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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
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Die .Oberhessisch« Zeitung' erscheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich 2.20SM.a«S- schließl. Zustellungsgebühr, durch die Post 2.45 GM. Für etwa durch Streik, Maschinendrfekr oder elementare Ereignisse ausfallend« Nummern wird kein Ersatz geleistet. Verlag, Dr. §. Httzeroth« Druck der Untv-Duchdruckerei Job. Aug. «och, Markt 21/23. Fernsprecher: Rr 54 uud Rr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt «. M. Nr. 5015. — Sprechzeit der Redaktion don 10—11 und */»l—1 Uhr.
Die..Vorbereitende Abriiikungttonierenr
Deutschland fordert ßerabfetzung sämtlicher Rüstungen - Die drohende Gefahr eines neuen Krieges
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Die Präsidenten des Reichslandbundes haben am 5. November ein Schreiben an l die Reichsregierung gerichtet, in dem unter Hinweis auf die in den Begründungen der Gerichtsurteile vonAltonaund Königsberg enthaltenen Feststellungen, daß. die Verurteilten in selbstloser Weise und vom Drange der Solidarität mit ihren notleidenden Derussgenossen getrieben, gehandelt hätten, um die Vorlegung eines Gesetzes gebeten wird, das Straffreiheit für die Verzweiflungstaten Lieser Dauern und Dauernführer ausspricht. Ein rascher Entschluß der Reichsregierung sei umso notwendiger, als die Urteile von Altona und Königsberg geeignet feien, die trost- lose Verzweislungssttmmung und Unruhe im Lande auf das Gefährlichste zu steigern. Dem Reichspräsidenten ist der An-- ttag des Reichslandbundes mit einem Begleitschreiben zur Kenntnis gegeben worden. in dem es u. a. heißt, daß der Reichslandbund in dem Erlaß dieses Amnestie-- gesetzes einen Beweis dafür erblicken würde, daß das Elend und die Verzweiflung in der Landwirtschaft, die zu diesem Unglück geführt hätten, Verständnis bei den höchsten Stellen des Reiches fänden. An den Landwirtschaftsverband Ostpreußen haben die Präsidenten des Reichslandbundes ein Telegramm gerichtet, in dem den verurteilten Dauern und Dauernführern die herzlichste Sympathie ausgesprochen wird.
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Wie immer bei großen Internationalen Konferenzen, auf denen Frankreich zur Aufgabe seiner Rüstungspolitik ge- bracht werden soll, beeilen sich die rechtsstehenden Pariser Dlätter in ihren Berichten und Kommentaren, die Lage und Aussichten so pessimistisch wie nur irgend möglich zu schildern und von vornherein rn 'der Oesfenllichkeit den Geisteszustand zu schaffen, der nötig ist, um km Falle eines Scheiterns der Konferenz die Verantwortlichkeit auf fremde Mächte wälzen zu können. So war es bei der Londoner Flottenkonferenz und so ist es auch jetzt wieder bei der letzten Vorbereitenden Abrüstungskonferenz. Pertinax führt wie immer den Reigen der Schwarzseher an. und zieht schon jetzt die Schwierigkeiten an den Haaren herbei, die entstehen würden. wenn sich die fünf Flottenmächte über das Flottenprogramm nicht geeinigt hätten. Deutschland dränge mit Gewalt auf die endgültige Abrüstungskonferenz, ohne sich darum zu kümmern, ob die Vorbereitende Abrüstungskonferenz inzwischen gescheitert sei oder nicht. Im Gegenteil, auf deutscher Seite sehe man das Schellern der Konferenz voraus und brenne darauf.
allein an der Abrüstung interessiert seien. Das sei eine durchaus falsche Einstellung. Sämtliche Mächte wünschten heute die Abrüstung ; jedoch sei die Abrüstung eine grundlegende Aenderuna der Weltlage, die nur langsam durchgeführt werden könne.
Graf Bernstorfs
erklärte, ihm sei es gleichgültig, auf welchem Wege die Abrüstung erreicht werde, wenn nur eine wesentliche Herabsetzung aller entscheidenden Rüstungsgruppen erzielt werde.
Die Tagung des Lordereitenden «b- rüstungsausschuffes warde gestern vormittag von dem holländische« Gesandten in Paris, London, dem langjährigen Vorsitzenden des Ausschnsies, eröffnet. Er wies darauf hin, daß die Arbeiten des Borbereitungsausschusies im vorigen Zahr mit Rücksicht auf die bevorstehenden Verhandlungen der Londoner Flotttnkoufe- reuz ausgesetzt worden seien.
Loudon
gab eine kurze Darstellung der Ergebnisie dieser Konferenz, der Verhandlungen des Sicherheitskomitees und der diesbezüglichen Beschlüffe der letzten Völkerbundsversammlung. Die Aufgabe des Ausschusses sei die Formulierung der Methoden für eine Begjjenzung und Herabsetzung der Rüstungen. Das Ideal einer vollständigen Abschaffung aller Rüstungen sei im Augenblick noch nicht erreichbar. Die jetzige Tagung müsse aber unbedingt zu einem endgültigen Abschluß ihrer Arbeiten für die Aufstellung eines Konven- tionsentwnrfes kommen,
Graf Bernstorff
I Die Vereinigten Reichsratsausschüsfe beendeten am Donnerstag unter dem Vorsitz des Reichsministers Dietrich die erste Le- I N-Mg _ des Gesetzentwurfes über die Ein- I ichränkung des Personalaufwandes in der öffentlichen Verwaltung. Ebenso I öte bei dem am Mittwoch beratenen Ee- haltskürzungsgefetz für die Beamten wurden alle Abänderungsanträge und Anregungen dis zur zweiten Ausichutzberatung zurückge- stellt.
lkin Antrag auf Vorverlegung des Eehaltskürzungstermines auf den 1. Januar 1931 wird zur zweiten Lesung j erwartet. In parlamentarischen Kreisen nimmt man an, daß eine Annahme dieses Eintrages durchaus möglich sei. Bisher liegt em derartiger Anttag, in Berliner Meldungen war als Antragsteller Hamburg genannt worden, jedoch nicht vor.
Man kam überein, alle Vorlagen zum Finanzplan in zwei Lesungen zu beraten. Am oreitag früh soll die erste Lesung des Ee- setzentwurfes über die Angleichung der Haushalte von Reich, Ländern und Gern e i n d e n> das sogen. Plafonds-Gesetz vorgenommen werden. Darauf soll die Beratung über den Gesetzentwurf zur Weitererhebung der Zuschläge zur Einkommensteuer, der L e d i g e n st e u e r und der Auffichtsratssteuer folgen. Schließlich soll auch noch die Etatsber atung am Freitag begonnen werden. Für Sonnabend ist die (Erörterung der Novelle zur Tabaksteuer in Aussicht genommen. Am Montag und Dienstag sollen interne Be- wrechungen über den (Etat stattfinden. Am Mittwoch wollen die Vereinigten Ausschüsse alle mit dem Wohnungsbau zusammenhängenden Fragen beraten, nämlich das Bau- flnanzierungsvrogramm und die Aenderun- gen der Wohnungsgesetzgebung, ferner auch ble . Realsteuersenkung. Die Reichsratsaus- schune hoffen, am Mittwoch auch noch die zwecke Lesung aller Vorlagen vornehmen zu tonnen, die zum Finanzplan der Reichsre- meruna bisher vorsiegen.
SngtWegel
Die Zeitschrift des Deutschen Deancken- bundes „Der Beamtenbund- nimmt in seiner neuesten Nummer Stellung gegen den Gedanken, die Gehaltskürzungen bereits am 1. Januar 1931 eintreten zu lassen und interpretiert ihn dahin, daß durch die Vorverlegung des Termins der, Gehaltskürzung die 100 Millionen Mark, die die Länder aus den Ergebnissen der Gehaltskürzung an das Reich abgeben sollten und nicht abgeben wollen, aus der Beamtenschaft herausgeholt werden sollten. In ihren weiteren Ausführungen macht die Zeitschrift noch einmal in entschiedenem Ton gegen den Plan einer Vorverlegung Front und verweist dabei darauf, daß an sich schon die Stellung des Deutschen Beamtenbundes zum Gehaltskürzungsgesetz ablehnend sein müsse, da die GehaltMirzung eine Sonder- belastung darstelle. Zum Schluß wird der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die Darlegungen, die unmittelbar nach dem Bekanntwerden der Dorverlegungsgerüchte von Derttetern des Deanckenbundes dem Reichsfinanzminister gemacht worden seien, zu dem Ergebnis führen, daß etwaige Vorverlegungspläne noch einmal einer Nachprüfung unterzogen werden.
der Weltpresse geschloffen den Sitzungs- saal.
Litwinow dankte dann dem Präsidenten für die durch das Verbot der llebersetzung in die französische Sprache für seine Rede gemachte Reklame.
Lord CecU
erklärte, die Ausführungen Bernstorffs und Litwinows hätten seinen Optimismus schwer erschüttett. Offenbar glaubten diese beiden Vertretet, daß nur ihre Staaten
Berlin, 6. November, i
Vor Eintritt in die Tagesordnung wies I Abg. Ladendorf (Wirtsch.-Partei) in einer | persönlichen Erklärung die von sozialdemo- | irakischer Seite in einer der letzten Sitzungen I ausgesprochene Verdächtigung als Verleüm- I düng zurück, wonach 2t an anhaltlsche Abge- l ordnete Bestechungsgelder gezahlt haben sollte. I Er habe seinerzeit den Zwischenruf nicht ver- I standen, sonst hätte er die Verdächtigung so- I fort zurückgewiesen.
I Ein sozialdemokratischer Anttag. dem nationalsozialistischen Abg. Lohse die schärfste Mißbilligung auszusprechen, weil er seinem I Parteifreunde Guth am Tage der Reichstags- I Eröffnung die Landtagslegitimationskarte I ausgehändigt habe, wurde dem Geschästsord- nungsausschuß überwiesen. Es soll im Ausschuß erwogen werden, wie ein Mißbrauch
I der Abgeordnetenlegitimation in Zukunft verhindert und geahndet werden kann.
I In der weiteren Aussprache über die
Grubeukatasttophe
schildert Abg. Fries (Soz.), Mitglied der llntersuchungskommission für die Alsdorfer I Erubenkatasttophe, bie bei Befahrung der
Grube gewonnenen Eindrücke. Auf dem Tisch des Hauses legte er zahlreiche bildliche Darstellungen nieder, die ein eindrucksvolles Bild von der furchtbaren Katastrophe vermitteln.
I Wenn auch die Ursache der Explosion noch I nicht klar erkannt sei, so könne man doch schon sagen, daß die Versatzarbeiten auf Grube Anna II nicht ordnungsgemäß und rechtzeitig getätigt worden seien. Auch könne das Vorhandensein von sehr viel Kohlenstaub nicht geleugnet werden. Das sei eine Folge des Antreibersystems, das zum Ueberladen der Wagen führte.
Abg. Dr. v. Waldthaufen sDtn.) er- klärte, aus den Darlegungen der Regierung ergebe sieb für seine Fraktion, daß die Be- tteuung des Erubenstcherheitswesens sich in den besten Händen befinde. Es stehe fest, daß | in Alsdorf weder Schlagwetter- noch Kohlen- j 1 staubexplosionen die Ursache der Katastrophe gewesen seien. Wenn die weiteren Ermittlungen zweifelsfrei ergäben, daß die Explosion von oben gekommen sei, bann würde man im Eerubenflcherheitswesen vor völlig neuen Fragen stthen. Die deutsche Dergbauindustrie in ihren maßgebenden Unternehmerkreisen wolle I nichts dringlicher, als daß die Sicherheit in I den Gruben auf das höchste gesteigert werde. I
Hierauf wurden die beiden von den Deutsch- I nationalen und den Kommunisten gegen den I Innenminister Severing vorliegende» Miß- trauensanträge in gemeinsamer namentlicher Abstimmung mit 229 gegen 196 Stimmen ab- I gelehnt. Gegen die Anttöge stimmten neben den Regierungsparteien auch einige ausge- schiedeue Kommunisten.
In der fortgesetzten Aussprache über die Grubenkataftrophen meinte Abg. Harsch I (Zentr.), es stehe fest, daß die Bergarbeiter I tagltch ihre schwere Arbeit unter Lebensgefahr I reiften müßten. Einhalt getan werden müsse bem Bestreben, bie Förberleistungen immer I weiter Hochzutreiben. Schars wandte er sich I gegen die Kommunisten, bie selbst an ben I
gab für die deutsche Regierung eine Erklärung ab, in der er darauf hinwies, daß er bereits auf der letzten Tagung des Ausschusses im Jahre 1929 ausdrücklich die Verantwortung für die von der Mehrheit des Ausschusses eingenommene Haltung abgelehnt hahe. Die deutsche Regierung bringe auf einen möglichst baldigen Abschluß der Ausschußverhandlungen, damit der Rat die allgemeine Abrüstungskonferenz zum 1. November 1931 einberufen könne. Nur auf diese Weise werde endgültig festgestellt werden können, ob eine Absicht zur Abrüstung vorhanden sei oder nicht. Der Ausschuß dürfe sich keiner Täuschung hingeben. Die öffentliche Meinung der Welt mache sich heute nicht die geringste Illusionen mehr über die ergebnislosen fünfjährigen Verhandlungen des Ausschusses.
Deutschland lege Wert darauf, daß sein Vorschlag über die uneingeschränkte Veröffentlichung der- gegenwärtigen Rüstungs- ftandes aller Länder als Grundlage der kommenden Konferenz - Verhandlungen außerhalb des jetzt zur Verhandlung stehenden Abkommensentwurfes vom Ausschuß erörtert werde. Deutschland fordere Klarheit, ob man jetzt tatsächlich zum Abschluß der Arbeiten und zur Einberufung der Abrüstungskonferenz schreite« wolle. Ei» wesentlicher Teil der heutigen internationalen Schwierigkeiten sei auf die I Verschleppung der Abrüstungsfragen zu- I rückzuführeu. Deutschland verlange daher, daß man so schnell wie möglich zu einer entscheidenden Herabsetzung sämtlicher Rüstungen schreitet.
Der russische Vertreter Litwinow gab eine längere Erklärung ab, in der er die grundsätzliche Haltung der Sowjetregierung zu den Arbeiten des Völkerbundes über die Abrüstung barlegte. Im Anschluß an diese Erklärung Litwinows, die von dem Präsidenten einmal mit einem geschäftsordnungsmäßigen Hinweis unterbrochen wurde kam es zu einem Zwischenfall, als der Präsident erklärte es sei ihm nicht möglich, jetzt noch die'französische llebersetzung der Erklärung Litwinows vornehmen zu lassen. Zum Protest gegen diese Anordnung des Vorsitzenden verließen die zahlreich erschienenen Vertreter
offenen Gräbern der Verunglückten skrupellose Hetze zugunsten ihrer Partei getrieben hätten.
Abg. Selbmann (Komm-) widersprach der Behauptung des Ministers, daß die Zahl der Unfälle im Bergbau zurückgegangen sei unb protestierte gegen bas Antreiber- unb .Ausbeutungssystem.
Abg. Dr. Losenhausen (D. Vpt.) trat gleichfalls für restlose Aufklärung ber ©rußen» katasttophen ein. Schillinge müßten rücksichtslos zur Verantwortung gezogen werben. Unhaltbare Verbächtigungen feien aber zurückzuweisen. Es sei auch unbegreiflich wie man behaupten könne, sachkunbige Rettungsleute seien ferngehalten worben. Das Auftreten der Kommunisten am offenen Grabe sei auch von ben Angehörigen ber Toten als Taktlosigkeit empfunden worden.
Rach Ueberweisung der Anttäge zu den Grubenkatastrophen an den Handelsausschuß vertagte sich das Haus auf Freitag 10 Uhr: Zweite Beratung der neuen Kommunal- steuern.
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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen