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Mittwoch, ten5.SR66.1930

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Anzeiger für (das frühere knrheffifche) Oberhesfen

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Ser Anzeigenpreis beträgt für den 11 gespalt. Zeüenmillimeter 0.08 GM., sog. Nein« Anzeige» und Familienanzeigen bei Barzahlung 0.07 GM., amtliche und oni- wärtige Anzeigen 0.10 GM. Bei schwierigem Sah sowie bei Platz- Vorschrift 50'/, Aufschlag. Sammrlanzeigen 100"/, Auf­schlag. R-klam.-MMtm. 0.40 GM. Zeder Rabatt gilt al« Barrabatt.

Ziel 5 Tage.

0ffertr«:G«bühr: 25 Pfg. Belege werden berechnet. Erfüllungsort Marburg.

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen siir Stadt und Kreis Marburg.

Große AMnftmde in Sestemlch

Sluisilchmgen In sorialdemokmttilhen MtelWern - Mawnengewehre, SMunllion und Zunkgeküi

Wien, 4. Nov. Das österreichische Bundesministerium hat am Montag Haussuchungen nach Waffen bei den so­zialdemokratischen Organisationen- sowohl in Wien als auch in der Provinz ange­ordnet. In Wien wurde das Parteihaus der Sozialdemokraten, in dem sich auch die Arbeiterzeitung" und dasKleine Blatt" befinden, von Polizeibeamten durchsucht, ebenso die Lokale der sozialdemokratischen Sportverbände. Bis zum Mittag lag das Ergebnis dieser Untersuchungen noch nicht vor. Dagegen wurde aus Wiener-Neustadt gemeldet, daß dort zwei Maschinenge­wehre und in verschiedenen sozialdemdkra- tischen Parteilokalen und Privatwohnun­gen über 1000 Jnfanteriegewehre mit der dazu gehörigen Munition gefunden wur­den. Im Lokal des sozialdemokratischen Konsumvereins wurden zwei Maschinen­gewehre, in Mödling zwei Maschinenge­wehre und mehrere hundert Jnfanterie­gewehre gefunden. In fast ganz Oester­reich dauern die Haussuchungen noch an, die nicht von der örtlichen Eemeindepoli- zei, sondern von der Gendarmerie durchge­führt werden.

Bei den in sämtlichen Bundesländern durchgeführten Haussuchungen in den so­zialdemokratischen Gebäuden wurden

4075 Gewehre, 20 Maschinengewehre, 56 Revolver und Pistolen. 400 000 Schutz Gewehr- und Maschinengewehr­munition. 164 Handgranate« und verschiedene Spreugmaterialie« be­schlagnahmt.

Außerdem wurden Gasmasken, Stahl­helme und verschiedene Waffenbestand­teile gefunden. In Innsbruck wurde außer Waffen noch eine vollständig ein­gerichtete Funk-Sendestation und in Wiener-Neustadt eine aus dem Besitz des Militärfiskus stammende Scheinwer­fergarnitur gefunden. In Wiener-Neu­stadt wurden 40 Trommelrevolver in der Normalpackung einer Wiener Firma auf- aefunden, die als Minimax-LLsch- Apparate deklariert waren. Die An­schriften lautetenAn den Magistrat (!) von Wiener-Neustadt, Jugendamt". Die Durchsuchungen und Beschlagnahmungen fanden unter entsprechendem Aufgebot von Sicherheitsbeamten statt. In Bruck a. d. Mur, dessen Bürgermeister der aus der ungarischen Rätediktator bekannte Ballisch ist, war auch Militär in Bereit­schaft.

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Sie SrWchtmrMelle für die Mtüttinöujtrie

Berlin, 4. Nov. Amtlich wird mit- aeteilt: Die in der Berliner Metallindu­strie zur endgültigen Regelung der Löhne von den Parteien vereinbarte Schlich­tungsstelle ist nunmehr gebildet worden. Außer dem früheren Reichsarbeitsminister Dr. B r a u ns, dessen Bestellung der Oef- ftntlichkeit bereits bekannt ist, hat der Reichsarbeitsminister im Benehmen mit beiden Parteien den Oberbürgermeister Dr. Jarres in Duisburg und den Pro­fessor Dr. Sinz Heimer in Frankfurt a. M. zu Mitgliedern der Schlichtungs­stelle ernannt. Die Genannten haben die Berufung angenommen. Die Schlichtungs­stelle wird die Verhandlungen unter Vor­sitz des Ministers a. D. Brauns alsbald aufnehmen.

Gründung des Einheitsverbandes der revolutionären Berliner Metallarbeiter.

Berlin, 4. Nov. In einer überaus" stark besuchten Versammlung der Metall­

arbeiterdelegierten der revolutionären Ee- werkschaftsopposition führten mehrere Vertreter aus, der Metallarbeiterstreik sei noch nicht beendet, und die Vereinbarun­gen, die die Gewerkschaften und die Ar­beitgeber getroffen haben, könnten nicht befriedigen. Auf der einen Seite stehen die Gemäßigten, die sich dem Abkommen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern unterwerfen, auf der anderen Seite die Radikalen, die an ihren Forderungen fest­halten: Siebenstunden-Arbeitstag, 40- Stundenarbeitswoche, kein Lohn- und Ee- haltsabbau ufw. Mehrere Entschließungen wurden angenommen, die sich gegen Lohn­abbau und gegen dasSchlichtungsdiktat der neuen Schiedskommission" wenden.

Proteststreik der Dresdener Gastronomie gegen die Getränkesteuer.

Berlin, 4. Nov. Auf Grund der Notverordnung ist in Dresden eine zehn­prozentige Getränkesteuer eingeführt wor­den die vom 1. November in sämtlichen Gastwirtschaften auf alle Getränke, außer Bier, erhoben wird. Gegen diese Steuer haben die Dresdener Gastwirte beim Stadtrat Einspruch erhoben, der aber er­folglos geblieben ist. Daraufhin wurde heute beschlossen, zum Zeichen des Pro­testes, am Donnerstag sämtliche Dres­dener Gaststätten geschlossen zu halten. Auch die großen internationalen Hotels beabsichtigen, sich diesem Proteststreik an­zuschließen.

PolizeivrüWllt Grzeslnski

Sie RißlwnensmttrSge gegen Severins vor dem Landtag

Berlin, 4. Rov. Der Amtliche Preußische Pressedienst meldet: Das preu­ßische Staatsministerium hat beschlossen, den Staatsminister a. D. Grzefinski zum Polizeipräsidenten von Berlin zu erneu, neu. Der bisherige Polizeipräsident von Berlin, Zörgiebel, ist in den einftweUigen Ruhestand versetzt worden.

Bei Eröffnung der Dienstagssitzung bes preußischen Landtages teilt Präsi­dent Bartels, während sich die Abge­ordneten von ihren Plätzen erheben, mit, daß der Danziger Volkstag dem Landtag das Beileid für die schweren Bergwerks- katastrophen ausgesprochen hat. Er ge­denkt weiter der schweren Katastrophe auf der Maybachgrube, zu der er das Berleid des Landtages ausgesprochen hat, und ehrt das Andenken der inzwischen verstorbenen Landtagsabgeordneten Beuermann (Dt. Vpt.) und Schluchtmann (Soz.).

Vor Eintritt in die Tagesordnung fetzt das Haus sämtliche zu den Hochwasserkata­strophen eingegangenen Anträge nachträg­lich auf die Tagesordnung und überweist sie debattelos an den Hauptausschuß.

Staatssekretär Dr. Weismann gibt zu den Anträgen folgende Erllärung ab: Die Staatsregierung hat die Untersuchung über die Hochwasserkatastrophen eingelettet und Geldmittel für die erste Hilfe, vor allem für die erforderlichen Ausbesserungs­maßnahmen zur Verfügung gestellt.

Deutschnationale und kommunistische Au- ttäge gegen die Eingriffe in die Besol­dung der Kommunalbeamten gehen debattelos an den Deamtenausschuß.

Die Beratm,g der Mitztrauenrmtträge

gegen Severing.

Abg. Dr. von Winterfeldt (Dirü.) er- llärt unter lebhafter Unruhe der Regierungs- patteien, nach dem Ausfall der Reichslags­wahl hätte der preußische Landtag und das Kabinett Braun überhaupt zu verschwinden. Aber die Sozialdemo­kratie wolle nicht nur in Preußen die Macht behalten, sondern auch im Reich wieder an die Macht gelangen.

Di« Ernennung Severings zum Innen­minister und Grzesinskis zum Polizeiprä­sidenten von Berlin zeig«, daß di« So- ;itzld«mokratie zum Endkampf rüst«, um das g«rad« von S«vereng im Wahlkampf »«rkSudet« Ziel bet Riederringung d«s deutsch«» Bürgertums und der Aufrich­tung der sozialdemokratischen Republik zu erreichen.

(Sehr wahr rechis. Huhu-Rufe bei den So­zialdemokraten.) Wir sind, so erklärt der Redner weiter, der Meinung, daß Severing ein positives Dettrauensvoium fordern müßte. Am Tage seiner Ernennung hat sich Seve­

ring für den sozialdemokratischen Agstatwns- fekdzug und für die Novemberoerbrecher em- gesetzt. (Stürmische Unterbrechung bei den Regierungsparteien Präsident Bartels rügt den Redner.) Wir wollen für die Frei­heit eintreten! Freiheit von den Tri­but f e s s e l n und Freihett im Innern vom Manismus. Severing ist ein Hindernis auf dem Wege zu dieser Freiheit und muß daher beseitigt werden. (Beifall rechts.)

Abg. Kasper (Komm.) erllärt, Seoe- ring habe sich vor etwa drei Wochen auf einer Polizeitagung dem deutschen Ka­pitalismus empfohlen, indem er er- llätte, im kommenden Winter müsse man wohl viel Gebrauch machen vom Polizei- knüppel und von härteren Mitteln. (Stürmi­sches hört, hott bet den Kommunisten.) Mit Polizeigewalt sei man sogar dagegen einge- schritten, daß die revolutionären Arbeiter Kränze an den Gräbern der in Alsdottvom Grubenkapital Gemordeten" nie­derlegten. (Pfuirufe bei den Kommunisten.) Bezeichnend für die Sozialdemokratie sei schließlich noch die Gründung von Schutz­formattonen, über die sich Sollmann gegen­über Vertrauensleuten der SPD. geäußert habe. Zur Schupo komme nun die S ch u f o zur Niederknüppelung der Arbeiterschaft. In der Bekämpfung der Arbeiterschaft hat Se­vering nur noch ein Pendant: N o s k e, Blut­hund der deutschen Revolution. Selbst K a pp wollte für seine Milttärdiktatur den Kaprta- listenfreund Severing zum Wittschastsminister machen. , (Stürmisches hört, hott bei den Kommunisten.)

In der allgemeinen Aussprache erkkätte Abg. Bachem (Dntl.): Die Sozialdemo- kratte sehe anscheinend ihre Machtstellung in Preußen als gefährdet an, was aus der Ernennung Severings und Grzesinffis her­vorgehe. Sehr bezeichnend sei die Bemer­kung desVorwärts', wonach die heutige Zett mehr einen Polizei- als einen Verwaltungsminister erforbete. Die Ernennung Grzesinskis zum Polizeipräsiben- ten von Berlin solle dem neuen Minister of­fenbar eine starke Stütze in der Weiterver­folgung seiner Politik sein. Die Tättgkeit der preußischen Regierungsstellen beim Volks­begehren gegen den Poungplan zeige,

arie weit sich btt Regierung außerhalb des Rechtes befind«.

Das Volk sei in weitestgehendem Maße be­unruhigt. Statt dagegen die Polizeigewall einzusetzen, sollte man über die wahren Ur­sachen dieser Beunruhigung nachdenken. Mit den Mitteln der Gewalt könne man ein Voll nicht in Ruhe erhalten.

Abg. Stendel (DI. Vpt.) beschräntte sich auf die Erllärung, daß die Stellung­nahme der Deutschen Volkspattei bekannt sei. Die Deutsche Volkspattei habe erst kürzlich der gesamten preußischen Regierung ihr Mißtrauen ausgesprochen und werde da­her auch die vorliegenden Anttäge annehmen.

Abg. B a e ck e r (Landvolk) war der An­sicht, daß sich die Mißtrauensanträge eigent-

(Fortsetzung steh« Lette 2>)

SageSipicgel

Die Berliner Abendblätter bringen mit Ausnahme der kommunisttschenWelt am Abend" und des jetzt als tägliche Abend­zeitung erscheinen^n nationalsozialisti­schenAngriff" die Reden des Reichskanz­lers, des Reichsfinanzministers und des Reichsarbeitsministers zum Teil rn sehr großer Aufmachung und nehmen in ihren Kommentaren zu den Gedankengängen des Sanierungsplanes der Reichsregierung Stellung. DieVossi sehe Zei­tung" unterstteicht den Hinweis des Kanzlers, das Finanzprogramm in kürze­ster Frist in Kraft treten zu lassen. Sie fieht darin eine Andeutung, worin die Stätte der Regierung liege, die eine historische Mission zu erfüllen habe. Des­halb müsse und werde von dieser Kanzler­rede eine neue Welle des Vertrauens aus­gehen. Die Wotte und der Wille Brü­nings gäben die Gewähr, daß uns nur noch wenige Wochen von dem Zeitpuntt trennten, an dem für unsere Innen- und Außenpolitik wie für unsere Wirtschaft eine gesunde Grundlage zu neuem Auf­stieg geschaffen sei. DasBerliner Tageblatt" nennt die Rede des Kanz­lers einen Appell an die Länderregie­rungen, sich des engsten Zusammenhanges zwischen der Finanzreform und der deut­schen Außenpolitik bewußt zu sein. Die Entfaltung diesereinheitlichen Kette" habe ttefsteu Eindruck gemacht. Das Blatt ist allerdings der Meinung, daß noch manche Fragen des Sanierungsprögram- mes offen seien. Richt von ungefähr habe Dr. Luther in Dresden an den Zusammen­hang zwischen Reichsreform und Finanz- sanierung erinnert. Die Regierung be­dürfe aber einer größeren Unabhängigkeit und Freiheft von den föderalistischen Kräf­ten, um eine Reichsreform durchzuführest. DieOentania weist auf die un­geheure Arbeitsleistung hin, die in der Borbereitung der dreißig Finanzgesetze liege. Das Blatt bezeichnet die Stunde als zu ernst, als daß man eine große Entscheidung jetzt von Detailfragen ab­hängig machen könnte. Aufgabe des Reichsrats sei es, den großen inneren Zu­sammenhang der vorgelegten Gesetzent­würfe zu beachten und das Ganze, seine Zweckmäßigkeit und seine Rotwendigkeit zu sehem DerAbend" schreibt, daß der Reichskanzler das Psychologische in den Vordergrund gestellt habe. Das Pro­gramm solle dazu dienen, Argumente ge­gen die Preissenkung aus dem Wege zu schaffen und psychologischen Anreiz für die Ankurbelung der Wirtschaft aus sich selbst heraus zu geben. Darin liege das grundsätzlich Bedenkliche des Programms. Es lasse eine tatsächliche aktive Wirt­schaftspolitik durchaus vermissen. Mit Psychologie allein werde man auch die herftige Situation nicht meistern können. DieD ö r s e n z e i t u n g" geht haupt­sächlich auf die Ausführungen Steger- walds über die Wohnungs- und Lohn- polftik ein. Widerspruch erfordere vor allem seine Behauptung, daß es nicht möglich sei, in Deutschland die Lohn­regelung dem freien Spiel der Kräfte zu überlassen, weil sonst diese Freiheit von den Arbeitgebern zuMaßlosigkeiten" ausgenutzt werden würde. DerLo­kalanzeiger" gibt der "Befürchtung Ausdruck, daß die Regierung, die int Reichsrat auf so schnelle Verabschiedung dränge, alsbald nach Verabschiedung im Reichsrat die Gesetze oder Hauptteile da­von durch Notverordnungen in Kraft set­zen wolle, um so den Reichstag wieder vor vollendete Tatsachen zu stellen. Das Blatt fragt, ob die Reichsregierung das Steuerbewilligungsrecht des Reichstags auf dem Wege über Artikel 48 außer Kraft setzen wolle. DieKreuzzei- tung" wendet sich insbesondere gegen den Optimismus des Kanzlers und des Fi­nanzministers, den schließlich derselbe Fi­nanzminister nrit der Feststellung erschüt­tert habe, daß die gewaltigen Anstteng- ungen dieses Jahres, die schwebenden Schulden zu verringern, ein negatives Er-