n Wnd Polizei, bei denen acht Personen Mrletzt wurden, kam es heute in den späten Rachmittagsstunden in dec Leipziger Jnnen- Mdt bei einer Demonstration, zu der We KPD. aufgerufen hatte. Die Teilnehnier Meier Versammlungen trafen sich gegen 6 Uhr auf dem Schloßplatz in der Nähe des Reichsgerichtes und wurden dort von einem Redner aufgefordert, im geschlossenem Zuge Mm Rathaus zu marschieren. Auf dem Wege Mithin traten den Demonstranten Polizei- Mannschaften entgegen, die die Massen aus- Rnander zu treiben suchten. Dabei kam es M schweren Zusammenstößen, in deren Der- Muf die Polizei von der Schußwaffe Gebrauch machte. Es gab nach den bisher Vorliegenden Nachrichten acht Verletzte, Von denen sieben Aufnahme im Krankenhaus »funden Haden. Es gelang der Polizei, die kstenge auseinander zu treiben.
Wie der amtliche Polizeibericht zu den Zu- kmmmenstößen meldet, sind im ganzen neun Personen verletzt worden. Von diesen ist' eine im Krankenhaus gestorben. Slle übrigen befinden sich noch im Kranken-
3m Stadtverordnetenkollegium kam es aus Anlaß der Zusammenstöße zu Tumultszenen zwischen den Sozialdemokraten und Kommunisten. Ein kommunistischer Stadtverordneter, der den Sözialdemokraten Arbeitermör- dec und andere Beschimpfungen zurief, wurde auf Beschluß des' Präsidiums für zwei Sitzungen ausgeschlossen. Er weigerte sich, den Saal zu verlassen und mußte mit Gewalt entfernt werden.
36 Personen durch eine Dynamit-Explosion getötet.
ft Rio de Janeiro, 4. Dez. Anf der Bahnstation Revo da Cunta im Staate Minas Eeraes wurden durch eine Explosion eines Transportwagens mit Dynamit 36 Personen getötet. Die Ursache der Explosion ist unbekannt.
Hitler greift ein
150 SA-Leute verhaftet
Breslau, 3. Dez. Nach einer amtlichen Mitteilung der Polizei wurden in der Nacht zum 3. Dezember in Zäschkowitz Landkreis Breslau, etwa 150 Mitglieder dex Nationalsozialistischen Sturmabteilung, darunter auch Sanitäter, uniformiert, feldmarschmäßig ausgerüstet nnd bewaffnet, festgestellt. Sie waren im Schloß des Eutshofes des Rittergutspächters von Oelffen untergebracht, wo die Unterkunft in Säle» vorbereitet war. Ein noch in dex Nacht hinzukommendes Schutz- polizeikommondo stellte eitle Menge Waffen, darunter geladene Karabiner. Pistole», Handgranaten, Munitio« und Schußwaffen aller Art fest. Die vorläufig festgenommenen Nationalsozialisten wurde« in den frühen Morgenstunden durch Lastkraftwagen der Schutzpolizei dem Polizeipräsidium zugeführt. wo die weitere» Per- nehmuugc» stattfinden.
Gegenüber der polizeilichen Darstellung über die Verhaftung vo» Mitgliedern der nationalsozialistischen Sturmabteilung in Zäschkowitz und die Feststellung von scharf geladenen Karabinern, Pistolen, Handgranaten, Munition und Hiebwaffen verbreitet der nationalsozialistische „A n g r i f f" eine Darstellung, die von einem regelrechten Feuerüberfall der Polizei auf das Schloß des Herrn v. Oelffen spricht. Mannschaften der Breslauer Schupo hätten das Rittergut umstellt und sofort Feuer auf Personen gegeben, die aus dem Gebäude kamen und sich nach dem Grund der Aktiv« erkundigen wollten. Die Polizei habe Siegte, Beile und Zagdwasfen des Schloßherrn beschlagnahmt. Die Polizeiaktion sei auf Grund von Denunziationen erfolgt, da Herr v. Oelffen sehr viele Nationalsozialisten in seinem Landwirtschaftsbetrieb beschäftigte. Es handele sich höchstwahrscheinlich um einen Racheakt. Wie die Polizei mitteilt, wurden Waffen bei den Verhafteten tatsächlich nicht gefunden. Sie sollen aber im Stroh versteckt gelegen haben. Zm Gewahrsam der Polizei befinden sich bisher 2 Karabiner, eine Armee- pistolt eine Mauserpistole, ein Browning, drei Stielhandgranaten und einiges an-, bete. Als die Festgenommenen im Breslauer Polizeipräsidium eintrafen, bildeten sich größere Menschenansammlungen.
Hitler tadelt das ZLschkowi^er Unternehme«.
Zu den Wasfenfunden in Zäschkowitz und der Verhaftung von 150 Nationalsozialisten berichtet die „Deutsche Allgemeine Z e i t u n g", daß die NSDAP, von der Veranstaltung mit aller Entschiedenheit abrücke. Adolf Hitler habe aus Berlin folgendes Telegramm gesandt: „Der seit langem bestehende Beschluß der politischen Leitung der Partei, jeden rücksichtslos aus der Partei zu entfernen, der illegale Mittel im politischen Kampf an- wendet, wird auch in diesem Falle zur Anwendung gebrvcht werden."
Wie die polittsche Leitung der NSDAP, in Berlin zu den Vorgängen in Zäschkowitz mitteilt, seien seit dem Verbot der Ortsgruppe Breslau auch alle Sturmabteilungen aufgelöst worden, so daß es sich hier also nicht um eine Sturmabteilung handeln könne. Bei den Festgenommenen soll es sich vielmehr um Mitglieder verschiedener nationaler Verbände handeln. Auch eine Anzahl frühe- . rer nationalsozialistischer SA.-Leute solle sich unter den Festgenommenen befinden, jedoch niemand, der vor der Auflösung der Ortsgruppe Breslau der NSDAP, an führender Stelle gestanden habe.
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Verhaftungen in Italien
Rom, 3. Dez, Einer amtlichen Mitteilung zufolge hat die italienische Sicherheitspolizei eine Eeheimorganifa- tion ausgehoben, die zum Jahrestage des Marsches auf Rom Anschläge gegen die öffentliche Ordnung plante. Die Verhafteten — es handelt sich um 24 namentlich genannte Personen, darunter zwei Frauen — feien geständig; sie find dem Sondergerichtshof zum Schutze des Staates übergeben worden. Ferner find von der Sicherheitspolizei die Fäden kommunistischer Organisationen in den Gebieten Emilia und Romagna aufgedeckt worden. Die Verhafteten wurden ebenfalls dem Sondergerichtshof zum Schutze des Staates überantwortet. Schließlich hat die Sicherheitspolizei in Rom drei Personen verhaftet, die sich mit der geheime» Verbreitung periodischer und sonstiger antifaschistischer Druckschriften befaßten.
Tagesspiegel
Die meisten Berliner Morgenblätter un» terstreichen in ihrem Stimmungsbild über die gestrige Reichstagssitzung die Tatsache, daß. es im Gegensatz zu der Er- vffnungssitzung nach der Reuwahl nicht zu Lärmszenen gekommen ist. Die „Ger- mannia" erinnert an die Debatte im 3ult über die Rotverordnung, bei 'der jedermann wußte, daß es zur Auflösung kommen werde. Was heute bei einer An» nähme der Aufhebungsanträge kommen werde, entziehe sich jeder Voraussicht. Die ‘Bestimmungen der gegenwärtigen Rotverordnung seien für die Weiterfüh» rung einer geordneten Staatswirtschaft unentbehrlich. Riemand vermöge eine bessere Lösung an ihre Stelle zu setzen. Die Reichsregierung gewinne durch das abkürzende Verfahren der Notverordnung Zeft und Ruhe, um sich in allernächster Zeft anderen wichtigen Aufgaben widmen zu können. Sie werde vor allem wieder an ihre Aktton der Preissenkung denken müssen. Die „Deutsche Allgemeine Zeitung", die auf die geringe Bedeutung der Rolle des Reichstages unter den heurigen Dethällnissen hinweist, schreibt, daß über der Sitzung ein Hauch von Resignation gelegen habe, die der Einsicht entspringe, daß die übliche» Geste» nichts mehr bedeute». Minister Dietrich habe im wesentlichen ein Referat über die technischen Einzecheiten der Etats, der Rotverordnung und über ihre Gründe gegeben. — Die „Vossische Zeitung- betont, daß der Reichstag aus triften Zahlen doch zu zuversichtlicher Schlußfolgerung gelangt sei. So schwarz wie im Iull habe er die Farben nicht mehr Aufträgen müssen. — Das „Berliner Tageblatt" bezeichnet es als das wichtigste an der Rede Dietrichs, daß ihr Inhall im Inland und Auslands das Vertrauen der Wirtschaftskreise beleben werde. — Der „Vorwärts" weist darauf hi», daß die Regierung sich die Steuer» schon selbst bewilligt habe, also spreche Herr Diettich temperiert optimistisch und präge de» Satz: „Das Reich ist in keiner akuten Gefahr!" Die Lleberweisung der Dot- verordnung an de» Haushallsausschuß dürfte sich, so schreibt das Blatt, als unzweckmäßig erweisen, well sie bereits di« mit der Sozialdemokratie vereinbarten Verbesserungen in der Krankenversicherung, in der Arbeitslosenversicherung und bei 'der Dürgerabgabe enthalte. Sollle der Reichstag die Aufhebung der Rot- Verordnung ablehnen, so werde die sozial- demokrattsche Fraktion für die notwendigen Verbesserungen bei den einzelnen Vorlagen int Wege der Initiativgesetzgebung kämpfen. — Die „Börsenzeitung" hebt als bemerkenswert hervor, daß Dr. Dietrich sehr energisch die Loslösung der Arbeitslosenvefticherung aus der Haushaltswirtschaft des Reiches verteidigt habe. — Me „Deutsche Tageszeitung" krittsiert die optimistische Aufafssung des Ministers über die Hcms- hallsgebahrung für 1931. Sie bezeichnet die mehr als oberflächliche Behandlung der Einheitssteuer, der Realsteuer als den schwächsten Punkt der Einzelaussührungen Dr. Dietrichs. Sein Versuch, Hoffnungen zu erwecken, die sich beim Fortlaufen un« tragbarer Auslandskredite gar nicht erfüllen können, fei mit allem Ernst zurückzuweisen. — Der „Völkische Beobachter" schreibt unter der Aeberschrifr „Schwere Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit durch die neue Steuernotverordnung" u. a.: Für die Verkündung der neuen DerelendungSsteuern nach Artikel 48 fehlen alle verfassungs-