Dienstag, »en A. Skt, ISA
Vte ^Vberhesfisch» Sdtintp" «• scheine I erb «mal ivicheri tltch. B«- pegnprr»««onaUi<t 2L0GW.au»- schltesil. ZvsIeVvnf«xeittr. durch di« Tofl 2.45 SM.FLr eNro durch Streik Matchmeudrseki »der eie» weniar» Krewuip« aueialeude Siummer» wird kein Sri«» x»> leistet. Verla» Dr. §. Sttmtb. Druck der Untb.-Bvchdruck rrel Jod. «*fl. K°ch. Markt 21/23. Fern sprech er: 9t«. 64. tu 9t r. 55 Postschechkontv: «ml
e. M Str 501b. — Sprechzeit »er Sredattiou von 10—11 und
1,1—1 Uhr.
Äbechessssche
«**** >1AiTIttth ***
twww / ■ a7 ■ ■ fr fr fr fr fr fr KmWiim»
Anzeiger für (das frühere knrhesfifche) Oberhesfen
gk.MS5.Mkg. Rmdarg o.8o»n
Der Äuzetgenprri« beträgt für den 11 qeshalt. Zeilenmillimeter 0.08 SM . feg. klein« Sn,eigen und gamtiienanzeige» bei Barzahlung 0.07 «28, amtlich« «rd oitf- ivLrttge Anzeigen 0.10 GW. Bei fchioiertgem Satz sowie bel Platz» Vorschrift 5O*|. Aufschlag. — Gammelanzeigen 100 »s, Aufschlag. Reklam..Millim. 0,40 SM. Jeder Rabatt güt al» Barrabatt.
Ziel 5 Tag«.
offerteu^evüh, 25 Pfg.
Belege txTcd>ttcie
StfüUmig^ptt SÖifttbutfl»
O
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen fLr Stadt und Kreis Marburg.
I Die Kampfpmole des MWmus
ütistumsgtMW - Wien ter Vertrüge - AvanHen na» tem Ssten - ein WchtstWes Europa
Mussolini hielt am Montag vor dem im Palazzo Venezia versammelten Vorständen der faschistischen Prooinzver- bände ganz Italiens eine Rede, in der er erklärte: „Achtjährige Arbeit hat den Faschismus zu immer größerer politischer und moralischer Entschlossenheit und einem immer klareren Verantwortungsgefühl gebracht." Mussolini erinnerte an seine im Mai in Florenz und Mailand gehaltenen Reden, in denen er
jene« „alte« heuchlerische« Europa", da» i« (Senf vom Frieden stammele »nd überall zum Kriege rüste, die Maske habe hernnterreitzen wollen.
Diese Reden seien als Kriegserklärung aufgefaßt worden, während man vergessen habe, daß der Krieg gegen das faschistische Regime seit acht Jahren von den Männern, Gruppen, Parteien und Sekten ge- ührt werde, auf die er in Florenz ange- pielt habe. .Faschisten töten, weil Re Fa- chisten sind, das faschistische Regime ver- eumden. um ihm jedep Kredit zu nehmen, ft das nicht eine Kriegshandlung?" fragte Mupolini. Dieser geistige Krieg bereite den militärischen Krieg gegen das faschistisch« Regime vor. „Bald werden wir auch Kindern die Hände abgehackt haben, wie dies den Deutschen im Jahre 1914 nachgesagt wurde, was nicht ausschloß, daß sich jede Spur dieser verstümmelten Kinder verlor. Jede Verleumdung, auch die infamste, wurde gegen den Faschismus geschleudert, um den Haß gegen das faschistische Italien, der von Millionen und Abermillionen gepredigt wird, zu schüren.
kämpfen gegen eine untergehende Welt, die jedoch noch die mächtige Vertreterin gebnndener Interessen ist.
Es ist zwangsläufig, daß dieser geistige Kriegszustand besteht und sich verschärft, denn wenn es nicht so wäre, wäre der Faschismus jetzt überwunden. Indessen werden neben dem geistigen Krieg die Vorbereitungen des materiellen Krieges an unseren Grenzen beschleunigt."
„In unseren Akten, die Sie hier sehen", sagte Mussolini, sind Tag für Tag die militärischen Vorbereitungen ausgezeichnet, die seit 1927, also lange Zeit vor meinen Reden in Florenz und Livorno, gegen Italien unternommen worden sind. Hier ist die Liste der ausgestellten Batterien, der errichteten Forts, der vorbereiteten und angelegten Armierungen. Konnte ich noch länger warten, um das italienische Volk wach zu rütteln? Natürlich haben diejenigen, denen die Maske herunterae- tiffen wurde, versucht, Italien als die einzige Gefahr für den europäischen Frieden, als den einzigen Wolf unter einer Herde friedlicher Lämmer hinzustellen. Dieses Spiel ist kindisch.
Da» faschistische Italien wird in dem Matze rüsten, wie alle rüsten. Es wird abrüsten, wenn alle abrüste«.
Ich wiederhole, daß solange es Kanonen gibt, ste schöner sein werden als die schönsten, aber oft leeren Worte."
„Es soll durchaus klar sein", erklärte Mussolini wörtlich, ,chaß wir materiell und geistig rüsten, um uns zu verteidigen, nicht um anzugreisen. Das faschistische Italien wird niemals die Initiative zu einem Kriege ergreifen. Auch unsere Politik der Reviston der Verträge, die nicht von gestern datiert, sondern schon im Juni 1928 ins Aussicht genommen wurde, ist darauf gerichtet, einen Krieg zu verhüten, eine ungeheuere Ersparnis, diejenige eines Krieges, zu machen.
Die Revifio« der Friedensverträge liegt nicht in dem hauptsächlich italienischen Interesse, sondern im Interesse
Europas und der Welt.
Auf die
italienisch« Donanpolitik
übergehend, sagte Mussolini: „Diese Politik ist durch Lebensnotwendigkeiten diktiert. Wir suchen unser Gebiet bis zum letzten auszunützen, aber es wird bald mit der stets wachsenden Bevölkerung gesättigt sein. Im Jahre 1950 wird Italien in einem ungeheuer gealterten Europa die einzige Ration sein. Nur nach Osten kann sich unsere friedliche Ausdehnung richten. Unsere Freundschaften und Bündnisse haben heute einen absoluten Wert. Wir treiben eine offene Politik ohne Verstellung und ohne geheime Vorbehalte. Eine
Das ist nicht sinnlos oder undurchführbar, da diese Revifionsmöglichkeit auch im Völkerbundspakt vorgesehen ist. Sinnlos ist nur die Behauptung der Unbeweglichkeit der Verträge. Wer verletzt den Völkerbundspakt? Diejenigen, die tn Genf zwei Kategorien von Staaten geschaffen haben und für alle Ewigkeit aufrecht erhalten wollen, nämlich bewaffnete und waffenlose. Welche juristische und moralische Gleichberechtigung kann zwischen einem Bewaffneten und einem Waffenlosen bestehen? Wie kann man wollen, daß diese Komödie endlos weitergeht, wenn die Hauptdarsteller selbst anfangen, ihrer müde zu werden?"
RMsmaßMmeo gegen BrrmMwrig?
Sperrung brr MiKszujchusfe für öle Wizeilosten
Der Reichsminister des Inner« und die Angelegenheit Franzen. .
Berlin, 27. Ott. Der Reichsminister des Innern hat, wie wir erfahren, an die braunschweigische S'aatsregierung ein Schreiben gerichtet, in dem er darauf aufmerksam macht, dah er sich eine Entscheidung hinsichtlich der Auszahlung weiterer Zuschüsse aus Reichsmitteln zum Zwecke des polizeilichen Schutzes an die braunschweigische Staatsregierung Vorbehalt.
Ueber die Begründung zu diesem Schritt war Näheres noch nicht zu erfahren, doch wird man in der Auffassung nickt fehl gehen, daß er in unmittelbarem Zusammenhang mit der Entiwcklung steht, die der Fall Franzen in den letzten Tagen genommen hat. Der preußische Justizminister hat sich veranlaßt gesehen, beim Reichsminister des Innern zu beantragen, daß beim Reichstag die Genehmigung zur Strafverfolgung Dr. Franzens in feiner Eigenschaft als Reichstaasmitglied wegen des Vergehens der Begünstigung eingeholt wird.
Minister Franzen aus dem prentzifchen Zustizdienst ausgefchieden.
Berlin, 27. Okt. Der Amtsgerichtsrat Dr. Franzen in Kiel ist infolge seiner Ernennung zum braunschweigischen Minister aus dem preußischen Zustizdienst ausgeschieden.
Aussichtslose Debatte.
.Paris, 27. Okt. Sero« veröffentlichte am Montag die Antwort des Stahlhelms auf feine Revisionsvorschläge und nahm noch einmal dazu Stellung. Der Stahlhelm müsse wissen, so betonte er, daß seine, Herves Vorschläge, das Höchstmaß dessen darstellten, was Frankreich jemals zugeben könne.
Wenn der TÄhelm in seiner Antwort von der Kriegsschuldlüge spreche, sei es zwecklos, die ganze Angelegenheit weiter zu verfolge». (!!)
Das französische Volk glaube an Deutschlands Schuld und auch er selbst sei davon überzeugt. Wenn er aber trotzdem die Revisionsfrage ausrolle, so geschehe dies deshalb, weil man nicht ein ganzes Volk für einen Krieg verantwortlich machen könne. Es sei besser, die Klärung der Frage den Geschichtsschreibern zu überlassen. Wenn der Stahlhelm ferner an der Verwirklichung Groß-Deutschlands, dem österreichischen Anschluß, festhalte, jedoch damit die W i e d e r e i n ve r l e i b u n g Süd- Tirols und der 3 Millionen D e utscher in Böhmen gemeint sei, so sei es ebenfalls zwecklos, weiter zu verhandeln. Desgleichen sei in der Antwort die Rückgabe des Korridors enthalten, der zwar polnisch sei, für Deutschland aber einen unhaltbaren Zustand darstelle. Der Stahlhelm füge in seiner Antwort hinzu: „Und der anderen Eebiets- fragen der Ostgrenze". Unter derartigen Umständen habe es keinen Sinn, Zeit zu verschwenden. Er müsse den Stahlhelm noch einmal bitten, ihm zu antworten, ob er glaube, daß das von ihm eng umgrenzte Programm dem Stahlhelm geeignet erscheine, eine deutsch-französische Verständigung herbeizuführen.
von uns übernommen« Verpflichtung ist heilig, was auch kommen möge.
Der Satz, datz der Faschismus kein Ausfuhrartikel fei, bedarf de« Korrektur. Deu« der Faschismus als Ide« uud Dottri« der Leistuug ist universell.
Italienisch in seinen Einrichtungen, universell dem Geiste nach. Man kann also an ein faschistisches Europa denken, ein Europa, das seine Einrichtungen aus der Doktrin und der Praxis des Faschismus aufbaut. d. h. ein Europa, das in faschistischem Sinne das Problem des modernen Staates löst, des Staates des 20. Jahrhunderts, der ganz verschieden ist von den Staaten, die vor 1789 bestanden oder sich später bildeten. Der Faschismus hat heute universellen Charatter, denn er hat das dreifache Problem der Beziehungen zwischen Staat und Jndividum, zwischen dem Staat und den Gruppen, sowie der Beziehungen zwischen den Gruppen gelöst.
Muffolini gab dann den Faschisten die Kampfparole für das neunte Jahr des Faschismus,
indem er Glauben, Manneszucht, Eintracht, Opferbereitschaft und Brüderlichkeit forderte, und weiter sagte: „Das faschistische Italien ist eine ungeheuer groß« Legion, die im Zeichen des Liktorenbündels einem Morgen entgegenmarschiert, das größer sein wird. Niemand vermag sie aufzuhalten. Niemand wird sie aufhalten. Dies ist die Botschft für das mor- Sen beginnende neunte Jahr der faschifti- hen Aera."
Bevorstehend« belgische Kriegsanleihe.
ft. Paris, 28. Okt. Wie dem „3pur- n a I" aus Brüssel gemeldet wird, soll die belgische Regierung die Absicht haben, trn Parlament um die Genehmigung einer Anleihe in Höhe von 1 Milliarde Franken un Interesse der Landesverteidigung nachzusuchen. Dieser Schritt Belgiens sei notwendig, da Belgien mit den Arbeiten zur Sicherung der französischen Grenze Schritt halten müsse.
SowWegti
Die Rede Mussolinis hat in der französischenPresse lebhaftes Echo gefunden. Perttnax zieht im „Echo de Paris" aus den Ausführungen des Duce die Schlußfolgerung, daß Italien sich heute stark genug fühle, um seinem „Drang nach dem Osten" freien Lauf zu lassen. Die letzten Zweifel, die man bisher gehabt habe, seien nunmehr zerstreut. Zwischen Frankreich und Italien tue sich ein Abgrund auf, den zu überbrücken der Diplo- matte nicht leicht fallen würde. Frage man nach den Gründen, weshalb Mussolini gerade diesen Zeitpunkt gewählt habe, um seine Redeschlacht wieder zu eröffnen, so mühte man daran denken, daß am 6. November die letzten Vorbereitungen der Abrüstungskonferenz begännen und er daher noch einmal darauf Hinweisen wolle, dah die Abrüstung so lange eine Atopie bleibe, wie man den Forderungen Italiens nicht stattgegeben habe. Durch die heftt- gen Worte des deutschen und österreichischen Faschismus angestachelt, habe Mussolini sich ausgerechnet, daß energische Erklärungen seinerseits den politischen Weg vielleicht bereinigen könnten.
Das „Oeuvre" bettachtet die Ausführungen Mussolinis in Rom als sehr viel gefährlicher als diejenigen in Florenz und Livorno, weil er in asten Einzelheiten bestätigte, daß der Faschismus heute ein Ausfuhr-Objekt sei. Die radikal- svzialifttsche „Ere Nouvelle" wirft Mussolini dor, er vergesse, daß, wenn es eine Ungerechtigkeit in den Verträgen gebe, die italienische Regierung ihren Test der Verantwortung daran trage. Im Gegensatz zu Mussolini, der den Weltfrieden von der Revision der Verträge abhängig mache, müsse man französischerseits betonen, dah gerade diese Revision das Ende des Friedens darstesten würde.
Gustave Herve, französischer Nationalist und jahrelang in seiner Zeitung „Victoire" Deutschenfresser, bemüht sich sehr um ein deutsch-französisches Militärbündnis. Man mag zu dieser Art Verständigungspolitik stehen wie man will, freuen kann man sich über die Wandlung, die da bei den Revancheschreiern anscheinend vorgegangen ist. Es ist anzumerken, was heute Herr Herve schreibt:
„Das deutsche Volk ist arbettssam, diszipliniert, wunderbar für die Wissenschaften, die Musik und die Literatur begabt. Es besitzt schöne häusliche Tugenden, eine glühende Vaterlandsliebe und hochwerttge militärische Qualitäten. Ich halte die deutsche Natton für eine der bestbegabten Europas. Wenn sie entfesselt ist, sieht sie rot, und in ihrem blinden Zorn ist sie fähig, alle möglichen Torheiten zu sagen und zu tun. Aber sind wir, ttotz der glänzenden Eigenschaften unseres Geistes und unseres Herzens immer Heilige gewesen? Haben wir nicht die systemattsche Zerstörung einer ganzen deutschen Provinz, der Pfalz, auf dem Gewissen? Haben wir nicht mitten im Frieden in Deutschland den Herzog von Enghien festgenommen, um ihn in Vincennes erschießen zu können?"
Hoffentlich werden Herves Aeußerunge« auch in den Kreisen bekannt, in denen man bisher immer nur von Deutschland als einer „unanständigen Natton" sprach. Anerkennende Worte aus nattonalisttschen Kreisen hörte man bisher selten. Aber trotz der Wärme, die aus solchen Wotten spricht, ist weiterhin Vorsicht geboten.
♦
Der Autodieb stahl, eines der gegenwärtig häufigsten Langfingerdelikte, hat in der ständigen Rechtsprechung bis- her als ftraffrei gegolten. Jetzt veröffentlicht aber das Reichsgericht tn seiner amtlichen Sammlung grundlagernder Entscheidungen eine Auffassung, die dieses juristische Kuriosum aus der Welt schafft. Die Herren Autodiebe können von nun an vor jedem Gericht so bestraft werden, wie