Dienstag, len 9. Sept. 1930
itc ^vberhrisijche Zrtlurig" «• chetnl sechsmal wöchentlich De- :oASprriS Monatlich 2^VEM.an«. tchlteßl. Znstellungsgrbühi. dnrrt |* Post 2*45 GM. Für etwa durch Streik, Malchin en defekt oder eie» mentar, Greigntsi« auoiavend« Rmmnern wird tritt Srsae xe- ristet. Verlag Dr. §. Kitzervth. Druck bet Unib.-Dnchdrnckeret Job. Stag. Koch, Markt 21/23 Fernsprecher: Rr. 54. v. Skr. 65. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Skr. 6016. — Sprech,et, rer Redaktion von 10—11 und
«fei—1 Ubr.
ÄberheMche
Mim V4 * HM A mm
ÄMSawtii« Z” ■ [7^ ■ H H M ■ ■ [ [ AmdMttung
Anzeiger für (das frühere kurhefsifche) Oberhessen
Still S5.SM«. Marburg a.Mn
Der Anzeigenpreis beträgt für den 11 gesvalt. Zeilenmillimeter 0.08 GM., sog. kleine Anzeigen ttttb Familienanzeigen bei Barzahlung 0.07 SM, amtliche und au<- Ivärtige Anzeigen 0.10 GM Bei schwierigem Satz sowie bei Platz» Vorschrift 50»|. Aufschlag. — Sammelanzeigen 100 °le Stuf- schlag. NeNam.-Millim. 0,40 SM Jeder Rabatt gilt als Barrabatt.
Ziel 5 Tage.
Sfferken-SebLhr: 25 Pfg.
Beleg« werden berechnet. LrMungssrt Marburg.
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Der ValiWna-KonM beigelrgt
Sie erste Sitzung les Mlkrrbunbsrats
Eia Begräbnis erster Klasse?
Die Besprechung über die europäischen Einigungsbestrebungen, die auf Einladung der französischen Regierung unter Teilnahme von Vertretern von 27 europäischen Staaten im Gebäude des Völkerbundessekretariats stattfand, begann heute nachmittag 4 Uhr und war um 7.30 Uhr zu Ende. Der französische Außenminister Briand erläuterte an Hand des der Konferenz vorgeschlagenen Weißbuches die. auf das Memorandum der französischen Regierung eingegangenen Antworten und legte die Gesichtspunkte für die wertere Behandlung der Frage dar. An die Ausführungen Briands schloß sich eine eingehende
der Vorsitzende konnte die einstimmige Annahme des Berichtes feststellen.
Diskussion an in der der englische Außenminister Henderson verschiedene von der französischen Auffasiung abweichende Gesichtspunkte hervorhob. Zum Schluß wurde folgende Entschließung angenommen, worin die weitere Behandlung der Frage der Vollversammlung des Völkerbundes überwiesen wird.
Die Vertreter de, europäischen Regierungen nehmen Kenntnis von dem Ergebnis der Umfrage zur Schaffung einer europäischen Union. Sie sind überzeugt, daß eine enge Zusammenarbeit der europäischen Völler auf allen Gebieten des internationalen Lebens für die Aufrechterhal
tung des Weltfriedens von grundlegender Bedeutung ist. Sie sind einmütig in der Auffasiung, daß diese Zusammenarbeit im Rahmen des Völkerbundes und im Geiste der Grundsätze des Bölkerbundpaktrs erfolgen soll.
Briand wird der Vollversammlung diese Entschließung unterbreiten.
Der Reichsaußenminister vor der Weltpresie.
Genf, 8. Sept. Reichsaußenminister Dr. C u r t i u s empfing heute abend die Vertreter der Weltpresie. Er oetontr, daß die deutsche Regierung von- Ansang an eine possttive Stellung zu dem Gedanken einer europäischen Föderation eingenom
Sngrifoicgel
In Genf ist nach Eintreffen Ser verschiedenen Delegationen der Völker« bundsrat in der üblichen feierlichen Weise wieder zusammengetreten. Es ist begreiflich, daß das deutsche Volk wegen der Wahlkämpfe im Augenblick wenig Sinn für die Dinge hat, die sich außerhalb der deutschen Reichsgrenzen abspielen. Dies^ mangelnde Interesse schafft es aber doch nicht aus der Welt, daß diese Dinge für die Gestaltung der deutschen Volkseinheit von ausschlaggebender Bedeutung sind und ausschlaggebend bleiben, gleichgültig, oo man nun in Deutschland sich mit anderen im Augenblick näherliegenden Sachen beschäftigt. Von den vielen Fragen, die in Genf deutsche Interessen berühren werden, nimmt die dem Völkerbund vom Memel- land überreichte Beschwerde zumindesten die akuteste Rolle ein. In dieser Beschwerde wird in nachdrücklichster Form über das unrechtmäßige Vorgehen der litauischen Regierung gegen die dem Memelland gewährten Rechte Protest erhoben. In Memel erwartet man selbstverständlich, daß die deutsche Völkerbundsordnung diese Beschwerde entsprechend der Zusicherung der Berliner zuständigen Stellen vor dem Völlerbund zur Sprache bringen und energisch vertreten wird. Da weitere Verhandlungen zwischen Litauen und Deutschland über die Memelfrage infolge des herausfordernden Verhaltens der Kownoer R^ gierung völlig zwecklos erscheinen, erblickt man in der Aufrollung der Memelfrage in Genf die einzige Möglichkeit, der Willkürherrschaft Lstauens im Memelgebiet ein Ende zu bereiten. Die Entscheidung des Völkerbundsrates ist umso, dringlicher, als die vom litauischen Gouverneur eingesetzte Diktaturregierung bereits mit der Durchführung der angekündigten Litauisierungs- maßnahmen begonnen hat. Zunächst soll der memelländische Beamtenapparat durch Entlassung aller derjenigen Beamten, die nicht die litauische Sprache beherrschen. Erschlagen werden, dann ist es schon jetzt beschlossene Sache, die reichsdeutschen Lehrer zu entlassen, um sie durch litauische zu ersetzen.
Das französische Weißbuch zur Pan - europafrage wird in Konferenzkreisen allgemein dahin bewertet, daß, Frankrmch seinen großen Plan der endgültigen Stabilisierung 'der heutigen europäischen Lage voll auftechterhält und eine europäische Union nur auf der Grundlage der Anerkennung der jetzigen europäischen Staatengrenzen fordert, obwohl eine einheitliche Anerkennung dieses Grundsatzes in den Antwortnoten keineswegs erfolgt ist.. Ausfällig ist, daß die französische Regierung die Erllärung der deutschen Rote nicht erwähnt, die seinerzeit allgemein Aufsehen erregt hat, und in der die Reichsregierung eine mutige Inangriffnahme der gegenwärtigen Haupthindernisse einer europäischen Einigung forderte. Die französische Regierung Betont vielmehr von neumn ihren Standpunkt, daß die völlige Gleichheit sämtlicher europäischen Mächte in der Europa-Anion 'gesichert werden müsse in der Weise, daß weder die Verpflichtungen noch die Rechte aus anderen Verträgen hierdurch berührt werden könnten. Von besonderem Interesse ist, daß die französische Regierung hierbei lediglich die 2mf- fassung der ungarischen Regierung verzeichnet, nach der sämüiche bestehenden Angleichheiten, die heute die volle Souveränität gewisser Staaten einschränken, beseitigt werden mühten. Die französische Regierung sucht diesen ungarischen Standpunkt in der Weise als unwesenüich darzustellen, in dem die Auffassung der englischen Regierung als der Ausspruch der allgemeinen Meinung dargestellt wird. Entsprechend der englischen Auffassung müsse vielmehr die Aufmerksamkeit der europäischen Völker von den Feindseligkeiten der Vergangenheit und Ben ^stter- essenstreitigkeiten abgewandt und lediglich aus Sie größeren Interessen der Wgemein- heit gerichtet werden. Die französische Regierung hat damit den in der deutschen und
Genf, 8. Sept. Die erste öffentliche Sitzung der 60. Tagung des Volkerbunds- rates wurde heute vormittag vom Rats- prästdenten Z u m e t a (Venezuela) eröffnet.
Der finnische Außenminister P r o - copä erstattete den
Palästina-Bericht der Mandatskommission. Er erklärte die britische Regierung habe wiederholt versichert, daß sie ihre, Verantwortlichkeit für die Schaffung etnei indischen Heimstätte in Palästina anerkenne und daß die Beschränkung der Einwanderung nach Palästina nur zeitweise sei. Die Mandatskommission mente, daß diese Versicherung die in der jüdischen Bevölkerung entstandene Beunruhigung beseitigen werde. In der Entschließung, die Procopä dem Rat zur Annahme vorschlug, wird die englische Regierung ersucht, zur Wiederherstellung des ^nebens in Palästina Maßnahmen gemäß den Vorschlägen und Anregungen der Mandatskommission zu verfügen.
Der englische Außenminister Henderson erklärte sich mit dem Bericht Proco- p^s einverstanden und bestätigte, daß kein allgemeines Verbot der jüdischen Einwanderung nach Palästina ergangen, sondern lediglich eine vorübergehende Be- chränkung der Einwanderung aus pollzei- ichen Gründen angeordnet gewesen fei..
Der Vertreter Persiens sprach sein Bedauern darüber aus, daß m dem Bericht Procopes nicht die Verpflichtung der Mandatsmacht zur Wahrung der staatsbürgerlichen Rechte des mchtzudlschen Ve- völkerungsteiles erwähnt worden sei.
Der Vizepräsident der Mandatskommission. v a n R e e s, begrüßte die Erklärungen Hendersons. Damit war die Aussprache beendet und
men habe und daß ihre kontinuierlich befolgte Politik der internationalen Zusammenarbeit und der Förderung des Friedens von jeder künftigen Regierung werde fortgesetzt werden müssen. Es sei das Verdienst Briands, den Europagedanken aus der Sphäre der privaten Propaganda in den Bereich verantwortlicher Regiemlngs- verhandlungen erhoben zu haben. Damit seit der Weg einer zwar langsamen, aver organischen Entwicklung vorgezeichnet, w:e ie zum Gelingen des Planes notwendig ei. Man habe sich in der heutigen Kon- erenz über die Form der weiteren Behandlung der Angelegenheit zwar unterhalten, sei aber der Ansicht gewesen, daß der Völkerbundsversammlung, in dieser Hinsicht nicht vorgegrifsen werden dürfe.
Als zweiter Punkt der Tagesordnung wurden die Arbeiten des Komitees zur
Bekämpfung des Frauen- und Kinder- handels
erörtert, über die der persische Delegierte Bericht erstattete. Seine Ausführungen wurden ohne weitere, Aussprache genehmigt, nachdem sowohl der Berichterstatter als auch der Vertreter Japans im Namen ihrer Regierungen zugesagt hatten, daß die vom Völkerbund nach Asien entsandte Studienkommission volle Unterstützung finden werde.
Ueber die Arbeiten der 32. Tagung des Wirtschaftskomitees des Völkerbundes im Juni 1930 berichtete RerchsaußenmiNlster Dr Curtius. Der Bericht, der u. a. die Frage der Ausfuhrprämien, des Schmuggels, sowie des Walfischfanges e- handelt, wurde angenommen. Auf Antrag von Dr. Curtius wurde beschlossen, die von den Vertretern Kanadas, Finnlands und Persiens dazu gegebenen Anregungen mit den von ihm erstatteten Bericht an die Regierungen weiterzugeben.
Ohne Aussprache wurde dann weiterder Bericht über die Wechsel- und Scheckrechtskonferenz ,den gleichfalls Dr. Curtius erstattete, angenommen.
Nachdem der Rat noch den Vorschlag der finnischen Regierung
dem Haagex Gerichtshof den Charakter einer Berufsinstanz bei internationalen Schiedssprüche« zu verleihen, an die Vollversammlung weiterzulerten beschlossen hatte, wurden die Beratungen auf Dienstag vormittag 1130 Uhr vertagt.
Genf, 8. Sept. Die vom französischen 1 Außenminister Briand einberufene europäische Konferenz ist am Montag nachmittag in der Glasveranda des Böl- kerbundssekretariats zu ihrer erste« Sitzung, einer Eeheimsitzung, zusammengetreten. Die Leitung der Verhandlungen liegt vorläufig in bett Händen des französischen Außenministers.
Auf der Tagung sind sämtliche Europäische Staaten bis auf Albanien vertreten. Zwanzig Außenminister nehmen an der Konferenz teil; ferner drei Ministerpräsidenten und zwar Bundeskanzler Schober, sowie die Ministerpräsidenten von Griechenland und Lettland. Spanien ist durch den Pariser Botschafter Quinones de Leon vertreten, während Litauen und Portugal Sondervertreter entsandt haben. Die Tagung gilt zunächst als eine Konferenz der europäischen Mitgliedsstaaten des Völkerbundes, ohne in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Völkerbund zu stehen, jedoch hat das Völkerbundssekretariat bett technischen Apparat für die Durchführung des Werkes zur Verfügung gestellt.
Briands Denkschrift an die Europa- Konferenz.
Wie der Korrespondent der Agentur Havas in Genf berichtet, umfaßt das Schriftstück, das Briand heute nachmittag den an der Europa-Konferenz teilnehmenden Staaten überreichen wird, etwa 100 Seiten und zerfällt in vier Teile. Die ersten drei Teile bestehen aus dem am 9. September 1929 ausgegebenen Kommunique über den Europa Gedanken, dem Memorandum vom 1. 5. ds. Js. und den Antworten der 26 befragten Staaten. Diese drei Teile sind bereits veröffentlicht.
Neu dagegen ist der vierte Teil, der vom 8. September datierte Bericht der französischen Regierung über die Ergebnisse ihrer Umfrage. Briand analysiert darin die 26 eingegangenen Antworten und behandelt int einzelnen folgende Fragen: Beziehungen der föderativ organisierten europäischen Staaten zu den außereuropäischen Nattonen, Achtung der Souveränität und der Gleichheit der Föderativstaaten, prak- ttsche Mittel, um es ihren Vertretern zu ermöglichen, Besprechungen abzuhalten.
Nach Mitteilung des Havasvertreters in Genf wird nach Ueberreichung der Briand- schen Denkschrift eine allgemeine Aussprache dazu führen, daß der Vorschlag gemacht wird, die Frage „Organisierung einer föderattven Verbindung der europäischen Staaten" aus die Tagesordnung der jetzt beginnenden Völkerbundstagung zu setzen. Dieser Vorschlag werde wahrscheinlich angenommen werden.
Alle befragten Regierungen", so heißt es weiter, „sind mit der französischen Regierung in dem Wunsche einig, die geplante Union unter die moralische Autorität des Völkerbundes zu stellen. Hierüber muß eine Beratung der europäischen Konferenz baldigst eröffnet werden. Auch der Vorschlag der bttttschen Regierung, die Völkerbundsversammlung mit dem jetzigen Stand der Umfrage zu befassen, würde eine sofortige Erörterung notwendig machen. Bezüglich des von den meisten befragten Regierungen geäußerten, von der finnischen und polnischen Regierung besonders formulierten Vorschläge nach Einsetzung eines Studienorgans zur planmäßigen Ausarbeitung eines Organisationsprogramms der europäischen Union wird es gleichfalls Sache der Konferenz sein, wenn sie sich hierzu grundsätzlich bekennt, die Bedingungen und die Frist für eine hierüber zu treffende Entscheidung zu prüfen."
Die WmmM-Konferenz in Genf
Die BölkerdunMellversanimliing feil entscheiden — Presseerklärung des Außenminlslerd Sr. Cuetiiil