Einzelbild herunterladen
 

Acnstus, MU.SN.1SR

fite .Lberhessisch« Sefhntg" er- ftfeeint lech «mal wLcheritllch. Be- p^«prei«monatlich 2LVGM.au«» schließl. Zusi«Lunx«gedühi. durch &te<Fofi 2.45 SM. Für etwa durch Ktretk Majchmeudefekt oder eie» «entare Lreigutfie au«lakrrd« gkmnmern wird feto Ersa» pe- teiftet Verlag Dr. §. Htorretb. Druck der Unlb.-Vuchdruckerei z»h. Aug. Koch. Markt 21/23. Aerusprecherr Nr. 54. u. Nr. 55 Postscheckkonto: Amt Frankfurt »W. Nr. 5015. Sprechzeit yer Redaktion von 1011 und

»1,11 Uhr.

ÄbevlMsche

RmiiMk Jl WED D DM «me

Won*t Z MY S II || mm

Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

Nr. Ai 85.Mrg. Marburg o.8adi>

Der Anzeigenpreis beträgt für Sen 11 gespalt. Zeilenmillimeter 0.08 SM, s»g. kleine Anzeigen und Famil^nanzetgen bei Barzahlung 0.07 @95?., amtliche und au«- wärtiqe Anzeigen 0.10 GM. Bei schwierigem Satz sowie bei Platz­dorschrist 50%, Aufschlag. Sammelanzeige» 100 Auf­schlag. Reklanu-Millim. 0,40 GM. Jeder Rabatt gilt al« Barrabatt.

Ziel 5 Tage.

Vfferteu-Sebühr: 25 Pfg. Belege merden oerechnet. GrfLllm»g«okt Marburg.

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Der NorW der WlrtWWartei

Ne füttert Umbildung tes ReMablnM - Sr. Brett hat jein Abwetegeku» mA eingkreichl

Berlin. 13. Okt. Die Reichstags- staktion der Wirtschaftspariei faßte heute mittag den Beschluß, den Iustizminister Dr. Bredt aus der Reichsregierung zurück- zgziehen und angesichts des Wahlausfalles eine Neubildung des Kabinetts zu verlan­gen. Der Entschluß wurde dem Reichskanz- ler in einem Schreiben, das von Drewitz »nterzeichnet ist, mitgeteilt. Das Schrei­ten hat folgenden Wortlaut:

Hochverehrter Herr Reichskanzler! Im Verfolg der Beschlüsse des Reichsausschus­ses meiner Partei hat die neugewählte Reichstagsfraktion bei ihrem heutigen Zusammentritt Stellung zur derzeitigen politischen Lage genommen. Ich habe die Ehre, Ihnen das Ergebnis dieser Be­sprechungen zur Kenntnis zu bringen. Reine Fraktion ist einerseits der Auffas­sung, daß dem Ergebnis der Wahl vom 14. September durch Umbildung oder Reubildung des Kabinetts politisch Rech- nung getragen werden muß, andererseits Heint es uns dringend notwendig, die Zahl der Ministerien zu verringern und me Vollmachten der im besonderen die Wirtschaft beeinflussenden Ministerien in ter Hand von Fachleuten zu vergrößern, llm Ihnen.die Durchführung dieser unse- tts Erachtens notwendigen Maßnahmen zu erleichtern, hat die Fraktion beschlossen, den Herrn Reichsjustizminister Professor Dr. Bredt zu ersuchen, sein Portefeuille zur Verfügung zu stellen. Der Beschluß «einer Fraktion hat den Sinn,

bett Weg freizumachen für die not­wendige Neubildung eines Kabinetts, das auf Fachleute gestützt, dem Mehr­heitswillen des deutschen Volkes in höherem Maße entspricht als das bei der heutigen Zusammensetzung der

Neichsregierung der Fall ist.

sollte bei der Neubildung des Kabinetts Mitwirkung von Herrn Professor Dr. vredt unabhängig von rein parteipoliti- Ichen Gesichtspunkten erwünscht oder not­wendig erscheinen, so glaube ich versichern

dürfen, daß meine Fraktion etwaige Bedenken gegen eine solche Beteiligung lsti der heute ganz besonders schwerwie­genden Verantwortung zurückstellen würde, wenn die Gewähr dafür geboten A, daß den grundlegenden Eesichtspunk- M für Gesundung von Staat, Volk und Wirtschaft, die in unseren Erklärungen

26. September und 2. Oktober 1930 uiedergelegt find, bei allen Maßnahmen ^ner künftigen Regierung Rechnung ge­tragen wird. Zu mündlicher Besprechung ^ber die durch diese Erklärung meiner Mktion geschaffene neue politische ^age stehe ich Ihnen jederzeit zur Verfü­gung. Mit dem Ausdruck vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebener gez. Drewitz."

Bredt bleibt.

Berlin. 13. Okt. Auf die Nachricht dem Beschluß der Wirtschaftspartei kt sich Reichskanzler Dr. Brüning sofort fr» Reichspräsidenten begeben und ihm «richt erstattet. Reichspräsident v. Hin- «nburg erwiderte auf den Bericht, daß er 7S Kabinett Brüning von jeher als ein Eicht an die Fraktionen gebundenes Ka- y^ett betrachtet habe. Demzufolge könne

der Beschluß der Wirtschaftspartei nicht veranlassen, den Reichsjustiz- *i>»ister Bredt aus seinem Amte zu ent- ^iien. Er ersuche vielmehr Dr. Bredt,

Amt weiterzuführen. Reichsjustiz- Erittister Bredt hat auf tiefe Erklärung

des Reichspräsidenten hin sich bereit er­klärt, weiter das Reichsjustizministerium zu führen.

Was tut nun die Wirtschaftspartei?

Berlin, 13. Okt. Wie im Reichstag verlautet, wird die Fraktion der Wirt­schaftspartei am Dienstagnachmittag zu der durch die Nichteinreichung des Ab­schiedsgesuches durch den Reichsjustizmini­

ster Bredt geschaffenen Lage Stellung neh­men. Da Prof. Bredt gegen den Beschluß der Fraktion gehandelt hat, sieht man der Fraktionssitzung mit einiger Spannung entgegen. Es dürfte zu heftigen Ausein­andersetzungen innerhalb der Fraktion kommen. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob die Fraktion Prof. Bredt ausschließen wird, wie in den Wandelgängen bereits heute abend verlautete.

So brgann -le RriWagWung

ML

MM

-

£

A

Ä

n

MM)

Selter und vrrWtnlsnMig ruhig

fk. Berlin, 13. Okt. Schon lange vor Beginn der Reichstagssttzung hatte sich eine große Menschenmasse vor dem Reichstagsge­bäude eingefunden. Je näher die Stunde des Beginnes rückte, umso größer wurde die Men­schenmasse, die das Parlamentsgebäude um­lagerte. Immer wieder bildeten sich Grup­pen, die der Aufforderung der Polizei, weiter zu gehen, nicht Folge leisteten, immer wieder hörte manHeil!"-Rufe aus einer Gruppe heraus. Die Polizei schritt infolgedessen zu zahlreichen Sistierungen. Im Reichs­tag selbst sind lange vor Beginn der Sitzung die Tribünen völlig besetzt Auf der Publikums- tribüne befindet sich auch Prinz August Wil­helm von Preußen. Während die Abgeord­neten der Sozialdemokraten und der Mittel­parteien schon um %3 Uhr ihre Sitze einge­nommen haben, erscheinen erst später die Deutschnationalen unter Führung des Abg. Hugenberg, dann die Kommunisten und als letzte Fraktion die Nationalsozialisten mit dem Abg. Dr. Frick an der Spitze. Die Nationalsozialisten tragen sämtlich das braungelbe Hitler-Hemd, mit dem Hakenkreuz auf der roten Armbinde. Sie werden von der Linken mit lauten Hallo-Rufen empfan­gen. Die Nationalsozialisten hatten sich vor­her im Wandelgange gesammelt und mar­schierten geschlossen ein. Dr. Frick nimmt auf einem der Vordersitze Platz und begrüßt den Nebenmann, den Abg. Hergt (D. N.), mit einem Händedruck. Der Platz des Abg. Dr. Goebbels (N. S.), hinter Dr. Frick, bleibt frei.

Der Alterspräsident des Reichstages, Abg. Herold (3ti), nimmt den Platz des Präsiden­ten ein, während die Kommunisten rufen: Erst den Belagerungszustand vor dem Reichstag aufheben, draußen werden die Ar­beiter mit Gummiknüppeln niedergeschlagen."

Abg. Herold stellt fest, daß er 82 Jahre alt sei und fragt, ob ein Abgeordneter älter sei. Abg. Pieck (Komm.) rüst:Nein, da haben die Nationalsozialisten nicht aufgepaßt!" (Heiterkeit.)

Der Alterspräfident eröffnet darauf die erste Sitzung des neuen Reichstages und be­ruft zu Schriststihren die Abg. T a u b a d e l

(Soz.), Göring (Rat. S.)> Rauch-Mün­chen (V. V. P.) und Frau Tausch (Ztr.). Als Abg. Göring den Schriftführerplatz ein­nimmt, kommen vosi kommunistischer Seite ironische Heilrufe. Göring winkt seinen na­tionalsozialistischen Freunden zu, die ihn mit lauten Heilrufen begrüßen. Alterspräsident Herold ersucht den Schriftführer Rauch, den Namensaufruf der Abgeordneten vorzuneh­men.

Der Namensaufruf beginnt mit dem Na­men Abel. Als der Abg. Dr. Albrecht (N. S.) aufgerufen wird, antwortet dieser mit dem üblichenHier", setzt jedoch hinzu: Heil Hitler"! (Große Heiterkeit). Beim Aufruf des Namens V r e i t s ch e i d (Soz.) rufen die Kommunisten:Noch immer nicht Minister!" Als der Abg. Frick (N. S.) mit hier" sich meldet, ertönt aus den Reihen der Kommunisten der Ruf:Fähnrich!" Beim Austuf des Reichskanzlers Dr. Brüning rufen die Kommunisten:Der Hungerdikta­tor!" Beim Aufruf des Abg. Dr. Goebbels (N. S.):Nieder mit dem Mörder!" Dr. Goebbels betritt erst nach dem Aufruf seines Namens den Saal. Er wird von den Natio­nalsozialisten mit stürmischen Heilrufen und mit Klatschen begrüßt. Die Kommunisten machen Zurufe, die sich auf Goebbels Prozesse beziehen. Dr. Goebbels antwortet:Ja, ich sabotiere Eure bürgerliche Justiz!" Den auf der Nebenbank sitzenden Deutschnationalen v. Lldenburg-Januschau begrüßt Goebbels mit Händedruck. Die ganze Szene erregt großes Aufsehen. Der Namensaustuf stockt für einige Zeit, bis Alterspräsident Herold durch Glockenzeichen wieder Ruhe schafft. Als der Name des Nationalsozialisten Heines aufge­rufen wird, rufen die Kommunisten:Nieder mit dem Fememörder!" Die Nationalsozia­listen bringen darauf Heilrufe auf Heines aus.

Nach der Beendigung des Namensaustufs bringt Abg. Pieck (Komm.) auf die streikenden Metallarbeiter ein dreifachesRotfront" aus, in der die übrigen Kommunisten einstimmen.

Während des Namensauftufes bleiben die Regierungsbänke leer, doch waren verschie-

, (Fortsetzung siehe Seite L)

TaMpiml

Die. erste Sitzung des neuen Reichstags ist ruhiger verlaufen, als angesichts des starken Anwachsens der radi­kalen Flügelparteien zu erwarten war, womit nicht etwa gesagt sein soll, daß es ruhig zugegangen wäre. Die über hundert Nationalsozialisten in Uniform, auf dem anderen Flügel die kommunistische Fraktion in Kampfstimmung, vor dem Reichstag eine wildbewegte Menge, die mit dem Polizei- knüppel zurückgedrängt wurde. Anter diesen äußeren Amständen ging die erste Reichstagssitzung unter Leitung des Alters- präsidenten Abg. Herold vom Zentrum vor sich. Wenn das Haus seine Tagesordnung in etwas mehr als eineinhalb Stunden er­ledigen konnte, so war das immerhin mehr, als man vielerseits erwartet hatte. Die Publikumstribüne kam auf ihre Kosten.

«

Die Ausschreitungen in Berlin, über die die gesamte Londoner Presse ausführlich berichtet, haben in London all­gemein einen schlechten Eindruck gemacht. Daily Mail" meint jedoch, die Tat­sache, daß Ausschreitungen in anderen Tei­len Berlins nicht vorgekommen seien, be­weise zur Genüge, daß die von den Fein­den der Aationalsozialisten erhobenen Be­hauptungen von einem allgemeinen An­griff auf die Juden nicht begründet seien. Die Nationalsozialisten seien durch die Polizei aufgebracht worden, und hätten ihren Gefühlen dadurch Ausdruck verliehen, daß sie dort Schaden anrichteten, wo sie durch die Polizei zurückgetrieben wurden.

Das gesamte Interesse an den Vor­gängen in Deutschland hat auf jeden Fall in England zugenommen. Dies geht auch aus einem Artikel derTimes" über die Stahlhelmbewegung hervor, von der es heißt, daß sie stärker und besser organi­siert, ausgerüstet und ausgebildet sei, als je zuvor.

In politischen Kreisen beschäftigte man sich vor allem mit dem Verbleiben des Reichsjustizministers Dr. Bredt im Kabinett. Es wird sich aber erst heute zeigen, welchen Einfluß dieser Entschluß auf sein Verhältnis zur Fraktion hat. Im Augenblick läßt sich noch nicht prophe­zeien, ob Dr. Bredt aus der Fraktton aus­scheidet, oder ob sie sich damit abfindet, daß er dem Wunsche des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers gefolgt ist.

Ferner wird die Frage der D e s e tz u n g des Reichstagspräsidiums leb­haft erörtert. Das geht auch aus dem Be­schluß der Deutschen Dollspartei hervor^ deren Bedingungsform erkennen lassen soll, daß die Fraktton ihren Vorsitzenden nur zur Verfügung stellen will, wenn wirllich Aussicht auf eine Mehrheit vorhanden ist. Sie wäre ohne weiteres gegeben, wenn auch das Zentrum für Dr. Scholz sttm- men würde. Es ist aber sicher damit zu rechnen, daß essichfürLöbe entscheidet, um an dem Prinzip festzuhallen, daß die größte Frattion den Präsidenten stelll; außerdem will man im Zenttum vermeiden, die Sozialdemokratte bereits in diesem Augenblick vor den Kopf zu stoßen. Ohne das Zentrum erscheint die Mehrheit vor­läufig noch problematisch, hat aber immer­hin gewisse Aussichten, da die TI Stimmen der Kommunisten von vornherein aus­fallen, und deshalb in der Sttchwahl nur etwas mehr als 250 Stimmen erforderlich sind. Anter diesen Amständen würde die Kandidatur Scholz auch dann aufgestellt werden, wenn das Zentrum sich für Lobe, die rechts davon stehenden Parteien und Gruppen aber für Dr. Scholz erklären. Anter diesen Amständen sieht man der Wahl des ersten Präsidenten des Reichs­tages mit großer Spannung entgegen.

*

In einem LeitartikelAeber die deutsche Krise" sagtFinancial News": Die notwendige wirtschaftliche Reform in Deutschland, die u. a. erhebliche Lohn-