DmmrAüg, 683 25. @61)1.1930
- te „Oberbejfiftte Heftung” «• cheint iechsmal wöchentlich. 8e» ug«vrewmonatlich2^rvEM.au«» chiießl. Zusiellungsgebübr, kurch
Cie Post 2.45 EM. «für etwa durch ßttett, Maichinendefekt oder eie» men tat» Stetpntfie auefaCenbe SRummern wird kein <5tfat geeist«. Verlag Dr. §. kttzcrvtb. Druck ee* Univ.-Duchdruck etei "oh. Aug- Koch. Markt 21/23 sserusdrecher: Rr. 54. tu Rr. 65. Dvstscheckkvntv: Amt Frankfurt
M. Rr. 5015. — Sprechzeit et Redaktion von 10—11 und
*<4—1 Ubr.
ÄbcrlicMche
***** > W **Ti iHh ***•
$www 4 ■ ^7 ■ ■ g_g ■ ■ WM 6*nw*w
Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
Rk.LL585.zMS. Macbvrg c. Laim
Set Anzetgenprei« beträgt ffti »en tl gesvalt. Zeilenmillimeter 0.08 T M., sog. kleine Anzeigen und Familienanzeigen bei Barzahlung 0.07 IM« amtliche und auswärtige Anzeigen 0.10 GM. Bei schwierigem Satz sowie >ei Platz« Vorschrift 50a|, Aufschlag. — Eammelanzeigen 100 °f» Aufschlag. Reklam-'Mtllim. 0,40 GM. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt.
Ziel 5 Tage-
Sfferken-SebLhr ZS Pf» Belege werden berechnet. Erfüllungsort Marburg.
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Der Kurs der deutschen VoWartei
LniheU der entiWung vrrteMen" - Ablehnung aller WMMea Gedankengünge Ir. Scholz wieder ZrakiwnsverWender
st. Berlin, 25. Sept. Der Parteivorstand der Deutschen Bolkspar - tei habe« am Mittwoch eine Entschlie- ßung angenommen, in der sich die Deutsche Bolkspartei bis auf weiteres von den Absichten des Kabinetts distanziert und alle Kompromisse mit den Sozialdemokraten scharf ablehnt.
Von volksparteilicher Seite wird weiter erklärt, daß die in Berlin stattgefundene Sonderbesprechung über die Weiterführung der volksparteilichen Sammlungsaktion im bürgerlichen Lager voll und ganz den Absichten des volksparteilichen Führers entsprochen habe.
Der Beschluß hat folgenden Wortlaut: Im Einverständnis mit dem Parteivorstand behält sich die Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei völlige Freiheit der Entschließung gegenüber den Maßnahmen der Regierung vor. Die Fraktion wird die Vorlagen des angekündigten Regke- rungsprogramms abwarten und das Programm daraufhin prüfen, os es mit den von der Fraktion seit langer Zeit vertretenen Grundsätzen vereinbar ist. Die Fraktion ist der Ansicht, daß dabei irgendwelche Kompromisse mit sozialistisch e n Gedankengängen für s i e untragbar sind. Die Fraktion hält an ihrem bisherigen Ziel der Zusammenfassung aller staatsbejahenden bürgerlichen Parteien fest.
Dr. Scholz Fraktionsvorsitzender.
Berlin, 24. Sept. Die „Nationalliberale Korrespondenz" teilt mit: „Die Reichstags- froktion der Deutschen Volkspartei trat am Mittwoch nachmittag zu einer fast vollzählig besuchten Sitzung im Reichstag zusammen. Geheimrat Dr. Kahl begrüßte als Aeltefter die neuen und alten Kollegen und gedachte in Dankbarkeit der ausgeschiedenen Mitglieder. Er machte dann den Vorschlag, den bisherigen Partei- und Fraktionsvorfitzenden Reichsminister a. D. Dr. Scholz wieder zum Vorsitzenden der Fraktion zu wählen. Dieser Vorschlag sei so selbstverständlich, dah er keiner Begründung bedürfe. Dieser Antrag wurde einstimmig durch Zuruf angenommen. Abg. Dr. Scholz, von der Fraktion freudig begrüßt, übernahm den Vorsitz mit Worten des Dankes an den Alterspräsidenten, mit fernerem Dank an die ausgeschiedenen Kollegen und mit einem herzlichen Gruß an die neugewählten Fraktionsmitglieder. Der Vorsitzende bat die Fraktion um vertrauensvolle Unterstützung, ferner um Einigkeit und Geschlossenheit. Die Reichstagsfraktion darf keine Gruppen kennen, sondern muß stets ein schlagfertiges Ganzes darstellen. Die Fraktion stimmte diesen Ausführungen lebhaft zu. Die einstimmige Wiederwahl des Fraktionsvorsitzenden wurde allgemein als die beste Antwort auf alle Ausstreuungen von gegnerischer Seite über angebliche Differenzen in der Deutschen Volkspartei bezeichnet.
Zu der Sitzung der DVP. erfahren wir folgende Einzelheiten:
In dem Berliner Hotel „Habsburger Hof" fand gestern nachmittag eine Zusammenkunft führender Abgeordneter und anderer prominenter Persönlichkeiten der Deutschen Bolkspartei statt, die sich mit der Frage beschäftigten, welche Folge rungen aus dem Wahlergebnis zu ziehen seien, um die Wähler, die die Deutsche Bolkspartei und die Mitte überhaupt verlassen haben,
wieder herüberziehen. Ein Berliner Mittagsblatt berichtet nun über diese Besprechung, daß es sich um eine Ver - schwörung gegen den Parteiführer Scholz handele, dessen Stellung erschüttert sei. Demgegenüber können wir feststellen, daß die Zusammenkunft sichinkeinerWeise gegen Dr. Scholz gerichtet hat. Er ist durchaus über sie unterrichtet gewesen, und es ist auch kein Wort gefallen, das sich irgendwie gegen ihn oder seine Parteiführung gewandt hätte. An der Besprechung nahmen Vertreter beider Flügel der Partei teil, so die Reichstagsabgeordneten Dingeldeh, Cremer, Schmidt-Düsseldorf, Pfeffer, Hintz- mann, Albrecht, Thiel, Glatze! und Dr.
von Stauß, vom Preußischen Landtag der Fraktionsführer Stendel und die Abgeordneten Schwarzhaupt, Leidig und von Campe, ferner der frühere Reichstagsabg. Dr. Zapf und andere bekannte Politiker. Die Sitzung wurde von Dr. Schnell-Halle geleitet. Diese Zusammensetzung zeigt schon, daß es sich nicht um die „Verschwörung einer Gruppe handeln kann, die dem Parteiführer Schwierigkeiten machen will. So ist denn auch der einzige Beschluß, der gestern gefaßt wurde, die Einsetzung eines Arbeitsausschusses, der die Aufgabe hat, sich mit der Organisation der Partei im Lande in Verbindung zu setzen, um den Zusammenschluß mit anderen Parteien der Mitte und der gemäßigten Rech-
Wüste Ausschreitungen in Prag
Reue teuMfelMche Nmmftwttvom
Prag, 24. Sept. Zn Prag spielen sich stürmische Demonstrationen gegen die deutsche Bevölkerung ab. Die Menge, angeführt von nationalistischen Rädelsführern und verhetzt durch die Schreibweise der tschechischen Tagespresse, der sich auch die den Regierungsparteien nahestehenden tschechische« Organe nicht entgegenstellten, demolierte unter Schmäh- rufen auf das Deutschtum die Kinos, in denen deutsche Tonfilme laufen, indem sie die Fensterscheiben einwarf, in einzelne Kinos eindrang und die Einrichtung beschädigte. Die Rampe des neuen deutschen Theaters wurde von der Menge gestürmt und ein Steinhagel gegen die Fensterscheibe« eröffnet. Zm Theater, wo gerade ein Gastspiel der Wiener Reinhardt- Bühnen stattfand, drohte eine Panik auszubrechen, die nur durch das geistesgegenwärtige Eingreifen des Direktors
und des Oberregisseurs verhindert wurde, sodaß das Publikum eine besonnene Haltung bewahrte. Rach Ablauf der Vorstellung mußte das deutsche Publikum ein dichtes Spalier tschechischer Demonstranten passieren, die unaufhörlich drohende Rufe gegen die Deutschen, gegen Deutschland und das Deutschtum ausstießen. Die Ausschreitungen, die sich auch gegen deutsche Gaststätten richten, dauern an.
Prag, 24. Sept. Die Straßenkundgebungen, die sich gestern abend aus Anlaß der Aufführung deutscher Tonfilme in Prag abspielten, haben Dr. Baxa veranlaßt, heute im Innenministerium vorzusprechen und ein allgemeines Verbot deutscher Tonfilmaufführungen für Prag zu verlangen. Rach den Informationen der Prager Presse ist das Innenministerium der Ansicht, daß man nicht untätig zusehen könne, wenn gegen deutsche Tonfilmvorführungen in Prag Kundgebungen veranstaltet werden.
ten von unten her in Fluß zu bringen, nachdem die Bemühungen an der Zentralstelle ergebnislos geblieben sind. Dem Aus s chutz gehören an Dr.Schnell-Halle, Dr. Jaenicke-Hannover, Hembeck-Lüden- scheid, Dr. Croll-Berlin und Oberregierungsrat Ziegler von der Reichszentrale für Heimatdienst.
--»--
Svmnwßmchmrn und Stamltn- ocMIter
Berlin, 25. Sept. Sn politischen Kreisen erzählte man sich gestern, daß zu den Spar- plänen der Reichsregierung auch eine Kürzung der Beamtengehälter gehöre. Da dieses Gerücht nicht nachzuprüfen war, haben wir von ihm nicht Notiz genommen. Nachdem die Berliner Morgenblätter nun aber davon sprechen, sei es mit allem Vorbehalt registriert. Es heißt, daß die Gehälter der unteren Beamtenkategorien um 5 Prozent gekürzt werden sollen, die Ee- , hälter vom Ministerialrat aufwärts um 10 Prozent und dann weiter nach oben gestaffelt bis zu den Ministergehältern, die um 30 Prozent verringert werden sollen. Auch der „Berliner Lokalanzeiger" versieht diese Informationen mit einer vorsichtig einschränkenden Bemerkung. Er fügt hinzu, es müsse noch dahingestellt bleiben, ob ein derartiger Plan in dieser. Form vom Kabinett verabschiedet
werde. Es würde auch die Frage zu klären sein, inwieweit es sich dabei um eine Fortsetzung des Notopfers der Beamten handele. Die „D.A.Z." berichtet, zurzeit hoffe man noch die Sanierung ohne Herabsetzung der Beamtengehälter durchführen zu können. Der „Börsenzeitung" ist von zuständiger Stelle erklärt worden, daß von solchen Absichten einer Gehaltsminderung nichts bekannt sei.
Erhöhung ter Btilrägt zur ArteÜWtnunlttsWung
ff. Berlin, 25. Sept. Das Reichskabinett hat auf Verlangen des Reichsarbeitsministers beschloßen, die Arbeitslosenversicherungsbeiträge um 2 vom Hundert und. zwar von 4^ auf 8% vom Hundert herauszusetzen. Die Kabinettsberatung über das Sanierungsprogramm wird im Laufe des Donnerstag zum Abschluß gelangen. Am Freitag dürste das Regierungsprogramm bekannt gegeben werden.
Baukierkonferenz zur Behebung der Weltwirtschaftskrise?
Newyork, 24. Sept. Man glaubt, daß die Direktoren deutscher, englischer und französischer Zentralbanken nächstens hier zusammenkommen werden, um Möglichkeiten zu erörtern. die Weltwirtschaftskrise zu mildern.
TaorWegri
Den Aufsatz Lord Rothermeres über die deut scheu Wahlen, den wir bereits gestern veröffentlichten, nennt die „D. A. Z." eine auffällige Demonstration. Obgleich ersichtlich ist — so schreibt die Zeitung — daß der mächtige englische Presselord, der Bruder des verstorbenen vielgenannten Lord Aorthcliffe, den Artikel in erster Linie zu innerpolitischen englischen Zwecken geschrieben hat, kann er doch auch nicht ohne außenpolitische Wirkung bleiben, zumal die „Daily Mail" von rund 6 Millionen Menschen gelesen wird. Man erinnert sich, daß Lord Rothermere vor wenigen Jahren sich in ähnlicher Weise der Angarn angenommen hat und daß sein damaliger Feldzug von Nutzen für Ungarn gewesen ist. Wenn er jetzt einen gleichen Vorstoß unternimmt, um das Deutschland von heute dem Verständnis feiner Landsleute näherzubringen, S handelt er damit als Publizist und als rite auf jeden Fall viel ehrlicher und klüger als diejenigen seiner Landsleute, die die Räubergeschichten über das deutsche Wahlergebnis im allgemeinen und die „Nazis" im besonderen kritiklos weiter verbreiten. Was der Lord über die junge deutsche Generation sagt, die nur ein „Deutschland der Enttäuschung" kennengelernt hätte, während sie sich als Erbe einer großen Nation fühle, das ist für uns etwas schmerzhaft Alltägliches, aber für Hunderttausende von Engländern wahrscheinlich eine ganz neue Entdeckung. Die Wortprägung: „Bisher haben wir Engländer uns Deutschland als eine Art Kriegsgefangenen vorgestellt" — mühte von deutscher Sette int In- und Auslande bet 'jeder Gelegenheit wiederholt werden, um daran die deutschen Forderungen zu knüpfen. And die Frage des britischen Lords, ob es nötig sei, daß sich England auch die junge deutsche Generation zu Feinde mache, ist eine Frage, die auch von deutscher Sette seit 1919 mit immer stärkerer Besorgnis aufgeworfen wird, da in Deutschland in wachsendem Maße die Erkenntnis sich durchsetzt, daß Deutschland Und England für andere sich 1914 zerfleischten. Was die praktischen Anregungen des Britischen betrifft, so zeigen sie, dah er sich über die unangenehmsten Wunden am Körper der deutschen Nation und ihre Heilung Gedanken gemacht hat. Jedoch wäre es grundverkehrt, nun 'auf deutscher Seite etwa an diesen Vorstoß Svertriebene Hoffnungen zu knüpfen, wie das schon von verschiedenen Seiten geschieht. Aber eines zeigt auch dieser Vorgang: daß es schon aus außenpolitischen Gründen dringend notwendig ist, alsbald Den Staat unter Berücksichtigung des Wahlergebnisses in Ordnung zu bringen, damit nicht aus innerpolitischer Schwäche vielleicht unwiederbringliche außenpolitische Gelegenheiten versäumt werden.
In einem Aufsatz des „Allgemeen Handelsblad", Amsterdam, unter dem Titel „Besteht Grund zur Pa ulkst i m m u n g?“ aus der Feder seines Berliner Korrespondenten wird betont, daß die deutsche demokratische Presse, die die Panikmeldungen der kommunistischen Blätter abdruckten und sogar noch weiter aufbauschten, unverantwortlich gehandelt hätte und dadurch weniger kritisch gesonnenen ausländischen Journalisten dankbaren Sensationsstofff und den französischen Zeitungsberichterstattern die erwünschte Gelegenheit zu Angriffen auf Briand geboten hätten. Irgend ein Grund zur Besorgnis bestehe in Deutschland nicht, jedoch dürfe die Reichsregierung nicht die Hände in den Schoß legen. Das Ausland aber sollte die • derzeitige Regierung der gemäßigten Parteien dadurch unterstützen, daß man eine Milderung der deutschen Zahlungsverpflichtungen ins 'Auge fasse.
. Auch in der holländischen Finanzpresse wird die