SonnerM-,
hn 18. SM 1930
Zte jDberbeffijctt Zeitung" n» cheint lechsmal wöchentlich. Be» »g«pre>^ monatlich 2.20® 9K.au* 'chließl. ZusteVungegkbübr. durch die Post 2.45 SM. Für etwa durch Streik. Majchinendefekt oder eie» menlar, Ereignisse «uSsallend« Rurumern wird kew Srsar ge- «tstel. Verlag Dr. §. Lwerrlh. Druck bei Untb.-Dvchdrvck erel Ioh. Aug. Koch. Mark, 21/28 Fernsprecher: Mr. 54. y. Mr. 65. Postscheckkonto: Am« Franks«« tu M. Mr. 5016. — Sprech zei« er Redaktion von 10—11 und »,,1—1 Ubr.
Zeitung
Marburger LaMvWkM
ficfinthE LamZzerwns
Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
ar. 219 6».SMg. Marburg n. Laba
Der Anzeigenpreis beträgt für den 11 gespalt. Zeilenmillimeter 0.08 GM .soq.kleine Anzeigennnd Familienanzekgen bei Barzahlung 0.07 SM. amtliche and auswärtige Anzeigen 0.10 GM. Bei schwierigem Satz sowie bei Platz» Vorschrift 50°|, Aufschlag. — Sammelanzeiqen 100’l, Auf- schla v Neklam.-Millim. 0.40 GM. Jeder Rabatt gilt als Barrabat'
3tel 5 Tage-
Ssferkon-Geb-Hr 25 Pfg.
Belege '»erben berechnet. Erfüllungss« Marburg,
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Seforetiungtn M RMttanzlttt mit iti Parlcikn
Sir Sammiungsbrilrcbungrn ber bürgerlichen Mille — Noch keine Macbeil
Nie MimbaiSankeile ter Parteien
1930
ten als
:t: Era
Hartmann.
24,9
7,0
12,1
13,3
5,2
3,5
4,0
3,3
18,7
3,7 0,9
1,5
2,7
1928 % 31,2 15,9 12,4
11,0 9,2 5,1 4,7 3,5 2,4
1,8 0,8
1,6
Die fünf Abgeordnete« der Konservativen Volkspartei.
Vaneurova im Ausschuß begraben
China fällt »mH - Sie Fragen ter Minderheiten
Der prozentuale Anteil art den abgegebenen Stimmen zeigt erst die wirkliche Verteilung, da ja weder die Mandatsziffer noch die Stimmenzahl als solche bei den 4 Millionen Mehrstimmen kein klares Bild gibt. Danach sind Sozialdemokraten und Kommunisten von 42,2 auf 38,2 Prozent zurückgegangen.
Der ursprüngliche Antrag ist dahin ab geändert worden, daß der europäische Aus- schuh das Recht hat, sowohl sämtliche außereuropäische Mitgliedsstaaten des Völkerbundes als auch die Regierungen der Nichtmitgliedstaaten, also auch der Vereinigten Staaten, Sowjetrußlands und der Türkei anzuhören. Damit ist die allgemeine Aussprache
tionsvorsitzenden, die Abgeordneten Frau Bäumer, Bornemann und Meyer als stellvertretende Vorsitzende und Dr. Heuß zum Schriftführer sowie zu dessen Stellvertreter Dr. Hesse- Thüringen gewählt. Die Wahlen gelten bis zur ersten Sitzung nach Neujahr.
Der .erste Parteitag der Deutschen Stataspartei soll am 30. November oder 6. Dezember stattfinden. Kurz vorher wirb die Demokratische Partei ihren letzten ursprünglich für den 15. Oktober vorgesehenen Parteitag abhalten, auf dem die Ueberführung'der gesamten Partei in die Staatspartei soll am 30. November oder linksdemokratischen Kreisen rechnet man jedoch damit, dass Koch-Weser die zur Auflösung der Partei notwendige Dreiviertel-Mehrheit nicht erhalten wird.
Sozialdemokraten Deutschnationale Zentrum Kommunisten Deutsche Volkspartei Staatspartei (Demokraten) Wirtschaftspartei Bayerische Volkspartei Nationalsozialisten Christlich-nationale Bauern Welfen und Konservative Deutsche Bauernpartei Christlich-sozialer Volksdienst Volksrechtspartei
Berlin, 17. Sept. Die Besprechungen über die Auswirkungen des Wahlergebnisses sind in den maßgebenden politischen Kreisen bereits lebhaft im Gange. Entsprechend unserer gestrigen Andeutung hat der Kanzler die Fühlung mit den Vertretern der Parteien ausgenommen, und zwar zunächst mit dem Führer der Deutschen Volkspartei Dr. Scholz, den er gestern nachmittag zu einer Besprechung empfing. Heute nachmittag dürfte Dr. Brüning diese Unterhaltungen nach der Seite der Deutschen Staatspartei hin fortsetzen. Dabei wird in unterrichteten Kreisen, betont, daß es sich nicht um offizielle Verhandlungen handele, sondern um eine persönliche Aussprache, die den Zweck habe, den Kanzler Über die Auffassungen in den verschiedenen Parteilagern zu unterrichten und weiter zu klären, ob sie mit der Stellungnahme der Reichsregierung einverstanden sind, wie sie in der amtlichen Mitteilung über die gestrige Kabinettssitzung zum Ausdruck kommt. Der Kanzler wird übrigens nur mit den Parteien Fühlung nehmen, die im alten Reichstag hinter der Regierung standen,' darüber hinaus dürfte er .auch eine Aussprache mit dem preußischen Ministerpräsidenten haben, es wird aber betont, daß sie nicht in erster Linie dem führenden Sozialdemokraten, sondern dem Ministerpräsidenten Otto Braun gelten werde.
Außer diesen Besprechungen des Reichskanzlers sind noch die Verbindungen von Interesse, die zwischen den einzelnen parlamentarischen Lagern gesponnen werden. So wird behauptet daß die angestrebte Verbindung zwischen den kleineren Gruppen der gemäßigten Rechten bereits ziemlich weit gediehen sei.
Ferner hat Dr. Scholz ja bereits in seinem Interview mit dem WTB am Montag früh erklärt, daß er die Sammlungsbewegung der Mitte mit allem Nachdruck fortführen werde. Man spricht denn auch von der Möglichkeit einer Arbeitsgemeinschaft zwischen der Deutschen Volkspartei und der neuen Fraktion, die sich aus der gemäßigten Rechten heraus- kriltallisiert.
Es wird also versucht, in der bürgerlichen Mitte eine Arbeitsgemeinschaft von etwa 90—100 Abgeordnete zusammenzubringen.
In parlamentarischen Kreisen verweist man auf die Erfahrung, daß den Sammlungsbestrebungen der bürgerlichen Parteien vor den Wahlen doch ganz erhebliche Schwierigkeiten im Wege standen, und man beurteilt demgemäß die Aussichten der treuen Anlehnungsbestrebungen vorläufig noch skeptisch. Es wird aber zugegeben, daß die Situation sich inzwischen doch erheblich geändert babe und daß nun immerhin die Möglichkeit besteht, daß die Bemühungen mehr Erfolg haben.
Stmetrnten mietet jelMtftänMg?
Berlin, 17. Sept. Wie die Pressestelle der Deutschen Staatspartei mitteilt, tagte am Mittwoch vormittag die neugewählte Reichstagsfraktion der Deutschen Staatspartei zum ersten Male. An der Sitzung nahm der außerparlamentarische Führer Arthur M a h r a u n teil. In der Sitzung wurden auf Vorschlag einer vorbereitenden Kommission, die aus den Abgeordneten Abel, Höpker-Aschoff und Koch- Weser bestand, provisorische LLahlen vorgenommen. Nachdem der bisherige Fraktionsvorsitzende der Deutschen Demokratischen Fraktion, Abgeordnete Oskar Meyer, gebeten hatte, auf seine Wahl zu verzichten, wurde einstimmig der Abgeordnete Dr. August Weber zum ersten Frak
Die Stellung des Reichsministers Treviranus.
Ein Berliner Abendblatt weist daraus hin, daß das Reichsministerium für die besetzten Gebiete mit dem Ende dieses Monats aufgelöst wird. Das Blatt behauptet, daß bisher weder im Kabinett noch beim Reichspräsidenten irgendwelche Entscheidungen darüber getroffen worden seien, ob Minister Treviranus Mitglied des Reichskabinetts bleibe. Von unterrichteter Seite wird uns hierzu erklärt, daß diese Darstellung vollkommen falsch ist, da feststeht, daß Minister Treviranus mit der Auslösung seines jetzigen Ministeriums zur Reichskanzlei übertritt und als Minister ohne Portefeuille seine neue Aufgabe, die Leitung der Osthilfe, durchführen wird.
Wie von der Konservativen Volkspartei mitgeteilt wird, gelten nach der letzten Feststellung folgende fünf Kandida- "'/■ T ' ":arp, Lambach, von Lin8einer-Wildaü, Treviranüs und
glieder des Völkerbundes offen ständen und diese die Möglichkeit hätten, ihren -Standpunkt zu äußern.
DSr Zeitpunkt für den Zusammentritt des Ausschusses ist bisher noch nicht festgesetzt worden.
Die Minderheitenfrage vor der Völkerbundsversammlung.
Im Anschluß an die gewissermaßen nebensächlich geführte Minderheitsdebatte mEenf ist folgendes Londoner Telegramm von besonderem Interesse: Der französische Korrespondent des „Daily Telegraph" meldet aus Genf, es werde vielleicht ein Schrrtt zur Bildung eines ständigen Völkerbunds-Kontroll aus schuss es zum Schutze der Minderheiten in ganz Europa unternommen werden. Em Mitglied der britischen Delegation werde im Zusammenhang mit diesem Vorschläge genannt.
Kellogg als Mitglied im Haag.
Der Fortgang der Beratungen brachte heute mittag die Wahl des Nachfolgers des zurückgetretenen Mitgliedes des ständigen internationalen Gerichtshofes im Haag, des früheren Staatssekretärs Charles E. Hughes. Mit 30 Stimmen wurde der frühere amerikanische Staatssekretär Kellogg gewählt.
Mussolini und Grandi kommen nicht nach
Genf.
fk. London, 18. Sept. „Daily Telegraph" berichtet aus Rom, von maßgebender Seite werde mitgeteilt, daß Mussolini nicht beabsichtige, persönlich nach Genf zu gehen, wie es in Völkerbundskreisen gerüchtweise verlautete. Auch Grandi gedenkt nicht nach Genf zur Teilnahme an den französisch-italienischen Verhandlungen über die Flottenfrage zurückzukehren. Diese Verhandlungen hätten bisher keinen merklichen Fortschritt gemacht und seien nicht über vorbereitende Erörterungen hinausgekommen.
der Völkerbundsversammlung über die P an- • europafrage für dieses Jahr abgeschlossen. Titulescu, der den Antrag zur Abstimmung stellte, wies darauf hin, daß selbstverständlich die Sitzungen des europäischen Ausschusses für sämtliche übrigen Mit-
Genf, 17. Sept. Die Völkerbund s- versammlung hat heute an'Stille der ausscheidenden nichtständigen Ratsmitglieder Canada, Cuba und Finnland für die nächsten drei Jahre Guatemala, Norwegen und Irland zu Mitgliedern des Völkerbundsrats gewählt. Guatemala erhielt 43, Norwegen 38 und Irland 36 Stimmen. Portugal hatte bei der Abstimmung 30 Stimmen erhalten. Auch der Versuch der chinesischen Regierung, einen nichtständigen Sitz im Völkerbundsrat zu erhalten, ist mißglückt, da China nur 27 von 48 abgegebenen Stimmen erhielt. Die Ablehnung des chinesischen Antrages wird darauf zurück- geführt, daß die gegenwärtigen innerpolitischen Zustände in China keine genügende Gewähr für eine feste Regierung bilden und deshalb die allgemeine Stimmung in der Völkerbundsversammlung für China nicht günstig war.
Im weiteren Verlauf der Völkerbundsoersammlung wurde alsdann, wie vorauszusehen war,
der Antrag sämtlicher europäischer Möchte auf sofortige Einsetzung eines aus Regierungsvertretern sämtlicher europäischer Staaten bestehenden Sonderausschusses zur weiteren Behandlung der Paneuropafrage angenommen.
— 0,4
100 100
Sos Aiislmd und die Wahlen
Wer hat je daran gezweifelt, daß Rechtswahlen bei uns in Frankreich nicht beliebt sind, daß man sich dort ein pazi- fistisch-svzialistisches Deutschland eher wünscht? And nun lese man die Linkspresse, die mit zitterndem Augenaufschlag die „bedenklichen" Kommentare der Sauerwein und Genossen im „Matin" wie im holländischen „Telegraaf" wiedergibt, um dem deutschen Wähler nachträglich vor seiner eigenen Courage Angst zu machen.
Zu den Mitteln, uns gruseln zu machen, gehören auch gewisse internationale Bör- senmanöver, die dem deutschen Volle zeigen sollen, wie man in diesen Kreisen wünscht, daß gewählt würde. Die sogen. „Beruhigung" tritt dann auch prompt bald wieder ein. Es gehört in dasselbe Kapitel.
Das Arteil des Auslandes, das nicht unter französischem Einfluß steht, Amerika. England und besonders Italien, ist denn auch wesentlich ruhiger, vielfach geradezu von Verständnis getragen: So lehnt man in England es ab, den überwältigenden Sieg der Aationalsozialisten als Sieg des Radaumachertums und der Anvernunft hinzustellen, sieht vielmehr darin die An- zufriedenheit mit der parteipolitischen Kuhhand elspvlitik und vor allem den
nationalen Protest gegen Verfailles und seine Folgen.
Daß Italien die Hitlerbewegung als kongenial empfindet und die führenden Blätter dort sich eingehend mit diesem neuen „nationalen Aufschwung" (so der ©ordere della fera) in Deutschland beschäftigen, ist besonders heute selbstverständlich, wo der französisch-italienische Antagonismus wieder einmal stark ist.
Das Arteil der außerordentlich einflußreichen Hearstpresse in Amedka haut in dieselbe Kerbe. Dort sieht man auch nicht „Anvernunft" in dem Wahlergebnis sondern das Auflehn en gegen die Knebelung Deutschlands wirtschaftlich aber auch auf dem Gebiete der Selbstachtung. Mag hier auch das Gefühl mitsprechen, daß gerade in Versailles Deutschland von Wilson tief getäuscht wurde oder die Aeberzeugung, daß die Auspowerung Deutschlands durch die Kriegslasten schließlich die gesamte Weltwirtschaft zerrütten müsse, zumal sie nur dem Militarismus Frankreichs zugute kommt. Alle diese Stimmen sind für Deutschland ein Mus. Der Sieg der Aationalsozialisten ist allen ein Warnungssignal, das sie nicht überhören, und das kann uns nur nützen. Alle diese Stimmen wollen auch nicht auf unsere innere politische Haltung Einfluß gewinnen, wie Frarllreich und seine deutschen Aachtreter, sie behandeln einfach das Ergebnis als Tatsache und ziehen ihre Schlüsse.
Deutsche Padeien sollten sich zu gut sein, die Regelung unserer politischen Verhältnisse zum Spiel des Auslandes dadurch zu machen, daß sie sich daran interessied zeigen.
Das gilt auch für die Fragen der Regierungsbildung. Die Sozialdemokratie bietet sich jetzt zur großen Koalition direkt an. Herr Braun wohl aus Angst vor Konsequenzen für Preußen. Der „Vor- wäds" will sogar das Vergangene vergessen, sekundied wie immer von der Staats- partei. Das ist Wohl niemand eine Aeber- raschung, ebensowenig, daß der trotzige Republikaner Wirth den Feind rechts sieht und die Koalitionsverhandlungen von vornherein festzulegen sucht. Daß aber die französische Presse die große Koalition direkt zu suggerieren sucht, dürfte sie uns Deutschen kaum empfehlen. Dorläuftg sind ja wohl alles nur Kombinationen, Rechen- tunststücke, wenn nicht gar wie so oft Futterkrippenmanöver. Das Volk verlangt vor allem, daß das Sanierungswerk der deutschen Wirtschaft und der deutschen Innen- und Außenpolitik kraftvoll fortgesetzt werde. Vor den Wahlen hieß es. daß die Sozialdemokratie dieses Sanie-