Einzelbild herunterladen
 

Nr. 224

vberdesfifche Zeitung, Marburg a. L. Mittwoch, den 24. September 1930

Seite 5

Aus der Umgegend

Kreis Kirchhain

Kirchhain, 23. Sept. Die am 4. Juli d. 3s. ausgesprochene Sperrung der Marburg-Hersfelder Straße von der Kreisgrenze hinter Anzefahr bis Kirchhain wird bis zum 15. Oktober 1930 weiter ver­längert. Die bekannt gegebene Umleitung bleibt bestehen.

Rauschenberg, 22. Sept. Infolge Er­reichung des 65. Lebensjahres tritt Haupt­lehrer Herbener zum 1. Oktober d. I. i n d e n R-u h e sta n d. Zu Ehren des Schei- - denden fand gestern in der Schule eine schlichte, weihevolle Abschiedsfeier statt. Leh­rer Mittler gab nach einleitenden Worten ein treffliches Bild von der tatkräftigen Wirk­samkeit des Scheidenden im Dienste der Volks­schule. Seine Dankesworte galten auch dem Amtsbruder der es stets verstanden habe, mit vornehm-schlichten Wesen und praktischem Blick, frei von jedem Mißklang, die Arbeit aller Lehrkräfte zu einheitlichem Wirken zu- sammenzufaffen. Schulrat Dr. C l ö ß n e r fand feine anerkennende Worte für das Wirken des Scheidenden. Behördliche Anerkennung fand die Lehrarbeit Herbeners durch Uebereichung einer Urkunde der Regierung. Abschiedsgruß und Dank für die Stadt Rauschenberg über­mittelte Bürgermeister Moll. Er verband mit seinen Worten die herzliche Bitte, daß Hauptlehrer Herbener seinen sachkundigen, ge­schätzten Rat, u a aus dem Gebiet des Obst­baues, auch in Zukunft der Stadt widmen möge. Kreispfarrer Dehnhard betonte u. a., daß stets ungetrübte Zusammenarbeir zwischen Kirche und Schule bestanden habe. Das bestätigten auch die Worte des Kreis- pfarrers i. R Vogel, der die wertvollen Eigenschaften des Scheidenden als Schulmann und die Bedeutung seiner Persönlichkeit aus der Erfahrung langen, gedeihlichen Zusam­menwirkens gebührend kennzeichnete. Die besten Wünsche aller Redner und gemeinsame Fürbitte begleiteten Hauptlehrer Herbener in den Ruhestand. Ein Wort des Dankes rich­tete dieser zuletzt an alle Erschienenen, ein letztes Wort an seine Schüler ein ernstes Wort der Mahnung und des väterlichen Rats, das Ausfluß seiner Persönlichkeit, seiner Weltan­schauung und reicher Lebenserfahrung war. Volksverbundenheit war neben guten Fach­kenntnissen Grundlage für die Tätigkeit des Hauptlehrers Herbener, sie war mitbestimmend für den Erfolg seiner Arbeit. Als Hessenkind in Erotzseelheim, Kreis Kirchhain, im Jahre 1865 geboren, wirkte Herbener nach Abschluß seiner Seminarzeit in Homberg, Bez. Kassel, im Jahre 1886 kurze Zeit in Aue, Kreis Hers­feld. Während feiner 10jährigen Tätigkeit in Wohra, Kreis Kirchhain, genügte er der mili­tärischen Dienstpflicht in Marburg, Wiesba­den und Hanau beim Füsilierregiment von Eersdorff (Hessisches Nr. 80), um nach mehr­jähriger Amtszeit in Hassenhausen, Kreis Marburg seit 1. November 1901 hier als Schulmann tätig zu "v' Verbunden mit Land und Leuten, deren Stärke und Schwächen er kannte, hat er hier fast drei Jahrzehnte in un­verwüstlicher Eesundbeit, die ihn keinen Tag der Schule fernhielt, wirken können. Das Vertrauen seiner Amtsbrüder rief ihn lange Jahre in den Hauptausschuß des Hessischen und in die Führung des Kreislehrervereins. Noch heute ist er Mitglied des Kreisausschlp- ies für die Berufsschulen und Vorsitzender des Bezirkslehreroereins Rauschenberg. Neben feiner Lehrarbeit hat er praktische Volkstums- arbeit leisten können. In ihr ruhen die Wur­zeln seiner Kraft. Sie möge ihm zum Besten unserer Stadt in einem gesegneten Ruhestand noch recht lange erhalten bleiben.

Rauschenberg. 24. Sept. In körper­licher und geistiger "Frische kann der frühere Landwirt und Musiter Andreas Wißner heute seinen 8 4. Geburtstag begehen. Wißner ist Veteran von 1870/71. Der städtische Ob st verkauf brachte bei ge­ringem Behang der Bäume nur niedrige Ein­nahmen. In seiner letzten Versammlung legte der Turnverein sein Arbeitspro­gramm für den Winter dahin fest, daß dem 216turnen am kommenden Sonntag ein tur­nerischer Werbeabend Ende November folgt. Am 2. Weihnachtsfeiertag soll das übliche Winteroergnügen stattfinden.

Momberg, 23. Sept. Unsere Kirchen­gemeinde beging am 21. und 22. September das Kirchweihfest. Es ist das 60. seit der Weihe der in den Jahren 1868/70 im spätgotischen Stile erbauten Pfarrkirche. Wegen der Un­gunst der Witterung konnte die althergebrachte Feier im Freien nicht stattfinden, sie be- schräntte sich auf die beiden Säle der Vereins­wirte. Viele auswärts wohnende Momberger waren aus treuer Heimatliebe zu dem Kirch­weihfest erschienen.

Mardorf, 23. Sept. Seit acht Tagen find in den Wiesen zwischen unserm Ort und Rüdigheim Schürfarbeiten nach Braunkohlen im Gange. Es wäre im Jnterefie der Behe­bung der Erwerbslosigkeit in hiesiger Gegend erfreulich, wenn die Arbeiten von Erfolg ge­krönt würden.

Kreis Zregenlmia

Wütender Eber.

Schrecksbach, 23. Sept. Auf dem hie­sigen Eutshof von Adolf Steinmetz in Schrecksbach wollte der Dienstknecht W. P. einen Eber in den Stall treiben. Hierbei fiel das wütend gewordene Borstentier den Mann an und riß ihm den Oberschenkel auf, so daß schleunige ärztliche Hilfe m An­spruch genommen werden mußte.

Aus dem Knüllgebirge, 23. Sept. Ans kleinen Anfängen entwickelt die Knüll­herberge sich immer mehr zu einem be­deutenden Betriebe 900 Uebernachtungen hatten sie im Juli 800 im August aufzuwei­sen. Mit dieser günstigen Fortentwicklung die in vieler Hinsichr noch mangelhaften Ein­richtungen in Einklang zu bringen, ist der

Vorstand der Eenofienschast zielbewußt und unablässig bemüht. Hatte bas Jahr 1929 die Anlage der Wasierleitung und des Fern­sprechers gebracht, ist man nunmehr an die Erbauung eines Srallgebäudes für den Her­bergsvater herangetreten.

Aus dem Edertal v

Vom Edersee, 23. Sept. Zur ^Erinne­rung an den untergegangenen Ort Asel will man jetzt an der Aselbucht, dort, wo man im Schatten eines riesigen Kastanienbaumes einen herrlichen Ausblick auf den Edersee hat, einen Denkstein errichten. Ein Teil der alten Aseler Landstraße wurde neu instandgesetzt. Unter zahlreicher Beteiligung fand am Sams­tag auf dem Schießstand bei Herzhausen das diesjährige P r e i s s ch i e tz e n für die Forst- beamten der Oberfcistereien Vöhl und Alten­lotheim statt. Zahlreiche gekaufte und gestif­tete Preise winkten den Schützen, die sich abends in der Gastwirtschaft Blöcher zu einem gemütlichen Zusammensein trafen.

Kreis Niedenkvo?

Reiben ft ein, 23. Sept. Dieser Tage brannte bas hiesige Backhaus nieber. Bei den Löscharbeiten mußte man biejes bis auf die Grundmauern niederreißen, um ein Uebetgreifen des Feuers auf die Nachbarge­bäude zu verhindern.

Aus dem Nittkrets

3m Steinbruch tödlich verunglückt.

Dillenburg 23. Sept. In einem Stein­bruch bei Lützeln rutschte der 24jähiige Stein­brecher Müller aus Oberdesselndorf mit Ge­steinsmassen so unglücklich ab, daß er einen Lungenriß erlitt. Der Verunglückte ist kurz nach der Einlieferung ins Dillenburger Kran­kenhaus gestorben.

Schrecklicher Tod.

Herborn, 23. Sept. Auf eigenartige Weise zu Tode gekommen ist der Säge­werksbesitzer Ehr. Reichel in Frechen­hausen. Beim Holzsägen drang ihm ein Splitter durch die Augen­höhle in den Kops und verletzte das Ge­hirn. Kurz nach der Einlieferung des an» glücklichen Mannes in das Dillenburger Krankenhaus trat der T o d ein.

Zwei Wohnhäuser mit Scheunen nieder- gebrannt.

Saiger, 23. Sept. 3m nahen Lan­genaubach brach um die Mittagszeit ein Schadenfeuer aus, dem zwei Wohnhäuser mit den Scheunen, in denen die gesamten Erntevorräte lagerten ,zum Opfer fielen. Von den Gebäuden stehen nur noch Mauerreste. Das Feuer konnte erst nach siebenstündigem Bemühen der Feuerwehren gelöscht werden.

...... n

34. Genemivmammlung des EvsngMchen Bundes Zur Wahrung der Friterejsen

Auf der Coburg.

3m Tale rufen die Glocken der alten Kirchen zu den Gottesdiensten des Evangeli­schen Bundes. Eine Stunde später wandern auf allen Wegen des weiten Hofgattens die Bundesfreunde aus der Ferne, geleitet von den Getreuen aus Loburg, der Höhe zu, die den Doktor Luther vor 400 Satiren mit ihren Wällen schützte. 3m großen Kongreß­saal der Veste, der kaum Raum genug bietet, sammelt sich die festlich gestimmte Schar, der der Bundespräsident, Ministerialdirektor Dr. Conze, ein Telegramm Hindenburgs mitteilt, das der Reichspräsident auf eine Huldigung des Evangelischen Bundes gesandt hat. 3n klaren, schlichten Linien entwickelt dann Dr. Conze, wie er die Lage des Bundes sieht, und wie er denselben zu leiten gedenkt. Aus der rauhen Wirklichkeit des Alltags führte der zweite Redner, llniversitätspro- sessor D. Schumann-Gießen, seine Hörer auf die Höhen der evangelischen Glaubensgedan- ken mit einem tief durchdachten Vortrage vomSinn evangelischen Bekennens". Den Höhepunkt aber erreichten Festakt und Be­geisterung, als Professor D. Schumann noch einmal die Rednertribüne bestieg, um das Ernennungsdekret zu verlesen, mit dem die evangelisch-theologische Fakultät der Universi­tät Gießen den um den Evangelischen Bund so hochverdienten bekannten Nürnberger Kan- zelredner, Stadtpfarrer Fikenscher, zum Ehren­doktor der Theologie promovierte.

Um 4 Uhr nachmittags war der wette Burghof der Veste Kopf an Kopf gefüllt. Superintendent Lic. Dr. Kühn-Auerbach i. Vogtl. legte hier dar, was es umunser Bekenntnis zum evangelischen Glauben", und Studi-Prof. Hoefler-Nürnberg, was es um unser Bekenntnis zur protestantischen Tat" sei. Gegenüber den Nöten der Eegenwatt wurde folgende Kundgebung des Evan­gelischen Bundes erlassen:

Der Ausgang her Reichstagswahlen be­freit den Evangelischen Bund nicht von seinen ernsten Sorgen um die Zukunftsgestaltung des deutschen Staates. Es ist zu befürchten, daß Vertreter des internationalen römischen Machtwillens und Vertreter des internatio­nalen Umsturzwillens auch weiterhin die Ge­schicke unseres Vaterlandes beherrschen. Umso lauter lassen wir aufs neue den Ruf zur Sammlung aller nationalen Elemente er­schallen. Wir erwarten von den protestanti­schen Abgeordneten, besonders auch von den neu in den Reichstag eintretenden Kräften, daß sie als Vertreter eines zu zwei Drittel evangelischen Volkes den deutsch-protestanti­schen Forderungen, insbesondere dem deutsch- protestantischen Staatsgedanken, die gebüh­rende Geltung verschaffen.

Eine prächtige Aufführung desLuther" von Strindberg gab der Tagung dm Ab­schluß.

M

M

unseren.

txMAr

SM

KM M

»M

KEV-Ä

AM «W

.< MW

W:..V |||

MW

S

1 KUR' MARK

1 CIGARETTEN 1

WM

I xWU:

W

W

W

WWK WWA

V- 1 -

W

M

K.

s