MittllM, tcn 12. Nov ISA)
We .Obcrhrssisch« Stitimg" er- scheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich 2.20GM.«ta- schließl. ZuflellungSgebtibr, durch di« Post 2.45 GM. Für etwa durch Streik, Maschinendefekt »der elementar« Ereignisse ausfallend« Nummern wird kein Ersah geleistet. Verlag, Dr. ß. Hthervth, Druck det Untv-Duchdruckeret geb. Ang. Koch, Mark, 21/23. Fernsprecher'. Rr. 54 und Nr. 55. Postscheckkonto: Start Frankfurt «.SR. Rr. 5015. — Sprechzeit der Redaktion do» 10—11 «ab
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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Vberhessen
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Schwierigkeiten beim Preisabbau
Mrülge amtliche Berivtechungen - Ile Reelle lind am Slenslag la Berlin Ml zuMgegaagen
Die Bemühungen «m die Preissenkung für Kartoffeln.
Die Verhandlungen über die Preisgestaltung auf dem Kartoffelmarkt, die gestern im Reichsernährungsministerium mit Vertretern der Produzenten, des Srotz- und Kleinhandels, der Konsumvereine. Warenhäuser und der Verbraucher fu. a. war die Zentrale der Hausfrauen- vere,ne Grohberlins geladen) stattfanden, find, dem „Lokalanzeiger" zufolge, noch nicht abgeschlossen worden. Z« der Aussprache wurde von de» Konsumentenoer- tretern besonders die Forderung begründet, vor allem die Kleinverkaufspreise l10-Pfund-Berkauf) herabzu- fetzen. Es wurde ein kleiner Ausschuh eingesetzt, mit dem die Verhandlungen heute im Reichsernährungsministerium fortgesetzt werden sollen. Ma» hofft, heute p» einem pofitiven Ergebnis zu gelangen.
Widerstände gegen die PreisherabsetzunK , bei Fleisch und Brot.
Wie wir erfahren, sind bei der Aktion des Neichsernährungsministeriums zur Herabsetzung der Preise für Brot und Fleisch nachträglich noch Schwierigkeiten aufgetreten, die sich aus der Tatsache ergeben, daß im Augenblick
keine gesetzliche Handhabe besteht, die beteiligten gewerblichen Verbände zur Einhaltung der gestrige« Vereinbarungen zu zwingen.
So stellt sich nun heraus, datz zwar die Bäcker in Erotz-Verlin bereit sind, den Brotpreis verabredungsgemätz unter gleichzeitiger Heraufsetzung des Gewichtes von 50 auf 46 Rpf. zu senken. Dagegen haben die Berliner Brotfabriken nun erklärt, daß für sie nur eine Senkung um 2 Rpf., also auf 48 Rpf., möglich sei. Üeber die Herabsetzung im Reich mutz noch weiter verhandelt werden.
Aehnliche Widerstände ergeben sich bei der Herabsetzung des Fleischpreises. Auf dem Berliner Schweinemarkt ist der Preis heute früh bei einem Auftrieb von 19 000 Schweinen 5 R^lt pro Zentner herunter- gegangen. Da auch die gestern vereinbarte Verminderung der Preisspanne 5 Rpf. Niedriger sein müsien.
Eine Senkung ist jedoch, wie eine
Umfrage in de« Schlächtereie« ergeben hat. nicht eingetreten.
tlnter diesen Umständen wird das Reichsernährungsministerium die Preisbewegung nun genau nachprüfen und wöchentlich die Ergebnisie veröffentlichen, um den Konsumenten die Möglichkeit zu geben, die Preisbewegung genau zu kontrollieren. In unterrichteten Kreisen rechnet Man damit, datz ein solcher Druck der Oef- fentlichkeit die Verkäufer schließlich doch dazu bringen wird, daß sie die Vereinbarungen respektieren.
Eine RevatattonMÄschkift?
Berlin, 11. Nov. Wie erst jetzt bekannt wird, hat der Auswärtige Ausschutz des Reichstages in seiner letzten Sitzung autzer dem Beschluß zur Abrüstungsfrage noch einen weiteren Beschluß gefaßt. Bei den Abstimmungen wurden zwar sämtliche vorliegenden Anträge, die sich mit der Revision des Poungplanes. Herbeiführung eines Moratoriums usw. befaßten, abge
lehnt. Angenommen wurde dagegen der Antrag der Wirtschaftspartei, wonach unverzüglich eine Denkschrift über alle bisher vom Deutschen Reich an die früheren Feindbundstaaten durchgeführten Leistungen fertiggestellt und veröffentlicht werden soll, welche als Grundlage zur endgültigen Vereinigung der Reparationsfrage den Nachweis erbringt, datz das Deutsche Reich schon jetzt weit höhere Opfer für die Liquidation der Kriegsschäden gebracht hat, als ihm nach der geschichtlich feststehenden Widerlegung der dem Versailler Vertrag zugrunde gelegten Behauptung seiner Alleinschuld am Kriege billigerweise zugemutet werden könne.
Sieg der deutschen Mannschaft im Znteruationalen Reitertournier.
fk. Newyork, 12. Nov. Die deutsche Mannschaft, Oberleutnant M o m m auf „Kampsgesell", Oberleutnant Frhr. v. Nagel auf „Dedo" und Oberleunant Hasse auf „Derby", gewann im Internationale« Reiter-Tournier die internationale Militär-Trophäe. Das überfüllte Haus brach in stürmischen Beifall aus, als den Siegern unter den Klängen des Deutschlandliedes die wertvolle silberne Trophäe überreicht wurde.
soss Metallarbeiter außgefperrt Ser «onM In der SltWet Mklnllmtusttie
Bielefeld, 11. Rov. Der Arbeitgeberverband der Bielefelder Metallindustrie hat am Montag die Aussperrung der t« den angeschlossenen Betrieben beschäftigten Metallarbeiter beschlossen. Die Aussperrung wird am heutigen Dienstagabend in Kraft treten. Es werden von ihr etwa 8—9000 Arbeiter betroffen. Dem Arbeitgeberverband der Metallindustrie sind nutzer der Firma Baer & Rempel und den Bielefelder Miele-Werken alle gröge- ren Unternehmungen angeschlosien. Bon der Aussperrung sind Lehrlinge und Wochenlöhner ausgenommen. Das Reichsarbeitsministerium ist schon von den Tarifstreitigkeiten benachrichtigt worden; auch die Stadtverwaltung Bielefeld soll um ihre Vermittlung angegangen werden.
Stellungnahme des Beirates des Metallarbeiterverbandes gegen den Schiedsspruch.
Der Engere Beirat des Deutschen Metallarbeiterverbandes, der sich aus dem Vorstand und den Bezirksleitern zusammensetzt, nahm gestern in einer den ganzen Tag dauernden
Sitzung Stellung zu dem Schiedsspruch für die Berliner Metallindustrie. Der Verbandsvor- sihende Brandes betonte als Aufsasiung des Dorstasdes, datz der Schiedsspruch alle Erwartungen gewaltig enttäuscht und ein Gefühl der Empörung ausgelöst habe. Die Entscheidung der Schlichterkammer sei ein Vorstotz gegen Treu und Glauben. Auch die Begründung sei durchaus unbefriedigend. Gegenüber dem Hinweis darauf, datz der Schieds- pruch für die Berliner Metallindustrie nicht Satisch auf andere Gebiete Deutschlands ragen werden solle, sei die Stellung des Verbandes unbeirrt dieselbegeblieben, datz gegen jeden Lohnabbau, zumal wenn er auch das Realeinkommen der Arbeiter verschlechtere, jeder nur mögliche Wider- st a n d geleistet werde. Daß es der Verbandsleitung mit dieser Auffassung ernst sei, beweise der inzwischen erfolgte Ausstand der Metallarbeiter in Bielefeld. Diese Auffassung des Vorstandes wurde in den Beratungen des Beirates unterstrichen, wobei die Enttäuschung darüber zum Ausdruck kam, datz ein solcher Schiedsspruch mit der Stimme des Professors Sinzheimer zustande kam, der vom Metallarbeiterverband fiir dieses Schiedsgericht benannt war. Heute, Mittwoch, tritt der Erweiterte Beirat des MAV. zusammen.
Offene Anfragen an die RalidnalWMen
Die Volkswirtschaftler Prof. Heinrich H e r k n e r - Berlin, Prof. Alfred W e - der- Heidelberg, Prof. Eckert- Köln und Prof. Götz Briefs - Berlin haben, wie die „Berliner Börsen-Zeitung" mitteilt, zu den wirtschaftspolitischen Anträgen der Nationalsozialisten eine offene Anfrage an deren Reichstagsfraktion gerichtet, die zunächst die Berechnung der Zinsknechtschaft durch Festsetzung des Zinsfußes auf 4 v. H. zuzüglich einer Amortisationsrate von 1 v. H. und Tilgung der Schuld nach spätestens 50 Zähren betrifft. Die Sparkassen könnten mithin höchstens zweieinhalb v. H. auf Einlagen vergüten. Es wird gefragt, wodurch nun vermieden werden solle, daß die kleinen Sparer und Rentner so zu Gunsten der Schuldner, unter denen sich auch große Unternehmer befinden, geschädigt werden. Aehnlich liegt der Fall mit den Lebens- versicherungsanstalten und den Sozialversicherungsinstituten, deren Zinseinnahmen geschmälert würden und die daher ihre Leistungen würden herabsetzen müssen. Sollten die Ausländsanleihen gekündlgr und auf 4 v. H. konvertiert werden, und wie wäre dann die Rückzahlung des Kapitals gedacht? Welche Mittel wären weiterhin in Aussicht genommen, um die Abwanderung des deutschen Kapitals in
das Ausland zu verhindern, das höhere Zinsen gewähre?
Zu dem beantragten. Verbot des Börsenhandels mit Effekten wird gefragt, wie dann die Gründung neuer Aktiengesellschaften , und die Geldbeschaffung für die Industrie gedacht seien und wie verhindert werden solle, daß die ausländischen Börsen weiter deutsche Aktien handeln und die deutschen Aktienbesitzer an sich ziehen könnten. Wie solle verhindert werden, daß die im Besitze von Aktien befindlichen deutschen Sparer gezwungen wären, bei Verkauf sich der Winkelspekulanten zu bedienen und dabei große Verluste in Kauf zu nehmen? Wie solle der vermehrten Arbeitslosigkeit gesteuert werden, die als Folge schwieriger Kapitalbeschaffung unvermeidlich wäre?
Anträge im Reichstag.
Berlin, 11. Nov. Die nationalsozialistische Reichstagsfraktion hat einen Antrag eingebracht, der die Reichsregierung ersucht, bei der Verwaltung der Deutschen Reichsbahngesellschaft dahin vorstellig zu werden, daß bei Schwerkriegsbeschädigten die gleichen Fahrpreisermäßigungen wieder gewährt werden, die ihnen unmittelbar nach dem Kriege eingräumt waren.
Die Reichstagsfraktion der Wirtschaftspartei verlangt in einem Antrag die sofortige Vorlegung eines Gesetzentwurfs, mit dem das Zugabeunwesen verboten wird.
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Unter der Tieberschrift „Abrüstung und Bersailler Vertrag" befaßt sich der ehemalige Ministerpräsident unö Kriegsminister Painleve mit dem deutschen Standpunkt, daß Frankreich sich im Vertrag von Versailles verpflichtet hab«, ebenso wie Deutschland abzurüsten. Painleve betont dazu, daß der Sinn des Versailler Vertrages der gewesen sei, ein pazifistisches Europa zu schaffen, in dem die Völker im Vertrauen zueinander leben soltten. Wenn Deutschland seine Forderung nur als ein diplomatisches Manöver auszuwerten gedenke, so sei ein solch^ Verfahren nicht geeignet, die Befriedung Europas zu begünstigen. Die Sicherheits- frage habe für Sieger und Besiegte ganz verschiedene Bedeutung. Aach dem Kriege hab« es zufriedene und unzufrieden« Völker gegeben. Erster« hätten keinerlei Grund, einen neuen Krieg vom Zaune zu brechen, während es bei den anderen wenigstens eine Minderheit gebe, die von Rache und Gewalt träume. Hieraus. folge, daß die Siegerstaaten ihr« Sicherheit durch das Recht der nationalen Verteidigung garantieren müßten, während die Besiegten sich gegen keinerlei Angriffe zu schützen brauchten. Ein Berufs-- Heer sei daher für sie das gegebene, während es für Frankreich unbrauchbar sei, wolle man nicht das Heeresbudget ins Unermeßliche steigern. Eine Herabsetzung der ausgebildete« Reserven fei aus denselben Gründen für Frankreich unmöglich. Mit weiteren Rüstungseinschränkungen könne nur dann ernst gemacht werden, wenn vor« her internationale Abkommen geschlossen würden, die eine wirksame Garantie gegen jeden Angriff darstellten.
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Da die Reichsregierung fest entschlossen ist, die Preissenkung unter allen Umständen weiter als bisher auszubauen, ist mit entscheidenden Beschlüssen nach dieser Richtung hin schon in den nächsten Tagen zu rechnen. Eine große Rolle spiell dabei die Senkung der Post- und Bahn- t a r r'f e, doch sind die notwendigen Prüfungen in den Betrieben der Reichspost und der Reichsbahn noch nicht abgeschlossen. Der Reichspostminister beabsichtigt jedoch, eine Darstellung der Tarifsenkungsmöglichkeiten der Posttarife zu geben. Im übrigen ist anzunehmen, daß der Verwaltungsrat der Reichspost so schnell wie möglich die durchführbaren Vorschläge bewil- licst. Vor allem will man an eine Senkung des Briefportos herantreten, doch ist noch nicht zu übersehen, in welchem Umfange das Porto an dieser Senkungsaktion beteiligt sein wird. Bei der Reichsbahn wird die Preissenkungsaktion bedeutend schwieriger sein, da sich die Lage der Reichsbahn eher verschlechtert als verbessert hat. Reben den Frachttarifen kommt unter Umständen eine Verbilligung der Personentarife in der dritten Wagenklasse in Betracht.
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Eine interessante kleine Anfrage des vollsparteilichen Abgeordneten Dr. Losenhausen im preußischen Landtag harrt noch immer der Beantwortung. Wer das Ministerialblatt vom 19. Juni 1929 durchlieft, erfährt, daß der Reick^bund der Standesbeamten Deutschlands ein „Handbuch für die deutsche Familie" herausgibt, das auf den Standesämtern bei Eheschließungen, Aufgeboten, Geburtenanmeldungen überreicht wird. Dies Buch macht in unerhörter Weise Re- llame für englische Webwaren! Auf Seite 100 empfiehlt es den Herren coonderanzüge von englischem Stoff, und auf Seite 103 in dem Artikel „Was braucht Sie?" wird den Damen geraten, als Oberstoff zum Wintermantel statt Tuchs oder Flauschs englischen Stoff zu wählen, weil man dann den Mantel auch in anderen Jahreszeiten an kühlen Tagen tragen könne. Es ist selbstverständlich, daß in einer Zeit größter deutscher Wirtschastsnot und Arbeitslosigkeft eine solche Der-