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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhefsen
St. 276 65. achte.
Marburg o. Laba
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Anzeiger der amtliche« Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
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^.Schacht über die deutschen Reparationszahlungen
u°e °us i „Die bisherigen Leistungen ausschließlich aus geliehenen Geldern" — Für eine gemeinsame Wirtschaftsaktion
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ft. Baltimore, 24. Nov. Derfrühere Keichsbankpräfident Dr. Schacht schloß eine Vortragsreise durch die Vereinigten Staaten mit einer Aussprache vor über 600 prominenten Bankiers, Jndustriefüh- ttin und Wissenschaftlern ab, die aus Philadelphia, Washington und anderen Städten nach Baltimore eigens gekommen waren. Unter ihnen befand sich auch der bekannte amerikanische Nationalökonom Dr. Friday, der die Ansicht äußerte, baß Deutschland noch für einige Zeit wirtschaftlich in der Lage sei, Reparationen zu zahlen.
Das Argument, daß Deutschland di« Reparationen mit amerikanische« Anleihe« gezahlt habe, sei irreführend. Es habe das Geld ans der eigene« Wirtschaft herausgeholt.
Dieses Herausholen unter Hochdruck könne jedoch nicht lange mehr weitergehen.
Dr. Schacht betonte, daß er während seiner größeren Reise durch die Vereinigten Staaten ein wachsendes Interesse des amerikanischen Volkes für die Peparatisnsfrage angetroffen habe. Die Amerikaner fühlten mehr und mehr, daß die unerledigten Fragen aus der Kriegszeit eine ständige Berdrohung der Weltwirtschaft darstellen. Der Poungplan habe die völlige Ausschaltung der Politik und die Lösung der Repara- üonsfrage durch wirtschaftliche Mittel empfohlen. Militärischer oder politischer Druck könne nicht Geld schaffen, sondern nur verschwenden. Der Poungplan habe ferner durch Einsetzung des ständigen beratenden Ausschusses die Möglichkeit eines virtschaftlichen Ausgleiches geschaffen.
Man sei ferner in Amerika darin einig zewesen, daß Deutschland nur aus Aus- kuhrüberschüssen zahlen könne,und daß die Reparationsfrage kein reines deutsches Problem sei, sondern alle beteiligten Mächte angehe.
An Hand eines umfangreiche« Zahlenmaterials wies Schacht «ach, daß Deutschland seine bisherigen Leistungen ausschließlich aus de« geliehene« Gelder« bestritte« habe.
Die wachsenden nationalistischen und schutzzöllnerischen Tendenzen in der ganzen Welt machten es Deutschland noch schwerer, Ausfuhrüberschüsse zu erzielen.
Weder die Gläubigermächte «och die B.Z.Z. hätte« bisher etwas getan, um die Wettabsatzmärkte zu entwickelu.
Andererseits schaffe der ständig finkende Lebensstandard des deutschen Volkes ernste Gefahren sozialer Art, denn es sei Bifelhaft, ob die weiten Bolksmafien sich egen sträubten, für die Reparations- ungen Steuern zahlen zu muffen.
Ebenso zweifelhaft sei es, ob die bisher geübte Methode, politische Schulden mit private« Anleihe« zu begleiche«, ausländische Geldgeber aareize« könne«. Deutschland «»eitere Kapitalien zur BerfSgu«g zu stelle«. Oh«e gemeinsame internationale Wirtschaftsaktion. die eine Steigerung der Wareuausftchr zu« Ziele habe, seid« Fortführung der Reparatlon^ahlu«, gen ««möglich.
Schacht erklärte ferner: „5dj verlange nicht die Einstellung der Reparationszahlungen, sie werden vielmehr automatisch aufhören. >5ch verlange kein Mitgefühl, sondern setze ihnen die gegenwärtige Lage, wie ich fie «ehe, auseinander. Ich schlage keine
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Schuldenstreichung vor. Die internationalen Schulden find von den Reparationszahlungen völlig verschieden, da die Alliierten von ihren Geldgebern wirklich Geld erhalten haben, während Deutschlands Zahlungen lediglich Tribute find. Das geliehene Geld habe den Alliierten geholfen, den Krieg zu gewinnen um mehr als 15 Milliarden Dollar in bar ober in Sachwerte von Deutschland zu erpressen.
Der Krieg habe nahezu 220 Milliarde« Dollar verschlungen.
Es sei ebenso absurd, die Ursache in der Weltwirtschaftskrise zu suchen, um weitere 10 Milliarden Dollar von einem Mitglied der internationalen Kulturge
meinschaft zu erpressen, wie es töricht sei, der Welt die Wahrheit vorzuenthalten.
In der anschließenden Aussprache wies Schacht erneut darauf hin, daß es lediglich eine Frage der Organisation sei, durch Erschließung neuer Absatzmärkte die Weltwirtschaftskrise zu beheben.
Schließlich brandmartte Schacht den Raub der deutschen Kolonien als moralisches wie auch wirtschaftliches Verbrechen daß am besten durch Roosevelts hohes dob der deutschen Kolonialpolitik gekennzeichnet werde.
Schachts Rede wurde mit großem Beifall ausgenommen.
Was geht in Rußland vor?
Plötzliche Abreise Litwinows — Südrussische Verschwörung gegen Stalin
Genf, 24. Nov. Der sorojetrussische Außenkommissar L i t w i n o w , der die Soro- jetregierung bisher auf der Vorbereitenden Abrüstungskonferenz vertreten hat, i st heute vormittag unerwartet nach Moskau abgereist. Ueber die Gründe dieser plötzlichen Abreise werden von sowjetrussischer Seite keinerlei Mitteilungen gemacht.
In Kreisen des Abrüstungsausschusses hat jedoch die Abreise Litwinows allgemeines Erstaunen erregt, da die entscheidenden Fragen des Abrüstungsabkommens in den nächsten Tagen zur Verhandlung gelangen werden. Daher wird die Abreise Litwinows mit der gegenwärtigen Lage in Moskau in Zusammenhang gebracht.
Marsch au, 24. Nov. Die hier mit außerordentlichem Interesse verfolgten Meldungen über angebliche Veränderungen in der Regierung der Sowjetunion sind heute abend durch eine Nachricht des „Dobry Mieczor" vermehrt worden. Dieses Boille- vardblatt, das zu den Blättern der sogenannten Roten Presse gehört, behauptet, in Wilna sei ein Rundspruch der Moskauer Funkstation aufgefangen worden,
worin es heißt, der Oberbefehlshaber der Rote« Arme«. Woroschilow, sei nun
Diktator m Sowjetrußkand;
der neue Diktator habe der Bevölkerung Wiederherstellung ihrer Rechte und der Roten Armee besondere Privilegien versprochen. Die Richtigkeit dieser Nachricht wird in den politischen Kreisen schon im Hinblick auf ihre merkwürdige Stttisierung bezweifelt: an zuständiger Stelle haben sofort Bemühungen eingesetzt, den Ursprung der Meldung und ihren Wert festzustellen. Aus Moskau selbst liegen Telegramme dort tätiger Korrespondenten vor, die berichten, daß die alarmierenden Meldungen über Rußland stark übertrieben seien. Andererseits berichten die Warschauer Mütter, ein im polnischen Außenministerium eingeaangenes Telegramm des polnischen Gesandten in Moskau, Patek, erklärt, in Moskau herrscht Ruhe. Die hiesigen Mätterrnformationen von einer Verstärkung der rusfischen Grenztruppen sind unbestätigt geblieben. Zu Gerüchten, die von Schiebereien auf russischer Seite im Wilnaer Erenzsektor in der vergangenen Nacht wissen wollten, ist erllärt worden, daß es sich offenbar um ein Geplänkel mit Schmugglern ge« Schelt habe. Der Bahnverkehr mit Mos-
ist normal, dagegen kommen die Züge aus der Ukraine unregelmäßig und mit Verspätung an.
Eine Erklär«« der sowjetruffssche« Botschaft «t Berlin.
Berlin, 24. Nov. Die Presseabteüung der Botschaft d« UTlSSR. in Berlin teilt mit:
Trotz verschiedener Dementis der Telegraphenagentur der UDSSR, fahren einzelne Blätter fort, Meldungen über eine angebliche Unterbrechung der Zuaverbinduna und
des Telegraphenverkehrs mit der Sowjetunion zu verbreiten. Demgegenüber steht fest, daß sowohl der Telegraphenverkehr rote der Eisenbahnverkehr mit der Sowjetunion in der letzten Zeit nicht die mindeste Störung zu verzeichnen hatten.
Die an die letzte Telephonstörung geknüpften Kombinationen und Gerüchte smd böswillige Erfindungen antisorojetisttscher Kreise, die auch nicht die mindeste tatsächliche Grundlage hatten.
Neue südrussische Verschwörung gegen Stalin.
K o w n o, 24. Nov. Nach Meldungen aus Moskau hat die OGPU. eine größere Organisation aus Parteimitgliedern und Jungkommunisten in Südrußland errtdeckt, die einen Briefwechsel mit dem in Istanbul lebenden Trotzki unterhielt und von diesem Ratschläge für den Kampf gegen die Politik Stalins erbeten hatte. Mitglieder der Organisation in Taganrog haben versucht, Parteizellen in Tiflis und anderen Städten der Sowjetunion zu bttoen. Trotzki soll dieser Gruppe vorgeschlimen haben, alles zu tun, um Stalin zum Rücktritt zu zwingen. Die Entdeckung dieser Organisation wird die Beziehungen zwischen Stalin und der Opposition weiter verschärfe«.
Einstellung des russischen Getreideerporls.
Berlin, 24. Nov. Die über Rußland umlaufenden Gerüchte, die schon infolge der andauernden Unterbrechung der telephonischen Verbindungen nicht zum Verstummen kommen, haben uns veranlaßt, uns auch mit den rusfischen Handelsvertretungen in Verbindungen zu setzen. Sie dementieren die alarmierenden Nachrichten als frei erfunden. Aus ihren Auskünften ergibt sich weiter, daß die Russen, die bisher den Ee- treidemarkt mft ihren billigen (Exporten stark beunruhigt haben, gegenwärtig in Deutschland nur mft den in deutschen Häfen lagernden Partien und mit schwimmender Ware am Marit sind. Die russische Handelsvertretung in Hamburg, die außer für Holz für den Getreidehandel maßgeblich ist, erllärt diese Tatsache damit, daß der (Eiport vorerst beendet und daß wefteres Material nicht mehr vorhanden sei.
Ei« Hamburger Dampfer im Sturm gesunken. — 30 Tote.
Hamburg. 24. Rov. Der Hamburger 3500 Tonne« Dampfer „Louise Leonhardt", de, der Reederei Leonhardt und Blumberg gehört, ist am Sonntagabend bei schwere« Nordweststürmen auf dem großen Bogelsavd in der Elbmün- dung gestrandet und auseinandergebroche«. Rach den bisherige« Meldungen ist von der 30köpfig«a Besatzung niemand gehör, gen worden.
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Die Forderung der Industrie und des Handels nach einer Herabsetzungder Frachttarife der Reichsbahn hat auch die letzte Kabinettsitzung beschäftigt. In unterichteten Kreisen sieht man den Ausgang dieser Verhandlungen mit der Reichsbahn als entscheidend für die ganze PreissenÄngs aktiv« an. Trotz der Bemühungen der Reichsregierung, die Reichsbahn zur Mitarbeft an der allgemeinen Preissenkung zu bewegen, scheint man sich in Reichsbahnkreisen sehr ablehnend zu verhalten. Wenigstens sieht man keine Möglichkeit, eine generelle Senkung der gesamten Gütertarife durchzuführen, und würde sich höchstens zu einigen weiteren Ausnahmetarifen verstehen, die aber nur Warengruppen betreffen könnten, die augenblicklich konjunkturell dazu geeignet sind. Die Reichsbahn weist aber in diesem Zusammenhang darauf hin, daß sie schon in den letzten Monaten derartige Maßnahmen getroffen hat, die nicht weniger als 30 Ausnahmetarife für bestimmte Waren zur Folge hatten. Bei dem Desizft von 700 Mill. RM. betont die Reichsbahn, daß die Einsparungen durch die Gehaltskürzungen und die Derbilligung der Kohle noch nicht 100 Millionen ausmachen, so daß schon aus diesem Grunde an keine Frachtermäßigung gedacht werden könnte. Die Einsparungen durch die Deamtengehaltskürzungen berechnet die Bahn nämlich nur auf 75 Millionen jährlich und die Minderausgaben für Kohlen werden auf 16 Millionen geschätzt. Lim der Reichsregierung entgegenzukommen prüft die Reichsbahn im Augenblick alle Tarife noch einmal nach um keine MögliOeit für eine Ermäßigung zu übersehen. Auch bei der Reichspvst sind gegenwärttg umfangreiche Anternehnrungen im Gange, die gleichfalls eine Ermäßigung der Tarife bezwecken.
Der Ausgang der oberschlesischen Sejmwahlen kann, da er allen Erwartungen durchaus widerspricht, als Jen* sationell bezeichnet werden. Gracin- ski, der allmächtige Wojewode, und Re- gierungspatteien haben also keinen „überwältigenden Wahlsieg" ausgefochten, wie die hinter dem Wojewoden stehende Presse sett Wochen prophezeite. Sondern Gra- cinski hat eine Schlappe erlitten, die außerordentlich bemerkenswert ist.
Gewiß haben die Regierungsparteien und die berüchttgte „Sanacja" die Zcchl ihrer Mandate von 10 auf 19 steigern können, eine absolute Mehrheit aber haben sie nicht erringen können. Gleich stark wie fie ist die K o r f a n t h - Gruppe geworden, die statt 16 diesmal ebenfalls 19 Mandate für sich buchen kann. Statt der bisherigen 15 deutschen Abgeordneten werden allerdings nur 7 in den oberschlesischen Sejm einziehen, statt der 5 Sozialisten nur 3 (davon sind auch nur 2 mit Hilfe der Deutschen gewählt worden) und statt der beiden Kommunisten keiner. Die Wahlbeteiligung ist am vergangenen Sonntag recht stark gewesen, haben von 454 392 Wahlberechtigten doch rund 410 000 ihrer Wahlpflicht genügt.
Der Rückgang der deutschen Abgeord- netenzahl ist durchaus nicht verwunderlich, standen doch Wahlpropaganda und Wahltag selbst unter einem unvorstellbaren Terror. In den letzten Tagen haben die Zustände im Wahlgebiet „Garni-Slask" den Charafter eines offenen Aufstandes angenommen. Wie wenig der Großteil der oberschlesischen Bevölkerung diese Methv- den der Gewalthaber schätzt, beweist der Ausgang der Wahl. Gracinsfts erbittertster Feind. Korfanty, hat nicht nur keine