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Er Sirdaklion von 10—11 und 1,1—1 Ubt
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Lanreszetlung
ÄbechMsche Zeitung
Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Ls beginnt mit einer AnWe
RM EkWlmr der WMbmden Schuld - Nie Brivrechimgen mit den BarteisMm Hoffnungen auf die S. SB. I.
Zn politischen Kreisen verlautet, daß de, lleberbrückungkredit zur Abdeckung der schwebenden Schuld rund 500 Millionen betragen soll. Für die Verzinsung und Emission des Kredites, de, eine zwei- bis dreijährige Laufzeit haben soll, werden die Bestimmungen der younganleihe maßgebend sein, die bei 5y3 Prozent nomineller Verzinsung eine Effektivverzinsung von etwa 7 Prozent durch ihren niedrigen Emissionskurs erhielt.
Bon den restlichen 760 Millionen Mark schwebender Schuld werden rund 400 Millionen durch Reichsschatzwechsel aufgebracht, der Rest durch weitere Znlandskre- dite. Die Abdeckung der gesamte« Schuld soll vom 1. April nächsten Jahres an in Monatsraten von 35 Millionen Mark vor- genommeu werde», wobei zunächst die kurzfristigen Jnnenkredite herankommen dürfte».
Zn der Begründung des großen Finanzprogramms wird erklärt, datz die Periode der Kapitaleinfuhr abgelaufen ist und an ihre Stelle die Kapitalausfuhr mit hohen Zinsen und Kapitalmangel als Folge getreten ist. Die Statistik beweist das Gegenteil. Unsere Aufnahme von Ausländsanleihen hat sich jeweils in den ersten neun Monaten (Januar-September) folgendermatzen entwickelt:
1925 •.....731,7 Mill. RM.
1926 ..... 1289,3 Mill. RM.
1927 . . . : 940,8 Mill. RM.
1928 . . . □ . 1252,8 Mill. RM.
1929 ..... 295,0 Mill. RM.
1930 ..... 2193,5 Mill. RM.
Wir haben also in diesem Jahre eine Rekordhöhe der Kapitaleinfuhr zu verzeichnen.
*
Reichskanzler Dr. Brüning empfing rm Laufe des gestrigen Vormittags zunächst die Vertreter der Reichspartei des Deutschen Mittelstandes, Reichsminister Dr. Siebt und Reichstagsabgeordneter Drewi tz. Dem folgte eine Unterredung mit den Vorsitzenden der sozialdemokrati- >chen Partei, Reichstagsabg. Wels und Müller. Anschlietzend daran empfing der Reichskanzler im Beisein des Reichs- nnnisters Schiele die Abg. Graf Westarp und von Lindeiner-Wildau. Alle diese Besprechungen dienten der näheren Unterrichtung über den Wirt- Ichafts- und Finanzplan der Reichsregierung und der Aussprache über die poli- tifche Lage.
Der Reichskanzler hat gestern nachmittag seine Besprechungen mit den Vertre- rern der Parteien fortgesetzt, und zwar empfing er zunächst Dr. E e r e k e und Doebriek für die Landvolkpartei, dann für die Staatspartei Dr. August Weber und Staatssekretär a. D. Oskar Meyer.
urerden sich die Besprechungen mit T": Schatz und voraussichtlich auch schon mit Geheimrat Hugenbera und Dr. 9,r l.“ anschließen. Soweit sich bis jetzt uberfehen lägt, verweisen die Parteiführer darauf, datz sie natürlich ihre Fraktionen er rag en mutzten, die fast alle in den näch- zusammentreten, sodatz sich bis
Agmn des Reichstages am übernächsten Montag ern Ueberblick über die Hal- rung der Parteien gewinnen lasten wird. ÄS miet hat, wie von ihm nahe-
'i Seite mktgeteilt wird, nicht die
Absicht, die Dinge allzulange hinzuziehen, zumal es in der Natur des Sanierungs- Programmes liegt, datz sobald wie möglich Klarheit geschaffen werden mutz. Das ist auch deshalb notwendig, weil sicher damit gerechnet werden wird, datz die Kommunisten gleich in der ersten Sitzung des Reichstages ein Mitztrauensvotum ein- bringen, über das geschäftsordnungsmätzig am folgenden Tage beraten bezw. abgestimmt werden müßte.
I» politische» Kreise» glaubt man nicht, daß die Sozialdemokraten ein solches Mißtrauensvotum unterstützen würden,
rechnet vielmehr mit der Möglichkeit der Annahme eines Gegenantrages, über alle
anderen Anträge zur Tagesordnung übsr- zugehen. Ueber diesen Antrag würde, da er der weitest gehende wäre, zuerst abgestimmt, und damit könnte das Mitztrauensvotum erledigt werden. Man glaubt auch nicht, datz ein Antrag, die Notverordnung aufzuheben, dem Kabinett ernsthafte Schwierigkeiten machen könnte, da die Stimmung in sozialdemokratischen Kreisen keineswegs für die Aufhebung ist. Man hofft ferner, daß die Sozialdemokraten dem Kabinett die Ermächtigung für . den lleberbrük- kungskredit nicht verweigern werden, die es gleich zu Beginn der Reichstagsarbeiten verlangen wird. Die Kritik der Sozialdemokraten richtet sich in erster Linie gegen andere Dinge, namentlich
Zusammenstöße mit Boeß et mW feinen AWtet ein
Berlin, 2. Ott. Der Untersuchungsausschuß des Preußischen Landtages gegen die „Mißwirtschaft in der Berliner Stadtverwaltung" vernahm am Donnerstag nochmals den Oberbürgermeister Boeß über das Zustandekommen und die Ausgaben aus den Wohlfahrts- und anderen Sonderfonds. Boeß, in sichtlich erregter Stimmung, gab mehrere Male so heftige Antworten, daß es zu
lärmende« Zusammenstöße«
zwischen ihm und den Regierungsparteien einerseits und den Deutschnationalen andererseits kam. Er bestritt, daß auch nur in einem einzigen Falle einer Lieferfirma mitgeteilt sei, ne würde Aufträge erhalten, wenn sie Spenden gebe, und bezeichnete es als schändlich, datz entgegengesetzte Behauptungen verbreitet würden, die die Stadt und ihn selbst in der niedrigsten Weise beschimpften.
Als der Berichterstatter K ö n n e ck e (Dntl.) ihm vorwarf, er hätte in einer Vollmacht unberechtigterweise über diese Fonds zu seinen und zugunsten seiner Erben verfügen wollen, rief Boeß: „Eine größere Schande ist noch nicht vorgekommen. Man hat einfach nicht beachtet, datz diese angebliche Vollmacht nur bankmätzig formalen Charakter trug und außerdem irrtümlich mit dem Fonds in Verbindung gebracht wurde. Daran, datz ich in diesem Falle diffamiert wurde, haben Sie (zum Berichterstatter) die Schuld." Während die Linksparteien zu dieser Auffassung ihre Zustimmung bekundeten, machten die Deutschnationalen stürmische Zwischenrufe gegen Boeß.
Abg. Hilger (Dntl) rief:
„Am Pelz find Sie aber schuld!-
Könnecke selbst erklärte, er bedauere, daß er als Berichterstatter nicht in der Lage sei, Boeß
die Antwort zu geben, die sein Temperament ihm eingebe.
Zu den von ihm aus den verschiedenen Fonds gewährten Unterstützungen an Arme und Unterstützungsbedürftige erklärte Boeß, er würde jederzeit freudig diese Sammlungstätigkeit wieder durchführen. Er empfahl dem Ausschuß, sich beim Deutschen Offiziersverein, beim Vorsitzenden der deutschnationalen Stadtverordnetenfraktion und auch bei den Kommunisten dahin zu informieren, daß er seine Unterstützungssache stets ohne Ansehen der Partei betrieben habe.
Der Direktor der Aschinger A.E., Kommerzienrat Lohnert, bekundete,
beim Ankauf des Aschinger-Erundstückes am Alexanderplatz hätten vier Schlichter, darunter der damalige wirtschaftsparteiliche Stadtrat Busch und der sozialdemokratische Abg. Heilman« je 20 000 Jl (!) Schlichtergebühren erhalten.
In der sich anschließenden vertraulichen Sitzung beantragte Dr. Er atz (Zentr.), den Untersuchungsausschuß aufzulösen, weil er seine wesentlichen Arbeitsgebiete nun erledigt hätte. Es ist anzunehmen, daß nach den erforderlichen Schlußsitzungen mit Plädoyers und Anträgen der Auflösungsantrag Annahme finden wird. Nächste Sitzung 13. Oktober.
Boeß bittet um Pensionierung.
Berlin, 2. Okt. Oberbürgermeister Boeß hat, wie das Berliner städtische Nachrichtenamt mitteilt, wegen Dienstunfähigkeit seine Versetzung in den Ruhestand zum 1. November beantragt. Falls diesem Antrag entsprochen wird, wird Oberbürgermeister Boeß nur noch bis zum 31. Oktober 1930 Gehalt, von da ab Ruhegehalt (rund 29 500 M} beziehen.
gegen die sozialen Punkte des Sanierungsprogramms, so z. B. gegen die Maßnahmen, die auf dem Gebiet der Wohnungswirtschaft geplant find. Der heutigen Sitzung der sozialdemokratischen Fraktion sieht man in politischen Kreisen mit -begreiflichem Interesse entgegen.
Inzwischen hat die Reichsregierung die Arbeiten am nächstjährigen Etat, der ja die meisten Aufgaben des Sparprogramms in sich schließt, so weit gefördert, daß er bereits Mitte dieses Monats an den Reichsrat gehen wird und dann in der ersten Hälfte des Novembers den Reichstag beschäftigen kann. Im Ganzen muß man feststellen, daß die Aussichten der parlamentarischen Erledigung in den letzten 24 Stunden eher optimistischer beurteilt
werden. Wie weit dieser Optimismus recht behält, mutz man abwarten.
Im Anschluß an die Besprechung der sozialdemokratischen Führer Wels und Müller mit dem Reichskanzler hielt der Vorstand der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion eine Sitzung ab, in der über die rein informatorische Besprechung beim Reichskanzler Bericht erstattet wurde. Die Vorstandssitzung diente im übrigen der Vorbereitung der am Freitag stattfindenden Fraktionssitzung. Inzwischen ist auch die deutschnationale Reichstagsfraktion zu ihrer ersten Sitzung einberufen worden, und zwar für de" 13. Oktober, dem Tage des Zusammentritts des Reichstages, 10 Uhr vormittags.
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Reichskanzler Dr. Brüning hat nun* mehr die offiziellen Besprechungen mit den Führern der einzelnen Parteien begonnen. Bereits am Donnerstag empfing der Reichskanzler den Führer der Wirtschafts-! Partei Drewitz, um ihn über die Stel- lungnahme feiner Partei zum Regierungs- Programm zu befragen. Wie zu erfahren ist, hat der Abgeordnete Drewitz eine bindende Erklärung noch nicht abgegeben, da die Fraktion sich über ihre Haltung zum Finanzprogramm noch nicht einig geworden ist. Immerhin ist in dieser Aussprache von der Seite des Wirtschaftsparteilers der Wunsch ausgedrüctt worden, die kommende Regierungskoalition nach rechts zu erweitern. Auch in der Besprechung Dr. Brünings mit Minister Schiele und dem Grafen Westarp als Führer des Landvolks und der Dolkskonserva- tiven Partei sollen ähnliche Wünsche geäußert worden sein. Die Führer der sozialdemokratischen Fraktion sind vom Reichskanzler schon am Donnerstag deshalb empfangen worden, weil die sozialdemokratische Reichstagsfrattion für den Freitag ihre erste Sitzung festgesetzt hat. Auch in dieser Besprechung sind irgend-- welche bindenden Erklärungen nicht abgegeben worden. Mit großer Spannung sieht man der Aussprache des Reichskanzlers mit den Deutschnationalen und besonders mit den Rationalsozialisten entgegen. Die Tatsache, daß Dr. Goebbels nicht zum Fraktionsführer gewählt wurde und die Leitung der Fraktion weiterhin dem thüringischen Minister Dr. Frick verbleibt, bewertet man in politischen Kreisen Berlins als einen Beweis dafür, daß die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei aus ihrer Koalitionsbereitschaft feinen Hehl machen will. Diese Annahme gewinnt dadurch eine weitere Stütze, daß zu der Besprechung mit dem Reichskanzler auch der Reichstagsabgeordnete Frank, der Rechtsanwalt Hitlers, hinzugezogen wird. Frank hat sich im Verlauf des Reichswehrprozesses sehr für die Legalität der politischen Ziele der Nationalsozialisten . eingesetzt. Es ist also damit zu rechnen, daß Hitler mit dem Vorschlag hervortreten wird, einen ähnlichen Regierungsblock zu bilden, wie er bereits in Thüringen und auch in Braunschweig besteht.
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Der Berliner Korrespondent des „Journal" beschäftigt sich mit deutschen Anleiheplänen und schreibt: Reichsbankpräsident Dr. Luther soll beabsichtigen, eine Reise nach Frankreich zu unternehmen, um mit dem.neuen Gouverneur der Bank von Frankreich Moret Fühlung zu nehmen und zwar zu einem noch nicht präzisierten Zweck, der sich aber leicht erraten läßt, wenn man daran denkt, daß die Deutschen bald ein stärkeres Geldbedürfnis haben werden. Es handelt sich um einen Kredit von 1,2 Milliarden Mark, der in mehreren aufeinander folgenden Tranchen in Neuhork, London und Paris mobilisiert und es der Reichsregierung erlauben würde, die Auswirkungen der neuen Steuerreform abzuwarten. Auch der Berliner Korrespondent des „Petit P a r i s i e n" spricht von solchen Anleiheplänen und schreibt, man habe diese Pläne gegenwärtig einem deutschen Dankenkon- sortium unterbreitet und man behaupte, daß auch der Zündholztrust Kreuzer an der Operation teilnehmen werde. Man spreche von einem Kredit auf zwei Jahre, den ein amerikanisch-deutsches Danken- konsortium unter Führung einer großen Neuhorker Bank gewähren solle.
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Wie die „Dresdner Nachrichten erfahren, haben die Demokraten die Einladung der Wirtschaftspartei zu Besprechungen über die Bildung einer Rechtsregierung abgelehnt. Das Blatt bemerkt dazu: „Mit diesem Beschluß treten die sächsischen Demokraten wieder einmal auf der Stelle. Sie haben