Einzelbild herunterladen
 

SkiMag, Den 11. tot). 1930

Die .Oberbesstsch« Zeitung" er­scheint sechsmal wöchentlich. Be­zugspreis monatpH 2.20GM aus- schließl. Zustellungsgebühr, durch die Post 2.45 GM. Für etwa durch Streik, Maschinendefekt oder eie- Mentare Ereignisse ausfallende Kümmern wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag, Dr. § Hitzeroth» Druck der Unib-Duchdruckeret Zoh. Aug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Nr. 54 uud Nr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt «, M. Nr. 5015. Sprechzeit der Redaktion von 1011 >md Uhr.

GbertjMsche

RmkllWk >fl| Ti i M A

ÄtzMWlM 17 H S II IM «wlWMtzW

Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen

to.26565.8olir0.

Mmbarg a. Bahn

Der Anzeigenpreis beträgt für Oen 11 gespalt. Zeilenmillimeler 0.08GM.,sog. kleine Anzeigen und Familienanuigen bei Barzahlung 0.07 VNH: amtliche und anS- wärtige Anzeigen 0.10 GM. Bei schwierigem Satz sowie bei Platz- dvrschrist 50*le Aufschlag. Sammelanzeigen 100'1, Auf­schlag. Reklam.-Millim. 0.40 GM. Zeder Rabatt gilt al« Barrabatt

Ziel 5 Tage.

vfferten-.Gebühr: 25 Pfg.

Belege werden berechnet. Erfüllungsort Marburg.

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Prrisfenkims in Berlin

Senkung ter Berkmiftmiie kür Brot, SchweiuekleH» und MS - Reich kost Wen

Wie halbamtlich versichert wird, haben die Verhandlungen des Reichsernährungs- minrsterinms mit den Vertretern des Bäcker- «nd des Fleischergewer­bes bei ihrer heutigen Fortsetzung zu einem Erfolge geführt. Danach ist ver­einbart worden, daß der Brotpreis pro Brot Am 4 Pfennig gesenkt wird, so daß z. B. in Berlin das Brot in Zukunft nicht mehr 50, sondern 46 Pfennig kosten wird. Dazu kommt noch, dah das Ge­wicht des Brotes von jetzt ab 1250 Gramm betragen muh. während es nach de« Angaben, die uns gemacht wurden, bisher nur 1200 Gramm wog. Die Brot­preissenkung macht als- etwa 9 Prozent aus.

Di« Vereinbarung mit den Vertretern des Fleischergewerbes sieht eine Preis­senkung von 5 Pfennig pro Pfund vor, und zwar zunächst für Schweinefleisch. Ob die anderen Fleischarten noch hinzu­kommen, läht sich im Augenblick noch nicht sagen. Von Bedeutung ist noch, dah die Vertreter der beiden Gewerbe sich ver­pflichtet haben, auch zu einem späteren Zettpunkt keine Preiserhöhungen vorzu- irehmen, ohne dah die Notwendigkeit mit dem Reichsernährnugsministerium be­sprochen worden ist. Der Verband der Bereinigten Berliner Milchhändler, die Arbeitsgemeinschaft der freien Berliner Milchhändler und de, Milchverkaufsver­band Norddeutscher Meiereien werden ihren Mitgliedern empfehlen, vom näch­sten Montag ab die Handelsspanne der MUch um 1 Pfennig herabzusetze«.

*

In politischen und wirtschaftlichen Krei­sen wird die vom Reichsernährungs- minister erreichte Senkung der Preise für Brot, Fleisch und Milch als ein er­freulicher Anfangserfolg bezeichnet, der auf den anderen Gebieten der Ernährung noch vervollständigt werden soll. Es wird ausdrücklich betont, dah Berlin nur den Ausgangspunkt bildet und dah

die Seukuug sich auf das ganze Reich erstrecke« soll.

Die jetzt vorgesehene Preissenkung macht pro Jahr, auf das ganze Reichsgebietbe­rechnet, für den Konsum beim Brot 90 bis 100 Millionen, beim Fleisch etwa 150 Millionen Mark aus. Zunächst gilt die Fleischpreissenkung nur für Schweine­fleisch, das etwa mit zwei Dritteln an dem gesamten Fleischkonsum beteiligt ist. Es ist aber damit zu rechnen, dah auch für Rindfleisch und die übrigen Fleisch­arten eine Verbilligung folgen wird. Beim Brot ist Vorsorge dafür getroffen worden, -'dah keine Qualitätsverminde­rung eintritt. Die Aktion zur Verbilligung der Kartoffel soll so beschleunigt werden, dah sie sich noch auf die Eindeckung des Winterbedarfes mit auswirkt. Man kann wohl annehmen, dah auch mit dem Kolo­nialwarenhandel parallele Verhandlun­gen über die Verminderung der Preis­spanne weitergeführt werden.

Darüber hinaus hat der Reichsernäh­rungsminister aber auch die Absicht, den Zwischenhandel. in seine Aktion miteinzuziehen. Entsprechende Schritte dürsten bereits eingeleitet sein.

eWfottenmoen ter LandwirWaft

Berlin, 10. Nov. Bei ihrem bevor­stehenden Besuch beim Reichskanzler werden die Präsidenten des Reichslandbundes dem Kanzler die vom Vorstand des Bundes be­schlossenen Sofortforderungen zur Rettung der Landwirtschaft überreichen.

Diese Forderungen besagen u. a., nur durch Abstellung der Ursachen der Agrornot kann auf dem Lande die Ruhe wiederhergestellt werden.

Um eine weitere Gefährdung der heimischen Preisbildung infolge verschärfter Verkaufs­notwendigkeit landwirtschaftlicher Produkte zu vermeiden und eine Fortführung der Wirt­schaft zu ermöglichen, ist sofortige weitest­gehende steuer- und kreditpolitische Erleichte­

rung der Landwirtschaft zu erwirken. Die laufenden Steuerforderungen von Reich und Ländern sind zunächst auf ein Notjahr in vol­lem Umfange zu erlagen. Rückständige Steuern sind, soweit nicht wegen Zahlungsunfähigkeit ebenfalls Erlaß geboten ist, in Form von Naturalien zu entrichten. Die sozialen Be­lastungen der Landgemeinden lGeineindever- bände) sowie deren Belastung mit Wegebau, Deichunterhaltung, vor allem mit Schullasten, sind für mindestens ein Notjahr vom Staat bzw. Reich zu übernehmen. Die Kredite aller mit der öffentlichen Hand im Zusammenhang stehenden Stellen, die am Fälligkeitstage aus den laufenden Betriebsmitteln nicht zurück­gezahlt werden können, sind zu prolongieren, die in früheren Notjahren gegebenen Not­standskredite niederzuschlagen. Sofortiger Aus- und Umbau der Osthilfenotverordnung, beson­dere Hilfsmaßnahmen für durch Grenzziehung und Besatzung geschädigte Gebiete.

Gegen das WoSnuagsdanprogram«

Eine Eingabe tes Seitlichen SewecksKaftsbnnbeS

Berlin. 10. Nov. Der Deutsche Gewerk- schaftsbund hat an den Reichsrat, die Reichst regierung, den Reichstag, die Länderregierun­gen usw. eine Eingabe gerichtet, in der gegen das Wohnungsbauprogramm der Reichsregie- rung Stellung genommen wird. Der Deutsche" veröffentlicht einen längeren Aus­zug aus der Eingabe, in dem es u. a. heißt:

Der Deutsche Gewerkschaftsbund bringt ge­gen die im Rahmen des Wirtschafts- und Fi­nanzprogramms der Reichsregierung vorge­schlagene Neuregelung der Wohnungswirt- jchaft seine schwersten Bedenken zum Ausdruck. Die schnelle Abkehr von der bisherigen Woh­nungspolitik kann keineswegs zu planmäßiger Auflockerung und zum Abbau der Zwangs­wirtschaft fuhren, die mit der beabsichtigten Kürzung der Wohnungsbaumittel versuchte Einschränkung des Bauprogramms muß viel­mehr den Zeitpunkt des Abbaues der Zwangs­wirtschaft wesentlich hinausschieben, weil mit einem so knappen Vauprogramm in den näch­sten Jahren nicht einmal die zahlenmäßige Wohnungsnot behoben werden kann.

Die schwerwiegendsten Bedenken zur Reu­regelung der Wohnungswirtschaft sehen wir zunächst in der beabsichtigten Kür­zung des bisher für den Wohnungsbau verwendeten Anteils aus der Hauszins- steuer um 400 Mill. JC. Diese Kürzung bedeutet in der Praxis das Fehlen von einer Milliarde Mark Baukapital.

Vom Standpunkt der Arbeitsbeschaffung aus betrachtet, bedeutet die Verkürzung der Wohnungsbaumittel vermehrte Arbeitslosig­keit. Hierin liegt der größte Widerspruch des Regierungsprogramms. Denn das Wirt- fchafts- und Finanzprogramm wollte doch mehr Arbeit schaffen, aber nicht die Arbeits­möglichkeit vermindern. Die Streichung von über 100 000 Wohnungen aus dem Vaupro­gramm bringt, knapp gerechnet, für 150 000 Bauarbeiter Arbeitslosigkeit. Die Arbeits­losenfrage wird durch die geringere Deschäf- tigungsmöglichkeit der Bauarbeiter und Pau- stoffarbeiter allein mit 200250 Millionen Jl belastet. Der Ausfall an Steuern, der durch «ine so erhebliche Einschränkung der Bautätigkeit hervorgerufen wird, erreicht in seiner letzten Auswirkung einen Betrag, der einen beträchtlichen Teil der erhofften Rral- steuersenkung ausmacht.

Der DGB. weist noch auf die Möglichkeit einer gründlicheren Ausschöpfung der Haus­zinssteuern hin. Nach vorliegenden Berichten werden in einigen Ländern die von dem Ver­mieter eingenommenen Hauszinssteuern noch restlos abgeführt. Der DGB. vertritt die Auffassung, daß ss volkswirtschaftlich und steuerpolitisch vorteilhafter ist.

mindestens den bisherigen Anteil der Hmlsziussteuermittel de« Wohnungsbau zu belasien,

weil erst dann einwandfreie geräumige Woh­nungen in genügender Zahl und zu ttagba-

ren Mieten errichtet werden können, und da- mft Voraur-fetzlnlgen für eiatK allmählichen und organischen Abbau der Wohnungszwangs­wirtschaft geschaffen werden; zum anderen, weil dadurch oas für die Arbeitsbeschaffung so wichtige Schlüsselgewerbe, wie es das Bau­gewerbe darstellt, eine Ankurbelung erfährt. Es wäre somit nützlicher, die geplante Real­steuersenkung solange hinauszuschieben, bis bcsiere Wirtschaftsverhältnisse diese Erleichte­rung ermöglichen.

Die Me für den Mn

Berlin, 10. Nov. Der Erenzaus- schuß des preußischen Landtags besprach am Montag noch eine Ueberstcht über die einmaligen und dauernden Ausgaben von Gemeinden und Kreisen der östlichen Grenzgebiete aus Anlatz von Earnison- verlegunaen.

Der Verkehrsausschutz des Landtages beriet eine Reihe von Anträgen über Hilfsmaßnahmen für den Osten. Der Ausschuß trat sodann in eine Besprechung über den Antrag der DBP. über die Be­teiligung der kapitalschwächeren Unterneh­me» an den Arbeiten aus den Mitteln der Osthilfe und den demokratischen An­trag über die vorzugsweise Berücksich­tigung der in den notleidenden Ostgebie­ten befindlichen gewerblichen Unterneh­mungen bei der Vergebung von Aufträ­gen.

Die zur Beratung stehenden Anträge wurden durch Annahme eines zusammen­fassenden Antrages erledigt, der das Staatsministerium ersucht. 1. Auf die Reichsregierung einzuwirken, die statisti­schen Erhebungen des Reiches über die Aufträge des Reichs und der Länder zu vervollständigen und auszubauen und durch Einbeziehung der Gemeinden und Gemeindeverbände eine vollkommene Ueberstcht über die Auftragserteilung durch die öffentliche Hand zu gewinnen; 2. Auf die Reichsregierung einzuwirken, der bisher offenbar nicht genügend be­rücksichtigten Arbeitsmarkt- und Erenz- lage der einzelnen Bezirke bei der Ver­gebung durch die öffentliche Hand ausgie­big Rechnung zu trogen und dadurch den besonderen wirtschaftlichen Nöten der öst­lichen Grenzgebiete stärker gerecht zu wer­den; 3. Entsprechend aus die Staats- und Kommunalbehörden und die größeren öf­fentlichen Betriebe einzuwirken, auch in der Richtung, daß die Arbeiten aus öffent­lichen Mitteln in den Grenzgebieten des Ostens möglichst an das einheimische Ge­werbe, und zwar in Fach- und Teillosen vergeben werden.

Sflotlietegel

Die Reichsregierung wird entgegen den Erwartungen erst in der zweiten Hälfte der Woche zur Behandlung der neuen Agrarvorlagen kommen, wobei diese Verzögerung wohl auf den engen Zu­sammenhang zwischen diesen Gesetzentwür­fen und der von der Regierung beabsich- ttgten Preissenkung zurückzuführen ist. In unterrichteten Kreisen nimmt man jedoch an, dah das Kabinett seine Beratungen über die Agrarfragen noch Ende, dieser Woche beendet. Verschiedentlich ist in die­sem Zusammenhang die Nachricht auf­getaucht, daß die Reichsregierung die Ab­sicht habe, die Agrargesetze mit Hilfe des Artikels 48 in Kraft zu setzen, doch muh demgegenüber festgestellt werden, dah die Regierung in dieser Hinsicht noch keine Entscheidung getroffen hat. Die Regie­rung sieht allerdings eine Notwendigkeit, die neuen Agrarmahnahmen so schnell wie möglich in Kraft zu setzen, um der Notlage der Landwirtschaft ein Ende zu machen.

In unterrichteten Kreisen der Polttik und Wirtschaft zweifelt man nicht daran, dah der Schiedsspruch in der Ber­liner 'Metallindustrie die Preis­senkungsdebatte in ein entscheidendes Sta­dium gebracht hat. /Der Hinweis des Schiedsspruchskommentars auf die Tat­sache, daß die Reichsregierung im Zu­sammenhang mit der Lohnsenkung Maß­nahmen zur Senkung der wichtigsten Kon­sumpreise vorbereite, wird als der wich­tigste Teil des Schiedsspruchs überhaupt betrachtet. Don einer dem Reichsernäh­rungsministerium nahestehenden Persön­lichkeit erfahren wir, daß man an dieser Stelle es noch einige Tage mit gütlichen Preissenkungsverhandlungen versuchen wolle. Die Aussprache mit einzelnen Ver- ttetern des Handels liehen aber schon den Eindruck entstehen, als ob diese gütlichen Verhandlungen scheitern würden. In die­sem Falle würde die Reichsregierung zu energischen Mahnahmen greifen, um gegen die Handelsspanne bei Agrarprodukten vorzugehen und so die Preise zu senken. Es werde in diesem Sinne eine Aktton vorbereitet, über die Einzelheiten jedoch erst in dem Augenblick gesagt werden fön- nen, in dem die gütlichen Verhandlungen gescheitett seien. Besonders bemerkens­wert erscheint in diesem Zusammenhang auch die Dereitwilligkeitserklärung der deutschen Städte, energische Maßnahmen zur Bekämpfung erhöhter Verbraucher­preise zu ergreifen. Wenn auch die Ak- ttonsfähigkeit der deutschen Städte be­schränkt ist, so haben sie doch erhebliche Möglichkeiten, die Propaganda um eine Verbilligung der Preise zu fördern.

Die Senkung der Preise für Schweine­fleisch und Brot wird nur in einem Teil der Berliner Morgenblätter besprochen. DieD.A.Z." und Börsencourier" unterstteichen besonders die Tatsache, daß es sich um eine freiwillige Vereinbarung zwischen Gewerbe und Regierung handelt. Trotz aller Hemmungen und Widerstände, so schreibt dieD. A. Z.", ist man nach den Ereignissen der letzten Tage zu sagen berechttgt, daß die Idee des Lohn- und Preisabbaues marschiert. Man solle auch nicht das Ausmaß bettitteln, sondern es ist im Gegenteil höchste Zeit, daß man all­gemein den Pfennig wieder ehren lernt. Den Hauptvorteil von einer allgemeinen Verbilligung der Arbeitskraft und der sonsttgen wirtschaftlichen Leistungen im weitesten Sinne werden diejenigen haben, die durch diese Maßregeln in den Produk­tionsprozeß wieder eingegliedert werden können. DerBörsen-Courier" nennt die Senkung der Gestehungskosten schon im Hinblick auf den Außenhandel eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Preis­senkung sei ihre auf die Dauer unausbleib­liche Folge, deren Einttitt durch Der- ttngerung der Handelsspanne nur be­schleunigt, nicht aber vor jeglicher Lohnver-