Nr. 279
DbtrtffitlAe Sfttwnfl. Mardnra e L. Freitag, bett 28. November 1930
Sette 7
Maria Theresia, die Frau und Mutter
Zur 150. Wiederkehr ihres Todestages am 29. November 1930
Auf dem neuen Markt in Wien erhebt sich jn fast preuhisch anmutender Einfachheit die bescheidene Front der Kapuzinerkirche. Nichts verrät äußerlich, daß ihr Kellergewölbe eine prunkvolle DeMäbnisstätte birgt, die Maria Theresia-Gruft.
Die letzte große Habsburgerin schlummert dort seit 150 Jahren neben Franz I., dem gatten, der ihr die Kaiserkrone verdankte. Das Denkmal, das sich über dem Doppelsarge erhebt, mutet unwillkürlich — obwohl es durchaus nicht als solche gedacht war — wie die Versinnbildlichung des Verhältnisies an, das zwischen der männlich starken und doch wieder so frauenhaften Erbin des Habsburgerreiches und ihrem liebenswürdigen, aber in keiner Weise durch Eeistesgaben besonders ausgezeichneten Gemahl bestand Von der Posaune des Engels aus dem Todesschlafe geweckt, richten sie sich aus, um gemeinsam zum , jüngsten Gericht zu schreiten. Sie blicken einander an, doch gleichzeitig ergreift die Kaiserin mit einer Hand das Szepter, das ihr Gemahl trägt. Er hielt das Zeichen der Kaiserwürde, und Maria Theresia führte es, doch mit der Rücksicht der starken Frau, die ihren Prinzgemahl aufrichtig liebt.
Sie überlebte Franz l. um fünfzehn Jahre. An der Mauer über seinem Sarge ließ sie eine Loge bauen, um dort fast täglich eine Viertelstunde in stiller Andacht zu verbringen. Als sie in den. letzten Jahren vor ihrem Tode kränkelte und das Treppensteigen ihr Mühe verursachte, ließ sie sich einen Aufzug einrichten, weil sie auf diese Minuten der Sammlung nicht verzichten wollte. Am 2. November 1780 überfiel sie eine Todesahnung. Beim Verlassen der Gruft blieb der Aufzug unterwegs dreimal stehen. „Ja, Franzl", sagte die Kaiserin, „du willst mich wieder bei dir haben. Ich komm' schon zu dir." Es war ihr letzter Besuch in der Gruft. Sie sprach die Worte wie eine Mutter, die ihr Kind trösten will.
Um die Mutter sammelten sich auch hier in der Gruft die Kinder. Sechzehn waren es. Zwölf Särge stehen im Gewölbe der Kapuzinerkirche. Vier Kinder fanden nicht in die Heimat zurück. Unter ihnen die jüngste Tochter, Marie Antoinette, die in der Fremde lachte, litt und starb und deren Leichtsinn der deutschesten unter allen Habsburgerinnen wesensfremd sein mußte.
Deutsch war Maria Theresia nicht nur als Herrscherin, als Verwalterin ihres Erbes, sondern vor allem als Gattin und Mutter. Sie setzte ihren Ehrgeiz darein, eine schlichte deutsche Hausfrau zu sein. Etikette und Zopf haßte sie wie alles Falsche und Gezierte. Keine andere Kaiserin hätte tn spontaner Freude von,- ihrer Loge im Vurgtheater aus ihren Wienern die Geburt einfs Enkels selbst verkündet. Ihre Mütterlichkeit war die beste unter ihren guten Eigenschaften, denn sie floß aus ihrem Herzen nicht nur in die Adern ihrer Kinder, sondern das ganze Habsburgerreich empfing aus ihr Liebe und Wärme.
Mit unermüdlicher Umsicht entwarf sie persönlich in allen Einzelheiten die Lehrpläne für ihre Söhne und Töchter, erteilte sie ihren Kindern vor deren Vermählung Verhaltungsmaßregeln. Später unterhielt sie mit allen einen lebhaften Briefwechsel, in dem sie — ohne es zu ahnen — das lebenswahrste Bild von sich selbst zeichnete. Sie sparte nicht mit Ratschlägen und Ermahnungen, sie verschonte auch keinen mit Vorwürfen.
Wenn Maria Theresia bei aller Liebe zu ihren Kindern Habsburgerin genug blieb, um
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ihre Töchter der Politik und dem Grundsatz des -alten Herrscherhauses „Krieg führen mögen die andern! Du, glückliches Oesterreich, heirate!" zu opfern, so machte sie trotzdem bei einer eine Ausnahme, bei ihrer Lteblings- tochter Maria Christine. Sie fühlte sich glücklich, weil sie wenigstens dieses Kind nach seinem Herzen wählen lasten durfte. Sie sah in dieser Liebesverbindung eine Erneuerung
ihrer eigenen Ehe, denn Maria Christines Erwählter^ Prinz Albrecht von Sachsen-Teschen, war mit keinerlei Glücksgütern gesegnet und konnte die Hausmacht der Habsburger noch weit weniger stärken als Franz von Lothringen, dem Oesterreich doch Toskana zu verdanken hatte. Als später durch den Tod ihres Schwagers Karl von Lothringen die Statthalterschaft in den Oesterreich'schen Niederlanden frei wurde und mit Maria Christines Gatten besetzt werden sollte, suchte die Kaiserin die Abreise der Lieblingstochter bis zum letzten Augenblick zu verzögern. Doch gleich- zettig kämpfte sie mit ihrem Sohn, Joseph II., um Die Rechte des Statthalters, die dieser beschneiden wollte. Die Mutter rang mtt der Staatsräson, die sie selbst verkörperte.
Mutter wollte Maria Theresia auch ihren Untertanen gegenüber fein. Sie fühlte sich von Gott dazu berufen und ihre Handlungen waren vom unverbrüchlichen Glauben an diese Aufgabe diktiert. Sie sagte selbst, dem Glück und der Wohlfahrt seines Volkes zuliebe müsse ein Monarch auf eigene Wünsche verzichten können. Ost stimmte sie nur unter Tränen einem Vorschläge ihrer Minister zu, weil der Verstand bet Herrscherin keine Rücksicht auf das Herz der mütterlichen Frau nehmen konnte. Als einzigen Lohn für ihre Taten forderte sie die Lieb e ihres Volkes. Diese wurde ihr in dem gleichen Maße zuteil wie ihrem großen Feinde, dem Preußenkönig, der ihr völlig wesensfremd war, den sie nicht verstehen konnte und „das Ungeheuer" nannte und mit dem sie doch das eine Grundlegende gemein hatte, die sittlich hohe Auffassung von bet Pflicht bes Monarchen. „Der Fürst ist bet erste Diener seines Staates", sagte Friebtich bet Große, unb bas Gleiche bachte Maria Theresia, stoenn sie bie Mutter ihrer vielen, unter der Habsburger Krone vereinigten Völker sein wollte.
E. A. Brüdern-Wien.
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Eenetalstaatsanwalt Rohde zurückgetreten
Berlin, 28. Nov. Der Chef der Staatsanwaltschaften im Kammergerichtsbezirk Berlin Eenetalstaatsanwalt Rohde, hat dem Justizminister fein Abschiedsgesuch eingereicht. Eenetalstaatsanwalt Rohde sollte ursprünglich sein Amt bis zum Oktober 1931 bekleiden. Schon seit mehr als Jahresfrist ist der Eeneralstaats- anwalt jedoch kränklich und aus diesem Gründe hat er auch jetzt um seine vorzeitige Verabschiedung gebeten.
Wie die „Germania" erfährt, soll Ministerialrat Dr. Wichmann Nachfolger Rhodes werden.
Reichstagsabgeordneter von Kardorff erkrankt.
Berlin, 27. Nov. Der Reichstagsabgeordnete von Kardorff ist gestern abend im Westsanatorium operiert worden. Wir erfahren heute vormittag, datz die Operation gut verlaufen ist. Der Patient befindet sich den Umständen nach wohl.
Polttischer Zusammenstoß in Köln.
Köln, 27. Nov. Donnerstagabend wurde ein Trupp Nationalsozialisten, der sich auf dem Wege zu einer Versammlung befand, an
der Unterführung der Hohenzollernbrücke in Deutz von Kommunisten angegriffen. Dabei kam es zu einer Schießerei, in deren Verlauf ein Nationalsozialist durch einen Lungenschuß lebensgefährlich verletzt wurde. Vier Personen erlitten leichtere Verletzungen, darunter auch der kommunistische Parteisekretär Sommer. Acht Kommunisten wurden festgenommen.
Deutscher Wahlsieg iu Rordschleswig.
Berlin, 28. Nov. Bei den gestrigen Kirchenwahlen in Sonderburg erzielten Die Deutschen, einen glänzenden (Erfolg. Sie erhielten 734 Stimmen, die Dänen nur 451 zmd die - Sozialdemokraten nur 126. Damit entfallen auf die deutsche Liste neun, auf die dänische fünf Sitze und auf die sozialdemokratische Liste ein Sitz.
Der Regierungspräsident verfügt für Hag«, bie Rotfteuer.
Hagen, 27. Nov. Der RegierungsprSst. deut hat mit Zustimmung bet Beschlutzoehöroe auf Grunb bet Notverordnung bes Reichspräsidenten bie Biet-, Getränke- und B ii r g e r ft e u e r mit Wirkung vom 1. Dez. dieses Jahres eingefühtt. Zum Staatskommissar für Hagen wurde Regierungsrat Fuchs- Arnsberg ernannt.
Der Milchpreis iu Berlin wieder erhöht.
fk. Berlin, 28. Nov. Der Verband bet Bereinigten Berliner Milchhändlet teilt ben
Blättern zufolge mit, daß bet Milchpreis im Kleinhanbel vom 29. November ab wieder 30 Pfg. betragen wirb.
Raubüberfall auf «men Hotelbesitzer.
Berlin, 27. Nov. Im Schanktaum des Hotels „Steglitzer Hof" im Vorott Steglitz wurde heute nacht von zwei Männern, die als einzige Gäste noch anwesend waren, ein Raubüberfall auf den Hotelbesitzer verübt. Einer der Verbrecher begab sich nach Begleichung der Zeche an den Schanktisch und bestellte noch Zigaretten. Als der Wirt nach Verabreichung des Gewünschten leine Geldkassette abgeschlossen hatte und wieder aufblickte, sah er einen Revolver auf I'ch gerichtet. Gleichzeitig rief ihm der vor dem Schanktisch stehende East zu: „Heraus mit dem (Selbe!“ Der Hausdiener, der gerade die Tische abdecken wollte, sprang dem Verbrecher auf den Rücken und brachte ibn zu Fall. Der Räuber verletzte nun den Hausdiener durch Schüsse schwer am Knie. Der Helfersheller des Verbrechers suchte in-wi» scheu durch einen Nebenausgang das Weite. Eine durch die Schüsse herbeigerufene Po- lneistreife befreite den schwerbedrängten Hausdiener und nahm den Räuber fest. Es handelt sich nm einen 28jäbrigen H-ftelange- stellten Willy Meier, der aus Stuttgart stammt.
Motdanschlag ans einen Richtet.
Eberswalde, 27. Nov. Der auksichts- führende Richter des Eberswalder Amtsgerichts, Amtsgerichtsrat Professor (hoeacke, wurde heute mittag vor dem Portal der Forstlichen Hochschule von dem Friseur Bornstein aus der Stettiner Straße durch einen Schutz in den Kops niedergestreckt. Der Täter wat auf Amtsgerichtsrat Eoercke mit den Worten hingetreten: „Sie haben mich ruiniert!" Gleich darauf zog et seinen Revolver und schoß. Der schwerverletzte Richter wurde sofort in das Auguste-Viktoria-Heim geschafft. Ob es gelingen wird, ihn zu retten, ist fraglich. Der Täter wurde verhaftet.
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Weltrekorde, Rekvrdfleg« ans Dunlop.
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Niederwetter, ben 28. November 1930.
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K 17/30 —3 —
Am 23. Januar 1931. 10 Uhr soll an bet Gerichtsstelle bas im Grundbuche von Amönau Banb XI Blatt 488 eingetragene Erunbvermögen bei Eheleute Zimmermann Heinrich Althaus unb Katharina geb. Hil- derger in Amönau versteigert wer-
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Das von bei unterzeichneten Sparkasse ausgestellte Sparbuch Nr. 315, lautenb auf ben Namen: Johannes Müller n. Fran Susanne geb. Müller in Rieberasphe Haus Rr. 25 ist als verloren gemeldet.
Das Sparbuch wird mit dem Bemerken aufgeboten, baß nach § 19 unserer Satzung bie Kraftloserklärung erfolgen wird, sofern Wiberspruch binnen 4 Wochen nach Erscheinen bieler Bekanntmachung bei uns nicht
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