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AitnMg, ten2.6C6l.1930

sie ^Oberhejsisch« Zettimg" ei» cheint sechsmal wöchentlich. De- MsPreis monatlich 2-20 GM.aus- jchließl. ZustellungSgebübr, tatet tie Post 245 GM. Für etwa durch Streik, Maschtnendefekt oder de* mentete Errigniste «ausfallende Ramme« wird kein Gtfct pe* eistet. Verlag Dr. §. Hitzeroth. D«ck de» Univ.-BuLdruü <tei Job. Ang. Koch, Markt 21/23 Fernsprecher: Rr. 54. n. Rr. 65. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Rr. 5015. Sprechzeit 2 et Redaktion von 1011 und

1,11 Uhr.

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Anzeiger für (das frühere knrheffifche) Oberhessen

St. 205 S5.SMS. Marlmtg a.8abn

Der Anzeigenpreis beträgt für den 11 gespalt. Zeklemmllimeter 0.08 GM., sog. klein« Anzeigen nnl> Familienanzeige« bei Barzahlung 0.07 SäR, amtlich« und aus­wärtige Anzeigen 0.10 GM. Bei schwierigem Sah sowie bei Platz* borschrist 50°|, Aufschlag. Sammelanzeige« 1001, Auf» schlag. Reklam.»MMm. 0,40 GM. Jeder Rabatt qstt als Barrabatt.

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis MarZurg.

Präsident Jrigoyen zurückgetreten

ff. Nervyork, 2. Sept. Nach einer Meldung aus Buenos Aires hat Präsident Jrigoyen, der an einer Grippe erkrankt ist, angesichts der zunehmenden Opposition in Übereinstimmung mit der Regierung besch ossen, sein Amt niederzulegen. Die Weiterführung der Geschäfte übernimmt der Vizepräsident Martinez.

Straßenkämpfe in Budapest

Demonstrierende Arbeiter plündern Militär mit Panzerautos eingesetzt

Budapest, 1. Sept. Am Montag kam es in Budapest trotz des Verbots der Regierung zu riesigen Demonstrationen der Arbeiter­schaft. Gegen Mittag rotteten sich etwa 10 000 Arbeiter in der Apdrassystratze zusammen. Die Demonstranten stürzten in der Nähe des Mil- leniums-Denkmals, dem Hauptherd der Ruhe­störungen, ein Automobil um und setzten es in Brand. Die Polizei ging stnt der blanken Waffe vor. Sie wurde dabei mit Eisen­stücken und Steinen beworfen.

Hierauf wurden Panzerwagen mit Ma­schinengewehre» entsandt, die auf der Straße aufgestellt wurden.

Die Demonstranten warfen mit Steinen und aus den Fabriken mitgebrachten Bleistücken zahlreiche Fenster ein und verwundeten viele Passanten. Allein in einem in der Nähe be­findlichen Sanatorium wurden 22 Leute mit Notverbänden versehen. Zur Fortschaffung der Verwundeten mutzten Privatautomobile in Anspruch genommen werden, auf denen die Note Kreuzflagge gehißt wurde. Bei der Räu­mung eines im angrenzenden Stadtwäldchen von Demonstranten angegriffenen und zer­störten Kaffeehauses machte die zur Hilfe­leistung hersteigeeilte Gendarmerie auch von der Schutzwaffe Gebrauch. Auf Seiten der Demonstranten wie der Polizei sind hier zahl­reiche Verwundete zu verzeichnen. Ein Ar­beiter wurde am Kopf verwundet, die Wunde war so schwer, daß der Arbeiter nach kurzer Zeit seinen Verletzungen erlag.

Demonstranten, die in den Nebengassen der Andrassystratze die Geschäfte zu plün­dern versuchten, wurden von Polizei und Gendarmerie zerstreut. 5m Stadtwäld- che» wurde ei» Automobil der Freiwilli­gen Retter umgestürzt, ebenso zwei Auto­busse und zwei elektrische Straßenbahn­wagen, wobei mehrere Personen verletzt wurden.

Bei dem Vorgehen gegen die Menge fielen auch einige Schüsse. Die von der Polizei ab- gedrängten Demonstranten zogen durch die Nebengassen nach dem Großen Ring wobei sie F e n st e r e i n s ch l u g e n und einige L ä - ben plünderten. Eine andere Gruppe zag durch die Königgasse und versuchte zu plündern. Auch gegen diese Gruppe wurde vorgegangen, wobei zwei Polizisten schwer ver­wundet wurden. Die Zahl der erheblicher Verletzten wird auf etwa 50 geschätzt. Den Demonstranten ist noch ein zweites Men­schenleben zum Opfer gefallen. Der derno- «atische Stadtpräsident Dr. Klar wollte in der Rahe des Stadtwäldchens die Menge von seinem Automobil aus beruhigen. Die De- wonftranten stürzten aber sein Automobil um und steckten es in Brand. Klar wurde durch einen Stockhieb so schwer verletzt, daß er be­reits bewutztos ins Sanatorium gebracht wer­den mutzte, wo er alsbald verstarb.

Am Uhr waren die Demonstraute» aus dem Stadtwäldchen und kurz darauf auch die aus der Andrassystraße ver­trieben.

Die in die Nebeegassen füchtenden kleineren Gruppen wurden mit Panzerautomobilen ver- ldlgt. Diese Gruppen wurden ohne Waffen- gebrauch aufgelöst. Kleinere Zusammen­

rottungen in einzelnen Nebengassen, die teil­weise Plünderungen versuchten, wurden auf­gelöst. Nachmittags um i%3 Uhr herrschte auf den großen Verkehrsstraßen wieder Ruhe und Ordnung. Nur in einigen Nebengassen des Großen Ringes wurde die Säuberungsaktion noch fortgesetzt. Um 3 Uhr nachmittags herrschte allenthalben wieder Ordnung.

Die Polizei hat im ganzen 131 Personen festgenommen, die als Rädelsführer der heu­tigen Ausschreitungen angesehen werden. Ge­gen sie wird ein Strafverfahren eingeleitet, werden.

Berlin, 1. Sept. Generaloberst Heye übermittelt der Öffentlichkeit fol­gende Erklärung:

Um den Gerüchten, die sich um meinen bevorstehenden Rücktritt gebildet haben, und die fick allmählich zum Schaden des Reichshesres auswirken, ein Ende zu machen, sehe ich mich zu folgender Erklä­rung veranlaßt:

1. Anfang Juni des Jahres habe ich aus eigenem Entschluß heraus den Herrn Reichspräsidenten und den Herrn Reichs­wehrminister um Zustimmung gebeten, nach Abschluß der großen Rahmenübung 1930 mein Abschiedsgesuch einreichen zu dürfen.

Diese Zustimmung habe ich erhalten.

2. Den Zeitpunkt meines Ausscheidens aus dem Dienst habe ich daraufhin den Belangen des Reichsheeres entsprechend, Uebergabe der Geschäfte usw. auf den 30. November 1930 festgesetzt.

3. Wer, wie ich, über 42 Jahre der Armee gedient hat, davon 20 Jahre in schweren und verantwortungsvollen Stel­lungen in Krieg und Frieden, wird mei­nen Wunsch verstehen, die Führung des Reichsheeres einer jüngeren Kraft zu überlassen.

Mit politischen Fragen hat mein Rücktritt nicht das geringste zu tun.

4. Ich babe mich über den Rahmen mei­nes Dienstes hinaus nie mit Partei­politik beschäftigt und beabsichtige auch zukünftig nicht, dies zu tun. Ich habe stets versucht, lediglich als Soldat, dem das Vaterland weit über allen Parteien steht, meiner Lebensaufgabe, dem Heere, zu dienen.

5. Für das, was während meiner Amts­zeit als Chef der Heeresleitung von mir unterstellten Offizieren gesagt oder getan wurde, trage ich allein die Verant­wortung. Die Zeitungsangriffe gegen solche Offiziere sind deshalb sachlich un­richtig und wirken für das Heer schäd­lich.

6. Ebenso stehe ich dafür ein, daß die Führung des Reichsheeres nach den Richt­linien des Reichswehrministers als dem

Budapest 1. Sept. Nach dem amtlichen Kommunique, das von der Polizei über die heutigen Demonstrationen spät nachts ver­öffentlicht wurde, wird die Zahl der Demon­stranten auf 15 000 bis 20 000 geschätzt. Sm Laufe der Zusammenstöße ist der Arbeiter D a r n y i k ums Leben gekommen. Von den Verletzten wurden 82 Personen von bei Ret­tungsgesellschaft Hilfe geleistet. Zwei Poli­zisten "wurden schwer und sieben leicht verletzt. JnsMamt wurden 191 Personen fest- genommen. Nachmittags um 3 Ahr war die Ordnung wiederhergestellt.

verantwortlichen Mitglied der Reichs- regierung erfolgt ist.

Von einer Sonderpolitik des Heeres oder einzelner Offziere zu spre­chen, kommt deshalb bewußt oder unbe­wußt einer Irreführung der öffent­lichen Meinung gleich.

7. Ich darf erwarten, daß durch diese Erklärung der Zeitungskampf gegen das Reichsheer und einzelne Offiziere abge­schlossen ist, zum mindesten sich nur gegen die Person richtet, die die Verantwortung trägt, also gegen mich.

8. Hierzu darf ich noch folgendes allge­mein bemerken:

Bei meinem Ausscheiden nehme ich als feste Ueberzeugung mit, daß das Reichs­heer in allen seinen Gliedern selbstlos und treu seinen Dienst an Land und Volk aus- übt. Wenn diese Tatsache bei öffentlicher sachlicher Kritik mehr als bisher gewür­digt würde, wäre nicht nur der Armee, sondern auch den Interessen des Ganzen besser gedient.

(gez.) Heye, Generaloberst. ----*----

Andrees Leiche

Stockholm, 1. Sept. Der Leiter der Expedition, die die Leiche Anrees und sei­ner Begleiter auf derBratvaag" heimwäns führt, der Norweger Dr. Horn, hat Presse­vertretern erklärt, daß die Gerüchte, nach denen die Leichen gut erhalten seien, leider sehr übertrieben sind.

Man nimmt an, daß die Erpedifion Andrees infolge Ermattung untergegangen ist. Unter den gefundenen Gegenständen befindet sich sehr viel Munftion, woraus man schließt, daß die Erpedition Möglich­keiten zum Verproviantieren, gehabt habe, aber wegen der Ermattung diese Möglichkei­ten nicht ausnutzen konnte. Die Jnstrumen- tenkäslen, die Dr. Horn gefunden hat, sind noch nicht aufgetaut und konnten bwher nicht geöffnet werden. Das Tagebuch ist ein einziger Eisklumpen: aber Dr. Horn glaubt, daß die meisten Aufzeichnungen entziffert werden können. Ein Berichterstatter meldet, daß das Buch nur eine Fortsetzung, war und nur ein paar Seiten umfaßte,

Heye zu seinem Rücktritt

Es gibt keine Sonderpolitik des Heeres

Tagesspiegel

Wäre die Erllärung des Generalobersten Heye vierzehn Tage früher der Deffentlich- keit bekannt geworden, dann hätte sie eine Gerüchterei zu verhindern vermocht, die weder der Reichswehr noch der innerpolitischen Lage noch dem Ansehen Deutschlands im Ausland gedient hat. Immerhin ist es gut,, daß sie überhaupt kam und besonders, daß sie so un­zweideutig ein Gespinst zerreißt, das nahezu bedrohliche Ausmaße annahm. Also Gene­raloberst Heye tritt von seinem Posten als Chef der Heeresleitung zurück, weil er dies selbst wünschte und weil er zu der Erkenntnis kam, daß die Führung der Reichswehr einer jüngeren Kraft zu überlassen sei. Ganz ener­gisch betont Heye, daß sein Rücktritt mit po­litischen Fragen nicht das geringste zu tun hat. Erfreulich in der Erklärung ist die Energie, mit der sich Heye vor die ihm unter­stellten Offiziere stellt. Was im Reichswehr­ministerium gesagt oder getan wurde, ist nach Feststellungen Heyes eine Angelegenheit, über die man sich nur mit ihm als dem Ver­antwortlichen auseinander zu setzen hat. Da er dafür einstehen will, daß die Führung, des Reichsheeres nach den Richtlinien des Reichs­wehrministers Eroener erfolgte, so wird den Eifrigen, die immer noch an eine enge Ver­bindung der Reichswehr mit der Roten Armee Sowjetrußlands glauben, nichts anderes üb­rig bleiben, als ihre Vorwürfe an die richtige Adresse zu richten. Wer die Persön­lichkeit des augenblicklich amtierenden Reichs­wehrministers kennt, wird nicht daran zwei­feln, wie die Antwort ausfallen wird.

*

In zwei Pariser Blättern befinden sich Be­sprechungen der Rede des Reichskanz­lers Brüning in Trier.Echo de Pa - r i s" schreibt u. a., die Rede des Reichs­kanzlers fei in einem anderen Ton gehalten als die Reden von Treoiranus., Dieser habe vor allem innerpolitische Ziele im Auge ge­habt und den Leidenschaften seiner Landsleute schmeicheln wollen. Der Reichskanzler habö sich vor solchen Uebertreibungen wohl gehütet. Aber die im Tone gewollte Mäßigung lasse die Beständigkeit des Gedankens umso deut­licher heroortreten. Die Reden von Trevi­ranus seien an die Deutschen, die Reden Brüning an das Ausland gerichtet, ab« der gleiche Atem beseele sie beide. Deutschland rücke Schritt für Schritt dem Ziele näher, das es sich gestellt habe, und dieses Ziel sei die völlige Revision der Verträge. Um es zu erreichen, bediene sich Deutschland der Po­litik, zu der Briand selbst es aufgefordert habe. Die maßvolle Rede Brünings dürfe keine Illusionen erwecken. DerFigaro" schreibt, Brüning weigere sich, außenpolitische Abenteuer zu riskieren, ebenso wie auch Cur- tius sich weigert. Aber Brüning stimme mit Treviranus darin überein, daß die deutsche Außenpolitik künftighin einen bestimmteren Charakter tragen müsse. Der Verzicht Frank­reichs auf das Rheinlandpfand erlaube ihm das. Das Programm der deutschen Wahlen von 1930 sei die Vernichtung des Sieges Franfteichs.

Die radikale ZeitungVolonte" beschäf­tigt sich mit dem Artikeldu eil Poin- care-Treoiranus. Das Blatt ist ver­nünftig genug, die sachlichen Einwände der beiden Autoren zu beleuchten. Es schreibt, das Dokument Treviranus sei ausgezeichiwt und sehr vernünftig. Der, junge deutsche Staatsmann scheine die richtige Reform des internationalen Lebens bei weitem besser be­griffen zu haben als d?r alte lothringische Staatsmann. Poincare habe einen Artikel geschrieben, dessen juristssche .Haarspalterei doch nicht zur Widerlegung der aufgeführten Tat­sachen führen könne. Frankreich habe Deutsch­land keine Konzessionen gemacht, denn jede französische Geste zu Künsten Deutschlands fei