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Nr. 273
OberbeMfche JeNun«. Marburg <t L. Freitag, den 21. November 1930
Seite 5
Protestversammlung gegen die Tabaksteuer
Massenbesuch der Tabakarbeiter — Strikte Ablehnung der Steuer
Die neue Tabaksteuer, die eine Erhöhung der Steuer von 8V auf 200 Mark pro Doppelzentner bringt, und die im gestrigen Reichsrat in dritter Lesung angenommen wurde, hat in der ganzen tabakverarbeitenden Industrie und der mit ihr verwandten Berufe eine gewaltige Erregung hervorgerufen. In allen Orten des Deutschen Reiches finden aus diesem Grunde Protestversammlungen statt. Eine solche Protestversammlung fand gestern abend in den Steinwegsälen statt, zu der sich die Arbeitgeber und besonders die Arbeitnehmer aus Marburg und Umgegend vollzählig eingefunden hatten. Herr L. R i d e r e h e, als Leiter der Versammlung, begrüßte die Versammlung und schildert an Hand von Belegen, wie sich die geplante Tabaksteuer auf das gesamte Gewerbe auswirke. Schon die letzten Steuererhöhungen hätten einen gewaltigen Konsumrückgang zu verzeichnen gehabt. Noch viel größer werde sich die neue Tabaksteuer auswirken. Die Tabakindustrie sei am Ende ihrer Kraft. Den Zweck, den die Steuer erfüllen sollte, werde auf keinen Fall erfüllt, sondern das Gegenteil. Die Betriebe könnten nicht mehr das Kapital aufbringen und es würde zur Stilllegung der Betriebe kommen und das Heer der Arbeitslosen vergrößert werden. Jeder an seiner Stelle müsse dazu beitragen, daß in letzter Stunde die Tabaksteuer zu Fall gebracht werde.
Dann nahm der Vertreter der Arbeitnehmer, Herr Ackermann -Hanau, das Wort. In sehr einleuchtenden Worten sagte er, daß die neue Tabaksteuer ein viel größeres Interesse verdiene, als man ihr zur Zeit entgegenbringe. Maßloses Elend werde über die Tabakindustrie hereinbrechen und in letzter Stunde müsse alles getan werden, um dieses Elend zu verhindert. Die maßgebenden Stellen müßten einsehen, daß die Tabakindustrie genügend Opfer gebracht habe. Immer werde England als Vorwand benutzt, das noch mehr Tabaksteuer zahle. Aber dieser Vorwand ser nicht stichhaltig. An Zahlen erläuterte dann der Redner, wie das Verhältnis im Tabakverbrauch zwischen Deutschland und England sei. Daraus ergab sich, daß die Berechnungen und Behauptungen der Regierung falsch seien. Redner geht dann eingehend auf die Wirkung der neuen Tabaksteuer ein und belegt seine Behauptungen mit treffenden Zahlen. Zum Schluß sagt der Redner, die Steuer werde das nicht erreichen und man könnte dann sagen: die Operation ist gut verlaufen, Patient gestorben.
Als nächster Redner nahm der Vertreter der Tabakhändler, Herr H a b i ch t Frankfurt, das Wort. Er bezeichnet als Grund für die gewaltigen Steuererhöhungen den verlorenen Krieg. Die Tabakindustrie sei sich bewußt, daß Tabak ein Eenußmittel sei und daß man mehr Steuer dafür bezahlen müsse als für Lebensmittel. Aber alle Steuern, auch auf Eenußmittel, dürsten nicht in das unerträgliche gesteigert werden, wie man das
beim Tabak erneut beabsichtige. Alle seien die Leidtragenden, auch die Gemeinden. Jeder Bürgermeister müsse dafür sorgen, daß die Tabaksteuer nicht zur Einführung kommt und jeden zum Protest gegen diese Steuer auffordern. Noch sei Gelegenheit vorhanden, zu erreichen, daß die neue Steuer abgelehnt werde. Er sehe die Sache nicht so pessimistisch an. Dann befaßte sich der Redner mit illegalen Verkäufern und ist der Ansicht, daß hier die Regierung den Fehlbetrag herausholen könne. Sollte die neue Tabaksteuer eingeführt werden, dann würden Tausende von Eristenzen vernichtet und unsägliches Elend wäre die Folge. Redner fordert zum Schluß, daß die neue Steuer strikte abgelehnt wird.
2n der Diskussion sprach Herr Apfelstädt von der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei, und betonte, daß die Tabaksteuer nicht eine wirtschaflliche, sondern eine überaus wichtige politische Frage sei und die auch vom politischen Standpunkt behandelt werden müßte. Mit Tellstreiks ser heute nichts mehr zu machen. Alle Stände müßten zusammentre- ten und die Poungzahlungen ablehnen. Solange dies nicht geschähe, seien Proteste zwecklos und wanderten m den Papierkorb.
Im Schlußwort ging Herr Habicht-Frankfurt auf die Ausführungen des Vertreters der
Man wird es immer dankbar begrüßen müssen, wenn in einem Zeitalter, in dem sich auf dem Gebiete der modernen Dramatik Naturalismus, Impressionismus und Expressionismus förmlich überschlagen, per* antworüiche Spielleiter und Theatergemeinden den Mut und die Gelegenheit finden, in ihrer künstlerischen Arbeit zu dem zurückzukehren, was wir schlechthin als die Traditionen der Weimaraner Klassik bezeichnen möchten.
Für die Leitung des Marburger Stadttheaters bot der Geburtstag Friedrich Schillers, der sich am 10. November zum 121. Male jährte, die Veranlassung, aus der Gruppe der Schillerschen Iugend- dramen das Werk auszuwählen, das wir unter dem von Iffland stammenden Namen „Kabale und Siebe“ kennen und das Bulthaupt in seiner „Dramaturgie der Klassiker“ einmal als „die größte DühneN- tragödie“ bet Deutschen bezeichnet hat.
Wir stimmen Dulthaupt in dieser Wertung des Dramas insofern zu, als es in der Tat von einem großartigen und idealen Schwung getragen ist, der die Entwicklung
Nationalsozialistischen Partei ein und forderte ihn auf, dafür zu sorgen, daß seine Partei die Tabaksteuer ablehne. Mit Gewalt sei heute nichts zu machen.
Nachdem sich niemand mehr zur Diskussion gemeldet hatte, fand folgende Entschließung einstimmig Annahme:
„Tabakarbeiter, Tabakhandel und Tabakindustrie des Stadt- und Landkreises Marburg, die am 20. November 1930 in Marburg versammelt sind, erheben schärfsten Protest gegen die geplante Erhöhung von Tabakzoll und Tabaksteuern, sowie gegen eine Aen- derung des seitherigen Belastungsverhältnisses. Die beabsichtigten Maßnahmen stehen in {triftem Gegensatz zu den Absichten der Reichsregierung, den Preisabbau herbeizufüh- ren und die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Arbeitslosigkeit der Mehrzahl der in der Tabakindustrie z. 3t. beschäftigten 170 000 Arbeitnehmer, Vernichtung Tausender selbständiger Eristenzen in Tabakhandel und Tabakindustrie und unsägliches Elend für alle diese wären die sicheren Folgen. Die Versammelten warnen daher dringend vor diesen Maßnahmen, die nur geeignet sein können, das bisherige Steueraufkommen aas dem Tabak zu gefährden und breite Massen m ihrer Eristenz zu vernichten und dadurch zur Verzweiflung zu treiben.“ G.
unaufhaltsam vorwärts treibt und den Zuschauer nicht losläßt, und als Ganzes somit in seltsamem Maße den wesentlichen Forderungen entspricht, die an eine echte Tragödie zu stellen sind. Daß demgegenüber auffallende Schwächen in der Charakterzeichnung der Hauptheldin nachweisbar sind, der trotz empfindsamer Reden die durchgehende Stärke der Empfindung fehlt, wird auch von denen nicht bestritten werden können, die auf Grund der meisterhaften Führung der Handlung geneigt sein könnten, die These von dem ^.phänomenalen Werk“ sans Phrase zu übernehmen. Aber — wie gesagt — im Zeitalter des Expressionismus uiü> der atonalen Klangwirkungen freuen wir uns dieses Zeugnisses genialischer Kraft und stürmischer Jugendlichkeit.
Die unter der Spielleitung von Walter Bäuerle stehende Aufführung zeugte von einer liebevollen und freudigen Anteilnahme aller Beteiligten. Das von Karl Löffler geschaffene Bühnenbild war auf praktikable Zwecke zugearbeitet und entsprach in seiner Einfachheit und
Marburger Stadttheater
Schiller: „ftafcale und Liebe"
Serbitnacht
Stürmische Herbstnacht — unruhig und kalt vom Regennaß glänzt der Straßenasphalt. Düster stehen die Häuserreihn — schweigsam — ohne Licht.
Menschen tappen ins Dunkel hinein mit müdem Gesicht.
Blumen sterben in dieser Nacht.
Irgendwo schreit ein Heimweh auf das einmal als Sommertraum gelacht.
Der Wind zerrt die Bäume hin und her.
Irgendetwas macht das Leben jetzt so liebeleer.
(Maria Weibezahn.)
Geschlossenheit den heute für die moderne Bühne geltenden Gesichtspunkten. Auf die Gestatten des Schillerschen Dramas haben literarische Vorbilder (Emilia Galotti) eingewirkt. Das Liebespaar, Luise und Ferdinand, das der Dichter in den Mittelpuntt der Handlung gestellt hat und das besonderes Interesse für sich in Anspruch nimmt, wurde von Beatrice Döring und Raimund Schelche r verkörpert. Beatrice Döring, der ein schönes Organ und eine für diese Rolle ideale Figur eignen, hatte in den Szenen mit Ferdinand und ihrem Vater ihre besten Momente. Ermangelte der Auftritt mtt Wurm, der von Karl Bruck überzeugend, wenn auch bisweilen zu karikaturistisch dargestellt wurde, nach der groß- linigen inneren Gestaltungskraft, so war sie in diesen Szenen ganz die liebende Frau und Tochter, die im Zweigespräch oft ergreifende Worte fand. Zweifellos sind der der Künstlerin Ansätze vorhanden, die auf eine verheißungsvolle Entwicklung schließen lassen. Das Gleiche gilt von Raimund Schelcher. der dem Ferdinand die ganzen Kräfte seiner jugendlich-feurigen Natur lieh. Eine z. Z. noch vorhandene un- rattonelle Atemtechnik, die durch Schulung leicht zu beheben sein wird, verursacht Störungen in der Wiedergabe Schillerscher Prosa. Der Präsident Walter, der abgefeimte Bösewicht auf dem Ministersessel, wurde von WalterDäuerlemtt Brutalität und Zynismus ausgestattet. Maria Koch, die ohne jedes Pathos sprach, bot als Lady Milford eine interessante. wenn auch nicht immer überzeugende Studie. Die prachtvoll angelegten Gestalten des grundehrlichen und warmhemigen Stadtmusikanten Miller und seiner ebenso beschränkten wie schwatzhaften Frau fanden in Ludwig Linkmann und Luise Schubert-Jüngling ausgezeichnete Vertretung. In kleineren Rollen bewährten sich Heinrich Hub, Friedrich Zingel und Ilse Jahn.
Das nahezu ausverkaufte Haus spendete starken Beifall, die Darsteller konnten sich mehrfach dankend verneigen. Ft. ।
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Des Kindes Wohlbefinden hängt von seiner Ernährung ab. Sein prachtvoller Appetit verlangt nach häufiger Sättigung durch wärmespendende Nahrung. Die Mutter weiß,was nottut. Sie gibt ihren Kindern reichliche, kraft- spendendeErnährung.Sie gibt ihnen edle, frischduftende Rama Margarine mit jedem Essen.
Jugendliches Leben, Wärme und Kraft durch reichlichen Genuss der nahrhaften Rama I!
im Blaubam
Gleichmäßig reich und gut sei jede Mahlzeit, die auf den Tisch des Hauses kommt Die kluge
MARGARINE
Hausfrau kocht mit dem Feinsten, damit ihre
Speisen an Wert gewinnen. Sie kocht und bäckt
sie schmort und brät mit Rama.