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gjj, Rr. 5C16. Svrech-eit Redaktion von 1011 und

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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

JeutWand kann nicht Wahlen ^chgchi spricht vor »em Rew-Aerker Nvnd-SIub Die RevWn ist nut eine Frage ter Zett

Newyork, 10. Oft. Der frühere xeichsbankpräsident Dr. Schacht nahm aestern an einem Essen teil, daß der New- vorker Bond-Club ihm zu Ehren veran­staltete. Hebet 500 Personen aus führen­den Banlkreisen waren erschienen, darun­ter von internationalen Konferenzen her bekannte Persönlichkeiten wie L ey - olbs und Lammond, ferner der Gouverneur Harrison und der Präsi­dent Case von der Newyorker Federal Reserve Bank. Dr. Schacht führte u. a. aus: Er sei diesmal als Privatmann nach Amerika gekommen, um seine freie Zeit zu einer ausgedehnteren Studienreise zu benutzen. Gerne sei er, obwohl Privat­mann, der Einladung gefolgt, um auf Wunsch seiner amerikanischen Freunde

seine Ansicht über die augenblickliche Lage Deutschlands

uuszusprechen. Er habe leider feststellen müssen, daß in Amerika im Augenblick ein unbehagliches Gefühl angesichts der deutschen Zustände herrsche. Wer die ge­radezu übermenschliche Geduld des deut­schen Volkes gegenüber aller Wirtschaftle­rn Not und außenpolitischen Bedrängnis ickiektiv beobachte, könne unmöglich über­rascht davon sein, daß ein so rechtschaffe­nes Volk wie das deutsche seiner Empo- mng Ausdruck gebe. Daß dies nicht durch Gewalttaten, sondern durch Stimmzettel geschehen sei, sei nur ein neuer Beweis dafür, daß das deutsche Volk das ord­nungsliebendste der Welt sei. Diejenige deutschen Zeitungen, die falsche Nachrich­ten über eilte bevorstehende Revolution in Deutschland berichteten, begingen ein Ver­brechen an der Welt.

6g ginge in Deutschland lediglich darum, ob das deutsche Volk genü­gend Beschäftigung finde« könne, um am Leben zu bleiben.

Noch sei die wirtschaftliche Potenz Deutschlands unerschüttert, aber die Re­serven seien teils durch falsche Finanz- politk, teils durch die Reparationen auf­gebraucht die nicht aus dem Ileberschuß der Wirtschaft, sondern durch Aufnahme neuer Kredite geleistet worden seien. Im kommenden Winter müsse Deutschland auf eine Arbeitslosenzahl von üb er vier Millionen Menschen gefaßt sein, ohne dabei auf irgend welche Finanz­reserven zurückgreifen zu können.

Die Wahrheit sei nach seiner festen persönlichen Ueberzeugung, daß Deutschland aus eigener Kraft die

|' Annuitäten des Youngplans nicht werde zahlen können.

Ls müßte auf Kosten der übrigen Länder sonst seinen Außenhandel fast um die Hälfte steigern. Er glaube nicht, daß die übrigen Volker gewillt seien, Deutschland die Zahlung der Annuitäten dadurch zu ermöglichen, daß sie zu solcher Steigerung des deutschen Warenexportes aus eigenen Kosten beitrügen.

Es könne deshalb nur eine Frage der Zeit fein, wann das Reparations­problem erneut zur interuationalen Diskussion stehe.

Er könne sich unter keinen Ilmständen vorstellen, daß irgend eine Macht der Welt in der Lage oder auch nur geneigt sei, Deutschlands politischen Schuldverpflich­tungen einen Vorrang vor privaten Schuldverpflichtungen zu verschaffen. Eine Negierung, die etwas derartiges versuchte, würde selbst jeden Kredit in der Welt verlieren.

Wie auch immer das Schicksal der Reparationen sein möge, Deutschland werde keine« seiner ausländischen

Geldgeber jemals enttäuschen. Darin | sei auch die Pounganleihe miteinbe­griffen, unbeschadet ihres politischen

Ursprungs.

Die moralische Kreditwürdigkeit des deutschen Unternehmertums sei unverän­dert. Der deutsche Kaufmann, der Indu­strielle, der Landwirt, würden keine Schuldverpflichtungen übernehmen, wenn sie nicht der ehrlichen Ansicht seien, Zinsen und Amortisation aus der Produktion herauswirtschaften zu können. Was aber den Kredit für öffentliche Körperschaften betreffe, so machten heute weite Kreise in Deutschland sich die Kritik zu eigen, die er vom ersten Tage seiner Amtsführung an der öffentlichen Finanzgebahrung geübt habe.

Die Forderung nach Beseitigung der sozialistischen Verschwendungswirt­schaft und nach finanzieller Ordnnng sei das Hauptproblem des Augen­blicks.

Dr. Schacht fuhr fort: Sie werden mich fragen, ob die Regierung stark genug sein wird, eine solche Politik der finanziellen

Die Nationalsozialisten haben, wie der Völkische Beobachter" berichtet, beschlos­sen, einen Mißtrauensantrag gegen das Kabinett Dr. Brüning einzureichen. Dr. Frick hat als Fraktionsvorsitzender von der Parteileitung schon die entsprechende Wei­sung erhalten.

Zn sehr gut unterrichteten Kreisen der Reichsregierung verlautet, daß der Reichs­präsiden entschlossen ist, künftig kein Kabinett ohne Treviranus und Schiele zu berufen. Znwieweit diese Information den praktischen Realitäten im gegebenen Falle Rechnung zu tragen vermag, bleibt abzuwarten.

Angriffe Gtotn Curtius

DieKonservative Korre­spondenz" schreibt zu der amtlichen Mitteilung über die Sitzung des Reichs­kabinetts am Mittwoch, in der Dr. C u r - ti u s Bericht erstattete, u. a. Folgendes: Das offizielle Kommunique bedarf inso­fern einer Richtigstellung, als es sich hier­bei nicht um, wie das Kommunique be­sagt eine vollinhaltliche Billigung der von' Curtius geführten Verhandlungen handelt. Vielmehr hat der Reichskanzler lediglich dem Minister für seine Arbeit in Genf seinen Dank ausgesprochen. Cur- ttus hat in Genf in den wesentlichen Fra­gen der Abrüstung, weiter in der Frage der Anschneidung der Revision unserer gesamten Außenpolitik nichts erreicht. Demgegenüber treten die spärlichen Er­folge, die er in der Memelländisch/n und auch in der Saarfrage angeblich erreicht hat, vollkommen zurück. Wir sind nach wie vor der Ueberzeugung, daß auf dem Posten des Außenministers nicht ein nur verwaltungstechnisch begabter Epigone des Herrn Stresemann gehört, sondern ein Mann, der die außenpolitische Si­tuation Deutschlands, die schon ohne unser Zutun an Chancen reicher geworden ist, zu meistern versteht.

Ordnung durchzuführen. Ich erwidere darauf, daß uns auch hier das Ausland durch eine gerechtere Behandlung unserer nationalen und moralischen Forderungen helfen könnte. Das deutsche Volk ist tm ganzen genommen viel zu ordnungslie­bend, fleißig und ehrenhaft, als daß es den Geist der Unordnung oder den Bol­schewismus zur Herrschaft gelangen lassen wird.

Aber auch hinsichtlich der Repara- tivnsabmachungen wird Dentschland im Rahmen der abgeschlossenen Ver­träge bleiben. Der Youngplan sieht eine ökonomische Abwickelnng des Re­parationsproblems vor. Er enthält aber auch alle Möglichkeiten einer Neuanpassung, wenn die Unmöglich­keit einer exakten Durchführung sich

In der demokratischen Presie wird be= richtet, daß die Deutsche Volkspartei sich in der heutigen Sitzung ihrer Reichstags­fraktion mit der Frage betätigen werde, ob sie Dr. Curtius weiter im Kabinett belasse« wollen oder nicht. Angeblich will die Mehrheit der Fraktion einen Vorstoß unternehmen, um ihren Minister zuruck- zpziehen. Es sei allerdings fraglich, ob Dr Curtius sich sein Handeln varschrer- ben lassen und nicht lieber auf seine Zu­gehörigkeit zur Fraktion verzichten werde. Wie wir hierzu von unterrichteter Sette erfahren ist in einem Teil der Fraktion zweifellos eine gewisse Strömung vorhan­den, die den Rücktritt von Dr. Curtius wünscht Es ist aber nicht anzunehmen, daß dieser Standpunkt von der Mehrheit geteilt wird. Die Strömung richtet sich auch nicht so sehr gegen Dr. Curtius per­sönlich, sie geht vielmehr auf das Bestre­ben zurück, die Deutsche Volkspartei von der Regierung zu distanzieren, wie es tn der letzten Entschließung der Fraktion zum Ausdruck kam. In führenden Kreisen der Deutschen Volkspartei rechnet man je= denfalls damit, daß es der Fraktionsfuh- rung heute gelingen wird, irgend welche übereilten Beschlüsse zu verhindern.

Man glaubt, daß der Reichstag nur etwa 10 bis 12 Tage zusammen sein wird. Am 13. Oktober wird nur der Namens­aufruf erfolgen, am 14. Oktober soll das Präsidium gewählt werden, und am lo. Oktober wird dann sofort das Regierungs­programm in Verbindung mit den Miß­trauensanträgen der Kommunisten und der Nationalsozialisten zur Beratung ge­stellt. Es dürfte nunmehr ziemlicher sicher sein, daß die Sozialdemokratie die Anträge auf Aufhebung der Notverordnungen ablehnt, ebenso die Mißtrauensanträge der Oppo­sitionsparteien. Zn diesem Fall wäre der Reichsregierung die Möglichkeit gegeben, ihr Programm unmittelbar in die Tat umzujetzen

ergebe« sollte.

Süßen« trotzdem eine psychologische Beun­ruhigung über das Reparationsproblem in der Welt herrscht, so aus dem Grunde, weil die Polittk dasself liquidattng scheme" des Youngplans im Haag mit Sanktionen bepackt hat.

Vor -em Kampf im Reichstag Mtramuswtum ter RuttoimWlMttu - Sein Snbinetf ohne Aeviraims und Schiele ?

Sngcefoitgel

Die deutschen Vorstellungen in Kowno in der Memelfrage haben den ge­wünschten Erfolg nicht gehabt. Wie nun­mehr an zuständiger Stelle zugegeben wird, hat Litauen die in Genf eingegangenen Verpflichtungen, obwohl die Wahlen zum memelländischen ßanbtag bereits am 10. Oktober stattfinden, nicht eingehalten. Nur die Wahlkreiskommission ist im letzter Stunde noch umgebildet worden, während die Pressezensur nach wie vor weiter­besteht. Die Lttauer erklären zwar, daß es sich bet den in der memelländischen Presse gesttichenen Artikeln nicht um solche handele, die die Wahlen betreffen. Doch ist das eine glatte Anwahrheit, und der Beweis, daß die litauische Regierung in dieser Hinsicht ihr Versprechen nicht ge­halten hat, kann jederzeit erbracht werden. In der Frage der Ambildung des Landes- direktvriums sind lediglich neue Versprech­ungen gemacht worden, von denen es aber fraglich erscheint, ob sie eingehalten wer­den. Der zurückgetretene Außenminister Zaun ins, der provisorisch sein Amt weiterfühtt, hat der Reichsregierung er- flärt, daß die größten Anstrengungen ge­macht würde, um noch in letzter Stunde den in Genf eingegangenen Verpflich­tungen nachzukommen. Nach einer Erklä­rung des Gouverneurs des Memelgebiets, Merkhs, sollen die beiden den memelländi­schen Mehrheitsparteien angehörenden Landesdirektoren doch am Donnerstag er­nannt werden. Man wird abwarten müs­sen, ob der Gouverneur sein Versprechen tatsächlich einhalt.

Der Rücktritt des litauischen Außen­ministers Zaunius hat in deutschen politi­schen Kreisen keineswegs überrascht. Sein Rückttttt ändert jedoch nichts an der Tat­sache der deutsch-litauischen Vereinba­rungen. Jedenfalls besteht gar kein Zwei­fel daran, daß die litauische Regierung Dr. Zaunius bevollmächttgt hat, die Memel- tiereinbarungen mit Dr. Curtius abzu- schliehen. Anter diesen Amständen wird man erwarten müssen, daß sich die Reichs­regierung zu energischerem Vorgehen ge­genüber der litauischen Regierung ent­schließt und Genugtuung für den litauischen Wortbruch fordett.

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Frankreich besitzt eine bewunderns­werte Geschicklichkeit, sich durch seine Geld- polittk Polittsche Freunde zu besorgen. Das berühmte Beispiel vor dem Kriege: die Kredite an Rußland. Sie gingen zwar verloren. Auhenpolittsch und militärisch aber haben sie sich glänzend rentiert. Oesterre ich ist ein Land, das heute vor allen anderen geldbedürftig ist. Glück- licherweife hat sich die deutsche Wirt­schaft schon einen gewissen Einfluß tn Oesterreich zu sichern gewußt. Frank­reich aber späht nicht minder nach Mög­lichkeiten der Kapitalbeteiligung aus. Französisches Kapital rollt in zunehmen­dem Maße nach Wien. Der stärkste Stutz- puntt für das französische Kapital in Oesterreich ist die Zentraleuropäische Län­derbank mtt ihrem Kapital von 100 Milli­onen Francs. Durch die Länderbank wird ein ansehnlicher Teil bedeutender Indu- fttiewerke kontrolliett, beispielsweise die Perlmovser Zementfabriks-A.-G., das größte Unternehmen dieser Art in Oester­reich. Rein französisches Kapital weist un­ter anderem auf die Wat, die Wiener Automobil-Tazameter-A.-G., Oesterreichs größtes Mietsautounternehmen. Die Zahl der französischen Minderheitsbeteiligungen ist unendlich groß.

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In Regierungskreisen mehren sich die Stimmen, die eine endgültige Erledigung der während des Berliner Metall- arbeiterkonfliktes hervvrgetretenen Streitfragen verschoben sehen möchten. Man verttitt die Auffassung, daß die Fragen der Lohnsenkung und der Arbeits­zeitkürzung für ganz Deutschland Bedeu­tung haben und nicht jetzt in Bezug auf den Berliner Einzelfall allein beantwortet