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St. 240 ei.iwg.
Marburg a.Snhn
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Montag, Mit 13. Skt. 1930
SbertMsche Zeitung
Das Heer der Wohlfahrtserwerbslosen wächst.
Im Gegensatz zu den rückläufigen Unterstütztenzahlen der Arbeitslosenversicherung hat das Heer der Wohlfahrtserwerbslosen im
erkennen, daß die Verhältnisse am Devisenmarkt noch nicht beruhigt sind. Die letzte- Diskonterhöhung, die ja keine wirtschaftliche, sondern eine politische Maßnahme war, hat bis jetzt den erforderlichen Erfolg nicht gebracht. Die Reichsbank wird, wie wir hören, noch einige Tage warten und je nach der Entwicklung der Dinge weitere Maßnahmen ergreifen, die sowie in einer abermaligen Erhöhung des Diskonts, aber auch in Kreditrationa- lifierung bestehen würden.
Monat September eine neue bedeutende Vermehrung erfahren. Nach der Erhebung des Deutschen Städtetages wurden in den Städten über 25 000 Einwohnern (mit einer Gesamt- bevölkerung von 25 Millionen) am 30. Sept. 489 000 Woblfahrtserwerbslose (ohne Familienmitglieder als Zuschlagsempfänger) gezählt. "Von diesen werden 53 000 als Fürsorgebezieher beschäftigt. Gegenüber dem Ergebnis des Vormonats (445 000) ist für die genannten Städte eine neue Belastung der gemeindlichen Wohlfahrtspflege um weitere 7,6 v. H., gegenüber dem 31. Dezember 1929 aber eine Verdoppelung der zu betreuenden Erwerbslosen eingetreten. Außerdem erhielten von den Städten über 25 000 Einwohner am 30. Sept. 52 000 Empfänger von Arbeitslosenversicherung und Krisenfürsorge laufende Zusatzunterstützungen.
I Das Bankhaus Lee, Higginson u. Co. ■jÜt, wie Assoziated Preß meldet, bekannt. Utah ein Kredit von 125 Millionen Dollar ■Mit einem Internationalen Banksyndikat Deutschland bewilligt worden ist.
M Der nominale Zinsfuß ist mit 4% v. H. Memessen, dazu tritt eine Provision der U Lanken von iy4 v. H. jährlich. Diese Be- Ulrftung erfährt eine Zunahme dadurch, daß Ke Zinsen des auf zwei Jahre laufenden Kredits halbjährlich im voraus zu entrich- Mm find. Das bedeutet auf den Rominal- Metrag von 500 Millionen einen Zuschlag Kn rund 0,30 v. H., sodaß sich eine effek- ■$oe Eesamtverzinsung von rund "1,30 v. H. ergibt.
Der lleberbrückungskredit ist damit formal abgeschlosien. Er beziffert sich auf 125 Millionen Dollar, gleich 500 Millionen Mark, wovon Amerika ungefähr zwei Drittel aufbringt, der Rest verteilt sich auf englische, holländische und f r a n - MSsische Banken, ferner übernehmen ie deutschen Großbanken unter Führung tei Deutschen Bank 10 Prozent der Summe.
Der Kredit wird aber erst praktisch, wenn der Finanzplan Brünings im Reichstag angenommen ist.
Der Einfluß des ausländifchen Kapitals mif die Politik der Reichsregierung ist (also ganz deutlich, wenn diese Zusammenhänge auch immer wieder abgestritten derben. Es mag übrigens daran er- mnert werden, daß diese neue Anleihe beim letzten Wahlkampf eine große Rolle gespielt hat und daß damals die Regie- ving sich mit großer Entrüstung gegen solche Pläne verwahrte. Die Besprechungen, die am Sonnabend zwischen Dr. Scholz und Dr. Brüning stattgefunden hoben, werden sich in erster Linie darauf ttstreckt haben, die entsprechende gesetzliche Grundlage für den im Finanzplan des fieichskabinetts vorgesehenen Ueberbrük- brngskredit mit der beschleunigten Schaf- lung eines Schuldentilaungsgesetzes für hie nächsten drei Haushaltsjahre zu sichern. Sn Reaierungskreisen hofft man offenbar dabei, daß es gelingt, zu einer Art Arbeitsgemeinschaft der hinter der Regierung stehenden Gruppen zu kommen.
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Ziel 5 Tage.
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Anzeiger für (das frühere kurheffifche) Oberheffen
Anzeigen der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburgs
Heute beginnt in Berlin die parlamentarische Hochsaison. Im Vordergründe des öffentlichen Znteresies steht der Beginn der Reichst a g.sb eratungen ,dem man mit Spannung entgegensieht. Die Reichstagssitzung ist für, 15 Uhr anberaumt und wird vom Alterspräsidenten Herold (Z.) geleitet. Sie dient lediglich der Feststellung der Beschlußfähigkeit, die durch Namensaufruf der Abgeordneten erfolgt. Es ist sehr zweifelhaft, ob diese erste Sitzung ruhig verlaufen wird. Die Nationalsozialisten haben angekündigt, daß sie in Braunhemden zur ersten Reichstagssitzung erscheinen werden. Die erste Aufgabe des neuen Reichstags ist die Wahl seiner neuer Präsidenten. Heber die Durchführung dieser Wahl wird man sich in einer Fraktionsführerbesprechung noch einmal unterhalten. Man spricht jetzt davon, daß die Wahl erst am Mittwoch vorgenommen werden soll.
Auch der Preußische Landtag tritt in dieser Woche wieder zusammen. Er hält seine erste Sitzung nach der Sommerpause am Dienstag, 13 Uhr, ab. Im Gegensatz zu sonstigen ersten Sitzungen sind hier sofort lebhafte Verhandlungen zu erwarten, da der kommunistische Mißtrauensantrag gegen das Staatsministerium und die Auflösungsanträge verschiedener Parteien zur Beratung stehen.
Ministerpräsident Braun über die politische Lage.
Im Zusammenhang mit der Aussprache, die Reichskanzler Dr. Brüning am Sonnabend mit dem preußischen Minister
W ^Oberhessische Zeitung" er- jetb«m«l wöchentlich. Be- ing«bkeie monatlich 22t0EM.au«- ^lietzl. Zusiellungsgcdühr, durch tzlt Post 2.45 GM. Für etwa durch Lireit Mafchmendefekt »der eie» gtntatt Ereignis»» au«f«l!ende jtamatetn wird kein Srfat xe» Ichstel. Verlag Dr. §. Hideroth. jftud der Univ.-Buchdruck erei 3^. Au«. Koch, Markt 21/23. «ter«sb"cher: Nr- 54. u. SRt. 55 Postscheckkonto: Amt Frankfurt Rr. 5015. — Svrechzeit w Redaktion von 10—11 und
*1,1—1 Uhr.
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In politischen Kreisen sieht man der heutigen Eröffnung des Reichstags mit einiger Spannung entgegen. Auf der Tagesordnung steht nur die Konstituierung, aber noch keine politische Beratung. Trotzdem kann die Sitzung recht dramatisch werden. Die an sich schon vorhandene politische Spannung wird auch durch den Konflikt in der Metallindustrie noch verschärft.
Die kommende Woche wird für die Politik der nächsten Zeit von entscheidender Bedeutung sein. Nachdem auch die Deutschnationalen die Einbringung eines Mih- trauensvotums beschlossen haben, wird man im ganzen mit drei Mißtrauensvoten rechnen müssen, nämlich auch noch mit denen der Nationalsozialisten und der Kommunisten. Der deutschnationale Antrag enthält keine Motivierung, k>a die Deutsch- nationalen verhindern wollen, daß er unter Hinweis auf eine Begründung abgelehnt wird. Dennoch rechnet man in parlamentarischen Kreisen damit, daß die Mißtrauensvoten gegen das Ges amt- kabinett keine Mehrheit finden. Als kritischer Beurteilt man die Möglichkeit, daß auch Mihtrauensanträge gegen einzelne Minister eingehen.
Die Reichstagsfraktion der Deutschen Dolkspartei wird nach der heutigen Vollsitzung des Reichstags wieder $u*. sammentreten. Dr. Scholz hat inzwischen mit dem benachbarten Gruppen Fühlung genommen. Er dürfte dabei festgestellt haben, daß die Volkskonservativen und die Christlich-sozialen dem Sanierungsprogramm zustimmen, während das Landvolk es ablehnt und die Wirtschaftspartei noch keinen festen Standpunkt erkennen läßt. Im ganzen ist die Stimmung in der Fraktion der DeutschenDolksparter 'gegenüber dem Sanierungsprogramm positiv. Der am Freitag eingesetzte Ausschuß dürfte der Fraktion heute ebenfalls in diesem Sinne über seine Arbeiten berichten. Er wird allerdings beantragen, daß dem Kanzler noch eine Reihe von Fragen vorgelegt werden, die sich namentlich darauf beziehen, wie das Kabinett sich die Lösung des Problems des Lohnabbaues im Rahmen der Preissenkungsaktion denkt, mit welchen Maßnahmen es ferner die Reform der Arbeitslosenversicherung durchführen will und wie die Senkung der Ausgaben bei den Ländern und Gemeinden erreicht werden soll. Dazu kommt noch eine Reihe anderer Fragen und Vorschläge. Von ihrer Beantwortung und dem Inhalt der Regierungserklärung wird die Deutsche Vollspartei ihre Stellungnahme abhängig machen, so daß für heute noch keine Entscheidung der Fraktion erwartet wird.
Von besonderem Interesse ist natürlich auch die Haltung der Sozialdemokratie. Wie uns
Präsidenten Braun über die politische Lage hatte, ist ein Artikel von besonderem Interesse, den Ministerpräsident Braun in SonntagsansgabK^lM^ ,Z. o tz
w ä r r s* veröffentlicht. Darin heißt es u. a.: Die augenblickliche Lage fei verworren und sehr ernst. Millionen deutscher Volksgenossen hätten ihre Stimmen einer Partei gegeben, die für eine ernsthafte verantwortliche Politik überhaupt nicht in Frage komme. Die deutsche Sozialdemokratie habe heute, nachdem die für den demokratischen Gedanken reifen Kreise des Bürgertums mehr und mehr zusammengeschmolzen seien, die historische Aufgabe, mit Einsatz aller ihrer Kräfte die deutsche Republik vor dem Absturz in faschistische Diktaturzustände zu schützen und inmitten eines in Gärung befindlichen Europa als festesten Stützpunkt aller sozialen Demokratien auszubauen. „Um zu diesem Endzweck zu kommen", heißt es in dem Artikel dann weiter, „müssen wir heute und morgen die Zähne zusammenbeißen, müssen in voller Erkenntnis der aus dem Mitbestimmungsrecht stammenden Mitverantwortung auch den Mut haben,
einmal eine Politik zu treibe«, die nicht populär ist
und nicht so verlockend wie die Wünschet b»r Ma»lbelden. Eine Politik, die dafür aber allein die Aufrechterhaltung verfassungsmäßiger Zustände und unserer schwer genug errungenen und für den Aufstieg der Arbeiterklasse unentbehrlichen Demokratie gewährleistet!... Wir zwin-
!Fortsetzung sieh« Veite L)
Die neuen Eoldausgaben der Reichsbank, 4 stie allein am Freitag sich auf 53 Mil
lionen Mark beliefen, von denen 35 Mil- wnen Mark wieder nach Frankreich und 18 Millionen nach Holland gingen, lassen
Ser Einfluß der Kreditgeber
Mes Seid und »Msche AbWMell - Mammmlritt des Reichstags — Bram kündet die l Mitarbeit der S.R.I. an
Dllterspräsident Herold.
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Führer des Reichs und des Reichstages begeben sich in den-Reichstag:
Reichsarbeitsminister Reichsernäbrungsminister Goebbels. Hugenberg. Reichskanzler a.D. Müller,
Etegerwald. Schiele.
Reichskanzler Brüning,