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MlktNM ttn 26. Rüv. 1930

Di- .Ob«rbestlsch« Jewmg' « scheint sechsmal wöchentlich. Be­zugspreis monatlich 2.20GM.MX- schließl. ZustellungSgebShr, durch die Post 2.45 SM. Für etwa durch Streik, MafchinendefeN oder ele­mentar« Lreigniffe ausfallend« Nummern wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag, Dr. 6. Hitzeroch, Druck der Unib-Duchdruckerei Job. Slug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Sir. 54 und Sir. VS. Postscheckkonto: Hart Frankfurt a. M. Nr. 501b. Sprech^ der Redaktion von 1011 *» *411 Ute.

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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

Nr. 277 65. »g Marburg o. Laba

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Arrzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Dlk WirtMftSMlei gegen das Mine» Brüning MkiriMgeiuch teS ReWinfthmiMerß Sr Bredt Relveeordming «mWchlli» bis zum 3. Dezember

Berkin, 25. Roo. Der Reichsausschutz der Wirtschaftspartei hat im Siuverueh- mett mit Herrn Reichsjustizminister Prof. Dr. Bredt in seiner Sitzung vom 25. November 1930 einstimmig folgenden Be­schluß gefaßt:

, Bereits a« 26. September 1930 hat der jReichsansschnß beschlossen, daß sich die Wirtschaftspartei an keiner Re-

Dr. Bredt

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giernng im Reich beteiligt, auf welche d i e Sozialdemokratie «nmittübar oder mittelbar Einfluß ausübt. Die Er- eignisse der letzten Zeit beweisen aber, daß Idie Reichsregierung Brüning ihre Politik in Anlehnung an die Sozialdemokratie unter Preisgabe lebenswichtiger Inter­esse« des deutschen Volkes und der deut­schen Wirtschaft durchzuführen versucht. Rach Ansicht der Wirtschaftspartei können auf diesem Wege die großen Lebensprob­leme des deutschen Volkes in der Znneu- and Außenpolitik nicht gelöst weichen. Infolgedessen lehnt die Wirtschaftspartei die weitere Unterstützung des Kabinetts Brüning ab.

Der Reichsausschutz der Wirtschaftspar­tei hat sich bei seinen Beratungen über die weitere Einstellung der Partei zum Kabi- net Brüning auch mit dem Konflikt Reich- Thüringen beschäftigt. Als Ergebnis wurde mitgeteilt,: Der Reichsausschutz der Wirtschaftspartei billigt und vertritt den Standpunkt, den die Thüringer Landtags- fraktion im Sinne aller Thüringer Regie­rungsparteien eingenommen hat.

Das Abrücken der Wirtschaftspartei vom Kabinett Brüning und der Rücktritt des Reichsjustizministers Dr. Bredt ist der Reichsregierung nicht überraschend gekommen. Unter diesen Umständen wird der Reichskanzler nicht, wie im Sep­tember, den Versuch machen, Dr. Bredt zum Bleiben zu bewegen. Das Kabinett wird auch sonst keine Konsequenzen aus dem Rücktritt ziehen, zumal es sich um ein unpolitisches Ministerium handelt. Es ist deshalb sogar wahrscheinlich, datz der Kanz­ler dem Reichspräsidenten vorschlagen wird, von einer Neubesetzung des Ministe­nums durch einen Parlamentarier zunächst abzusehen und den Staatssekretär Joel mit der Leitung zu beauftragen, sodatz also im Reichsjusttzministerium derselbe Zustand geschaffen sein würde, wie tm Reichswirtschaftsministerium.

Die Erklärung der Wirtschaftspartei verstärkt den Eindruck, datz die parlamen­tarische Durchdringung des Finanz- und

Wirtschaftsprogramms nicht möglich sein wird. Die Besprechungen des Kanzlers sind zwar noch nicht abgeschlosien. Er hat heute die Abgeordneten Simpfendör- fet und Rippe! für die Christlich-So­zialen, Drewitz für die Wirtschaftspar­tei und D L b r i ch für die Landvolkpartei empfangen und wird die Besprechungen für die restlichen Gruppen morgen zum Abschluß bringen.

Schon jetzt läßt sich aber erkennen, daß die Notverordnung mit ziemlicher Sicherheit bis zum 3. Dezember zu er­warten ist.

In Kreisen der Reichsregierung wird un­terstrichen, datz die Abkehr der Wirtschafts­partei bgtfj Kabinett nicht von seiner bis­herigen Linie abbringen wird. Der Kanz­ler wird das Sanierungsprogramm ohne jeden Zeitverlust in Kraft setzen,

um so die Hand freizubekommen für eine verstärkte Fortsetzung der Preissenkungs­aktion. Gegenüber der Vermutung, datz eine ähnliche Tendenz wie bei der Wirt­schaftspartei auch bei der Landvolk- Partei vorherrsche, wird übrigens be­tont, datz mit einem Ausscheiden des Mi­nisters Schiele aus dem Kabinett nicht zu rechnen ist.

Eine Unterredung des Reichskanzlers mit Dr. Bredt beabsichttgt.

Berlin, 26. Nov. Reichskanzler Dr. Brüning beabsichtigt, wie die Börsenzer- tung berichtet, das Rücktrittsgesuch des Reichsjustizministers Dr. Bredt erst nach seiner persönlichen Rück­sprache mit Dr. Bredt an den Reichs­präsidenten weiter zu leiten. Das dürste voraussichtlich erst in der nächsten Woche möglich sein, da Dr. Bredt erst dann nach Berlin zurückkehrt.

Schweres Erdbeben in Japan

Bicher 200 Tore

fk. Tokio, 26. Rov. Die etwa 70 Ki­lometer südlich von Tokio gelegene Stadt M i s ch i n a auf der Halbinsel Jsu, ist von einem schweren Erdbeben heimgesucht worden. Etwa 900 Personen sollen ge­tötet «der verletzt worden sein.

Rach dem Erdbeben brachen Brände aus. Es trat eine furchtbare unbeschreib­liche Panik ein. Die Halbinsel war in letzter Zeit bereits mehrmals der Schau­platz schwerer Erderschütterungen. Das heutige Erdbeben begann um 4.03 Uhr früh und dauerte ungefähr 10 Minuten. Infolge Störung der Verbindungen feh­len Einzelheiten, doch scheint es, datz grö­ßerer Schaden in Mischina selbst und auch in der benachbarten Stadt Numasu so­wie in den benachbarten Dörfern ange­richtet worden ist.

ft. London, 26. Nov. Wie aus Tokio gemeldet wird, wird die Zahl der Toten im Erdbebengebiet auf 150 geschätzt. Da keine Einzelheiten noch nicht zu erfah­ren sind, ist damit zu rechnen, datz noch größere Verluste an Menschen­leben eingetreten sind. Auch Tokio, das ungefähr 70 Kilometer vom Zentrum des Erdbebens entfernt liegt, sowie in Yo-

und looo Mt61e

kohama wurde um 4 Uhr vormittags japa­nischer Zeit hefttge Erdstöße verspürt.

In Mischina «nd Rumas« find zahl­reiche Gebäude eingestürzt.

Der Stratzenbahnverkehr mutzte unterbro­chen werden. Da die Telephon- und Tele­graphenleitungen gestört sind, war es bis­her unmöglich genaue Einzelheiten zu er­halten.

Das Erdbeben hat auch in Schisuoka, südlich der Hauptstadt, ganz furchtbar ge­wütet. Die Stadt Hakonenatschi, die bereits 1923 zerstört wurde, wurde wie­der dem Erdboden gleich gemacht-

Die Toten werden big heute mittag 12 Uhr auf 200, die Verletzten auf über 1000 geschätzt. Die ausgebrochenen Brände haben die Schäden des Erdbebens noch be­deutend vermehrt.

Hastentlassung Levinäs.

Wien, 25. Roo. Das Gericht gab dem Enthaftungsantrag L e v i n ä s gegen Stel­lung einer Kaution von 50 000 Schilling statt, fietiins wird nachmittags aus der Hast ent- laffen mutz aber versprechen. Wien nicht zu verlassen. da er unter dem Verdacht der ver­suchten Münzfälschung steht.

Pariser Blätter zum Rücktrttt des Reichsjustizmiaisters.

fk. Paris, 26. Rov. In den Stel­lungnahmen zum Rücktritt des Reichs­justizministers Dr. Bredt, wird in der Pariser Presse allgemein die Auffassung vertreten, daß die Weigerung der Wirt­schaftspartei weiter in der Regierung mit­zuarbeiten keinerlei Gefahr für Brüning bedeutet. DasEcho de Paris" glaubt vielmehr, datz diese Ab­trennung den Reichskanzler lediglich ver- anlaffen werde, eine mehr und mehr dik­tatorische Haltung einzunehmen. Der gleichen Auffassung ist derPetit Parisi en", der nicht an eine Gefahr glaubt, solange Dr. Brüning auf die Un­terstützung der Sozialdemokraten rechnen könne. Außerdem habe der Reichskanzler imer noch die Möglichkeit, die Gesetzesvor­lage die vom Reichsrat zurückkomme, auf dem Verordnungswege in Kraft zu setzen. Das Blatt meint, die Befürch­tung, durch eine ablehnende Haltung gegenüber den Finanzgesehrn, den Gang der Auhenpolitik außer gewöhnlich zu be­

hindern, werde auch diejenigen Parteien zur Annahme der Gesetzesvorlagen trei­ben, die sich im Augenblick noch ablehnend zeigten.

Die weitere Durchführung der Preis­senkung.

Berlin, 25. Rov. Der Preissenkungs­ausschuß des Reichskabinetts tritt, dem Berliner Tageblatt" zufolge, Ende die­ser Woche zum dritten Male zusammen und wird Beschlüsse auf Grund von Vor­schlägen zu fassen haben, die in der letzten Sitzung der Reichsregierung zur Sprache gekommen sind. Man ist sich einig darin, daß die Preissenkungsaktion fortgesetzt werden müsse. Seitdem die ersteWelle" mit der Senkung der Preise für wichtigste Lebensmittel ein erstes prakttsches Ergebnis gebracht hat, werden innerhalb der zuständigen Mini­sterien und zwischen ihnen Verhandlungen darüber gepflogen, mit welchen Mitteln es erreicht werden könnte, datz der ersten eine zweiteWelle" folgt.

SogtSleiegel

Da es seit langem kein Geheimnis war, daß sich die Wirtschaftspartei im Gefolge des Kabinetts Brüning nicht mehr wohl fühle, vor allem seit die Sozialdemokratie begonnen hatte, dieses Kabinett durch Dul­dung zu stützen, konnte es eigentlich nicht mehr sehr überraschen, daß sie die erste Gelegenheit benutzte, sich von Brüning zu ttennen, bevor die Entscheidungen über die parlamentarische Arbeit im Dezember ge- troffen werden. Der Beschluß des Reichs- ausschusses der Wirtschaftspattei, der mit Dr. Dredt's Zustimmung gefaßt wurde (obwohl Bredt zur Zeit krank in Marburg weilt), mottviett die Wendung zur Oppo- sitton rein politisch damit, daß sich Brüning an die Sozialdemokratie angelehnt habe; die Wirtschaftspartei wünscht also offenbar . ebenso wie früher, daß nicht mit links sondern mit rechts regiert werde, d.h da anders eine Mehrheit der Rechten nicht zustande zu bringen ift, die Einbeziehung der Äattonalsozialisten.

Kurz vor seiner Abreise mit dem Lloyd-» dampfetColumbus" äußerte sich Dr. Schacht dem Dettreter des WTB. ge­genüber, er sei befriedigt über seine Amerikareise. Er sei, so sagte der ehemalige Reichsbankpräsident, überall auf das freundlichste aufgenvmmen worden und habe feststellen können, daß das In­teresse für internationale Frage nicht mehr im Osten, sondern auch im Westen der Bereinigten Staaten außerordentlich leb­haft sei. Reben dem Reparattonsproblem erwecken besonderes Interesse folgende Fragen: Pan e uropa, Kolonial- wirtschast, die deutsche Währung und die Verhältnisse auf dem in* ternationalen Geldmarkt. Die Beantwortung der Frage, wie er sich per­sönlich zu der weiteren Behandlung der von ihm erörterten Probleme einstellte, lehnte Dr. Schacht ab. Heber seine eige­nen weiteren Pläne befragt, erklärte Dr. Schacht dem Bettreter des WTB., er be- absichtige, nach seiner Rückkehr nach Europa sich seinen privaten Interessen zu widmen.

Zur Rede Dr. Schachts vor dem ökonomischen Klub wird noch berichtet: Besonderen Eindruck machte Dr. Schachts Befürwortung einer Rückgabe der deutschenKolonien, sowie seine Be­merkung, als Bolkswirtschaftler und Ge­schäftsmann erscheine es ihm geradezu absurd, nachdem die Kriegführenden rund 880 Milliarden Mark im Kriege verpulvett hätten, jetzt lediglich alle Mühe darauf verwenden werden, aus einem einzigen Mitglied der internationalen Kulturge­meinschaft weitere 40 Milliarden heraus­zupressen und dadurch die Welt in dau- ernder polittscher, sozialer und wittschaft- licher Anruhe zu erhalten, anstatt alle Be­mühungen gemeinsam auf die Förderung der Geldwittschast zu ttchten.

Die S v w j e t u n i o n hat einmal wieder ihre Sensatton. Sie wird durch einen Prozeß dargestellt, der sich natürlich ge­gen angebliche Gegenrevolutio­näre richtet, also im Grunde genommen nichts Angewöhnliches. Da man aber hött, daß der jetzt vor dem obersten Gerichtshof in Moskau begonnene Prozeß gegen eine Anzahl von Ingenieuren tn einem der größ­ten Bersammlungssäle der Stadt abläuft und von den Sowjetbehörden allen Inter­essenten und Neugierigen Eintrittskarten zu diesem Spektaklllum sehr freigebig aus­gehändigt wurden, so wird man annehmen dürfen, daß es sich hier mehr um eine große politische Demonstration handelt als um die sachliche Behandlung eines kttrninellen Falles.

Dor dem Moskauer Obersten Gericht stehen acht Angeklagte. Alles Männer von Ruf, Wissenschaftler und anerkannte Fachleute. Zum Teil geben sie offen zu, Gegner des kommunistischen Eh­st e m s zu sein. Die Voruntersuchung will