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Dienstag, »rn A.Stt.1SAi -

Di« »Oberhessisch« Z«tttmg" n- scheinl sechsmal wöchentlich. De- p,g«prel«monatlich 2LVGM.au«- schlteßl. Zustelluux«grdLhr, durch di« Post 2.4b GM. Für etwa durch Streit Ma>chmend«s«kl oder tk* mentet« Lretpnts,« ctifaCerbe Nummern wird kein strsa» pf leistet. Verlag Dr. §. -itervt^ Druck d«r Unib.-Duchdrvck«r«i Job. »Ufl- Koch. Markt 21/23. Fernsprecher: Str. 54. tu vkr. 56 Postscheckkonto: Amt Ftanksntt e. M. Nr. 6015. Sptechzei« »er Redaktion von 1011 und «fei1 Uhr.

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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen

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Der Aaietgenptels beträgt für Den 11 qespalt. Zeilenmillimeter 0.08 ®5X.,feg. kleine Anzeigen und Familienanzeigen bei Barzahlung 0.07 ®5Xn amtliche und aus­wärtige Anzeigen 0.10 GM. Bei schwierigem Sah sowie bei Platz» dorschrift 50°,. Aufschlag. Sauunelanzeigen 100Auf­schlag. ReNam.-Millim. 0,40 SM. Jeder Rabatt gilt al« Barrabatt.

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Furchtbare Grubenkatastrophe

ItznamitexMion in Mbvrk bei Aachen - Aber 300 Bergleute eingeichlviien - Man rechnet mtt 200 Seien

Die MerateriumsGerüchte

Rur thevreUiche ErLrleruagen wer eine etwaige tvötere Schutdenienkung ter Mtlerten

Der Abgeordnete Mac Fadden, der Dor­rende des Ausschusses für Bankwesen und Währungsangelegenheiten im Repräsentanten­haus, gab gestern in einem Interview wich­tige Erklärungen ab.

Deutschland sieht sich einer ernsten Wirt­schaftskrise gegenüber", betonte Fadden,und rs ntuR unverzüglich etwas geschehen, um Deutschlands Lage zu erleichtern. Es ist jetzt

toteTimes" unter allem Vorbehalt und unter Hinweis darauf, datz eine Bestätigung nicht zu ereichen sei, aus Washington melden, sei nach dort umlaufenden Gerüchten von ge­wissen Kreisen, zu denen in erster Linie der Sekretär des Schatzamtes, Mellon, und der Leiter der Federal Reserve Bank in Newyork, George Harrison, gehören, der Plan eines Moratoriums für die Schuldenzahlungen der früheren Alliierten an die Vereinigten Staa­ten erörtert worden. Diesem Plan, so berich­tet der Korrespondent, würde natürlich nur eine bedingte Bedeutung zukommen und mehr der Frage gelten, ob ein solcher Entwurf über­haupt später einmal den tatsächlichen Verhält- nisien angepatzt werden könnte, als daß die in ihm vorgesehenen Bedingungen im Augenblick schon Anwendung finden könnten. Aber die kaum mehr als theoretische Bereitschaft der arncrikanischeil Regierung, solche Muhnahmeu in Erwägung zu ziehen.

mühte allein schon alle diejenigen ermuti­gen, die »an der Notwendigkeit einer ent­schlossenen Aktion seitens der Bereinigten Staate» in einer nicht allznfernen Zu­kunft überzeugt find.

Weiter bestätigenTimes" unsere gestrige Meldung, datz der frühere Reichsbankpräsident Dr. Schacht am Sonnabend eine halbstündige Unterredung mit dem Staatssekretär Stimson gehabt habe und heute den Präsidenten Hoover und den Schatzsekretär Mellon sprechen werde. UeBer den Inhalt der Unterredung mit Stimson sei nichts Näheres bekannt, aber Dr. Schacht habe bei Verlassen des Büros des Staatssekretärs Pressevertretern gegenüber sich dahin geäußert, datz nach seiner Ueberzeugung

Deutschland früher oder später gezwungen sein werde, ein Moratorium für seine Re- paratiousschulden zu beantragen.

Auf die Rückwirkungen eines solchen Schrittes in internationaler Beziehung sei Dr. Schacht nicht näher eingegangen, er habe jedoch auf die wirtschaftliche Ungerechtigkeit, die Deutsch­land durch den Versailler Vertrag widerfahren sei, und die Notwendigkeit einer Revision des­selben hingewiesen.

Der Timeskorespondent bemertt dazu, es wäre überraschend, wenn Dr. Schacht in seiner Unterredung mit dem Präsidenten und an­der«, Führern der amerikanischen Regierung nicht auf dasselbe Thema noch näher einginge. Der Besuch Schachts sei aber erst notwendig gewesen, um die sinanziellen Machthaber der Vereinigten Staaten davon zu überzeugen,

dah die Ereignifie einer Krisis zutreiben, «d zwar einer Krise, die gröbere Hilss- «ahuahmeu erforderlich mache, als nur das Rotmittel eines Moratoriums.

Der Eeldabflutz aus Europa nach den Ver­einigten Staaten und Frankreich und die da­mit verbundene Immobilisierung der Eoldvor- räte bereite Newyork und Washington große Sorge. Die führenden Bankiers machten aus ihren Befürchtungen keinen Hehl, datz dieser Stand der Dinge eine allzu große Belastung für das internationale System der Goldwäh­rung bedeute.

Die Entwicklung der amerikanischen Politik, so schließt der Newyorker Korrespondent seine Betrachtung, werde jedoch nicht von den Fi­nanzleuten allein, sondern hauptsächlich durch die Politiker bestimmt.

an der Zeit, in aller Offenheit das Repara­tionsproblem zu erörtern. Anleihen auslän­discher Banken zur Tilgung früherer Verschul­dungen Deutschlands sind eine offensichtliche Hinausschiebung einer Lösung des Repara­tionsproblems.

Eia Moratorium ober eine Revision des Young-Planes mit dem Ziel einer Herab­setzung der Reparationszahlungen Deutsch­lands ist sofort notwendig.

Für den Fall, daß die Alliierten auf der vollen Zahlung der Reparationen bestehen, wäre eine entgegenkommendere Haltung der Vereinigten Staaten in der Kriegsschuldfrage der einzige Ausweg." Ein fünfjähriges Mo­ratorium für die alliierten Schuldenzahlun­gen, während welcher Zeit Deutschland kei­nerlei Reparationen zu zahlen hätte, würde nach Faddens Ansicht zur Lösung der gegen­wärtigen internationalen Wirtschastsprobleme wesentlich beitragen.

Gegen die RMstassvertagung

Das Landvolk erhebt EinmruK bei Hindenburg

Berlin, 20. Okt. Die Reichsgeschäfts­stelle der Christlich-Rationalen Banern- nnd Landvolkpartei teilt mit: Die Reichs- tagssraktion Deutsches Landvolk hat in ihrer heutigen Fraktionssitzung erneut Ein­spruch gegen die Vertagung des Reichstags erhoben und beim Reichspräsidenten s 0 - fettige Einberufung des Reichs­tags gefordert. Gleichzeitig wurde beschlosien, in persönlicher Aussprache des Vorstandes und der Fraktion mit dem Reichskanzler und dem Reichspräsidenten diese« Schritt zu begründen. Die Fraktion sieht sich hierzu insbesondere dadurch ver- anlatzt, dah der Reichstag eine Reihe wich- ttger Forderungen der Landwirtschaft znr Behebung der wachsenden Agrarnot uner­ledigt gelassen hat.

Die Partei fordert weiter die grund­sätzliche Umbildung des Kabinetts unter Berücksichtigung des Wahlergebnisies.

Einberufung des Braunschweigischen Landtages verlangt.

Braunschweig, 20. Okt. Die sozial­demokratische Fraktion des Landtags hat, wie derVolksfreund" berichtet, aufgrund des Artikels 20 der Landesverfassung die sofortige Einberufung des Landtages ver­langt und eine große Anfrage in der An­gelegenheit Dr. Franzen eingebracht. Die Anfrage gipfelt in folgenden Punkten: 1. Ist Minister Dr. Franzen bereit, sein Amt niederzulegen oder sich bis zur Entschei­dung über das Strafverfahren aller Dienstverfahren zu enthalten: welche Fol­gerungen gedenkt das Staatsministerium aus dem Verhalten des Ministers Dr. Franzen zu ziehen.

Etttschlietzung des Grohhandelstages.

Berlin, 20. Okt. Die Tagung des deut­schen Groß- und Ueberseehandels endete mit der einstimmigen Annahme einer Entschlie­ßung, in der zunächst das Wirtschafts- und Finanzprogramm der Reichsregierung als An­fang auf dem Wege zur Gesundung der öffent­lichen und privaten Wirtschaft bezeichnet wird, aber eine Ergänzung durch Sanierung, Senkung der Gesamtsteuer, insbesondere Ab­bau der Einkommensteuer, Sicherstellung einer raschen Senkung der Hauszinssteuer, klares Bekenntnis zur Reform der Verwaltung in Reich, Ländern und Gemeinden, Vorschläge zur Besteuerung und Abbau der Reichsbetriebe und zur Einschränkung der wirtschaftlichen Tä­tigkeit der öffentlichen Hand gefordert wird. Der Großhandel hält sich weiter verpflichtet.

bei aller Anerkennung des notwendigen Schutzes für die deutsche Landwirtschaft klar zu bekennen, daß für ihn eine Unterbrechung des Systems der deutschen Handelspolitik nicht in Frag« kommen kann. Danach wird darauf hingewiesen, datz

die Reparatiouslasten angesichts bet ein« getretenen Entwicklung völlig untragbar geworden feie«,

zumal infolge der internationalen Preisbil­dung und der Eoldwertschiebung die Repara­tionslasten in der letzten Zeit offensichtlich eine weitere Verschärfung erfahren haben. Der Groß- und Ueberseehandel ist sich, so heitzt es zum Schluß, bewußt, datz seine Lage nicht allein durch die Lastensenkung behoben wer­den kann; auch er ist durchaus Bereit und ge­willt, durch gesteigerte Leistungen der deut­schen Volkswirtschaft seine UnentBehrlichkeit zu Beweisen.

Mm roim nitnt ment mit MnniM rechnen

Preissenkungsaktion und Frachtentarif.

Berlin, 20. Ott. Gegenüber der Aeuße- rung eines Berliner Mitiagsblattes, das in einer (Erörterung über die Preissenkung eine wirksame Senkung der Frachtentarife gefor­dert hat, wird aus Kreisen der Reichsbahn- Hauptverwaltung darauf hingewiesen, datz der Frachteninder mit 142 Punkten keineswegs höher liege als die höheren Indergruppen. Die Frachtenpreise machen nur einen Bruch­teil der Bezugspreise aus. Beispielsweise be­trägt der Frachtenanteil bei Speisekartoffeln und Weizen Vm. bei Aepfeln V3o. bei Bri­ketts V7, bei Steinkohlen 1/13 und bei Ma­schinen V43 der jeweiligen Bezugspreise. Eine Senkung der Frachtpreise würde auf die Preisbildung der Waren einen kaum merk­baren Einfluß ausüben.

Die Verhandlungen im Rnhrbergban gescheitert.

Essen, '20. Okt. Die heutigen Ver­handlungen zwischen Zechenverband und Vergarbeiterverbänden über das Arbeits­zeitabkommen, das bekanntlich von den Gewerkschaften gekündigt worden ist, ver­liefen ergebnislos. Die Gewerkschaften bestanden auf ihrer Forderung nach einer Verkürzung der Arbeitszeit unter Tage um eine Stunde. Der Zechenverband mußte, wie er erklärt, jede Arbeitszeitver­kürzung ablehnen, weil mit ihr eine solche Steigerung der Selbstkosten verbunden sein würde, daß die Absatzlage des Ruhr­bergbaues weiter verschlechtert und wei­tere Entlassungen und Stillegungen ihre Folge sein würden

Da aus vielen Erklärungen cülS den Kreisen der Opposittonspatteien zu ersehen ist, daß man dort die Vertagung des Parlaments bis zum 3. Dezember nicht so ohne weiteres hinnehmen will, fo ist es interessant zu erfahren, mit welchen Gegengründen die Reichsregierung den Einwänden der Opposition zu begegnen gedenkt. Der Artikel 24 der Reichsverfassung sage Wohl in seinem Wortlaut, daß der Reichstag in jedem Jahr am ersten Mittwoch des November zusammenzutreten hat. Die Reichsregie-» rung gibt diesem Wortlaut jetzt den Sinn, daß er die Notwendigkeit der Herbst-» tagung umschreiben will, die aber durch die frühere (Einberufung des Parlaments im Oktober bereits erledigt sei. Die OfJfMx» sition stellt sich dann weiterhin auf den Standpunkt, daß auf Grund der Verfas-» sung der Reichstag jederzeit einberu« fen werden müsse, wenn ein Drittel der Mitglieder es verlangt. Die Reichsregie- v rung ist hier, aber der Ansicht, daß diese Bestimmung der Verfassung in dem vor­liegenden Falle nicht in Kraft gezogen werden könne, weil eine Mehrheit des Reichstages die Vertagung des Parla­ments beschlossen hätte. Es handelt sich hier also um zahlreiche Auseinanderset­zungen, wo Behauptung gegen Behaup­tung steht und wo letzten Endes wieder der recht behalten wird, der die Macht besitzt.

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In politischen Kreisen wendet sich jetzt das Hauptinteresse naturgemäß der Frage zu, wie die Lösung des Konfliktes in der Berliner Metallindustrie gefun­den werden kann. Die Entschließung des Reichstages, in der der Reichsarbeitsmini- ster ersucht wird, den Schiedsspruch nicht für verbindlich zu erklären, hat eine neue Lage geschaffen. Im ReichSarbeitsmini- sterium ist die Frage geprüft worden, welche juristische Bedeutung dieser Be-» schluß hat. Man ist dabei zu dem Ergeb-, nis gekommen, dah er keine gesetzgeberische Kraft hat. Auf der anderen Seite steht der Reichsarbeitsminister aber auf dem Standpunkt, dah er einen mit Mehrheit zustandegekommenen Beschluß des Reichs­tages nicht einfach ignorieren kann, beson­ders da die ganze Frage nicht nur von der juristischen, sondern auch von der politi- schen Seite aus angesehen werden muß. Wenn der Reichsarbeitsminister ohne wei­teres den formalen Weg der Nachverhand­lungen gehen würde, so dürfte er sehr schnell vor der Frage stehen, ob er den Schiedsspruch für verbindlich erklären will oder nicht. Denn es herrscht in unter­richteten Kreisen kein Zweifel darüber, daß die Nachverhandlungen ergebnislos verlaufen würden. Es sind deshalb Son­dierungen eingeleitet worden, durch die der Reichsarbeitsminister sich zunächst ein­mal über den Standpunkt und die Wünsche der beiden Parteien informieren will, um festzustellen, wie weit doch die Möglichkeit besteht, eine Lösung herbeizuführen, die beiden Seiten wenigstens zum Teil gerecht wird. Sobald der Arbeitsminister auf diese Weise einen genauen Aeberblick ge­wonnen hat, wird er die Einladung zu den Nachverhandlungen herausgehen lassen. Es ist anzunehmen, dah sie in der zweiten Hälfte dieser Woche stattsinden werden. Dabei werden neue llkrgleichsvorschläge unterbreitet. Die Aussichten einer Eini­gung werden jedoch recht skeptisch beurteilt, besonders von den Arbeitgebern. Von dieser Seite hören wir, daß die in der Presse aufgetauchte Möglichkeit einer Ver­schiebung 6er ganzen Frage bis zum Ende des Jahres für sie nicht in Frage kommt.