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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen
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Furchtbare Grubenkatastrophe
ItznamitexMion in Mbvrk bei Aachen - Aber 300 Bergleute eingeichlviien - Man rechnet mtt 200 Seien
Die MerateriumsGerüchte
Rur thevreUiche ErLrleruagen wer eine etwaige tvötere Schutdenienkung ter Mtlerten
Der Abgeordnete Mac Fadden, der Dorrende des Ausschusses für Bankwesen und Währungsangelegenheiten im Repräsentantenhaus, gab gestern in einem Interview wichtige Erklärungen ab.
„Deutschland sieht sich einer ernsten Wirtschaftskrise gegenüber", betonte Fadden, „und rs ntuR unverzüglich etwas geschehen, um Deutschlands Lage zu erleichtern. Es ist jetzt
tote „Times" unter allem Vorbehalt und unter Hinweis darauf, datz eine Bestätigung nicht zu ereichen sei, aus Washington melden, sei nach dort umlaufenden Gerüchten von gewissen Kreisen, zu denen in erster Linie der Sekretär des Schatzamtes, Mellon, und der Leiter der Federal Reserve Bank in Newyork, George Harrison, gehören, der Plan eines Moratoriums für die Schuldenzahlungen der früheren Alliierten an die Vereinigten Staaten erörtert worden. Diesem Plan, so berichtet der Korrespondent, würde natürlich nur eine bedingte Bedeutung zukommen und mehr der Frage gelten, ob ein solcher Entwurf überhaupt später einmal den tatsächlichen Verhält- nisien angepatzt werden könnte, als daß die in ihm vorgesehenen Bedingungen im Augenblick schon Anwendung finden könnten. Aber die kaum mehr als theoretische Bereitschaft der arncrikanischeil Regierung, solche Muhnahmeu in Erwägung zu ziehen.
mühte allein schon alle diejenigen ermutigen, die »an der Notwendigkeit einer entschlossenen Aktion seitens der Bereinigten Staate» in einer nicht allznfernen Zukunft überzeugt find.
Weiter bestätigen „Times" unsere gestrige Meldung, datz der frühere Reichsbankpräsident Dr. Schacht am Sonnabend eine halbstündige Unterredung mit dem Staatssekretär Stimson gehabt habe und heute den Präsidenten Hoover und den Schatzsekretär Mellon sprechen werde. UeBer den Inhalt der Unterredung mit Stimson sei nichts Näheres bekannt, aber Dr. Schacht habe bei Verlassen des Büros des Staatssekretärs Pressevertretern gegenüber sich dahin geäußert, datz nach seiner Ueberzeugung
Deutschland früher oder später gezwungen sein werde, ein Moratorium für seine Re- paratiousschulden zu beantragen.
Auf die Rückwirkungen eines solchen Schrittes in internationaler Beziehung sei Dr. Schacht nicht näher eingegangen, er habe jedoch auf die wirtschaftliche Ungerechtigkeit, die Deutschland durch den Versailler Vertrag widerfahren sei, und die Notwendigkeit einer Revision desselben hingewiesen.
Der Timeskorespondent bemertt dazu, es wäre überraschend, wenn Dr. Schacht in seiner Unterredung mit dem Präsidenten und ander«, Führern der amerikanischen Regierung nicht auf dasselbe Thema noch näher einginge. Der Besuch Schachts sei aber erst notwendig gewesen, um die sinanziellen Machthaber der Vereinigten Staaten davon zu überzeugen,
dah die Ereignifie einer Krisis zutreiben, «d zwar einer Krise, die gröbere Hilss- «ahuahmeu erforderlich mache, als nur das Rotmittel eines Moratoriums.
Der Eeldabflutz aus Europa nach den Vereinigten Staaten und Frankreich und die damit verbundene Immobilisierung der Eoldvor- räte bereite Newyork und Washington große Sorge. Die führenden Bankiers machten aus ihren Befürchtungen keinen Hehl, datz dieser Stand der Dinge eine allzu große Belastung für das internationale System der Goldwährung bedeute.
Die Entwicklung der amerikanischen Politik, so schließt der Newyorker Korrespondent seine Betrachtung, werde jedoch nicht von den Finanzleuten allein, sondern hauptsächlich durch die Politiker bestimmt.
an der Zeit, in aller Offenheit das Reparationsproblem zu erörtern. Anleihen ausländischer Banken zur Tilgung früherer Verschuldungen Deutschlands sind eine offensichtliche Hinausschiebung einer Lösung des Reparationsproblems.
Eia Moratorium ober eine Revision des Young-Planes mit dem Ziel einer Herabsetzung der Reparationszahlungen Deutschlands ist sofort notwendig.
Für den Fall, daß die Alliierten auf der vollen Zahlung der Reparationen bestehen, wäre eine entgegenkommendere Haltung der Vereinigten Staaten in der Kriegsschuldfrage der einzige Ausweg." Ein fünfjähriges Moratorium für die alliierten Schuldenzahlungen, während welcher Zeit Deutschland keinerlei Reparationen zu zahlen hätte, würde nach Faddens Ansicht zur Lösung der gegenwärtigen internationalen Wirtschastsprobleme wesentlich beitragen.
Gegen die RMstassvertagung
Das Landvolk erhebt EinmruK bei Hindenburg
Berlin, 20. Okt. Die Reichsgeschäftsstelle der Christlich-Rationalen Banern- nnd Landvolkpartei teilt mit: Die Reichs- tagssraktion Deutsches Landvolk hat in ihrer heutigen Fraktionssitzung erneut Einspruch gegen die Vertagung des Reichstags erhoben und beim Reichspräsidenten s 0 - fettige Einberufung des Reichstags gefordert. Gleichzeitig wurde beschlosien, in persönlicher Aussprache des Vorstandes und der Fraktion mit dem Reichskanzler und dem Reichspräsidenten diese« Schritt zu begründen. Die Fraktion sieht sich hierzu insbesondere dadurch ver- anlatzt, dah der Reichstag eine Reihe wich- ttger Forderungen der Landwirtschaft znr Behebung der wachsenden Agrarnot unerledigt gelassen hat.
Die Partei fordert weiter die grundsätzliche Umbildung des Kabinetts unter Berücksichtigung des Wahlergebnisies.
Einberufung des Braunschweigischen Landtages verlangt.
Braunschweig, 20. Okt. Die sozialdemokratische Fraktion des Landtags hat, wie der „Volksfreund" berichtet, aufgrund des Artikels 20 der Landesverfassung die sofortige Einberufung des Landtages verlangt und eine große Anfrage in der Angelegenheit Dr. Franzen eingebracht. Die Anfrage gipfelt in folgenden Punkten: 1. Ist Minister Dr. Franzen bereit, sein Amt niederzulegen oder sich bis zur Entscheidung über das Strafverfahren aller Dienstverfahren zu enthalten: welche Folgerungen gedenkt das Staatsministerium aus dem Verhalten des Ministers Dr. Franzen zu ziehen.
Etttschlietzung des Grohhandelstages.
Berlin, 20. Okt. Die Tagung des deutschen Groß- und Ueberseehandels endete mit der einstimmigen Annahme einer Entschließung, in der zunächst das Wirtschafts- und Finanzprogramm der Reichsregierung als Anfang auf dem Wege zur Gesundung der öffentlichen und privaten Wirtschaft bezeichnet wird, aber eine Ergänzung durch Sanierung, Senkung der Gesamtsteuer, insbesondere Abbau der Einkommensteuer, Sicherstellung einer raschen Senkung der Hauszinssteuer, klares Bekenntnis zur Reform der Verwaltung in Reich, Ländern und Gemeinden, Vorschläge zur Besteuerung und Abbau der Reichsbetriebe und zur Einschränkung der wirtschaftlichen Tätigkeit der öffentlichen Hand gefordert wird. Der Großhandel hält sich weiter verpflichtet.
bei aller Anerkennung des notwendigen Schutzes für die deutsche Landwirtschaft klar zu bekennen, daß für ihn eine Unterbrechung des Systems der deutschen Handelspolitik nicht in Frag« kommen kann. Danach wird darauf hingewiesen, datz
die Reparatiouslasten angesichts bet ein« getretenen Entwicklung völlig untragbar geworden feie«,
zumal infolge der internationalen Preisbildung und der Eoldwertschiebung die Reparationslasten in der letzten Zeit offensichtlich eine weitere Verschärfung erfahren haben. Der Groß- und Ueberseehandel ist sich, so heitzt es zum Schluß, bewußt, datz seine Lage nicht allein durch die Lastensenkung behoben werden kann; auch er ist durchaus Bereit und gewillt, durch gesteigerte Leistungen der deutschen Volkswirtschaft seine UnentBehrlichkeit zu Beweisen.
Mm roim nitnt ment mit MnniM rechnen
Preissenkungsaktion und Frachtentarif.
Berlin, 20. Ott. Gegenüber der Aeuße- rung eines Berliner Mitiagsblattes, das in einer (Erörterung über die Preissenkung eine wirksame Senkung der Frachtentarife gefordert hat, wird aus Kreisen der Reichsbahn- Hauptverwaltung darauf hingewiesen, datz der Frachteninder mit 142 Punkten keineswegs höher liege als die höheren Indergruppen. Die Frachtenpreise machen nur einen Bruchteil der Bezugspreise aus. Beispielsweise beträgt der Frachtenanteil bei Speisekartoffeln und Weizen Vm. bei Aepfeln V3o. bei Briketts V7, bei Steinkohlen 1/13 und bei Maschinen V43 der jeweiligen Bezugspreise. Eine Senkung der Frachtpreise würde auf die Preisbildung der Waren einen kaum merkbaren Einfluß ausüben.
Die Verhandlungen im Rnhrbergban gescheitert.
Essen, '20. Okt. Die heutigen Verhandlungen zwischen Zechenverband und Vergarbeiterverbänden über das Arbeitszeitabkommen, das bekanntlich von den Gewerkschaften gekündigt worden ist, verliefen ergebnislos. Die Gewerkschaften bestanden auf ihrer Forderung nach einer Verkürzung der Arbeitszeit unter Tage um eine Stunde. Der Zechenverband mußte, wie er erklärt, jede Arbeitszeitverkürzung ablehnen, weil mit ihr eine solche Steigerung der Selbstkosten verbunden sein würde, daß die Absatzlage des Ruhrbergbaues weiter verschlechtert und weitere Entlassungen und Stillegungen ihre Folge sein würden
Da aus vielen Erklärungen cülS den Kreisen der Opposittonspatteien zu ersehen ist, daß man dort die Vertagung des Parlaments bis zum 3. Dezember nicht so ohne weiteres hinnehmen will, fo ist es interessant zu erfahren, mit welchen Gegengründen die Reichsregierung den Einwänden der Opposition zu begegnen gedenkt. Der Artikel 24 der Reichsverfassung sage Wohl in seinem Wortlaut, daß der Reichstag in jedem Jahr am ersten Mittwoch des November zusammenzutreten hat. Die Reichsregie-» rung gibt diesem Wortlaut jetzt den Sinn, daß er die Notwendigkeit der Herbst-» tagung umschreiben will, die aber durch die frühere (Einberufung des Parlaments im Oktober bereits erledigt sei. Die OfJfMx» sition stellt sich dann weiterhin auf den Standpunkt, daß auf Grund der Verfas-» sung der Reichstag jederzeit einberu« fen werden müsse, wenn ein Drittel der Mitglieder es verlangt. Die Reichsregie- v rung ist hier, aber der Ansicht, daß diese Bestimmung der Verfassung in dem vorliegenden Falle nicht in Kraft gezogen werden könne, weil eine Mehrheit des Reichstages die Vertagung des Parlaments beschlossen hätte. Es handelt sich hier also um zahlreiche Auseinandersetzungen, wo Behauptung gegen Behauptung steht und wo letzten Endes wieder der recht behalten wird, der die Macht besitzt.
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In politischen Kreisen wendet sich jetzt das Hauptinteresse naturgemäß der Frage zu, wie die Lösung des Konfliktes in der Berliner Metallindustrie gefunden werden kann. Die Entschließung des Reichstages, in der der Reichsarbeitsmini- ster ersucht wird, den Schiedsspruch nicht für verbindlich zu erklären, hat eine neue Lage geschaffen. Im ReichSarbeitsmini- sterium ist die Frage geprüft worden, welche juristische Bedeutung dieser Be-» schluß hat. Man ist dabei zu dem Ergeb-, nis gekommen, dah er keine gesetzgeberische Kraft hat. Auf der anderen Seite steht der Reichsarbeitsminister aber auf dem Standpunkt, dah er einen mit Mehrheit zustandegekommenen Beschluß des Reichstages nicht einfach ignorieren kann, besonders da die ganze Frage nicht nur von der juristischen, sondern auch von der politi- schen Seite aus angesehen werden muß. Wenn der Reichsarbeitsminister ohne weiteres den formalen Weg der Nachverhandlungen gehen würde, so dürfte er sehr schnell vor der Frage stehen, ob er den Schiedsspruch für verbindlich erklären will oder nicht. Denn es herrscht in unterrichteten Kreisen kein Zweifel darüber, daß die Nachverhandlungen ergebnislos verlaufen würden. Es sind deshalb Sondierungen eingeleitet worden, durch die der Reichsarbeitsminister sich zunächst einmal über den Standpunkt und die Wünsche der beiden Parteien informieren will, um festzustellen, wie weit doch die Möglichkeit besteht, eine Lösung herbeizuführen, die beiden Seiten wenigstens zum Teil gerecht wird. Sobald der Arbeitsminister auf diese Weise einen genauen Aeberblick gewonnen hat, wird er die Einladung zu den Nachverhandlungen herausgehen lassen. Es ist anzunehmen, dah sie in der zweiten Hälfte dieser Woche stattsinden werden. Dabei werden neue llkrgleichsvorschläge unterbreitet. Die Aussichten einer Einigung werden jedoch recht skeptisch beurteilt, besonders von den Arbeitgebern. Von dieser Seite hören wir, daß die in der Presse aufgetauchte Möglichkeit einer Verschiebung 6er ganzen Frage bis zum Ende des Jahres für sie nicht in Frage kommt.