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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Daß Ende des MetallmbrikMM
SvSWms in der nächsten Wsche enbgültt ttr Schiedsspruch - Sie Arbeit wird wieder ausgenommen
Berlin, 28. Okt. Unter dem Borsitz des Reichsarbeitsministers Dr. Sieget« wall» fanden heute im Reichsarbeitsmini« sterinm Verhandlungen mit Vertretungen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer der Berliner Metallindustrie statt, die mit folgender Vereinbarung endeten:
1. Die Arbeit wird sofort unter den alte« Bedingungen wieder ausge- aommen. Mahregelungen aus Anlah dieses Streikes finden nicht statt.
2. Die Entscheidung de, im Schiedsspruch vom 10. Oktober behandelten Fragen erfolgt durch Schiedsspruch einer Schlichtung»stelle. Sie besteht aus drei Unparteiischen, die vom Reichsarbeitsminister nach Benehmen mit den Parteien ernannt werden.
3. Die Verhandlungen von der Schlichtungsstelle find möglichst bald zu begin- «en. Die Entscheidung hat spätestens in der ersten Woche des November zu etm1- gen und ist endgültig.
Am Mittwoch, dem 29. Oktober setzen sich die Betriebsräte mit den Firmen wegen der Wiederaufnahme der Arbeit in Verbindung.
Die Einigungsverhandlungen.
Die Verhandlungen im Reichsarbeitsministerium über die Beilegung des Konflikts in der Berliner Metallindustrie begannen um 5 Uhr nachmittags, wurden dann aber auf 7 Uhr vertagt. Zunächst fanden Besprechungen mit der Vertrauenskommission der Arbeitgeber statt, die aus Generaldirektor Kotigen, Generaldirektor Kremmener, Geheimrat Ernst von Vor- sig Rechtsanwalt Oppenheimer und Syndikus Dr. Lutz sich zusammensetzte. Nachdem in diesem Kreise etwa eine Stunde verhandelt worden war, wurden die Arbeitnehmer hinzugezogen, die durch Urich und Eckert vom Deutschen Metallarbeiter- verband, Ortmann vom Eesamtverband, Bredow vom ADEB. sowie durch den Vorsitzenden des Metallarbeiterverbandes, Brandes, und das Vorstandsmitglied Tost vertreten wurden.
Wie die Deutsche Allgemeine Zeitung berichtet, dürfte den Vorsitz des vereinbarten neuen Schiedsgerichts der frühere Reichsarbeitsminister Dr. Brauns übernehmen. , ,
Die Obleute des Deutschen Metallarber- terverbandes werden heute mit den Direktionen über die alsbaldige Wiederaufnahme der Arbeit sich ins Benehmen setzen. Es ist damit zu rechnen, dah schon im Laufe des heutigen Mittwochs, spätestens aber am Donnerstag die Arbeit in sämtlichen Betrieben wieder ausgenommen wird und der Streik somit nach genau vierzehntägiger Dauer sein Ende erreicht hat.
Stahlhelm «ad Berliner Metallarbeiterstreik.
Zu der Meldung über die Wiederaufnahme der Arbeit durch die Stahlhelm- Metallarbeiter teilt der Landesverband Erosi-Berlin mit: „Von der Führung des Landesverbandes Groß-Berlin sind während des Metallarbeiterstreiks keinerlei Anweisungen herausgegeben worden, auch nicht in Bezug auf die Wiederaufnahme der Arbeit. Dies wird auch in Zukunft nicht geschehen. Vom Landesverband ist nur eine großzügige, umfassende Unterstützungsaktion eingeleitet worden, die dank der Opferfreudigkeit aller Kameraden die vom Streik Betroffenen jeder Not enthebt. Die Stahlhelm-Selbsthilfe, der die Metallarbeiterkameraden ange
hören, hat in zwei der Oeffentlichkeit bekannt gegebenen Entschließungen vom 18. und 25. Oktober ihre Stellung zum Streik klar und eindeutig zum Ausdruck gebracht. In Verfolg dieser Stellungnahme hat die Stahlhelm-Selbsthilfe nach der weiteren Verschleppung der Beilegungsverhandlungen ihren Mitgliedern die Wiederaufnahme der Arbeit freigestellt. Sie zahlt jedoch nach wie vor die nach den Satzungen für den Fall eines Streiks vorgesehenen Unterstützungen in Höhe von 13 bis 18 Mark wöchentlich."
Dor bet Kündigung bet Angestellten.
Wie der Eewerkschastsbund der Angestellten. Geschäftsstelle Berlin, mitteilt, fordert der Verband Berliner Metallindustrieller in einem Rundschreiben, das er am 25. Oktober 1930 an seine Mitgliederfirmen versandt hat, diese auf, vom 31. Oktober 1930 ab eine Kündigung aller Angestellten mit Wirkung zum 31. 3 1931 vorzunehmen, um niedrigere Gehälter zu vereinbaren.
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Bericht des deutschen Gesandten ans Sie
Berlin, 28. Okt. Die von verschiedenen Seiten gegen den deutschen Gesandten in Rio de Janeiro gerichteten Vorwürfe wegen unzweckmäßiger Maßnahmen im Falle des Dampfers „Badens! - werden an zuständiger Stelle in Berlin zurückgewiesen. Der Gesandte habe alles in seiner Macht Stehende von sich aus und ohne ausdrückliche Aufforderung des Auswärtigen Amtes unternommen.
In Berlin ist inzwischen folgender ausführlicher Bericht des deutschen Gesandten K n i p p i n g eingegangen. Der Gesandte teilt 41. a. Folgendes mit:
Die sofort nach bet Beschießung eingeleitete Untersuchung bet deutschen Gesandtschaft in Rio be Janeiro hat ergeben, baß bett Kapitän bes Dampfers keine Schuld trifft. Auch seitens der brasilianischen Regierung ist ein Vorwurf gegen den Kapitän nicht erhoben worben.
Der Kapitän hatte von den Hafenbehör- den in Rio die Genehmigung zur Ausfahrt. Beim Auslaufen aus dem Hafen hatte das Schiff das Fort Santo Cruz zu passieren. Das Schiff kündigte die Vorbeifahrt dem Fort durch Dampfflgnale an. Die Signale sind von Zeugen, die sich an Land befanden, einwandfrei gehört worden. Dann folgte der Flaggengruß des Schiffes, der vom Fort erwidert wurde.
Die anfänglich von brasilianischer Seite erhobene Beschuldigung, das Schiff habe die Flagge nicht gezeigt, ist dadurch widerlegt. Dem Dampfer „Baden" ist alsdann vom Fort aus das Signal „Mit Ruder nicht durchzukommen" gezeigt worden. Wegen des unverständlichen Inhalts dieses Signals fuhr der Kapitän weiter. Von den zunächst abgegebenen Warnungsschüssen hat der Kapitän nichts gehört und gesehen. Die „Baden" fuhr alsdann aus dem Hafen heraus und nahm auf die Höhe des Forts Copacabana, das bereits außerhalb der Bucht von Rio de Janeiro liegt, Kurs. Um etwaige Signale des Forts bester verstehen zu können, ging der Kapitän etwa bis auf 200 Meter an das Fort heran.
In diesem Augenblick fiel bet ver- hängnisvolle Schuß bes Fort Copacabana unb richtete an Bord bes Dampfers ein furchtbares Blutbad an.
Rach den letzten Meldungen sind insgesamt 29 Tote, darunter drei Deutsche und 40 Verletzte, darunter sechs Deutsche, zu beklagen. Die Verwundeten sind im Hospital untergebracht und werden gut versorgt. Bei der Beeidigung der Todesopfer waren der deutsche Gesandte, der spanische Botschafter, der Kapitän des Dampfers „Vaden", Rolin, die Vertreter der Firma Wille sowie zahlreiche Mitglieder der deutschen und spanischen Kolonie in Rio de Janeiro anwesend.
Ar Lagt in Braiilien
Eine Depesche der „Associated Preß" aus Rio be Janeiro gibt Einzelheiten über die letzten Unruhen in der brasilianischen Hauptstadt bekannt. Danach wurden die angeblich von Kommunisten heute nachmittag angestifteten Unruhen durch Polizei und Truppen unterdrückt. Die Verluste übersteigen wahrscheinlich 100 Personen. Die Unruhen begannen mit der Revolte eines Militär-Polizei-Regiments, welches, wahllos schießend, in die Zentralpolizeistation eindrang. Kommunistische Elemente nutzten die nachfolgende Verwirrung aus, um wegen der Nahrungsmittelteuerung zu protestieren. Als die Unruhe zunahm, wurde Feuerwehr und Stadtpolizei aufgeboten, die die Aufrührer bekämpften. Bewaffnete Bürger eilten zu Hilfe. Nach kurzer Zeit rückten dann reguläre Truppen im Eilschritt heran und warfen rasch um das Kriegsministerium, das Polizeiquartter und das Auswärttge Amt Barrikaden auf, während Schützengräben in dcn Gärten längs der Euanabucht in der Nähe des Gloriahotels angelegt wurden. Militärflugzeuge kreisten über der Stadt und bombardier
ten die Kaserne des revoltterendsn Polizeiregiments. Nach knapp zwei Stunden war die normale Lage wieder hergcstellt.
Was tut Bargas?
Washington, 28. Ott. Die Militärjunta in Rio de Janeiro hat nach einer Meldung der dortigen amerikanischen Botschaft die Anerkennung und Durchführung aller internationalen Verpflichtungen und Verträge zugesagt. Der Staatspräsident von Rio Grande do Sul, Dr. Eetulio Vargas, dem die Militärjunta die Bundespräsidentschaft, wie gemeldet, angetragen hat, ist bisher noch nicht in Rio de Janeiro eingetroffen. Ob das Angebot der Militärjunta an Dr. Eetulio Vargas die einmütige Billigung aller brasilianischen Staaten finden wird, wird im Hinblick darauf, daß die Revolution sich bekanntlich gegen den zum Nachfolger des Bundespräsidenten Dr. Washington Lutz gewählten derzeitigen Staatspräsidenten von Sao Paolo, Dr. Julio Preftes, in erster Linie richtete, bezweifelt. Die Stellung des Staates Sao Paolo gegenüber Dr. Eetulio ist einstweilen noch unentschieden.
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Hervä veröffentlicht in der „CBic* toire" den Wortlaut der Antwort Hitlers auf seine Revisionsvorschläge und hebt dabei den Ton äußerster Hös- lichkett und Zurückhaltung hervor, in dem der Führer der Nattonalsozialisten seine Fragen beanttoortet habe. Rach der Wiedergabe der Ausführungen Hitlers geht Herve noch auf die Vorbehalte ein und betont einleitend, daß er sehr wohl wisse, daß die französische Regierung noch sehr wett davon entfernt sei, seine Re- Visionspläne sich zu eigen zu machen. Sie sich auch niemals zu eigen machen werde, ohne daß die öffentliche Meinung sie vorher angenommen habe. Deshalb habe er es sich zur Aufgabe und Pflicht gemacht, den Revisionsgedanken in der Oeffentlichkeit zu verbreiten und vor allem zu versuchen, die ehemaligen französischen Kriegsteilnehmer zu gewinnen, denn ohne ihre Zustimmung werde keine französische Regierung daran denken, dem Plane näher zu treten. Del feiner Propaganda gehe er jedoch nicht von dem Gedanken aus, daß der Verseiller Vertrag eine Angesetzlichkeit sei, sondern lediglich davon, daß er den Keim einer neuen Krise in sich trage. Don Revanchekrieg zu Revanchekrieg würden Deutschland und Frankreich sich so lange zerfleischen, bis beide dem Bolschewismus ausgeliefert würden. Es handele sich ferner weniger um den Gedanken eines Militärbündnisses als um eine gegenseitige militärische Garantie, die sich gegen niemanden, auch nicht gegen Italien, richte, dessen Befürworter er stets bleibe.
Die Rede Mussolinis wird von der englischen Presse in aller Ausführlichkeit wiedergegeben. Die „Times" sind der Ansicht, dah Hoover und Mac- donald in ihren Bemerkungen über Italien und Frankreich sicherlich noch viel vor- sichtiger gewesen wären, wenn sie von dieser kampfeslustigen Rede Mussolinis" schon vorher Kenntnis gehabt hätten. Sie würden dann ihren Optimismus noch enger umschrieben haben. Es würde sehr niederdrückend sein, wenn die drei großen Seemächte, deren Flotten von größter Le- benswichttgkeit seien und die sich freiwillig zu Einschränkungen bereitgefunden hätten, feststellen mühten, dah andere, für die die Macht zur See keinesfalls dieselbe Bedeutung habe, ihrem Beispiel entweder nicht folgen könnten oder wollten. Der „DailhHerald" meint, Europa komme immer mehr auf seine alten Gewohnheiten zurück. Der diplvmattsche Krieg habe eingesetzt. Dem französischen Bündnissystem setze Mussolini eine Gruppe entgegen, die aus Angarn, Bulgarien, der Türker und möglicherweise aus Griechenland bestehen würde. Er mache auch Deutschland offene Bündnisangebote, die sich auf die Revision der Berttäge stützten. Angesichts dieser Lage sei es dringend notwendig, dah man bald zu Taten schreite, um einen Krieg zu verhindern. „Daily Expreß" spttcht von dem Kaiser Mussolini und dem Rasseln der Säbel. Italien brauche mehr als irgend eine andere Macht in Europa den Frieden. Wenn Mussolini so fortfahren wollte, rufe er eine Katastrophe hervor und setze alles aufs Spiel, was er bisher erreicht habe.
Der diplomatische Mitarbeiter des „Daily Telegraph" beschäftigt sich heute weiter ausführlich mit der Rede Mussolinis. Er sagt dabei, daß man in Londoner diplomatischen Kreisen nicht die Befürchtung teile, die die Rede in Paris auSgelöst habe. Der Inhalt der Rede zeichne sich durch Borsicht ans. Sein Standpunkt in der Abrüstungsfrage liege dem gegentoärtigen englischen Kabinett besonders am Herzen und würde auch von deutschen Staatsmännern vertreten. Seine Bemerkung, daß Italiens Zukunft im Osten liege, charakterisiere die italienische Po-