Einzelbild herunterladen
 

Sonnabend, den 6. Sept. 1930

Die «Sbrrhessifch« Zeitung" et- cheint ietbtoial wöchentlich, Ve- zugSprrt« monatlich 2.20 £ 9K.au«- schließt. Zuslellung«gebübt, durch die Post 2M> GM. Für etwa durch Streik, Maichinendefekt oder eie» «enter» Eretgniste anefcCenbe Kummern wird kein örsae ge» eistet. Serie» Dr. 5. L «Neroth. Druck der Unid.«Suchdrucherei Job. Ang. Koch, Merkt 21/23 Fernsprecher: Rr. 54. tt- Kr. 65.

Postscheckkonto: «mt ?rankiurt e. M. Kr. 5015. Sprechzeit er Redaktion von 1011 und 1,11 Ute

iDbcthcHifdlc

SngKerotW Zeitung kmiWMme

St. 209 O5.Sabkg. Marburg a. Lahn

Der Anzeigenpreis beträgt füe den 11 zespalt. Zeilenmillimeter 0.08 SM., sog. kleine Anzeigen nnd Famtlienanzeigen bei Barzahlung 0.07 SSL, amtlich« und aus­wärtige Anzeigen 0.10 GM. Bei schwierigem Sah sowie bei Platz» Vorschrift 500|, Aufschlag. Saimneianzeigen 100(« A«ft schlag. R«kla«.-Millim. 0,40 GM. Jeder Rabatt gilt al« Barrabatt.

Ziel 5 Tag«.

Offerten«®ebftte 25 Pf» Beleg« werden berechnet. Erfüllungsort Marburg.

Tausende von Toten aus Salti

wieAssoziated

Pretz aus Santo Do

Seit einem Jahr sind in Frankreich die Arbeiten im Gange, die Mosel von unter­halb Metz bis Diedenhofen durch einen Kanal schiffbar zu machen. Rund 80 Millionen Francs sind für den Dau des Kanals veranschlagt worden. Die Derwirilichung des Projekts wäre fast ge­scheitert, wenn Frankreich nicht die Mög­lichkeit gehabt hätte, deutsche Sachliese­rungen aus dem Tributplansystem heran­zuziehen und den größten Teil der Arbei­ten zu Lasten des deutschen Reparations­kontos ausführen zu lassen. Der neue Ka­nal soll das lothringische Eisenindustrie­gebiet schneller und bequemer als bisher mit dem Straßburger Rheinhafen verbin­den. Die Franzosen rechnen für das erste Jahr nach der Fertigstellung des KanaV schon mit einer Verladezahl von 2Vr Mil­lionen Tonnen. Vorgesehen ist die Anlage einer ganzen Reihe von Hafenplätzen, so allein drei Häfen in Aeckingen, dem Aus- qanaspunkt der dritten Teilstrecke des Ka- nals, der durch eine Verbilligung der Transportkosten die industriellen Produkte Frankreichs auf dem Weltmarkt wieder konkurrenzfähiger machen soll. Für deut­sches Geld wird also hier wiederum ein Projett realisiett, dessen einziger Sinn nur der sein kann, der deutschen Ausfuhr und mit ihr der einzigen Möglichkett Deutsch­lands, seine Reportgelder zu zahlen neue Schwierigketten zu bereiten.

Die Zahl der nach zwölfjähriger Dienst­zeit zur Entlassung kommenden S o l d a t e n hat sich in den letzten Jahren ständig vermehrt. Im laufenden Jahr ist ihre Zahl bereits auf 8 500 angestiegen, und sie wird sich im Rechnungsjahr 1931/32 noch weiter auf etwa 12 000 stei­gern. Auch die Marine entläßt ihre An-, gehörigen in diesen beiden Jahren zum ersten Mal in größerer Anzahl, da sich die zwölfjährige Dienstzeit mit dem zwölf­jährigen Bestehen der Reichsmarine deckt. Hier werden im laufenden Jahr etwa 4000 Mann zur Entlassung kommen, wäh­rend bei der Schutzpolizei rund 8000 Mannschaften ausscheiden, sodaß sich die Gesamtzahl auf rund 20 000 stellt, die alle versuchen, in der Wittschast oder der Be­amtenlaufbahn unterzukommen. Dabei 'sind die Schwierigketten der Unterbringung der

Rechtsanwalt Dr. Fabian kündigte darauf einen Beweisantrag an, in dem behauptet wird, daß für die Firma Krupp und zwar für die Lieferungen an Pan­zerplatten und Geschützen ein Monopol bestanden hat. Auf die Schädlichkeit die­ses Monopols sei in aller Oeffentlichkett hingewiesen worden. Weiter führte Dr. Fabian aus, daß der Erfinder und Kon­strukteur des Rohrrücklaufgeschützes Heinrich Ehrhardt gegen das Kruppsche Monopol lange Jahre vergeblich gekämpft habe, bis ihm ein teilweiser Erfolg be- schieden gewesen sei. Wie eng der Kaiser mit der Firma Krupp in Verbindung ge­standen habe, gehe auch daraus hervor, daß alle Auslandsvertretungen des Dem-

der Ausrüstung des Heeres, an dessen Schlagkraft er das größte Interesse gehabt hatte, andere als sachliche Motive gehabt habe.

Der Kaiser habe diesmal seine Reserve aufgegeben und eine Beleidigungsklage angestrengt, da mit ihm die ganze alte Armee beschimpft worden sei. Er bean­standete das Vorgehen derMorgenpost auch besonders, weil die Angriffe auf den Kaiser nichts anderes als eine Entlast- ungsoffensive für die Gebrüder Sklarek sein sollten. Gegen den beklagten Redak­teur Mendel könne lediglich eine Frei­heitsstrafe in Frage kommen.

Rechtsanwalt Dr. E v e r l i n g betonte, daß die Obligationen des Kaisers bei der Firma Krupp lediglich 50 000 Mark be-

mingo berichtet, auf mindestens 20 Mil­lionen geschätzt. Die Hungersnot greift immer mehr um sich. Strengste Rationie­rung der eintreffenden Lebensmittel ist notwendig. Die Löschung der Dampfer wird mit großen Schwierigkeiten verbun­den sein, da die Hafenschiffahrt infolge der umherschwimmenden Wrackstücke beinahe unmöglich ist, und außerdem sämtliche La­gerhäuser zerstört wurden. Größere Trupps begannen bereits mit den Aufräumungs- arbeiten und der Instandsetzung der Straßen, die Wochen und Monate dauern wird. Beinahe alle öffentlichen Gebäude, unter ihnen der Palast des Präsidenten, das Abgeordnetenhaus und das Instizge- bände sind zerstört.

Die aus Santo Domingo gemeldeten Verlustziffern von rund 1000 Toten und 2500 Verletzten beziehen sich nur auf die Stadt selbst. Aus dem Landesinnern, wo ebenfalls große Verluste befürchtet werden, sind noch keine Einzelheiten bekannt. Der Affoziated Preß" wird aus Santo Do­mingo aus einer anderen Quelle gemeldet, daß 5000 Personen verletzt seien. Von 10 000 Häusern seien nur 4000 stehen ge­blieben. Die Zahl der Toten sei nicht einmal ungefähr schätzbar, da zahlreiche Tote noch unter den Trümmern begraben liegen. Bisher wurden 800 Leichen gebor­

Mber $oo Leichen gebergen

Newqork, 5. Sept. Der Sachschaden der in Santo Domingo durch die Wirbel- sturmkatastrophe angerichtet wurde, wird,

schon Reiches angewiesen worden waren, der Firma Krupp bei der Erlangung von Aufträgen behilflich zu sein.

Im weiteren Verlauf des Prozesses er­griff Rechtsanwalt' Bloch als Vertreter des Klägers das Wort zu fernem Plä­doyer, indem er u. a. ausführte, ein Pu­blizist habe eine gesteigerte Pfttcht zur Ehrlichkeit und zur Wahrheit, selbst wenn es sich darum handele, seinen Lesern Sensationen zu bringen. Die Behaupun- gen, daß die deutsche Artillerie der des Auslandes unterlegen gewesen sei, be­zeichnete er als unrichtig.

Nicht der Schatten eines Beweises fei dafür erbracht, daß der Kaiser bei

Anzeiger für (das frühere kurheffifche) Oberhessen Anzeiger der «nntlichen Bekanntmachungen Mr Stadt nnd Kreis Marburg,

MMiegel

Bekanntlich sind in den letzten Tatzen gegen die jüngsten Roggenaufkäufe des Reichsernährungsministeriums schwerste Bedenken erhoben worden, die namentlich vom gesamten Handel in der Oeffentlichkeit vorgebracht wurden. Man bezeichnete die neueste Roggensttihungsattion Schieles, die sich in der Hauptsache auf Berlin be­schränkt, als einen Anfug, da der Roggen­preis auf diese Weise doch nicht zu stützen sei und man Millionen unnütz vertan habe Gegen diese These nimmt das Reichs-* ernährungsministerium ganz energisch Stel­lung. Es bedauert, daß augenblicklich zu Wahlzwecken diese Vorwürfe gegen die Regierung erhoben würden. Keinesfalls! stehe die Roggenstühungsattion vor dem Zusammenbruch, sondern es werde im Ge­genteil möglich sein, alle überschüssigen Roggenvorräte auf den Märkten, die dem Roggenpreis gefährlich werden könnten, durch staatliche Käufe aufzunehmen. In Regierungstteisen bettachtet man die Lage des Roggenmarttes durchaus opttmisttsch, umsomehr, als von nun an große Mengen Eosinroggen den nordwestdeutschen Schweinemästereien zugeführt werden. Die­sen Bettieben wird bei Aufnahme von Roggen ein verbilligter Futtergerstezoll angeboten. Es wird daher nach Ansicht des Reic^ernährungsministeriums in kur­zer Zett möglich sein, alle überschüssigen Roggenvorräte nach RordwestdeutsHlanS zu Verfütterungszwecken zu leiten und so auf den Roggenmärkten jene Bereinigung vorzunehmen, die die Voraussetzung einer stabilen und gesunden Roggenpreisbik düng ist. .

Berlin, 5. Sept. Im Großen Schwurgerichtssaal in Moabit begann heute vor dem Einzelrichter der Prozeß, den der frühere Kaiser gegen den Chefredakteur derBerliner Morgenpost" Mendel, wegen des bekannten Ar­tikels angestrengt hatte, in dem dem Kai­ser finanzielle Beteiligung an den Krupp- Werken vorgeworfen worden war. Der Prozeß, der in der Oeffentlichkeit gro­ßes Interesse hervorgerufen hat, hatte zahlreiche Zuhörer herbeigelocht, so daß der große Saal stark besetzt war.

Der verhandlungsführende Richter Amtsgerichtsrat Sues bemühte sich, die 1 'orteten zu einem Vergleich zu bewegen. Als jedoch die Vertreter des Klägers, die Rechtsanwälte Bloch u. Dr. E v e r- ling, für diesen Fall einen völligen Widerruf verlangten, lehnten die Ver­teidiger des Chefredakteurs Mendels, '~iftisrat Mamroth und Rechtsanwalt Dr. Fabian, dies ab. Auch ein weite­rer Vermittlungsvorschlag des Vorsitzen­den, der dahin ging, daß weder der Klä­ger einen Widerruf verlangen, noch der Beklagte von der Führung eines Wahr­heitsbeweises sprechen dürfe, fand zu­nächst keine Zustimmung bei den Par­teien. Im Verlaufe der Rede und Ge­genrede der Anwälte kam es zu Ausein­andersetzungen zwischen Iustizrat Mam­roth' und Rechtsanwalt Bloch, der den KlägerUnser Kaiser" nannte, was Iusttzrat Mamroth beanstandete.

Der Kläger sei heute lediglich ein Pri­vatmann, dessen Name im Verkehr mit den Behörden Wilhelm Prinz von Preu­ßen laute. Da auch Rechtsanwalt Dr. Everling an dieser Stelle in die Debatte eingriff, betonte der Vorsitzende, daß an der Rubrizierung dieses Namens durch die Staatsbehörden nicht zu rütteln fei; er bitte, mit den gegebenen Tatsachen rechnen zu wollen. Auf weitere Vorstel­lungen des Vorsitzenden, der erklärte, ihm scheine schlichten besser als richten, erklärten sich die Vertreter des ehemali­gen Kaisers damit einverstanden, daß der Vermittlungsvorfchlag näher skizziert werde. Trotz eingehender Erörterungen konnte jedoch eine endgültige Formulie­rung nicht zustande gebracht werden, so daß Dr. Everlmg bat, weitere Vergleichs­verhandlungen zu unterlassen, da der Beklagte durch seine Andeutung, daß einige feiner Behauptungen doch bewie­sen werden könnten, nur immer wieder den Eindruck des beanstandeten Artikels wiederhole.

Die Bergleichsverhandlungen sind ge­scheitert,

da Chefredakteur Mendel es ablehnte, seine Behauptungen zuruckzuziehen. Hierauf beantragte Iustizrat Mam r o t h die Einstellung des Verfahrens aus §378 StPO., da die Unterschrift unter der Vollmacht des KlägersWilhelm LR. den gesetzlichen Bestimmungen wwer- svreche und demzufolge ungültig fei.

Rechtsanwalt Bloch widersprach die­ser Auffaffung. Die Vollmacht des Kai­sers fei nicht in Deutschland, sondern m Holland ausgenommen worden, wo die Verordnungen für preußische Behörden keine Gültigkeit besäßen und wo der Kaiser den ihm passend erscheinenden Ti­tel führen könne. Daher sei die ihm vom Kaiser notariell übertragene Vollmacht vollgültig und rechtswirksam und legi­timiere ihn zur Vertretung an dieser Stelle vollkommen. Der Vorsitzende ver­kündete schließlich nach kurzer Beratung, daß der Antrag auf Einstellung des Ver­fahrens abgelehnt sei, da die Identität des Klägers von dem Notar in Holland festgestellt sei.

tragen hätten, ein im Verhältnis zu sei­nem sonstigen Vermögen sehr geringer Betrag. Er stellte dann Artikel derBer­liner Morgenpost" aus den Kriegsjahren dem beanstandeten Artikel gegenüber.

Damals habe die Zeitung voll Pathos die unlösliche Verbundenheit zwischen Fürst und Volk betont, während sie jetzt den Kaiser im Unglück mit Schmutz bewerfe.

. Das Urteil.

Das Gericht verurteilte den Chefredak­teur derMorgenpost, Mendel, wegen übler Nachrede zu einer Geld­strafe von 1500 Mk., ersatzweise zu drei (Sorlfetzung sieh« Seite L)

Hunger und CeuchengeM

gen Der Versuch, die Toten zu beerdigen, mutzte als hoffnungslos aufgegeben wer­den Man mußte zu Massenverbrennun- gen übergehen. Die Hilfsmaßnahmen der offiziellen und der privaten Kreise schrei­ten mit größtmöglicher Schnelligkeit fort. Das amerikanische Marinefahrzeug ,,Hebe ist mit Lebensrnitteln nach Santo Do­mingo unterwegs, zwei weitere Damicher sollen Aerzte, Krankenschwestern und Me­dikamente bringen.

Der Vertreter des Roten Kreuzes Hauptmann Antonio Silva berichtet aus Santo Domingo, bei der Wirbelsturm- katastrophe seien rund 1000 Personen ge­tötet und 2500 verletzt, 4700 Wohnhäuser zerstört und 200 beschädigt worden.

Die Zyklonkatastrophe in Santo Domingo.

Nach den immer noch spärlich einlaufen­den Nachrichten aus Santo Domingo ver­schlimmern sich trotz aller Hilfeleistung aus der unmittelbaren Nachbarschaft und der umfassenden Hilfsaktion des amerika­nischen Roten Kreuzes die Zustände von Stunde zu Stunde. Er fehlt bereits an Wasser und Licht, das Hilfswerk muß da­her in der Dunkelheit fortgesetzt werden. Auch zu Plünderungen ist es schon gekom­men und ernste Anzeichen ausbrechender Epidemien machen sich bemerkbar. Zn den Gefängnissen und Irrenhäusern ge­lang es den meisten Insassen, aus den Zelle zu entkommen. Nachdem der Wir­belsturm in den Bergen von Santo Do­mingo den größten Teil seiner Intensität verloren hat, hält das Wetterbüro die Küste von Florida für nicht gefährdet. Auch das Observatorium von Havanna rechnet nicht damit, daß der Wirbelsturm Kuba noch erreicht.

Kaiser Wilhelm gegen -leMrgeMft"

Irr Lhelredaktenr der .Berliner Morgemest" wegen übler Rochrebe zu 1500 M. Selbllrase verurteilt