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DBetWPWe Bettung. Marbmg a. L. Frtttag, den 5. September 1930

Rr. 208

Eine Gedenktafel für Kapitän Franz Nomer

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entschwand taumelnd in den undurchdring­lichen Dschungeln.

Das Opfer des Zustammenstoßes war ein Wesen von ganz außergewöhnlicher Natur. Staunend standen die Eingebo­renen vor dem monströsen Kadaver und erkannten mit Schrecken, daß ein unbekann­ter und furchtbarer Bewohner des Waldes tot vor ihren Augen lag. Niemand von ihnen hatte je ein ähnliches Exemplar ge­sehen und fie zitterten vor Schrecken, als sie die Größe und die Formen des Tieres betrachteten.

Die Gelehrten der Akademie der Wissen­schaften zu Paris, denen alle erforderli­chen Angaben über meinen Fund gemacht wurden, stimmten mit meinem Schluß überein: Daß die im Urwalde von Cata- tumbo erlegte Bestie ein Menschenaffe war und zwar der erste, der bisher auf dem' amerikanischen Kontinent gesunden wurde.

Die soeben enthüllte Gedenktafel für Kapitän Romer am Hotel Wendelstein.

Zu Ehren des deutschen Kapitäns Romer, der durch seine kühne Überquerung des Atlantic in 6 m langen Klepperboot seinerzeit in der ganzen Welt von sich reden machte, routbe letzt eine Gedenktafel enthüllt, die der Obhut des Hotels Wendelstein übergeben wurde. in dem Romer die letzte Zeit vor seiner Abfahrt nach Amerika verbrachte. Romer wurde bekanntlich im Sevt. 1928 das Opfer eines Tornados bei den Kleinen Antillen.

baren Methoden ihres Angriffs. Wir er­griffen unsere Gewehre und bereiteten uns vor, sie so gut zu empfangen, als nut es vermochten. Gerade in diesem Augenblick trat ein riesiger Affenmensch aus den Dschungeln. Wie ich bereits sagte: Der Anblick war sichtbar. Trotzdem atmete ich auf es waren nicht dre Mot,Ionen. Ein zweites Ungeheuer folgte dem ersten und hielt sich im Hintergrund m seiner Nähe, während es in das Konzert der drohenden dumpfen Kehllaute mit em- stimmte. In diesem Augenblick schoß einer meiner Leute, der vor Schreck die Nerven verloren hatte, ohne zu zielen fernen Re­volver ab. Jetzt war die Holle los Das Untier sprang mit wildem Geschrei herum und schlug sich wie wahnsinnig mit seinen eigenen Fäusten auf die behaarte Frust; dann riß es mit einem Ruck einen Ast vom nächsten Baum ab und ihn schwingend, rote ein Mann einen Knüppel schwingen würde, näherte es sich mir in höchster Wut. Ich müßte schießen.

Don Kugeln durchbohrt, stürzte der, ge­waltige Körper zu Boden, fast zu meinen Füßen, und zitterte eine Weile. Der ster­bende Menschenaffe verschränkte die Arme über seinem Kopf, als wolle er fern Gesicht verbergen, und hauchte ohne Schmerzens­laut sein Leben aus. Der andere Affe starrte uns längere Zeit an, dann den Körper des sterbenden Gefährten.. Daraus stieß er einen markerschütternden Schrei aus und

x Wie wir hören, hat Professor Dr. Julius Ebbinghaus in Freiburg i.B. den an ihn ergangenen Ruf auf den ordent­lichen Lehrstuhl der Philosophie an der Uni­versität R o st o ck zum 1. Oktober 1930 angenommen.

Der erste Menschenaffe ans dem amerikanischen Kontinent

Kar Amerika von Anbeginn von Menschen bewohnt? - Der Kannst mit dem Menschenaffe» im LawtinuboHlußseriet

Von Francis de Loys, Mitglied der Geologischen Eesellschatt (U.S.A.)

Die Enweckung des ersten Menschen- ifsen auf dem amettkanischen Konttnent berechtigt die Wissenschaft zu der An­nahme, daß Amerika, anstatt von Rassen fremden Ursprungs bevölkert zu sein so wurde in der bisher vorherrschenden Theorie angenommen, wahrscheinlich Einwohner echt amerikanischer Rasse be­herbergte und sie noch immer beherbergt, deren Ursprung aus dem Dunkel fernlie­gender Jahrtausende sich von Geschlecht zu Geschlecht auf amerikanischem Boden fort­pflanzte. Der Ursprung des Menschen in den Gebieten Amerikas ist stets eine viel erörterte Frage gewesen. Kein Menschen­affe wurde dort bisher gefunden, unv die Wissenschaftler find allgemein zu dem Schlüsse gelangt, daß die ersten Menschen der westlichen Halbkugel entweder aus Asien oder aus einem später untergegang-- nen Konttnent des Ozeans eingewandert waren. In der Entwicklung der Evolu- ttonstheorie hat die amerikanische Genea­logie stets Lücken aufgewiesen.

In anderen Ländern scheint die Abstam­mungstheorie des Menschen auf logischen Schlüssen zu beruhen. Man beobachte einen Orang-Utang und man wird schon beim ersten flüchtigen Anblick dieser asiatischen Erscheinung betroffen fein: kleine, schräg gerichtete Augen, hohe Backenknochen, schmale Schultern, ruhige und vorsichtige Bewegungen. Blickt man ihn näher an, so glaubt man einen alten Chinesen zu sehen. Der Schimpanse dagegen in seiner mehr aufrechten Körperform, der weiteren Aus­dehnung der Brust, dem freien Anblick des Gesichts, dem offeneren Ausdruck wird man mit dem braunen Menschentyp Nordafrikas oder selbst mit den Völkertypen rund um das Mittelländische Meer zu vergleichen versucht fein. Der Gorilla, mit schwarzem Fell und Haar, mit seiner ungeheuren Muskelstärke, seinem niederen, hervorste- henden Kinnbacken, der niedrigen Stirn und den flachen Füßen gleicht der Karika­tur eines Negers aus Zentralafrika, das zugleich die Heimat beider ist.

Bis zu meiner Entdeckung des amerika­nischen Menschenaffen konnten wir uns nur denken» daß der Mensch nach Amerika einwanderte. Heute jedoch, im Lichte dieser Entdeckung, ist es augenscheinlich, daß . der Irrtum des sonst gut ausgearbeiteten Grundgedankens der Evolution, als er auf Amerika angewandt wurde, auf mangel­hafte Kenntnisse zurückzuführen war. Die Lücke, die man in Amerika zwischenAffe" undMensch" bemerken konnte, ist ausge- süllt worden. Die Entdeckung wurde, gleich den meisten anderen durch Zufall gemacht. Ich muß bekennen, daß ich an jenem hei­ßen, regnerischen und dunklen Nachmittag, als ich den Menschenaffen entdeckte durch­aus nichts suchte. Der tropische Wald Süd. amerikas enthält viele Dinge, die man möglichst vermeidet: Moskitos, Schlangen, Tausendfüßler, Läuse, Dornen und Fieber. In einem besonderen Falle gab es sogar noch etwas weit Fürchterliches als die giftige Schlange oder die gelbste der Fieberkrankheiten.

Wir waren, eine kleine Gruppe Einge­borener und ich, damit beschäfttgt, uns un­seren Weg durch den dichten Urwald zu

Absender wohlweislich verschwiegen hatte, schrieb aus den Umschlag eines Brieses, den er der Post durch einen Hosenmatz übergeben ließ, die ironischen Worte:An den Polizei-Inspektor A. in Halle. Herr­schaftliche Polizei Diebstahls Sache. Die­ser Brief soll so lange aus der Post liegen, bis er sich selbst abholt." Womit er die Findigkeit und Geduld der Post aus eine harte Probe stellte.

Dec Herr Postsecretair tzat's schwer.

Dienst am Kunden! heißt heute ein Lo­sungswort der Post. Daß es früher auch umgekehrt sein konnte, beweist ein ergötz­licher Vorfall aus den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Bei der Feld­post in Flensburg gab ein junges Mäd- n einen Brief ohne Anschrift zur Post. Auf die Frage des Beamten, welchem wackeren Krieger denn der Brief zuge­stellt werden sollte, antwortete die Maid verschämt:Ach, der Herr Postsecretair haben ja so viele Briefe fortzuschicken, und das macht Ihnen gewiß viel Mühe. Drum hab' ich meinem Bräutigam in den Bries geschrieben, daß er ihn sich abholen soll. Er kann fix laufen."Das glaub' ich wohl", lachte der Beamte behäbig, aber von Hader leben oder Allen bis Flensburg ifts doch 'ne tüchtige Ecke. Ob wir Ihrem Bräutigam nicht doch lieber den Brief mit der Feldpost hinschicken. Wenn der Herr Postsecretair memen, knixte artig das Mädchen und nannte ge­schwind. den Namen feines Herzallerlieb­sten.

den und Würste und schickten diese Ga­ben als Päckchen durch einen Tagelöhner ab, der aus reiner Gefälligkeit den Lie­besdienst umsonst zu leisten sich erboten hatte. Unterwegs hielt unglücklicherweise em Landdragoner den Boten an, unter­suchte dessen Päckchen und beschlagnahmte es kurzerhand. Außerdem erstattete er Anzeige. DieserPostbetrug" nahm sei­nen Weg durch mehrere Instanzen, bis schließlich der Reichspostmeister von Rechtswege^ erkannte:Da nach der Allerhöchsten Postordnung das Päckchen dem königlichen Postwagen hätte anver­traut werden sollen, so sei der Delinquent schuldig, plaevia confiscatione den hun­dertfachen Wert zu ersetzen." Das Urteil ward ungeachtet des Berichts des zustän­digen Oberamtmannes für rechtskräftig erklärt, der auf die Bettelarmut der Ge­ber, Soldaten und des Boten hinwies. Die Soldaten und ihre Angehörigen gingen straffrei aus, der hilfsbereite Kuner aber mußte seine Strafedurch persönliche Ar­beit abverdienen".

Schlechte Zeiten.

Immer wieder wurde in der guten alten Zeit derhochbefreiten Postrega­lien" Klage über das teure Porto er­hoben. Ein Bittsteller, der sich ine Für­sprache eines Amtsrats sichern wollte, aber kein Geld für das Porto aufbrmgen konnte, adressierte folgendermaßen: An den Herrn Amtsrat L. Wird gebeten, den Brief frei zu machen, es sind schlechte Zet­ten. Ein Spaßvogel, der eine fingierte Adresse gewählt und seinen Namen als

ihm durch's Gebein- Mißtrauisch betrach­tete er den Stiernacken und die nervigen Fäuste des Vordermannes. Wo der hin­schlug, da wuchs kein Gras mehr. Als R. dann nach mehrstündiger Fahrt an der nächsten Haltestation mehr tot als leben­dig aus der Kutsche herauskletterte und ihm der Postmeister mit der Stallaterne ins Gesicht leuchtete, hatten Schweißbäch­lein der Angst tiefe Rinnsale in die ge­puderten Wangen des armen Reisenden gegraben.

Aber Herr Abgeordneter!

Ein Abgeordneter der Frankfurter Na­tionalversammlung schrieb an die Wahl­männer seines Stimmbezirks, sie möchten ihm vertrauensvoll Petitionen über ihre Wünsche zukommen lassen. Damit aber das Porto nicht zu hoch ausfiele, sollten sie aus die Adresse setzen: Reichstags­sachen ohne Wert. Undank ist der Welt Lohn. Dieser ehrliche Abgeordnete wurde später nicht wiedergewählt.

St. Bürokratius galoppiert.

Zwei württembergische Soldaten, ge­borene Ellwanger, kamen Anno 1814 aus Frankreich zurück und blieben gut zehn Meilen von ihrer Heimat todmüde liegen. Sie hatten sich die Füße derart wund ge­laufen, daß an ein Weiterkommen vor­erst nicht zu denken war. Aus einem Spi­tal gaben beide ihren Angehörigen Nach­richt von ihrem elenden Zustand. Nun, die armen Leutchen daheim sie hatten auch nicht gerade viel zu beißen sam­melten eilig einige Tauer, Kleider, Hem-

So8 einst dec Schwager erMlte

vergessene Postkuriosa aus der guten alten Zeit.

Mitgeteilt von Hans Hillebrand. Fällt der Apfel wett vom Stamm?

Der Landesökonomie-Commiffar R. reiste zu jener seligen Zeit, da jedes Reichsgräflein noch sein besonderes Post- wesen hatte, mit Extrapost eines Nachts durch eine entlegene Gegend des deutschen Vaterlandes, in der sich ein noch ziemlich wohlerhaltener Galgen auf einer kahlen Anhöhe befand. Kein Lüftchen regte sich. Hell und grausam beschien der Vollmond die Schreckensstätte. Wie behext starrten Fahrgast und Postillon eine Wette auf den Galgen. Nur um das schauerliche Schweigen zu unterbrechen, fragte der Eommissair den Schwager:Kann Er nur wohl sagen, wer hier zuletzt gehenkt wor­den ist?" Der Postillon, ein rauher, un­geschlachter Bursche aus dem Orte der Posthalterei, drehte sich auf seinem Kutss^ bock um und sah dem Commssair, der sich weit aus dem Wagen herausgebeugt Hatte, böse ins Gesicht. Einen grimmigen Fluch stieß er durch die Zähne, knallte laut mit seiner Peitsche, daß die Pferde verstört aus ihrem begalichen Zotteltrab fuhren, und meinte so beiläufig:Ja, Herr, bat will ick Sei feggen; bat was mien Vad- der. Hei was wolln Totschläger, doch kein siechten Minschen. Siechte Lüb har'n em verpetzt (angezeigt)."So, so!" hüstelte ber zarten Herr Lanbesökono- mie-Commissair. Ein kalter Schauer fuhr

bahnen, ber, ungestört und ununterbrochen, das ganze Flußgebiet des Catatumbo an der Grenze von Columbia und Venezu­ela bedeckt, etwa 6 oder 7 Grad nördlich der Aequators. Dieses Gebiet, vom wei­ßen Mann und den eingeborenen Kreolen gleicherweise noch nicht betreten, ist die Heimat der Motilonen, eines besonders wilden Stammes der kriegerischen Kariben. Diese Mottlonen taten ihr Bestes, um unsere Expedition zu vernichten. Ohne sich selbst zu zeigen, waren sie uns be­ständig auf den Fersen, gleich dem Jaguar, der seine Beute beschleicht. Obwohl nur mit Bogen und hölzernen Pfeilen bewaff­net, konnten sie doch bereits 17 meiner Leute toten. Mich selbst lähmte zu jener Zeit noch eine Pfeilwunde an meinem

Schenkel.

Wir waren nach dem ständigen Kampf im Gestrüpp des Urwaldes körperlich er­mattet die Kleider hingen uns in Fetzen vom Leibe, und schweigend langten wir nach langem Marsche am Ufer eines gro­ßen Stromes an. Da entstand plötzlich ein lauter Lärm im Walde, und die Einge­borenen schrien mit furchterstickten Stim­men .Indianer!"

Ich glaubte zuerst, wir würden damals von den Mottlonen angegriffen, und ver­fluchte sie im Grunde meines Herzens. Nach dem Getöse zu urteilen, waren sie diesmal in solcher Zahl vertreten, als ver­achteten fie die hinterlistigen und unhör-

FÜrst Starhemberg

wurde anstelle der beiden ersten Vundes- führer Dr. Steidle und Dr. Pfrieme zum alleinigen Vundesführer der österreichi­schen Heimwehren ernannt.

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Kunst und Wissmschnft

Dr. Simons gestorben. Wie aus Utrecht gemeldet wird, ist im 70. Lebensjahr der bekannte Strafrechtslehrer Dr. D. Simons gestorben.

-- Die Gräber der Herzöge von Brabant wiedergefimden. Aus Brüssel wird gemeldet: In der Trappistenabtei Afflighem (Provinz Brabant) wurden nach langen Forschungen Gräber mit Ueberresten von Herzögen von Brabant aufgefunden, insbesondere von Her­zog Gottfried I., dem Bärtigen, sowie von seinem Sohne Heinrich und seiner Tochter Aleyda, der Gattin König Heinrichs I. von England, die hn 12. Jahrhundert lebte.

= Eröffnung einet neuen Staatlichen Maschmenbanschnle. Zum 1. Oktober 1930 wird in Gumbinnen eine Staatliche Maschinenbauschule eröffnet werden; zum Studiendirettor der neuen Maschinenbau­schule wurde der Studienrat Dr.-2ng. Horst berufen.