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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
„Reue Kräfte an -er Arbeit"
Ein Mit« Artikel Bert AMmeres über Wer - Die Aniiebnnn, gegen die zwangstmke der»ettrSge
Zn einem zweiten Artikel über Hitler setzt Lord Rothermere die Gründe auseinander, die ihn dazu bewegten, die Wahrheit über die letzte Entwicklungsstufe einer der größten Wendungen in Europa wiederzugeben. Altmodische Politiker und Presseleute hätten noch nicht verstanden, daß neue mächtige Kräfte in Europa an der Arbeit seien und daß die Zukunft Englands davon abhänge, dies richtig zu verstehen. Er habe die alliierten Staatsleute dringend darauf aufmerksam gemacht, die Tatsache anzuerkennen, daß die jungen Deutschen, die seit der Unterzeichnung des Friedensvertrages zu Männern und Frauen aufgewachsen seien, sich nicht den Bedingungen unterwerfen werden, die sie als unrecht und unerträglich a n s e h e n. Die Hitlerbewegung habe sich bereits im Staate Thüringen bewährt. Trotzdem seien die Auslegungen über die Vorgänge in Deutschland durch einen voreingenommenen Teil der Presse in anderen Ländern so falsch gewesen, daß eine vollständig unnötige Panik an den Börsen der Welt entstanden sei. Wer seien denn diese Leute, so fragt Lord Rothermere. hi<> ein» natürliche und unvermeidliche Entwicklung der politischen Lage zu Panikverkäufen benutzten? Es seien die verblendeten Politiker und Zeitungsschreiber, die seit 12 Jahren den unvermeidlichen Fortschritt der Ereignisie nicht anerkennen wollten. Sie verstopften die Sicherheitsventile Europas, und niemand werde mehr erschreckt und hilfloser sein als sie, sobald sich die unvermeidliche Explosion ereigne. Rothermere schlägt Hitler vor, aus seinem Programm den Antisemitismus zu streichen. Jede Verfolgung fei ein törichtes Ueberbleibsel mittelalterlicher Vorurteile. Er müsse allerdings zugeben, daß die jüdische Rasse seit dem Kriege auffallend wenig politisches Verständnis gezeigt habe. Man müsse auch an die Tatsache erinnern, daß die Führerschaft des bolschewistischen F e l d z u g e s gegen die Zivilisation und die Religion fast ausschließlich in jüdischen Händen liege und dem Ansehen der Rasse in allen Ländern unberechenbaren Schaden zufüge. Wie sich ein tüchtiger Direktor einer Gesellschaft dauernd den wechselnden Bedingungen anvassen muß, so müsse man auch den Tatsachen ins Auge sehen, daß eine meue Kraft der Jugend in Europa am Werke sei, die sich weigere, ihre wachsen- ^n Knochen ■ und ihre Seele durch die Zwangsjacke verkümmern zu lassen, die ihr eine ältere Generation angelegt habe. Der „W'Me Beobachter" aum
Reglerungsprogramm
3um Finanzprogramm der Reichsregierung schreibt der „Völkische Beobachter" u. a.: „Was wir hier als Sa- nrerungsprogramm vorserviert erhalten, ist eine furchtbare Volksbelastung, derart furchtbar, daß endlich wohl auch den locarnotollsten Wählern Hören und Sehen vergehen wird. Auch die deutschen Beamten können jetzt gemeinsam mit allem Volk zusehen, daß die Börse und die Großbanken ebenso wie Eroßwarenhäuser ungeschoren davonkommen, die schaffende Nation aber die Folgen der zwölfjährigen verbrecherischen Politik zu tragen hat. Be- grugen wir allerdings die Gehaltskürzung des Reichspräsidenten, der Minister und der Diäten der Abgeordneten. Während der yanzen Zahle ist es weder den Marxisten, noch den Bürgern eingefallen, hier etwas vorzunehmen. Erst als die RL^-AP. sich als die Stimme des gequälten Volkes meldete und Abbau von oben forderte und als schließlich der 14. Sep
tember zeigte, was die Glocke geschlagen hatte, da bequemten sich endlich die Herren, auch bei sich etwas zu kürzen". Schließlich kommt das Blatt zu dem Ergebnis, daß das Programm der Brüning- Nichtregierung untragbar sei, denn es tue nichts anderes, als die Young- Sklaverei zu stabilisieren und es fordere vom deutschen Volk die Anerkennung, ein versklavtes Volk zu sein und es bleiben zu wollen.
Bereits Vorschüsse auf den Ivv-Millionen- Dollar-Kredit.
Wie wir erfahren, find die Verhandlungen mit Wallstreet über die Aufnahme eines Ivv-Millionen-Dollar-Kredits, die in aller Heimlichkeit schon vor Woche« an
gebahnt wurden, so gut wie abgeschlosse«. Dex Reichsfinanzminister hat unseren Z«- formationen nach bereits Vorschüsse auf diese« Kredit genommen. Bei diesen Kreditverhandlungen hat das Sanierungsprogramm der Reichsregierung, das de« in Frage kommenden Banke« vor der Veröffentlichung wenigstens andeutungsweise schon bekannt war, eine ausschlaggebende Rolle gespielt. Bon informierter Seite, wird «ns außerdem er» klärt, der Verlauf diese, Verhandlungen bewiese in besonders starkem Maße, daß die amerikanische Wirtschaft trotz des Wahlergebnisses das Vertrauen zu Deutschland nicht verloren habe.
Berhan-luimti über bas Sanierungövrvgramm
WirlfchnftSvnktri, Sozialdemokraten, Konservalioe Bolksvartet
Wie wir erfahren, ist die Besprechung, die der Reichskanzler für gestern abend mit dem Grafen W e st a r p und dem Reichsminister Schiele in Ausstcht genommen hatte, auf Donnerstag vormittag verschoben worden. Am Mittwoch haben keine Besprechungen dieser Art siattge- funden.
Wie wir erfahren, beginnen die Besprechungen des Reichskanzlers mit den Parteiführern über den Finanz- und Wirtschaftsplan der Reichsregierung bereits heute in der 10. Vormittagsstunde. Der Reichskanzler wird zunächst den Führer der Wirtschaftspartei Drewitz empfangen. Dieser ersten Unterhaltung folgen Besprechungen mit den Führern der Sozialdemokratie, Hermann Müller un‘i Otto Wels. Danach wird Graf W e st a r p für die Konservative Volkspartei beim Reichskanzler erscheinen. An dieser Besprechung wird auch Reichsernährungsmi- nister Schiele teilnehmen.
Die Meldung der „D.A.Z.", daß der Reichstag schon zum 6. Oktober zusammenberufen werden soll, ist unrichtig.
Die Bayerische Volkspartei rät der Regierung zum Kampf gegen den Reichstag.
Zum Sanierungsprogramm der Reichs- regiernug äußert sich in einer parteioffiziösen Auslassung die Bayerische Volkspartei - Korrespondenz dahin, daß es als vaterländische Pflicht der Reichsregierung bezeichnet werden müsse, auf ihrem Posten auszuharren und den Kampf mit dem Parlament aufzunehmen. Für die Bayerische Volkspartei könne es keine andere Entscheidung geben, als hinter die Regierung Brüning zu treten. Es solle allerdings schon heute kein Hehl daraus gemacht werden, daß vom Standpunkt der Bayerischen Volkspartei und vom Standpunkt Bayerns aus gegen einzelne Vorschläge der Reichsregierung sehr schwere Bedenken erhoben werden.
Die Städte u«d das Reformprogramm.
Vom „Deutschen Städtetag" wird uns, unter Hinweis darauf, daß die endgültige Stellungnahme des Städtetages zum Regierungsprogramm noch ausstehe, folgendes erklärt:
Die Städte sind sehr enttäuscht darüber, daß die Ausdehnung der Krisenfürsorge in dem Sofortprogramm für 1930 nicht berücksichtigt worden ist. Die Städte wissen wirklich nicht aus welchem Fonds sie die Vermehrung der Wohlfahrtslasten seit
dem Frühjahr um mehr als 100 Prozent decken sollen.
Die geplante Angleichung der Veamten- gehälter der Kommunen an die Reichsgehälter werde, sofern es sich um eine Angleichung der vergleichbaren Gehälter handele, tue Städte nur unwesentlich berühren. Praktisch sei eine Angleichung nur in wenigen Gemeinden nicht durchgeführt. Die Frage der Neuregelung des Finanzausgleichs könne noch nicht debattiert werden, da im Artikel 7 des Regierungsprogramms konkrete Angaben über die geplanten Maßnahmen vorläufig fehlen.
„Deutsches Landvolk."
Berlin, 1. Oft. Parteivorstand und Reichstagsfraftion der Christlich-nationalen Bauern - und Landvolkpartei traten heute zu einer Sitzung zusammen. Die Fraktion wählte einstimmig den Abg. D ö b r i ch zum Fraktionsoorsitzenden. Sie wird im Reichstag unter dem Namen Deutsches Landvolk (Christlich-nationale Bauern- und Landvolkparteil auftreten. In einer Entschließung zur politischen Lage fordern Parteivorstand und Fraktion eine ll m - bildung der Reichs regier ung unter Heranziehung der NSDAP., sofern sie zur verantwortungsbewußten Mitarbeit bereit ist. Eine Regierung, die m a r r i st i s ch beeinflußt ist, oder auch nur von marristischen Parteien geduldet, wird abgelehnt.
Auflösungsforderung der DRBP.
Berlin, 1. Oft. Die Deutschnationalen fordern in einem Antrag im Preußischen Landtag, daß der Antrag der Wirtschaftpartei auf Auflösung des Landtages mit dem Zusatz angenommen werde, daß gleichzeitig sämtliche Provinziallandtage, Kreistage, Stadtverordnetenversammlungen und Gemeindevertretungen aufgelöst und an einem gemeinsamen Wahltage mit dem Landtag neu gewählt würden.
Der Aeltestenrat des Preußischen Landtages ist entgegen den ursprünglichen Absichten schon für nächsten Montag einberufen worden. Zu den verschiedenen Anträgen auf Auflösung des Landtages ist setzt noch ein kommunistisches Mißtrauensvotum gegen die Staatsregierung eingebracht worden.
Die neue Regierung in Braunschweig.
Braunschweig, 1. Oft. 3m Landtag wurde heute die Wahl der neuen braunschweigischen Landesregierung vvrgenommen, Oberregierungsrat Dr. Küchenthal erhielt 20 Stimmen, der bisherige sozialistische Minister, Dr. Jaspar. 17 Stimmen, drei Zettel waren ungültig. Im zweiten Wahlgang erhielt der nationalsozialistische Amtsgerichtsrat Dr. Franzen-Kiel 20 Stimmen. Dr. Jaspar 17 Stimmen, zwei Stimmen waren ungültig. Dr. Küchenthal und Dr. Franzen find somit aewäblt.
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Hindenburg in Süddeutjchland.
München, 1. Okt. Reichspräsident von Hindenburg traf am Mittwoch vormittag in Begleit»«« feines Sohnes Oberstleutnant von Hindenburg mit dem fahrplanmäßigen FD-Zug von Berlin kommend in München ein. Der Reichspräsident setzte sofort im Kraftwagen der Landespolizei die Fahrt nach Dietramszell fort, wo er am Donnerstag seinen 83. Geburtstag in aller Stille begehen wird. Am Freitag wird dan« der Reichspräsident an den Beisetzungsfeierlichkeiten für den Prinzen Leopold in München teilnehmen.
Der 8 3. Geburtstag des Reichspräsidenten von Hindenburg gibt der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" Veranlassung, daran zu erinnern. wie der frühere amerikanische Botschafter in Berlin S h u r m a n das Wort, das die Amerikaner für ihren Rationalheros Washington prägten, auch auf den deutschen Reichspräsidenten anwandte: „Der Erste im Kriege, der Erste im Frieden, der Erste im Herzen seiner Mitbürger!" Es gebe keinen lebenden Deutschen in irgend einem politischen Lager, der das gleiche Dertrauen genieße. Aehnlich äußert sich auch die „Börsenzeitung", die Hindenburg das Symbol der nationalen Idee für die Welt nennt. Er sei Hüter bester Aeberlieferung deutscher Art, der Fels, an dem sich die Wogen allen innerpolitischen Haders brächen. Der „Tag" schreibt: An seinem Ehrentag gehört der Marschall und Reichspräsident allen Deutschen: es wäre ein Frevel, ihn heute für vergängliche staatliche Formen oder für Kreise in Anspruch zu nehmen, deren Beziehungen zu ihm sich im Funktionellen seines 'Präsidentenamtes erschöpfen. Hindenburg reicht von Äönigsgrätz bis Tannenberg. von Compiegne bis zum 14. September 1930; sein Leben hielt Schritt mit dem Auf und Ab unseres Lölkes. Daß der greise Marschall noch die erste Morgenröte deutscher Freiheit erblicken möge, das ist unser Geburtstagswunsch. Der „Lokalanzeiger" nennt die Pflichttreue, Selbstlosigkeit und Lauterkeit des Reichspräsidenten ein hohes Gut nach innen, wo der wütendste Parteikampf vor der Person dieses einen Mannes respektvoll halt zu machen pflege, und ein hohes Gut nach außen, wo die simple Tatsache, daß Deutschland diesen Mann an seiner Spitze hat, ihm ungeheuer viel an Achtung in der Welt zurückerobert habe.
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Rach der Veröffentlichung des Aogic- rungsprogramms beginnt der Reichskanzler langsam zu fondieren, um die