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SoNNttstW, tcn 1I.Ro». 1930

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Äbechessssche

»*** Z M7 H I 11 «-Mtzeim, Anzeiger für (das frühere knrhesfische) Oberhessen

R t.?67 65. ?W0 Marburg o. Mn

Der Anzeigenpreis beträgt für den 11 ge spalt. SeiUmni atmetet 0.08 GM., sog. kleine Anzeigen und Familienanzeigen bei Barzahlung 0.07 GM., amtliche und anS- WLrtlge Anzeigen 0.10 GM. Bei schwierigem Sah sowie bei Platz- Vorschrift 501. Aufschlag. Sammelanzeige» 100*1. Auf­schlag. Reklam.-Millim 0.40 GM. Jeder Rabatt gilt al« Barrabatt.

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

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zuiamMnietzuag und Mgaden des neuen AktiomanWaW - Ar Mwirknng »et Stabte

Wie wir erfahren, besteht der Ausschuß zur Förderung der Preissenkung, den das Reichskabinett in einer Nachtsitzung eingesetzt hat, aus dem Reichskanzler, dem Reichsernährungsminister, dem Reichswirtschaftsminister, dem Reichs­finanzminister, dem Reichsarbeitsminister und dem preußischen Handelsminister. Die Einsetzung dieses Aktionsausschusses hat den Sinn, daß

die Preissenkung mit »Iler Energie weitergetrieben werden soll.

Das geht auch daraus hervor, daß der Reichskanzler selbst an seiner Spitze steht. Der Ausschuß wird am Donnerstag Zum ersten Mal zusammentreten, um zunächst die Möglichkeiten festzustellen, die für eine wirkungsvolle Ausdehnung der Preis­senkung gegeben sind. Er wird also untersuchen, mit welchen Organisationen verhandelt werden muß und welche Mög­lichkeiten der Regierung in jedem einzel­nen Falle zur Verfügung stehen, um ihre Absichten auch dann durchzusetzen, wenn sich Widerstände bemerkbar machen. In politischen Kreisen wird auf die Notwen­digkeit hingewiesen, daß die für die ganze politische und wirtschaftliche Entwicklung so überaus wichtige Aktion des Kabinetts auch

mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln der Propaganda unterstützt werden muß, durch die benannt werden kann, wo die Preise billig sind und wer sich einer Preissenkung entgegenstellt. Diese Methode hat die englische Regie­rung vor einigen Jahren in einer ähn­lichen Situation mit erheblichem Erfolg angewandt. Dabei ist z. B. auch der Rundfunk zur Bekanntgabe von bil­ligen Geschäften benutzt worden. Aus der anderen Seite können diese selbst die Be­wegung durch deutliche Preisbekannt­gabe in den Schaufenstern, Inseraten usw. unterstützen. Dabei muß auch beach­tet werden, daß eine der Voraussetzun­gen des Gelingens der Aktion

die Rückkehr zur Pfcnnrgrechnung ist. Wenn z. B. der Straßenbabntarif 25 Pfg. betränt und eine Senkung auf 20 Vfg. ansgescblosssn fein sollte, so muß die Frage aenrüft werden, ob nickt eine Verbilligung des Fahrscheins auf 23 Pfg. erreicht werden kann. In diesem Zu­sammenhang tauckt natürlick auch die Möglichkeit neuer Drei- und Pi->rpfennig- stücke wieder auf. Besondere Möglickkei- ten siebt man in unterrichteten Kreisen auch in. der Mitwirkung der Skiffe, deren Aufgabe es sein muß, den Rah­men, den die Reicksreaierung für die Preissenkuna zickt. d"rck Ein^elmaßnab- men auszufüllen. Es ist an^unehmen, daß sich her Ausick"ß des Reickskobin"ffs nun in den nächsten Tagen mit al'-n die­sen Fran»n besckäffia-'n wird, um schon in kurzer Zeit eine stärkere Aktivierung der aan-en Preissenkungsbewegung her- beizufübrsn.

Die Stabte zur Unterstützung der Preis­senkungsaktion.

Berlin, 12. Nov. Der Vorstand des Deutschen Städtetags hat bereits in fei­ner Sitzung am 8. d. Mts. auf die un­trennbaren Zusammenhänge zwischen dem Gehalts- und Lohnabbau und der be­schleunigten Senkung der Preise für wich­tige Gegenstände des täglichen Bedarfs hingewiefen. Der Präsident des Deut- scken Städtetags, Dr. M u l e r t, setzt die Aktion des Städtetages durch ein Rund­schreiben an die Oberbürgermeister der im Deuschen Städtetag vereinigten Städte fort. Es heißt darin u. a.: Es muß mit allem Nachdruck versucht werden, die überhöhten Gewinnspannen, insbesondere.

auch durch örtliche Einwirkung, herabzu­drücken. Es ist heute nötiger als zu ir­gend einem Zeitpunkt in den letzten Jah­ren örtlich für eine klare Preisberichter- stattung zu sorgen und die Oesfentlich- keit von den tatsächlich bestehenden Preisunterschieden in geeigneter Form zu unterrichten. Besonders geeignet er­scheinen hierfür laufende Veröffentlichun­gen der Brot- und Gebäck-, sowie der Kartoffel- und sonstigen Preise, und zwar namentlich der niedrigsten Preise unter Nennung des betreffenden Stadtteils und der betreffenden Straße, wo die Feststel­lung getroffen war. Ebenso ist es erfor­derlich, durch Verhandlungen mit den Innungen, Händlerorganisationen und Konsumvereinen zu einer Klarstellung und Senkung der Bruttoverdienstspanne zu kommen und die gegenwärtigen Span-

Der SchlMvruK

erneuter Meter Srotelt

LN en, 12. Nov. Für den Ruhrberg­bau fällte die Schiedskammer unter dem Vorsttz von Pros. Dr. Br ahn am Mitt­woch abend einen Schiedsspruch, durch den das bisherige Arbeits- zeitabkommen unverändert bis 30. September 1931 wieder in Kraft gelangen wird. Das Abkommen ist erstmalig am 1. August 1931 zum 30. September 1931 kündbar. Heber die Schichtzeit auf de« heißen Zechen, insbe­sondere über die Durchführung der sieben, einhalbstündigen Schicht auf diesen Zechen, werden besondere Schlichtungsverhandlun­gen in nächster Zeit stattfinden. Die Er- klärungsfrift zum Schiedsspruch läuft bis 17. November. Die Nachverhandlungen wegen der Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches werden voraussichtlich in der letzten Novemberwoche in Berlin stattfinden. Die Gewerkschaften, sowohl die freien alg auch die christlichen, wer­den, wie die Telegraphen-Union erfährt, den Schiedsspruch ablehnen. An de» An­nahme des Schiedsspruches durch den Zechenverband dürfte kaum $u zweifeln fein.

Der Erweiterte Beirat des Deutschen Metallarbeiterverbandes befaßte sich gestern mit der durch den Berliner Schiedsspruch geschaffenen Lage. Rach eingehenden Beratungen wurde eine Ent­schließung angenommen, in der zunächst dem Vorstande und der Ortsverwaltung Berlin die Anerkennung für ihren Kampf gegen den von den Metallindustriellen ge­forderten Lohnabbau ausgesprochen wurde. Die Abwehr sei unerläßlich gewesen, weil der erste amtliche Schiedsspruch verhäng­nisvollste Folgen hätte haben müßen. Dann wendet sich die Entschließung scharf gegen den neuen Schiedsspruch vom 8. November, der von den beteiligten Ge­werkschaftsfunktionären und Arbeitern als offener Betrug und von der gesamten Ar­beiterschaft als Provokaticv empfunden werden müsse, umsomehr, als der bis­herige Verlauf der Preissenkungsaktion einer Verhöhung der Arbeiterschaft gleichkomme. Der vom Verbände benannte Unparteiische, Prof. Dr. Sinzheimer, habe durch seine Zustimmung zu dem Schieds­spruch die Verantwortung für diesen.

nen durch Vergleich von Stadt zu Stadt nachzuprüfen. Gleiche Maßnahmen er­scheinen auch hinsichtlich der Mehl- und Kartossel-Ein- und Verkaufspreise und der Preise anderer wichtiger Lebensmit­tel nötig.

In einzelnen Städten haben bereits erfolgreiche Verhandlungen zwischen Stadtverwaltung, Gewerbe, Handwerk und Handel stattgefunden: es gilt, glei­ches überall zu erreichen. Die Städte werden sich dieser überaus wichtigen Frage mit aller Energie annehmen und rufen die Öffentlichkeit, insbesondere die Verbraucher selbst, die es am un­mittelbarsten angeht, auf, sie in dieser Frage, die Stadt und Land in gleicher Weike angeht und nur von Stadt und Land gemeinsam gelöst werden kann, nach Kräften zu unterstützen.

fm Ruhrbergbau

MttullartmteiMiMdrs

Spruch mitübernommen. Der Deutsche Metallarbeiterverband werde allen An­griffen gegen die Lohn- und Arbeitsbe­dingungen wie bisher den größstmöglich- sten Widerstand entgegensetzen.

Weiter wird erklärt, daß diesereak­tionären Attentate gegen die Berliner Arbeiterschaft" nur infolge der die Ar­beiterbewegung zersetzenden Tätigkeit der Kommunisten möglich seien.

Herrn Prof. Sinzheimer z. K.

Duisburg, 12. Nov. Bekanntlich hat Prof. Dr. Sinzheimer imVor­wärts" eine Erklärung über den Schiedsspruch der Berliner Metallindu­strie veröffentlicht. Oberbürgermeister Dr. Jarres, der als Mitglied des Schlich­tungsausschusses ebenfalls um eine Aeutze- rung gebeten wurde, teilte auf Anfrage mit, daß er irgendwelche Aeußerungen über den Gang der Verhandlungen ab­lehne, weil dies der Hebung nicht ent­spräche. Im übrigen sei der Spruch nicht nur einstimmig gefällt, sondern auch d'.e Begründung gemeinschaftlich entworfen worden.

Steuer MuWMsuage-PrM

Düsseldorf, 12. Nov. Vor dem hie­sigen Schöffengericht begann heute ein neuer Industrie-Spionageprozeh. Den Angeklagten, Chemiker und Redakteur Dr. Arthur Bunt- rock, früher Berlin, zuletzt in der Tschecho- stowakei, jetzt in Untersuchungshaft in Düssel­dorf, Chemiker Otto L i st aus Offenbach a. M. und Chemiker Dr. R. Jansen aus Darmstadt, wird zur Last gelegt, Fabrika­tionsverfahren der deutschen chemischen Industrie an das Aus­land verraten, bezw. verkauft zu haben. Bereits im Februar 1928 waren vom Schöffengericht Düsseldorf der Chemiker Guido Meise! aus Portsmouth (U. S. A.) und zwei andere Chemiker aus Deutschland wegen im Auftrage des Auslandes vorge­nommener Erwerbung von Fabrikationsver­fahren der deutschen chemischen Industrie be­straft werden. In dem Verfahren gegen Meisel und Genossen hatte sich ergeben, dah auch Dr. Arthur Buntrock und seine beiden heutigen Mitangellagten dem Chemiker Mei­sel solche Fabrikationsverfahren geliefert hat­ten. Dr. Arthur Buntrock hatte sich aber der Einleitung eines Strafverfahrens durch Flucht nach der Tschechostowakei entzogen. 3m März dieses Jahres wurde er an der tschecho­slowakischen Grenze verhaftet und nach Düssel­dorf in Untersuchungshaft gebracht, so dah jetzt gegen ihn und seine Mittäter verhandelt werden kann..

SagtWtgtl

Im Rahmen der VortragsreiheIm Kampfe gegen die Kriege" über­trug die Deutsche Welle am Dienstagabend einen Vortrag des schwedischen National- ökonomen Gustav Cassel überKapital­flucht und Wirtschaftskrise". Man könne schon deshalb nicht von einer deutschen Kapitalflucht sprechen, weil die Voraus­setzungen, unter denen diese überhaupt möglich ist, in Deutschland gar nicht vor­handen wären. Tatsächlich sei in Deutsch­land schon deshalb keine Kapitalflucht möglich, weil Deutschland so kapitalarm sei, daß es die Reparaffonslasten nicht aus eige­nen Mitteln tragen, sondern nur auf dem Wege über Ausländsanleihen aufbringen könne. Wenn einzelne deutsche Kapitalien im Auslande angelegt wären, so handele es sich dabei meistenteils um einen bloßen Austausch von Invesfferungen. Derartige Transaktionen seien sowohl von Deutsch­land nach dem Auslande wie umgekehrt erfolgt. Cassel zieht daraus den Schluß, daß deutsche Kapitalisten vielfach weniger Vertrauen zu Deutschlands Wirtschaft ha­ben, als das Ausland. Das fei für ihn die lehrreichste Beobachtung. Ausländische Ka­pitalisten, die in Deutschland Geld anleg­ten. sollten als Leute mit gutem Werben für Deutschland ein lehrreiches Beispiel sein. Wie die Dinge liegen, sieht er für Deutschland das eigentliche Problem darin, die Verhältnisse in der Goldwirtschaft der Welt klarzustellen. Deutschland könne gar kein Interesse an der Wertsteigerung des Goldes haben. Denn das mache sich bei der riesigen Auslandsverschuldung Deutsch­lands äußerst nachteilig bemerkbar und führe zu einer Vergrößerung der Schulden­last. Die Tatsache der Wertsteigerung des Goldes lege die heute viel besprochene Frage der Revision und eines Nachlasses der deutschen Tribute ebenfalls nahe. Cas­sel wandte sich in diesem Zusammenhang scharf gegen die Sterilisierung von Gold, wie sie von der Bank von Frankreich be­trieben werde, eine Handlungsweise, die er als vollständig unverantwortlich be­zeichnete. Zusammenfassend kam Cassel zu dem Ergebnis, daß es vor allen Dingen darauf ankäme, die Vertrauenskrise, un­ter der die deutsche Wirtschaft leide, zu beheben. Deutschland müsse erneut Zuver­sicht in der Welt schaffen. Dann würden auch wieder ausländische Kapitalien nach Deutschland fließen. Voraussetzung dafür sei allerdings die Herstellung der politi­schen Ruhe im Lande.

Daily Herald" sagt in einem Leit­artikel: Äe Vorbereitende Abrüstungs­kommission bewegt sich von einem toten Punkt zum andern. Jeder Vorschlag, der eine merkliche Verminderung der Rü­stungen bewirken könnte, trifft auf Wider­stand. Allzuviele Regierungen haben nicht den leisesten Wunsch, abzurüsten, und die entwaffneten Nationen blicken dem Tag entgegen, an dem sie erklären können, daß sie, da die Sieger ihr Versprechen, ab­zurüsten gebrochen haben, durch die ihnen aufgelegten Einschränkungen nicht mehr ge­bunden sind. Europa bewegt sich noch nicht schnell, aber mit besonders erregender Stetigkeit auf einen Punkt zu. an dem mit jedem Augenblick eine neue Katastrophe möglich ist. Diese Bewegung wird weiter gehen, wenn alle Völker nicht durch ihre Stimme und durch ihre politische Macht alle Regierungen zur Vernunft zwingen.

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Oberleutnant Frhr. v. Nagel gewinnt die internationale Militär-Einzelmeisterschast.

fk. Newyork, 13. Nov. Oberleut­nant Frhr. v. Nagel errang am Mittwoch aufDedo" beim internationalen Reit- tournier einen neuen große» Erfolg. Er gewann im Stichkampf gegen den amert- kanischen Kapitän Bradford die inter­nationale Militär-Einzelmeisterjchaft in überlegener Weise. Sei» Sieg wurde von de« 10 000 Zuschauer« mit brausendem Beifall aufgeuomme«.