Revolution in Argentinien
Sm M giotlc gegen die Regierung — Knmvie in Buenos Aires
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Marburg a. Laim
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Montag, den s. Seel. 1930
fprüche gegen die preußische Polizei darauf, daß sie unsachgemäß gehandelt habe. Regierung oder Polizei der Vereinigten Staaten hätten an Diamond kein Interesse g^aot, ern Haftbefehl gegen Diamond habe nicht oorge-
deutschen Behörden Diamond in Deutschland nicht hätten haben wollen, so hätten sie sich das vor Erteilung des Visums überlegen müssen, nicht aber, nachdem D. im Vertrauen auf die ihm gewährte Einreiseerlaubnis die deutsche Grenze überschritten habe.
Die diesjährige arkttsche «Saison" scheint die Lösung verschiedener Rätsel zu bringen, die das Land des ewigen Schweigens uns bisher vorenthalten hat. Nachdem die Andree-Expeditton 33 Jahre nach ihrem Abflug ausgefunden worden ist, bringt nun ein Robbenjäger eine, wenn auch spärliche Meldung vomSchicksaldesLuft- schiffes «Italia". Er hat aus einer der östlich von Spitzbergen liegenden Inseln ein meteorologisches Instrument gefunden, wie es aus den jene Gegend befahrenden Fangschiffen niemals verwendet wird. Man hat das Instrument in Trornsö, wohin es der Jäger gebracht hat, untersucht und die Sachverständigen behaupten, daß es von Bord der «Italia" stammen müsse. Diese Frage wird in den kommenden Tagen restlos geklärt werden, wenn die Aeberlebenden der «Italia"-Kctta- strophe einwandfrei mitteilen können, ob das Instrument an Bord des Luftschiffes mitgeführt worden ist. Wenn das der Fall ist, dann gibt es einen Beweis dafür, daß das Luftschiff «Italia" vom Ort der Katastrophe nach Osten abgettieben worden ist und daß man die Reste der Expeditton zwischen Spitzbergen und Franz- Iosefs-Land suchen muß.
Die Katasttophe der «Italia" hat sich bekanntlich so abgespielt, daß das Luftschiff auf das Treibeis prallte; die Führergondel riß ab und der Ballon erhob sich, von seiner Last befreit, wieder in die Höhe. In der Gondel befanden sich Nobile und seine Begleiter, die später — mit Ausnahme Malmgreens —gerettet wurden. Mit der Hülle des Luftschiffes aber wurden 8 Personen abgettieben, sechs Mechaniker, ein Wissenschaftler und ein Journalist. Nach dieser sogenannten Alessandri- Gruppe haben die Italiener nicht gerade sehr eifrig gesucht. Schuld daran trug in erster Linie Nobile, der behauptet hat, er hätte gesehen, wie die Hülle unweit des Ortes, wo die Katasttophe geschah, verbrannte. Man beschränke sich auf einige Crkundungsflüge mit Wasserflugzeugen. Im Mai 1929 ging eine italienische Expeditton auf einem Fangschiff nach Spitzbergen, um die Vermißten zu suchen. Auch ihre Arbeit blieb ohne Ergebnis, denn es gab gar keine Anhaltspunkte dafür, w^drez
obecheMche Zeitung
untergebracht. Tausende von Soldaten haben Befehl erhalten, Leben und Eigentum der Geschädigten zu schützen und ihnen Hilfe zu leisten.
Sonntag trafen mit einem Flugzeug große Mengen von Antitoxinen ein. Dre Hilfsaktion ist jedoch infolge des Fehlens von trinkbarem 'Wasser gefährdet, so daß der Ausbruch von Epidemien befurchtet wird. Man hat sofort mit der Errichtung eines großen behelfsmäßigen Krankenhauses begonnen. Der Sachschaden wird jetzt auf 50 Millionen Dollar geschätzt. Die Rettungsmannschaften, die die Umgebung der Stadt Santo Domingo im Umkreis von etwa 15 Meilen untersucht haben, fanden die Orte S a n L u i s und I s i dar o vollständig zerstört. In Btlla- duarte sind 300, in Villa Francesca 167 Personen getötet worden. Im Eeburts- hospital in Santo Domingo wurden 50 Tote gefunden. Als das Gebäude ern- stürzte, wurden die meisten Mütter und neugeborenen Kinder durch die herabstu^ zenden Zinkplattenwände buchstäblich enthauptet.
wurde in Hast genommen. Uriburu übernahm darauf die Regierungsgeschäfte und bildete ein neues Kabinett. Irgendwelcher Widerstand wurde ihm von der Regierung nicht geleistet. Die Truppen stehen restlos hinter Uriburu.
Präsident Jrigoyen im Sterben?
Der frühere Präsident von Argentinien, Jrigoyen, ist in der Nacht zum
Sie «Oberhesfisch« Zeitung" et« cheint sechsmal wöchentlich. De. ;ngspreis monatlich 2.20 GM.au»> schließt. Zustellungsgebühr, durch die Pos! 2«46 GM, Für etwa durch Streik. Maschinendefekt oder elementare Ereignisse ausfallende Rümmer« wird kein Srsar xe- eistet. Verlag Dr. §. Hitzervth. Druck der Unib.-Buchdruckerei Job. Slug. Koch, Markt 21/23 Fernsprecher: Nr. 64. tu Nr. LS. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Rr. 6015. — Sprechzeit itt Redaktion von 10—11 und
„Associated Preß" meldet aus Buenos Aires: Die 13 im Hafen liegenden Kriegsschiffe und ihre aus 7000 Mann bestehende Vesatzungtz schloffen sich der Bewegung gegen den Präsidenten Jrigoyen unter der Führung des Generals Storni an. Dieser teilte der Regierung in einem von sämtlichen O f fi z i e r e n unterzeichneten Schriftstück mit, daß die Marine nicht auf die Armee feuern werde. Die Stimmung in Buenos Aires ist aufs höchste gespannt. Oberstleutnant Torres wurde im Lager von Campo de Mayo von seinen Offizieren erschaffen, da er sich weigerte, sich der Bewegung anzuschließen.
„Associated Preß" bringt ausführliche Schilderungen über den Sturz der argen- ttnischen Regierung und die Vorgänge in .Buenos Aires. Das argentinische Kabinett hat den Beschluß, sich dem Militär zu ergeben, nach einer Sitzung gefaßt, die fast den ganzen Tag andauerte. Als auf dem Regierungsgebäude die weiße Fahne gehißt wurde, befanden sich die angreifenden Truppenabteilungen bereits im Anmarsch. Vor dem Gebäude der Zrigoyen ergebenen Zeitung „La Epoca" kam es zu einer Schießerei zwischen regierungstreuer berittener Polizei und den angreifenden Truppen. die das Feuer der Polizei mit Maschinengewehrsalven erwiderten. Ueber die Zahl der Verletzten und Toten sind die wildesten Gerüchte im Umlauf. Man spricht davon, daß insgesamt 1000 Personen getötet oder verwundet worden seien. Nachdem sich auch die Polizei den Aufständischen ergeben hatte, stürmte die Menge den Regierungspalast, riß die Bilder Jrigoyens von den Wänden und verbrannte sie. Auch die Büroräume des Innenministeriums wurden von der Menge gestürmt. Das Haus der Epoca wurde in Brand gesteckt, die Feuerwehr weigerte sich zu löschen.
Vicepräfident Marttnez hat die Regierungsgeschäfte dem General Uriburu und dem Admiral Stroni übergeben. Uriburu hat ein provisorisches Kabinett gebildet dessen Leitung er selbst übernommen hat und zu dessen Vicepräsidenten der konservattve Abgeordnete Enrique Santa Marina berufen wurde. Konteradmiral Charlo Shermelo wurde zum Polizeichef von Buenos Aires ernannt. Das Kabinett hat den Belagerungszustand im ganzen Lande erklärt. Nach der Entwaffnung der Polizei übernahmen Truppenabteilungen den Ordnungsdienst.
fk. Buenos Aires, 8. Sept. Der am Freitag zurückgetretene argentinische Staatspräsident Jrigoyen ist am Sonnabend von dem Führer der revolutionären Truppen, Uriburu, verhaft tet und in ein Gefängnis gebracht worden. Auch der stellvertretende^ Präsident,
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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Overhessen
Anzeiger der amtliche« Bekanntmachungen fiir Stadt «nd Kreis Marburg
Sageöioiegel
Erne zeitlang war für eine große AN-- zahl von bürgerlichen Intellektuellen Max H ö l z das unschuldige Opfer einer Klassen- justtz Der Urteilsspruch gegen ihn war selbstverständlich ein Fehlspruch. Max Hölz war mitnichten ein Bandenführer oder ein Räuberhauptmann, er war vielmehr ein hochtalentterter Volksführer, ein Kämpfer gegen Unterdrückung und Ausbeutung, ein edelmüttger Freund der Armen und Geknechteten. Anerkannte Schriftsteller mit internationalen Namen setzten sich für Hölz ein und verlangten seine Amnestierung. Falsch verstandene Humanität verschwend dete ihre Gefühle an einen Menschen, dem sie Triebttäfte für sein Handeln unter-, legte, die Max Hölz sicherlich niemals hatte. Die Justiz beugte sich dem Sturm der öffentlichen Meinung und Max Hölz wurde nach einigen Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen. Max Hölz aber macht seinen Freunden aus dem allzu humanitären "Bürgertum wenig Freude. In einer Riesenversammlung int Berliner Sport-, palast hielt er vor 15 000 Kommunisten eine solch blutrünstige Ansprache und steigerte sich in einen solch theoretischen Bluttausch hinein, daß es den eigenen Parteigenossen von ihm Angst und Dange wurde und sie schleunigst die Internationale spielen liehen, um Maxens Redeschwall zu übertönen. Der letzte verständliche Satz von ihm lautete: „Sorgen wir dafür, daß auch in Deutschland bald eine Tscheka ihre Arbeit aufnehmen kann und die Severing- Zörgiebel und Konsorten erschossen werden". Der «Vorwärts" nennt diesen Satz ungeheuerlich, verbrecherisch und unsagbar dumm. Sie rufen jetzt nach dem Staatsanwalt, dem man seither nur allzugerne in den Ann gefallen ist.
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Sonntag verhaftet, aber später wieder freigelaffen worden. Er soll einen Schlaganfall erlitten haben und im Sterben liegen. In Buenos Aires ist es zu neuen Zusammenstößen gekommen, wo- bei es 5 0 T o t e gegeben haben soll. Die Gebäude zweier Zeitungen sind von der Menge geplündert, in Brand gesteckt und völlig zerstört worden.
Die tiuiitie NelMlion in Gen!
Genf, 7. Sept. Außenminister Dr. Curtius ist in Begleitung der Ministerialdirektoren Dr. Gaus, Dr. R11 - ter und Dr. Zechlin, des Gesandten von F r e y t a g und des Gehetmrats Weizsäcker heute um 12 Uhr tn Eens eingetroffen. Den Nachmittag benutzte der Minister zu Besprechungen mit den Mitgliedern der deutschen Delegation, von denen einige, darunter die Gehermrate von Friedberg und Frohwein, ”or= her in Genf eingetroffen waren. Mit dem gleichen Zug wie Dr. Curtius ist auch der österreichische Bundeskanzler Dr. Schober angekommen, der am Bahnhof von dem ständigen Delegierten Oesterreichs beim Völkerbund Dr. Pflügl empfangen wurde.
ft. Buenos Aires, 8. Sept. Am Sonnabend kam es zwischen Anhängern von Jrigoyen und revolutionären Truppen zu schweren Kämpfen, bei denen 15 Personen getötet und 190 verletzt wurde«. Der frühere Innenminister Gonzales und der ehemalige Sekretär Jrigoyens find verhaftet worden.
Mer 4000 Zote auf Salti
Ganze srlMaM W ZkkM - SKkkSmMder in Santo Sanins»
EmüMmMMren gegen Mar M
Berlin, 6. Sept. Die Staatsanwaltschaft II Berlin hat gegen Max Hölz aufgrund des Republikschutzgesetzes wegen seiner Rede im Sportpalast, in der er zur Erschießung von Volksgenossen aufgefordert haben soll, ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.
Die Bollstteckung der Todesurteile gegen die slowenischen Terroristen.
Rom, 6. Sept. Die Vollstreckung der Todesurteile, die das Sondergericht zum Schutze des Staates in Triest am Freitag gegen vter slowenische Terroristen verhängte, wurde von einem Bataillon der faschistischen Mtliz.ausgeführt. Die Verurteilten hatten unmittelbar nach dem Urteilsspruch ihr Gnadengesuch unterzeichnet und die Nacht wachend verbracht. Da der Kommandant des Triester Armeekorps die Gnadengesuche nicht weiter leitete, wurden Maßnahmen zur Vollstreckung getroffen. Um drei Uhr wurden die Verurteilten zum Richtplatz geführt. Die fachrstische Presse erkennt einstimmig den llrteilsspruch als einen Akt weiser Gerechtigkeit an und betont die Notwendigkeit exemplarischer Strafe aeaen die Terroristen-
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Sack Simnmd vrrkiag! die Polizei
Berlin, 8. Sept. Der amerikanische Bootleger Jack Diamond, der Sonnabend auf dem deutschen Frachtdampfer „Hannover" nach Philadelphia abgeschoben worden ist, hat, wie der Montagmorgen meldet, durch einen Berliner Rechtsanwalt eine hohe Schadenersatzror- derung gegen den preußischen Polizeifiskus geltend gemacht. Diamond verlangt den Ersatz der Kosten für seine Hin- und Rückreye von den Vereinigten Staaten nach Deutschland, Schmerzensgeld für die Zeit der Polizeihast und
Schadenersatz für die schwere Kredit- schiidiguug,
die durch seine Festnahme erfolgt sei. Jack . Diamonds Rechtsvertreter stützt leine An->
fl. Newyork, 8. Sept. Nach den letzten Meldungen aus dem Wirbelsturm- gebiet ist die Zahl der Todesopfer in Santo Domingo auf über 4 00 0 gestiegen. Es wird der Ausbruch von Seuchen befürchtet. ....
Die Verwüstungen in Santo Domingo.
Die Pariser Gesandtschaft der Republik Domingo hat ein drahtloses Telegramm erhalten, in dem es heißt: Dre Stadt Santo Domingo ist so 3ut^wre vernicht e t. Man schätzt die Verluste auf mehr als 30 Millionen Dollar. Bisher sind über 1000 Leichen geborgen worden, die zum größten Teile wegen Mangels an Zeit zur Beerdigung eingeäschert worden sind. In der Stadt wurden über 2000 Personen verletzt.
Es fehlt an Raum in den Krankenhäusern und an Aerzten.
Man birgt weitere Leichen und Verletzte aus den Trümmern. Viele Famrüen sind in den Kirchen und öffentlichen Gebäuden, soweit sie vom Sturm verschont blreben,