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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

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Der Anzeigenpreis betrLgt für de« 11 gespalt. Zeilenmtllimeter 0.08 GM-, sog. kleine Anzeige« und Famstienanzeigen bei Barzahlung 0.07 ®M amtliche und ans- wärtige Anzeigen 0.10 GM. Bei schwierigem Sah sowie bei Platz- Vorschrift 50*1« Aufschlag. Sammelanzeigen 100°l. Auf­schlag. ReNauu-Milltm. 0.40 SM. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt.

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

An die Arreste Frankreichs

Sie absvlute WM zur Abrüstung - SMrbett nm Nu» znmhallung der »ertrüge

Wie derMontag" meldet, wird die dentsche Delegation füt die Verhandlun­gen der Vorbereitenden Abrüstungskon­ferenz am Dienstag nach Eens abreise». Die dentsche Delegation wird wieder von Sraf Bernstorfs geführt, der Deutschland seit Zähren in der Abrüstungs- kommisfioa vertritt. Dem Augenminister und dem Kabinett sei diesmal der Vor­schlag «nterbreitet worden, eine» Wechsel, in der Leitung der Delegation vorzuneh­men, «nd mit deren Führung den Eeueral- oberst von Seeckt zu betrauen. Das Kabinett habe diesen Vorschlag jedoch a b - gelehnt.

Viscount Cecil, Englands erster Wortführer in Genf schreibt imBer­liner Börsen-Courier^ zu dem Zusammen­tritt der vorbereitenden Abrüstungskom- misfion: Ich glaube nicht, daßGewehre schöner find als Worte". Ich ziehe den anderen Spruch vor:Es ist rühmlicher, den Krieg zu töten durch das Wort, als Männer durch das Schwert". Die Ver­pflichtung, abzurüsten, ist im internatio­nalen Recht vorgeschrieben, und sie ist eine absolute Verpflichtung.

Z« der Erklärung, die die Alliietten den Deutschen in Versailles gegeben haben, st^t nicht, daß die allgemeine Rüstungsbeschränkung außer von der Abrüstung Deutschlands noch von der Sicherheit oder von irgend etwas an­derem abhängig gemacht wird.

Der Friede, nein, die Sicherheit selbst muh aufgebaut werden auf der Innehal­tung der Verträge, die gleich­mäßig allen zivilisierten Mächten auf­erlegt sind. Aber abgesehen von den Ver­trägen ist nichts getan worden, um die Sicherheit zu befestigen. Der Vriand- Kellogg-Pakt hat in der Tat keine Sank­tionen vorausbestimmt. Die Garantie, die England in Locarno gegeben hat, mag einen lokalen Charakter haben, aber sie umfaßt die gesamte britische Streitmacht und ist viel förmlicher als die entente cordiale, die uns im Jahre 1914 an Frank­reichs Seite geführt hat. Und vor allem ist da der Völkerbundspakt, der deutlich genug die territoriale Integrität der Mit­gliedsstaaten schützt und sie verpflichtet, sich im Widerstand gegen den eventuellen Angriff durch eines der Mitglieder zusam­men zu schließen. Wir werden unsere Verpflichtungen halten. Aber wir erwar­ten von den anderen dasselbe. Als wir unsere Verpflichtungen übernahmen im Nahmen des Paktes und der Locarno-Ver­träge, Angriffe abzuwehren, wurden wir durch die Versprechungen durch die be­dingungslosen Versprechungen dazu veranlaßt, daß, wenn Deutschland abge­rüstet hat, wir ihm alle darin folgen werden.

Wir warten immer noch aus die loyale Erfüllung dieser Versprechungen.

Ich lehne es ab, eine Möglichkeit in Er­wägung zu ziehen, diese Hoffnung ausge­ben zu müssen. Man vergegenwärtige sich, daß im Falle eines derartigen Bankerotts von Treu und Glauben auf internationa­lem Boden eine völlig neue Situation entstehen würde, die eine ganz neue Po­litik zur Folge haben mühte. Eines ist klar: Keine englische Regierung, welche Partei sie auch stellen mag. wird jemals den Vorschlag machen oder könnte jemals irgend einen weiteren Schritt unterneh­men, die internationale Sicherheit zu be­festigen, es sei denn im Rahmen einer all­gemeinen internationalen Abkommens zur Begrenzung und Reduzierung der Rüstun­

gen. Abrüstung ist der Beginn und nicht das Ende der Entwicklung einer gesitteten Eesellschaftsordnug. Werden die Englän­der ein für allemal dieArroganz der Isolierung" .ablegen? Werden die latei­nischen Völker die Tatsache erkennen, daß Friede auf Grund von Rüstungen kein Friede ist? Werden die Zentralmächte ex animo auf die Hoffnung, ihre Position durch Gewalt wieder zu erlangen, verzich­ten? Die Staatsmänner und die Völker müssen Ja antworten, denn sonst muß diese Generation die Schuld auf sich neh­men, ihre eigenen Kinder zum Tode ver­urteilt zu haben.

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Wie aus Moskau amtlich berichtet wird, hat der Rat der Volkskommissare der Sow­

jetunion den Außenkommissar Litwi­now zum Vorsitzenden der russischen Ab­ordnung bei der Genfer Abrüstungskonfe­renz ernannt. Die Abordnung wird außer­dem aus Stein, Lunatscharski, einem Mit­glied des Kriegs- und Revolutionsrates und einem Mitglied des Vollzugsausschus­ses der Sowjetunion bestehen. Die Ab­ordnung wird voraussichtlich Montag Moskau verlassen.

Litwinow beabsichtigt, sich auf der Durchreise in Berlin aufzuhalten, wo er eine Unterredung mit Dr. Curtius haben dürfte. Während seiner Abwesenheit aus Moskau wid Litwinow vom stellvertreten­den Außenkommissar Krestinski vertreten werden.

Brüning über bie r u'snyslttik

Revision mit srirMen Mitteln

Reichskanzler Brüning hat sich in einem Interview, das er dem Vertreter desPetit Parisien" gewährt hat, in pro- grammattschen Worten über die Außenpo­litik ausgesprochen. Er versicherte, daß Deutschland weiterhin den Weg des Frie­dens beschreite und alle Abenteuer abzu­lehnen entschlossen sei. Wenn gerade' in den letzten Tagen ein gewisser Rückschlag in der Entwickelung der Beziehungen zu Frankreich eingetteten zu sein schien, Jo liege das daran, daß gewisse Ereignisse der deutschen Innenpolitik in Frankreich falsch gewertet worden seien.

Die Wahlen vom 14. September seien weder der Ausdruck des Hasses noch der einer Kriegsdrohung.

Sie bedeuteten die Kundgebung eines tief deprimierten, trotzdem aber starken Vol­kes, das für seine nationale Zukunft kämpfe. Frankreich scheint auch die Schwere der Wirtschaftskrise in Deutsch­land nicht ermessen zu haben, die durch die im Poungplan geforderten Zahlungs­leistungen nur noch erschwert werde. Frankreich müsse sich als Hauptgläubiger davon Rechenschaft ablegen, daß keine deutsche Regierung im deutschen Volke eine Milliardenschuld, die in ihrer Gesamtheit äußerst schwer empfunden werden müsse, deshalb erträglich erscheinen lassen kann, weil sie um einige hundert Millionen er-> mäßigt wurde.

Auch die Enttäuschung Frankreichs über eine angeblich ungenügende Freude anläß­lich der Räumung des Rheinlandes scheine ihm (Brüning) wenig begründet.

Die Räumung sei in ihrem Eindruck stark geschwächt worden, weil diese seit langem erwartete Maßnahme immer wieder vertagt «nd schließlich nicht ohne neue Lasten und Forderungen gewährt worden sei.

Im übrigen könne es nicht im Interesse und in der Würde eines-großen Volkes liegen, den Verzicht auf eine militärische Maßnahme, die immer als eine Ungerech­tigkeit empfunden wurde, zum Anlaß be­sonderer Dankeskundgebungen zu machen.

Weiter betonte Brüning, daß Frank­reich in der S i ch e r h e i t s f r a ge feine Haltung unbedingt ändern müsse. _ Man könne gegenüber dem entwaffneten Deutschland, dessen Grenzen nach allen Seiten offen ständen und das überall von bis an die Zähne bewaffneten Nachbarn umgeben fei, nicht immer Sicherheitsfor- derungen gegen das berechtigte Ab- rüstungsverlangen ausspielen. Alle Staa­

ten hätten gleiches Anrecht auf die Sicher­heit und man dürfe hier nicht mit zweier­lei Maß messen.

Endlich betonte der Reichskanzler, daß Deutschland noch immer nicht seine volle Souveränität besitze, die seiner Stellung als Großmacht entspreche, Viele Fragen, deren Lösung vorgesehen ist, sind nicht ein­mal revidiett oder find noch nicht einmal ernsthaft zur Verhandlung gekommen. So­lange der unerträgliche ZustaNd andauert, der mehr als 10 Jahre durch die Aus­nützung der durch den Krieg geschaffenen Kräfteverhältnisse zustande gekommen ist,

wird Deutschland mit allen z« seiner Verfügung stehenden friedlichen Mit­teln versuchen, im Sinne einer Aende- rung zu wirke»,

und es wird wie in der Vergangenheit seine berechtigten Forderungen vertreten, deren Erfüllung, weit entfernt, Verwir­rungen zu schaffen, vielmehr der Sache des Friedens dienen müsse!

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Nit Türkei lottert Revision

Daily Telegraph" meldet aus Ko»sta»tt«opel: Der türkische Finanz­minister hat an den Rat der ottomanischen Schuld ei» Telegramm gesandt, in dem er kategorisch erklärt, daß die Türkei nicht im Stande sei, »nter de« jetzigen Bedingun­gen z« zahle«. Das Telegramm fordert eine Revision des Pariser Abkommens von 1928.

Vorbereitung der Wahl des Reichspräsidenten.-

Das Reichsinnenministerium hat in seinem HaushÄtsplan für das Jahr 1931 100 000 Mark zurVorbereitung der Wahl des Reichspräsidenten" angefordert.

DieDos fische Zeitung" schreibt dazu: Die Vorbereitungen für die Wahl müssen in dem Etatsjahr 1931 getroffen wer­den. Die Amtsdcmer des Reichspräsidenten läuft im Mai 193 2 ab. Es muh also bannt gerechnet werden, dah der erste Wahl­gang Anfang Aprü 1932 stattfindet. Ein Teil der Wahlvorbereitungen und auch der Ausgaben fällt daher in das Rechnungsjahr, dessen Haushalt jetzt fertiggestellt werden muh. Bet der letzten Wahl des Reichspräsi­denten betrugen die auf das Reich entfallen­den Kosten für den ersten und zweiten Wahl­gang insgesamt 3,4 Millionen Mark.

Tagossviegol

Die bevorstehende Abrüstungskon­ferenz in Genf wird wieder einmal das Problem der Sicherheit aufrollen, das ja heute immer noch nur durch Waffen ge­löst werden kann. Der augenblickliche Stand der Rüstungen in unseren Nachbar­ländern zeigt deutlich das schiefe Verhält­nis, das zwischen unserem kleinen Heer und den Sicherheitsvorkehrungen der an­deren Mächte besteht. Während Deutsch­land mit seiner Armee von 100 000 Mann 0,15 Prozent der Bevölkerung im Heere umfaßt, weist Frankreich ein stehendes Heer von 655 700 gleich 1,2 Prozent der Bevölkerung auf. Italien verfügt über 338 300 gleich 0,77 Prozent Soldaten, Ju­goslawien über 118 000 Soldaten gleich 1,1 Prozent. England hat eine Armee von 186 000 Mann, dazu kommen noch 140 000 Soldaten der freiwilligen Miliz oder im ganzen 0,8 Prozent der Bevölkerung. Die Armee der Dominien ist allerdings ausge­schlossen. Belgien hat eine Armee in Höhe von 69 163 gleich 0,86 Prozent, Bulgarien 32 000 Mann gleich 0,5 Prozent. Däne­mark verfügt über 10 900 Mann gleich 0,32 Prozent der Bevölkerung. Estlands Armee umfaßt 17 340 Soldaten gleich 1,17 Proz. eine verhältnismäßig große Armee für das kleine Land. Finnland verfügt über 27 285 gleich 0,78 Prozent, Lettland über 19 300 Soldaten gleich 1 Prozent, Litauen verzeichnet 21 300 gleich 0,96 Prozent, die Niederlande 25 000 gleich 0,35 Prozent, Norwegen 18 000 gleich 0,7 Proz., Oester­reich 20 550 gleich 0,32 Prozent. Die Armee Polens ist mit 265 871 gleich 0,9 Proz. recht ansehnlich, auch die Tschecho­slowakei mit 140 000 gleich 1,07 Prozenr und die Türkei mit 120 000 Soldaten gleich 1,1 Prozent weisen einen hohen Rüstungs­stand auf. Rumänien verfügt über 144 000 Mann gleich 0,86 Prozent, Schweden über 33 000 gleich 0,5 Prozent, die Schweiz über 26 000 gleich 0,6 Prozent und Ruß­land über 1200 000 gleich 0,8 Prozent. Spanien verzeichnet 164 000 Mann gleich 0,73 Prozent, Angarn 35 000 gleich 0,4 Prozent und Amerika bleibt mit 138 000 gleich 0,1 Prozent etwas zurück. Natür­lich sind dies nur die Zahlen für das augenblicklich stehende Heer, während im Kriegsfälle sich der Rüstungszwang ganz anders auswirtt. Rußland kann z. B. eine Armee von 6 Millionen mobilisieren, es folgt dann Frankreich mit 4,5 Millionen Mann, Italien mit 3,5 Millionen, Amerika mit 3 Millionen, Polen mit 2,25 Mill, und schließlich Spanien, Rumänien, Jugosla­wien und England mit je 2 Millionen Mann sowie die Tschechoslowakei mit 1,3 Millionen. Legt man die vorige Kriegs­lage zugrunde, so würden uns im Kriegs­fälle außer Rußland 20 Millionen Sol­daten entgegenstehen.

Bei der Räumung des befehlen Gebie­tes mußten die Franzosen auch alles Gut zurückgeben, das ihnen vom Reiche seiner­zeit zur Verfügung gestellt war. Eine amtliche Derwertungsstelle hat Sorge da­für getragen, dah das wertvolle Material nicht verschleudett wurde. Man hat es anderen Behörden überlassen, sofern es dort benötigt wurde.

Das ist nur recht und billig. Aber nun liest man, daß beispielsweise das Landes­finanzamt München aus derErbmasse" des besetzten Gebietes folgende Gegen­stände erworben hat: 50 Bettvorleger, 73 komplette Bestecke, 90 Decken, 48 Bett­decken, 30 Eierbecher, 135 Weingläser, 96 Kopfkissen, 260 Kissenbezüge, 3 Marme­ladendosen, 124 Löffel, 10 Sektkühler, 34 Fruchtschalen, 24Gemüseschalen, 6 Divane, 21 Klubsessel, 12 Ottomanen. 100 Spie­gel, 1 Liegestuhl. Das Landesfinanzamt in Kassel gelangte ebenso kostenlos in den Besitz von 37 Kronleuchtern, 102 Klub­sesseln, 47 Sofas, 32 Mops mit Stiel.

Wozu sollen die schönen Gegenstände in amtlichen Gebäuden Verwendung finden? Klubsessel, Divane, Ottomanen, - be­gehrte Möbelstücke, di« nicht nur einem