Dtn 24. Ski. 1930
Folgen der Erfüllungspolitik
der
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Nr. 250 KZ.Fllftg. Marbmg a.Kabn
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Die Neichsanstalt veröffentlicht für die Zeit vom L bis 15. Oktober 1930 den Bericht über die Arbeitsmarktlage im Reich. Danach belief sich die Zahl der Haupt- »nterstütznngsempfänger am 15. Oktober a»f rund 1491000. Zm gleichen Zeitpunkt wnrdea über 488 000 Krifennater- ftützte gezählt, das heißt, am etwa 16 000 mehr als Anfang des Monats. Die Ee- samtbelastung bei der Unterstütznngsein- richtung beträgt rund 1980 000, etwa 14 000 mehr als Anfang Oktober. Die Meldungen verfügbarer Arbeitfnchender beliefen sich am 15. Oktober auf nahezu S184 000, vo« denen etwa 3 116 000 als tatsächlich arbeitslos gelten können. Die starke Znnahme dieser Zahl gegenüber dem vorigen Berichtsaöschnitt — um rund 112 000 — ist zum Teil darauf zurückzuführe«, daß die von den Gemeinde« unterstützte« Wohlfahrtserwerbslosen mehr als bisher von der Statistik der Arbeitsämter ersaht werden. Auch die Zugänge entlassener Angestellter dürften wie stets z«m Quartalswechsel zum Anschwelle« diese, Zahl beigetrage« haben. Die Zunahme vom 15. September zum 15. Oktober beläuft fich auf rund 133 000.' Die Auswirkungen des Reichswohnungsbauprogramms schaffen, wie z« erwarten war, «nr in beschränktem Mähe ein Gegengewicht.
Schritt im Sinne der Zusammen! Preußischen Machtmittel. Die
BreuÄ» and die AkbelMiMt
Wie der Demokratische Zeitungsdienst erfährt, beabsichtigt die preußische Regierung, von sich aus zur Bekämpfung der Arbeitsnot wesentlich beizutragen. Hierbei komme eine Reihe von Maßnahmen in Frage, die sich u. a. auf die Verlängerung der Schulpflicht, auf die Kürzung der Arbeitszeit, auf die Einschränkung der Beschäftigung ausländischer Arbeiter in Preußen und auf Meliorationsarbeiten in der Landwirtschaft beziehen. Die Bekanntgaben dieser Maßnahmen werden nicht mehr lange aus sich warten lasten.
Die sozialdemokratische Landtagsfraktion stellt zugleich einen Antrag, der auch die obige Forderungen enthält.
einer Versammlung des Alldeut- Verbandes sprach am Mittwoch Dr. Alexander Gras von Brock- d o r f f über das System und die Folgen der Erfüllungspolitik. Die bisher zu beobachtende Scheinblüte der Wirtschaft, so betonte er, ist zerronnen. Jetzt ist das eingetreten, was der Alldeutsche Verband lange schon vor Annahme des Poungpak- tes vorausgesagt hat. Die Poungkrise ist eher gekommen, als selbst ein Pessimist vorausgesehen hatte und obgleich wir noch lange nicht den Höhepunkt der Krise erreicht haben. Sie wird eintreten, wenn die Mark erschüttert ist, wenn Arbeitslosenunterstützung und Beamtengehälter nicht weiter gezahlt werden können. Auf den Berliner Metallarbeiterstreik eingehend, setzte Graf Brockdorff auseinander, daß der Arbeiterschaft im ganzen auch mit einer stellenweisen Lohnerhöhung nicht geholfen werden kann und daß andererseits auch der Unternehmer von einer Lohnsenkung keinen Erfolg hat. Beide unterliegen mehr oder weniger dem Erfüllungssystem. Die Regierung Brüning hat zwar, wie ihr Wirtschafts- und Finanzprogramm zeigt, als erste Erfüllungsregierung den Mut gehabt, dem deutschen Volke offen zu sagen, daß es die Löhne senken
den Vorschlag gemacht, ein neues Schiedsgericht mit einem neuen Schlichter zur endgültigen Entscheidung über den Konflikt einzusetzen. Die Gewerkschaften sollten fich ihrerseits dann verpflichten, den Streik sofort abzubrechen und die Arbeit wieder aufzunehmen und zwar zu den alten Bedingungen. Auch bei einem neuen Schiedsspruch soll eine Lohnkürzung bis zu Beginn des nächsten Jahres nicht erfolgen.
Es ist bis zur Stunde noch nicht bekannt, ob diese Vorschläge von beiden Parteien angenommen worden sind. Es besteht iedoch kein Zweifel mehr darüber, daß die Regierung in keinem Fall beabsichtigt, den Ccyied^peuch jur verbindlich zu erklären.
Deutschlands seit dem. Weltkriege Verständnis und Symphatie entgegenzubringen. Abschließend bemerkte Schacht daß die Reichsregierung seiner Ansicht nach die Unterstützung der Rechten finden werde, falls die Sozialdemokraten abspringen sollten. Der übrige Inhalt der Rede Schachts deckte sich mit seiner letzten Rede vor dem Vondclub in Philadelphia.
Die Verhandlungen im Metallarbeiter- kouflikt.
Donnerstag nachmittag um 5 Uhr traten im Reichsarbeitsministerium die Vertreter der bei dem Metallarbeiterkonflikt beteiligten Parteien zu Nachverhandlungen über den Schiedsspruch im Reichsarbeitsministerium zusammen.
Safltsieitgtl
Soweit die Berliner Presse von dem Wechsel im Präsidium des Reichslandbundes Nottz nimmt, veröffenllicht sie die Mitteilung der Pressestelle des Reichslandbundes ohne Kommentar. Rur die rechtsstehenden Blätter fügen der Mttteilung erläuternde Zeilen hinzu. So schreibt der Lokalanzeiger": Die Amtsniederlegung des bisherigen Vorsitzenden Hepp und die Wahl des Grafen von Kalckreuth sind der Ausdruck dessen, daß der Reichslandbund Schluß gemacht wissen will mit der Politt- siererei der Zentrale. Diese Polittsiererei abzustellen, ist eine angesichts mancher Persönlichkeiten sehr schwierige Aufgabe. Es wird sich zu zeigen haben, ob es gelingen wird, sie durchzuführen. — Die „Deutsche Zeitung" sagt: In der Wahl des Grafen Kalckreuth zum vorsitzführenden Präsidenten — die übrigens nach unseren Informattonen mit überwäl- ttgender Mehrheit erfolgt ist — offenbart sich deutlich das Abgehen des Reichslandbundes von der verfehlten Politik des letzten Jahres. Diese Politik lief auf posi- ttve Mitarbeit im Staat, um Schlimmeres zu verhüten, dem entsprechend auf die Annäherung an die Mittelparteien und schließlich in ihren Folgerungen auf die Annäherung des herrschenden Systems hinaus. Es konnte nicht ausbleiben, daß angesichts der sich hausenden Fehlschläge eine Grenzbewegung in der Anhängerschaft des Reichslandbundes sich eingestellt hat, die umso stärker wurde, als die Leitung des Reichslandbundes auch noch die bis dahin gewahrte parteipolitische Reutrali- tät verließ und im Wahlkampf die Aufstellung besonderer Landvolklisten empfahl. Wenn auch mit der Wahl des Gra-' fen Kalckreuth den Wünschen der Landbünde akttvisttscher Richtung wohl noch nicht in allen Punkten Genüge geschehen ist, so ist damit immerhin der entscheidende Schritt zur Entpolitisierung des Reichslandbundes getan.
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Ein großer Teil der Berliner Morgenblätter bringt Rachrichten über den Wechsel in der Leitung der Berliner Polizeipräsidiums, der, wie gemeldet, als nicht in Frage kommend bezeichnet worden ist. Der „Börfenzeitung" zufolge soll das preußische Staatsministerium in einer Sitzung diese Frage erörtert haben. Das Blatt bezeichnet es, wie die meisten anderen Blätter, als sicher, daß der frühere Innenminister Grze- s i n s k l'Nachfolger des Präsidenten Z ö r- g i e b e l werden wird. Präsident Zör- giebel soll für die Leitung eines Regie- rungspräsidiums im Westen in Aussicht genommen sein. Das „Berl. Tageblatt", das betont, die Ernennung sei nicht Sache des Ministerpräsidenten oder des Innenministers, sonders des Staatsministeriums, berichtet im Gegensatz zur „Dvrsenzeitung", daß das Staatsministerium in der nächsten für Anfang der kommenden Woche in Aussicht genommenen Sitzung sich erst mit der Angelegenheit be- schäfttgen wird. Das Blatt begrüßt die geplante Wiederbetrauung des als energisch bekannten früheren Innenministers mit der wichtigen Stellung an der Spitze der Berliner Polizei als einen weiteren
Die tun Donnerstagmittag von der Christ- lich-Nationalen Bauern- und Landvolkpartei verbreitete Erklärung zur Präsidentenwahl im Reichslandbund, die sich besonders scharf gegen den neuen Geschäfisführenden Präsidenten Graf v. Kalckreuth Achtete, hatte in Berliner politischen Kreisen den Eindruck erweckt, als ob eine Spaltung des Reichslandbundes und die Gründung einer neuen Organisation mit Unterstützung der Landoolkpartei durch den Abgeordneten Hepp bevorstände. Wie die „Telegraphen-Union" von bestunterrichteter Seite erfährt, scheint die Erklärung eine derartige Bedeutung nicht zu haben. Es handelt sich lediglich um eine Erklärung der Pressestelle der Landvolkpartei, die nicht die vorherige Bildung der Parteileitung gefunden hatte. Wie die „T. U." weiter erfährt, lehnen es auch führende Persönlichkeiten der Landvolkpartei ebenso wie Reichsernährungsminister Schiele ab, sich mit der Erklärung zu identifizieren. Wie aus Kreisen des Bundesvorstandes mitgeteilt wird, entsprechen die Angaben der Erklärung der Pressestelle der Landvolkpartei über das Zustandekommen der Wahl des Grafen Kalckreuth nicht den Tatsachen. Die außerordentlich starke Mehrheit für Graf Kalckreuth setzte sich aus Vertretern der verschiedenen Richtungen innerhalb des Landbundes zusammen. Auch führende Persönlichkeiten der Landvolkpartei und Vertreter süd- und südwestdeutscher Landbünde haben für Graf Kalckreuth gestimmt. Wenn Höfer aus einem persönlichen Treuegelöbnis zu Hepp seinen Sitz im Bundesvorstand niedergelegt hat, so hat das noch keine organisatorischen Auswirkungen. Im übrigen sind auch Bestrebungen zur Ausgleichung der persönlichen Meinungsverschiedenheiten im Gange. Der Reichslandbund verzichtet daher zunächst seinerseits auf eine offizielle Stellungnahme, zumal man in unterttchteten Kreisen damit rechnet, daß die Landvolkpartei von sich aus offiziell in einer von der Erklärung ihrer Pressestelle abweichenden Form fich zu den Vorgängen äußern wird.
Berlin, 23. Okt. Der Reichs k i d e n t empfing heute in Gegenwart des Reichsministers Dr. Schiele die Vertreter der Frattion Deutsches Landvolk, die Abgeordneten Döbrich, Eereke und Hepp zu einer längeren Aussprache über die vom Deutschen Landvolk zur Linderung'der Notlage der deutschen Landwirtschaft vorgeschlagenen Maßnahmen.
lieber den Empfang teilen die „Landvolknachrichten" folgendes mit: „Die Landvolkführer Döbrich, Eereke und Hepp nahmen heute Veranlassung, dem Reichspräsidenten in Gegenwart des Reichsernährungsministers Schiele ihre Auffassungen zur augenblicklichen Lage und zu den Forderungen des Landvolkes eingehend darzustellen. Es wurde hierbei noch einmal die Forderung der Landvolkpartei nach sofortiger Einberufung des Reichstages erörtert. Nachdem dabei festgestellt wurde, daß zurzeit diese Forderung nicht erfüllt wird, betonten die genannten Landvolkführer unter eingehender Darstellung der Lage der Landwirtschaft, daß ein weiteres Hinauszögern dringender landwirtschaftlicher Forderungen auf dem Gebiete der Zoll- und Handelspolitik, wie bestimmter innenrvftt- schaftlicher Absatzmaßnahmen für die Landbevölkerung und damit für die gesamte Wirt- K unerträglich sei. Die genannten
ordneten wiesen insbesondere darauf hm, daß,
wenn nicht in aller Kürze durchgreifende Maßnahmen von feiten der Reichsregie- rnng Platz greifen würden, die bereits in der Landbevölkerung vorhandene außerordentliche Beunruhigung bis zu einem die Ruhe gefährdenden Ausmaß« zwangsläufig gesteigert werden
würde. Da zurzeit keine Aussicht besteht, daß das Parlament vor Dezember Zusammentritt, so forderten die Landvolkführer die Ergreifung außerparlamentarischer Maßnah m e n zur Behebung der dringenden Notstände. Man darf sich der Hoffnung hingeben, daß die Ausführungen der Landvolkführer ihren Eindruck auf den Reichspräsidenten nicht verfehlt haben."
»«eilige Kombinationen
Sine Erklärung der „Landvolknachrichten".
Durch die Prefie geht eine Erklärung der Christlich-Nationalen Bauern- nnd Landvolkpartei über die Präsidentenwahl im Reichs- landbund, die, wie die „Landvolknachrichten" aus bestunterrichteter Quelle erfahren, nicht als offizielle Stellungnahme der Parteileitung angesehen werden kann, weil der Borstand der Partei sich überhaupt noch nicht mit der Angelegenheit befaßt hat und der ausgegclcueu L.itlcllung infolge« dessen auch kein Borstandsveschluß zugrunde liegen kann.
Die zunehmende Arbeitslosigkeit
IMvsv vrMg-mMeltjuchrM-MWWkrije und Aoungplan - NachverhandlmMn im MtMonflikt
muß. Jedoch ist ihre auf Erfüllung beruhende Eesamtpolitik grundsätzlich abzulehnen, weil die Kernfrage nicht erkannt wurde, daß beim Fortbestehen des Tributsystems kein Wirtschafts- Programm etwas bessern könne.
Eine neue Schachtrede in Newyork.
Dr. Schacht betonte in einer Ansprache in Newyork erneut, daß eine Fortsetzung der Reparationszahlungen ohne wesentliche Erhöhung des Ausfuhrüberschusses Nicht möglich sei. Eine Prophezeiung, wann die Moratoriumsfrage akut werde, lehnte er ab. Schacht sagte weiter, was auch die Zukunft immer bringen möge, die Welt könne fich auf den Ordnungs- finn, die Geduld und die Friedensliebe des deutschen Volkes verlassen. Er forderte die Amerikaner auf, den Leistungen
nimmt dagegen scharf zu dem geplanten Wechsel Stellung. Das Blatt erinnert an die Rede Grzesinskis am 30. Juni des vergangenen Jahres in Frankfurt a.M., in der er gesagt habe, daß die deutsche Arbeiterschaft diejenigen, die ihre politischen Rechte mit Gewalt anzutasten versuchten, diesmal wirklich an die Laternenpfähle aufknüpfen würde und spricht von einem unklugen und gefährlichen Plan, der erwogen werde und der als bewußte Provokation aller Andersdenkenden, als Ankündigung schwerer Konflitte empfunden werden müsse. Auch die Situation der Reichsrezierung würde durch eine solche Geste auf das äußerste erschwert werden.
ÄbecheMche Zeitung
Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhesse«
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.