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Sonnabend, den 25. Ski. 1930

®te jDbttfcefflf*« Seffettg" et- scheint )ed-total wöchentlich. Be- jug#t>tcuoionatlid 2.2t(59R.au«- schlirbl. 3ufieCu»f#getitt, durch die Post 2.45 GM. Für etwa durch Streit Malchmendesekr oder ele­mentare Ctripnift« «lefatend« Nummern wird kein Srsa» ge­leistet. Verlag t>t. §.

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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhesse»

St. 251 85.MkS. äHaibnrg a.8nen

Der Anzeigenpreis beträgt für den 11 gespult. Zeilenmillimeter 0.08 DM , sog. kleine Anzeigen rmd Familienanzrigen bet Darzablmrg 0.07 ®gsn amtlich« rmd att* wärtiq« Anzeigen 0.10 SM. Bei schwierige» Satz sowie »et Platz­dorschrist 50»j« Aufschlag. Sammel an zeigen 100 »fe Auf- schlag. NeNam.-MMinl. 0,40 GM. Jeder Rabatt gilt al« Barrabatt.

Ziel 5 Tage.

offirten-Sebübr: 25 Pfg. Belege werden berechnet. Erfüllungsort Marburg.

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

DeutWr Dampfer vor Rio befchoffen

ArWertrfemr auf dieSuber - 18 Magie» gelötet ober verwundet

Sieg btt Revolution in Brasilien

Rio te Smitiro in der Sand der AnWndischen - Das BerWUiis zur öndarmee noch ungeklärt

Die Revolutionsbewegung i« Bra­silien hat am Freitag nachmittag eine überraschende Wendung genommen. In­folge des Ueberganges der Flotte zu de« Aufständischen hat Präsident Washington Luiz sei« A«lt niedergelegt. Rio de Ja­neiro wurde von den Aufständischen Trup­pen besetzt. Eine «eue Regierung unter Führung des Generals Barretos. eines Schutzdiktators-, ist gebildet worden. Präsident Luiz wurde Verhaf­tet.

In Rio de Janeiro haben sich während der großen Straßenkundgebungen zur

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(ylvuVC lW "ITvwluilvlip|TvgW ' wWW* feindliche Ausschreitungen ereignet. Eine amerikanische Agentur wurde geplündert' und in Brand gesteckt.

In den späten Nachtstunden wurde die Einstellung der Kampfhand­lungen in Brasilien und die Wieder- herstellui^ der Ruhe in der Hauptstadt gemeldet.

Die neue« Männer.

Bei den Kundgebungen und Ausschrei­tungen nach Bekanntwerden des Sturzes der brasilianischen Regierung wurden in Rio de Janeiro 120 Personen verhaftet.

An der Spitze der Militär-Junta und der vorläufigen Regierungsgewalt stehen die Generäle Tasso F r a g o g o, Malan Dongrone und Menno B a r r e t o. Der Vizepräsident des Senats Antonio A z e r e d o wurde verhaftet. Wie verlau­tet, soll der bisherige Präsident Luiz die Erlaubnis erhalten, sich ins Ausland zu begeben.

Kapitulation von Sao Paulo.

Rach einer Meldung der Associated Preß aus Sao Paulo wurde der Regierungs­palast in dieser Stadt, die bisher als Boll­werk der Regierung Luiz galt, von den Aufständischen mit Eeschützfeuer belegt. Die Beschießung begann um 2.40 Uhr nachmittags. Kurz vor 3 Uhr wurde auf dem Regierungsgebäude die weiße Flagge gehißt.

Präsident Luiz ergibt sich.

Wie aus Rio de Janeiro gemeldet wird, hat sich der bisherige Präsident Washington Luiz am späten Abend den Führern der Aufständigen ergeben. Er wurde als Staatsgefangener nach dem Fort Copacabana übergeführt. Der bis­herige Vizepräsident Viannan und Kriegsminister D o s p a s s o s sind verhaf­tet worden, lleber Sao Paulo weht gleichfalls die Fahne der Aufständischen, nachdem der dortige Staatspräsident zu- rückgetreten ist. Der Kommandeur der dortigen Garnison hat die vorläufige Prä­sidentenschaft übernommen.

Die Lage ist «och ««geklärt, da zwischen den Führer« de, Aufstän­dische« Südtruppc« und den neuen Machthaber« in Rio de Janeiro noch keine klare Verbindung besteht.

Der 32jährige General T o r o r a, der Führer der Nordtruppen, übernahm so­fort nach seinem Eintreffen in Rio de Ja­neiro am Freitag den Befehl über alle Streitkräfte. T o r o r a und Vargas der Führer der S».darmee, waren noch

vor wenigen Jahren erbitterte politische Feinde, sodaß ein Zusammengehen beider mindestens schwierig erscheint. Möglicher­weise wollte Torora durch den Putsch mit Hilfe der Garnison von Rio Vargas vor eine vollendete Tatsache stellen.

* Die NewyorkerTime s meldet über Buenos Aires daß eine Zusammenkunft aller aufständischen Führer in Rio de Ja­neiro geplant sei. Vargas habe sich sofort nach der Hauptstadt begeben.

Das amerikanische Konsulat angegriffen.

Wie aus Rio de Janeiro gemeldet Mrd, hat die dortige Bevölkerung, als di« Auf­ständischen noch nicht Herr der Lage »tew, das amerikanische Generalkonsulat

/ angegriffen und dort schweren Schade» angerichtet.

Die Heeres- und Marineoffiziere, die seit dem Rücktritt des Präsidenten Luiz die politische Lage in der Hauptstadt be­herrschen, veröffentlichen eine Kundge­bung an das brasilianische Volk, in der sie sowohl die Anhänger der Regierung wie diejenigen der Aufständischen bitten, die Bewegung zugunsten des Friedens zu un­terstützen und die Truppen beider Par­teien ersuchen, die Feindseligkei­ten zu beenden. Die Kundgebung ersucht weiter verschiedene Bevollmäch­tigte, mit der vorläufigen Regierung über die Befriedigung des Landes zu be­raten..

Bel -er Ausfahrt befchoffen

Die »Basen" kehrt sofort um uns Imset sie Toten uns verwundeten

Lloyd meldet unter dem 24. Oktober an» Rio de Janeiro: Der deutsche DampferBade«- ist «ach dem Hafe« zurückgekehrt, da er durch Eeschützfeuer beschädigt morde« ist. DieBadea- ist ein Dampfer von 8803 Tonnen und von Ham­burg «ach Bne«os Aires unterwegs.

Zu der Beschießung des Hapagdampfers Baden" im Hafen von Reo de Janeiro wird aus Rio de Janeiro ergänzend ge­meldet, daß das Schiff von der Artillerie des Forts Copacabana unter Feuer genommen wurde, als es den Hafen verlassen wollte.

DieBaden- kehrte sofort «ach Rio zurück und landete 18 Personen, die durch das Artilleriefeuer getötet oder verwundet worden sind.

Der deutsche Dampfer befand sich mit Passagieren und Post an Bord auf der Fahrt von Hamburg nach Buenos Aires.

Der Justizminister der neuen Regierung hat sein Bedauern über den Vorfall ausgesprochen und die Wiedergutmachung versprochen.

Die Unruheschäden in Rio de Janeiro werden auf etwa 20 Millionen Mark ge­schätzt. Die Gebäude mehrerer der frühe­ren Regierung ergebenen Zeitungen haben stark gelitten. Auch im Hafen kam es zu Unruhen. Verschiedene Schiffe ver­ließen ihren Lageplatz und ankerten in der Mitte des Hafens.

Aus Rio de Janeiro wird gemeldet, daß der Bundespräsident Dr. Washington Luiz nach einer Abdankung unter schar­fer Bewachung nach dem bei Rio de Ja­neiro gelegenen Fons Copacabana gebracht worden sei, wo er gefangen gehalten wird.

Washington und die nene Lage in Brasilien.

fk. Washington, 25. Okt.. Das Washingtoner Staatsdepartement ist durch den plötzlichen Umschwung in Brasilien in eine höchst peinliche Lage gerat?n. da die Regierung noch vor 2 Tagen die Auf­ständischen sozusagen als Räubrr b han­delte, indem sie den Waffenverkauf an die brasilianische Revoulutionäre verweigerte.

Man befürchtet nunmehr, daß sich die neue brasilianische Regierung, falls sie am Ruder bleibt, eine Prestigehaltung gegen­über Washington einnehmen wird. Da­durch würden zweifellos die Handelsbe­ziehungen unangenehm beeinflußt. Un­sicherheit herrscht ferner über die Haltung der neuen Regierung gegenüber den Schuldenverpflichtungen der früheren Machthaber an das Ausland. Staats­sekretär Stimson hat bereits klar zu er­kennen gegeben, daß die Vereinigten Staaten sofort intervenieren würden, wenn amerikanische Rechte in Brasilien geschützt werden müßten. Der amerika­nische KreuzerPensacola" wird in den brasilianischen Gewässern bleiben, bis die Lage endgültig geklärt ist. Die unan­genehmen Erfahrungen dürften zu einer Neuordnung in der Frage des Waf­fenausfuhrverbots und auch zu einer Um­besetzung der diplomatischen Vertretung der Vereinigten Staaten in Rio führen, da das Staatsdepartement von dem Bot­schafter Morgan anscheinend unzu­reichend unterrichtet worden ist.

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Srmiktti» schwimmt im 6»l»

Paris, 24. Okt. Der Wochenausweis der Bank von Frankreich für die Zeit vom 10. bis 17. Oktober weift einen Goldbestand von 50 567 354167 Francs ans. Gegenüber der Lorwoche bedeutet das eine Erhöhung um 1119 323 230 Francs. Die Golddeckung der i« Umlauf befindlichen Banknoten beträgt 54,14 Prozent gegenüber 53,54 Prozent in der Borwoche. Die gesetzlich vorgeschriebene Gold­deckung beträgt 35 Prozent.

Der 25 Millkoneu-Kredit für Berlin perfekt.

Berlin, 24. Dlt. Das Rachrichtenamt der Stadt Berlin teilt mit: Die heutigen Ver­handlungen haben zum Abschluh eines ganz kurzfristigen Kasseulredits in Höhe von 25 Milliouen Reichsmark geführt, der der Stadt Berlin von einem Kon­sortium unter Führung der Preußischen Staatsbank gegeben wird. Die Auszahlung erfolgt «och vor Ende dieses Monats.

Reichstagsabgeordneter Hepp veröf­fentlicht eine Erklärung über seinen Aus­tritt aus dem Präsidium des Reichslandbundes. Er begründet diesen Schritt mit der Ablehnung seiner Forderung, daß je ein Vertreter des bäuer­lichen Besitzes im Westen und des Groß­grundbesitzes im Osten als gleichgeordnete Präsidenten des Reichslandbundes ge­wählt würden. Dieses System entspreche der ursprünglichen Satzung des Reichs­landbundes und sei 1928 nur mit Rücksicht auf die Persönlichkeit Schieles verlassen worden, der eineungeteilte Verantwor­tung" für sich beanspruchte. Rach Auf­hören dieses besonderen Zustandes habe er pflichtgemäß Veranlassung genommen, die Rückkehr zu jenem früheren Führungs-

TuressMsl

Der vom Reichskabinett verabschiedete Reichshaushaltsplan für 1931- 1 932 balanziert, derVossischen Zei­tung" zufolge, in Einnahmen und Aus­gaben um 10,5 Milliarden. Diese Schluß­summe liegt um etwa 1 Milliarde tiefer als der Etat des laufenden Jahres.

Auf der Einnahmenseite soll eine Ver­minderung um rund 1 458 Millionen er­folgen, darunter u. a. Verminderung der Einkommensteuer durch Aeberlassung des Einkommens unter 8000 Mark an Länder und Gemeinden . . . rund 250 Millionen, Verminderung der Vermögenssteuer durch Erhöhung der Freigrenze von 5000 auf 20 000 Mark . . . rund 16 Mill., Vermin­derung der Aufbringungsumlage von 350 auf 230 Mill. ... 120 Mill., Verminde­rung der Umsatzsteuer durch Freilassung der Umsätze bis 5000 Mark... 40 Mill.. Fortfall der Kapitalertragssteuer . . . . 60 Mill., Fortfall der 2Vr Prozentigen Ve- amtenreichshilfe ... 116 Mill., Fortfall des Erlöses aus dem Verkauf von ReichS- bahnaktten ... 150 Millionen, Ausfall durch Rückgang von Steuern und Zöllen 700 Mill.

Die Veränderungen auf der Ausgaben­seite betragen zusammen 1 465 Millionen Mark. Es handelt sich dabei im wesent­lichen um die folgenden großen Posten: Verminderung der Aeberweisungen an die Länder infolge Steuerrückgänge 228 Mill., Abstriche an den Länderüberweisungen zu Gunsten des Reiches . . . Mill., Herab­setzung des SchuldentilgungsfondS von 460 auf 420 Mill. ... 40 Mill., Fortfall der Desatzungskosten 70 Mill., Kürzung der Gehälter und Pensionen um 6 Proz. ... 120 Mill., Abstriche an den sach­lichen Etats der einzelnen Ministerien rund 180 Mill., gleichartige Ersparnisse, die aus dem laufenden Haushaltsplan übernommen werden . . . 169 Mill., Fort­fall der Reichszuschüsse für die Arbeits­losenversicherung 500 Mill.

Die Einnahmensette wird dadurch eine gewisse Aufbesserung erfahren, daß durch Abänderung der Tabaksteuer und Tabak- zollbestimmungen aus Steuern und Zöl­len eine Mehreinnahme von 157 Mill. Mark erwartet wird. Dieser Mehrertrag muß erzielt werden einmal, wett die Zu­schüsse für die Krisenfürsorge, die im laufenden Zahr rund 400 Mill, erforderte, im nächsten Haushaltsjahr mit Rücksicht auf den Fortfall der Reichszuschüsse für die Arbeitslosenversicherung stärker etatt- siert werden sollen. Hinzu kommen auch Mehrausgaben für die Osthilfe, die ent­sprechend dem ursprünglichen Plan des Reichskabinetts in den nächsten fünf Jah­ren mit je rund 100 Millionen ausgestattet werden soll.