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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberheffen

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg

Jas »Mischt Parlament aufgdöil

Warschau, 30. Aug. Ein Erlaß des Staatspräsidenten verkündet die Auflö­sung des Sejms und Senats mit Wirkung vom 30. August.

JDie Neuwahlen zum Sejm sind auf den 16 November die Neuwahlen zum Senat auf den 23. November dieses Jahres fest­gesetzt worden.

Der Staatspräsident bringt in feinem Erlaß zum Ausdruck, daß er sich nach reich­licher Ueberlegung zu diesem Schritt ent- schlosien habe, nachdem er einsehen mußte, daß die Abänderung der Grundrechte die Voraussetzung für die Mitwirkung aller Staatsbürger an der Negierung sei. Die Abänderung sei notwendig, um das jetzt herrschende Rechtschaos zu beseitigen. Nach­dem er sich überzeugt habe, daß diese Ab­änderung trotz seiner Anstrengungen mrt Hilfe des bestehenden Sejms nicht möglich fei, habe er sich zur Auflösung des Parla­ments entschlossen.

gegen die deutschen Emeindevertreter, die sich mit den Protestentschließungen, die von den polnischen Parteien eingebracht worden sind, nicht solidarisch erklärt haben.

machen. Die Ankunft derBratvaag" in dem nordnorwegischen Hafen hat in gmiz Nor­wegen und Schweden großes Aufsehen er­regt. Sn Hasvik versammelte sich die ganze Bevölkerung am Hafen. Dem Vertreter eines Stockholmer Blattes teilte Dr. H o r n folgende Einzelheiten mit: Die Leichen liegen in Listen und sind mit Segeltuch und Eis bedeckt. Der Sicherheit wegen haben wrr die Leichen fest angebunden. Das Segeltuchboot und alles andere, was wir bei Krttoy aus­fanden, ist gut aufbewahrt worden. Auf die Frage über das Schicksal der Ballongruppe derItalia" antwortete, Dr. Horm daß sich diese Forscher sicher nicht m der Gegend befinden, wo er die Andreesihe Erpeditton fand.

Berlin, 30. Aug. In dem Augen­blick, in dem die Vertreter der europäi­schen Staaten Reisevorbereitungen tref­fen, um in Genf über Briands ißun- Europa-Projekt zu verhandeln, wird nach demLokalanzeiger" folgender Vorfall bekannt:

Ein deutscher General, im Kriege Di­visionskommandeur im Westen, wollte dieser Tage nach Nordfrankreich reisen, um dort das Grab seines gefallenen Soh­nes zum ersten Male zu besuchen. Er ließ daher seinen Patz beim französischen Konsulat in Berlin für die Erteilung des Visums einreichen.

Das französische Konsulat antwortete ihm wie folgt:

Der französische Konsul zu Berlin be­ehrt sich, Herrn Generalmajor a. D. Gras Konrad v. Moltke zu bitten, ihm zu bestätigen, datz er während des Krieges nicht das 22. und 122. Preußische Infan­terie-Regiment, besonders m Longuyon, kommandiert hat. Die formellen Instruk­tionen der französischen Regierung un­tersagen den französischen Konsulaten, die Pässe derjenigen Personen zu visie-

Zm Zeichen von Loearno! znmkrelch fW ne» MegWretWten - Eine Mische Antwvrt

Sie Seimkek »er Sratoaag

ft. Stockholm, 1. Sept Von Hasvik, westlich von Hammersest, wo die "Bratvaag am Nachmittag eintraf, setzte das Schiff die Reise nach Skärvö im Alten Fiord fort, wo es vor Anker ging. In ^romso kann me Bratvaag" erst heute Nachmittag. em- treffen. Die ersten von Lapttm Senken übermittelten Nachrichten haben sich nicht m allen Stücken als richtig erwiesen.

Die Leichen der drei schwedischen Forscher sind nicht so gut erhalten, daß eine

Balsamierung möglich ist.

Andräes Kopf war vom Körper ge­trennt, ist aber gleichfalls ausgefunden wor­den. Von Strindberg und Frankel ist wenig mehr als die Sklette erhalten. Es besteht jedoch k e r n e r l e t. Z w e t f et, daß es sich um Andröe und seine Begleiter handelt, da das Tagebuch, das man bei Andree fand, und dte übrigen Gegenstände deutlich den Beweis dafür erbrmgen.

Die Ueberreste der drei Forscher befinden sich wohlverwahrt in Eis an Bord der Bratvaag", die während des Aufenthal­tes in Skärvö polizeilich bewacht wurde. Die wissenschaftliche Lommimon wird ihre Arbeit nicht an Bord derBratvaag auf­nehmen, sondern man.wird die Leiche und alles übrige in Tromso an Land bringen. Der österreichische Professor Stern, der sich zwecks Untersuchung über das Nordlicht m Tromsö befindet, hat sich erboten, phcto- graphische Aufnahmen m Naturfarbe zu

ren, welche sich auf der Liste derKri^s- deschukdigten" befinden. Unter bet Jütm nrer 63 steht ein General v. Moltke we­gen strafbarer Handlungen m Longuyon, Longwy und in der Umgebung. Berlin, den 29. August 1930. Unterschrift.

Der General gab auf dieses Schreiben nachstehende Antwort:

An das-französische Generalkonsulat.

Obwohl ich mit dem in Ihrem Schrei­ben erwähnten Truppenteil niemals m Berührung gekommen bin, halte rch es unter meiner Würde, eine Erklärung ab- zuaeben, die auch nut den geringsten Schein der Anerkennung.. derKriegs­verbrecherliste" haben würde. Es ge­schieht nur zur Charakterisierung dieser Liste, wenn ich darauf Hinweise, datz der in Ihrem Schreiben erwähnte General niemals existiert hat. Im übrigen mutz ich darauf verzichten, ein Land zu. be­treten, das, weit entfernt davon, dem nach autzen hin so beflissentlich betonten Verständigungs- und Vetsohnungswillen Rechnung zu tragen, auch jetzt noch, 12 Jahre nach dem Kriege, eine so beleidi­gende Haltung in der Form der schwar­zen Liste einnimmt."

Wens Ang» vor der Revision

Protestkundgebung gegen rnviranus Ausschreitungen »et dem deutschen Konsuln! in Kattowitz

Zugentgleisung bei 6on Franzisko

Bisher 11 Tote und 30 Verletzte.

fk. Ct.Louis, 1.Sept. Auf der Strecke St. LouisSan Franzisko ent­gleiste gestern 10 Meilen von San Fran­zisko der Luxus-Expreßzug durch emen auf den Schienen liegenden Steinblock. Bei der Katastrophe, bei der sich 3 Wa­gen vollkommen ineinander schoben, sind bisher 11 Tote und über 30 Verletzte zu beklagen. Die Zahl der Toten durste sich aller Wahrscheinlichkeit nach noch er­höhen, da viele Reisende , noch unter den Trümmern liegen.

Warschau, 31. Aug. Heute mittag fand hier <mf dem Theaterplatz die ange- Kadigte Volkskundgebung gegen die Rede des Reichsministers Treviranns und gegen deutsche Revisionsbestrebungen im Osten statt. Zn Anbetracht des schönen Wetters hatten sich auf dem geräumigen Platz etwa 15 000 Personen, darunter auch zahlreiche Neugierige eingefunden. Der Direktor der halbstaatlichen Landwirt- schastsbank, General Eorecki. hielteme gegen die deutschen Ansprüche anf pol­nisches Gebiet gerichtete Rede, wobei er u. a. auch die gegen die Polen gerichtete Aktion der Ukrainer mit deut­schem Gelds in Verbindung brachte. Hierauf wurden entsprechende Ent­schließungen angenommen.

Kattowitz, 31. Aug. Die von dem Ostmarkenverein für den heutigen Sonn­tag nach Kattowitz einberufene Protest­kundgebung gegen die Rede des Reichsmi­nisters Treviranus stellte sich als. eine schlimme Hetze gegen die deutsche Minder­heit dar. Obwohl die Mehrzahl der Teil­nehmer aus abkommandierden Aufstäsidi- schen, Beamten usw. aus den entlegensten Ortschaften bestand, denen f r e i e B a h n- fahrt und Verpflegung zugesagt war, war die Teilnehmerzahl verhaltms- mäßig gering. Die polnische Intelligenz und die Bürgerschaft nahmen an.der Ver­anstaltung so gut wie gar nicht teil. Erwa 1000 Menschen versammelten sich vor dem Stadttheater in Kattowitz und nach mehre­ren Ansprachen, die sich scharf gegen die Rede des Ministers Treviranus richteten, setzte sich ein Demonstrationszug in Richtung des deutschen Generalkon­sulats in Bewegung. Es wurden starke Polizeikräfte eingesetzt, um den Zug abzu­drängen. Trotzdem gelang es den Demon­stranten, die polizeiliche Absperrung zu durchbrechen und im Sturmschritt nach dem Gebäude des deutschen Generalkonsulats zu eilen, wo dem Zuge ein zweiter Ring von Polizeibeamten entgegentrat. Nachdem sich die Demonstranten in Beschimpfungen gegen das Deutschtum ergangen und das Rota-Lied sowie die Nationalhymne ge­sungen hatten, begab sich der Zug nach dem Wojewodschaftsgebäude, um dem Wojewoden Erazynski eine Entfchue- ßung zu überreichen mit der Bitte, diese an Marschall Pilsudski weiterzuleiten. Während des Zuges wurden vor den Ee- schäftslokalen der deutschen 3eitungen Drohrufe ausgestoßen. Starke Polizerad- teilungen, die dort postiert waren, ver­hinderten aber Ausschreitungen.

In der Resolution wurde versichert, daß Polen bis zum letzten Blutstropfen jeden Fußbreit polnischen Bodens verteidigen werde.

Vom Völkerbünde wird verlangt, Deutschland zu zwingen, eine Ver­sicherung abzugebea, daß die West- grenzeu Polens anantastbar seien.

Ebenso solle der deutsche Vertreter beim Völkerbund veranlaßt werdendie stän­dige Pravokatton gegen Polen' zu unter- lasien. Es wird weiter gefordert, datz alle in Oberschlesien beschäftigten Reichsdeut­schen ausgewiesen werden, weil sie der polnischen Wirtschaft schadeten. Die weiteren Forderungen lauten:Auftei­lung des deutschen Großgrundbesitzes zu­gunsten der polnischen Arbeiterschaft, Aus­lösung des Deutschen Volksbundes und aller deutschen Organisationen, Einziehung des Postdepots für die reichsdeutschen Zei­tungen, in denen eine Erenzrevision ge­fordert wird, Boykott der deutschen Presie in Oberschlesien, die eine illoyale Haltung eingenommen habe, schärftes Vorgehen

Lm Weiten nichts Neues"

£err Poincarä hat ein ausgezeichne­tes Gedächtnis. Nichts gerät bet ihm tn. Vergessenheit." Mit diesen Worten , lei­tet Reichsminister Treviranus entert längeren Aufsatz ein, den er unter dem TitelIm Westen nichts Neues" in der Sonntagsausgabe derBerliner Borsen- zeitung" veröffentlicht. Der Minister nimmt in diesem Artikel Gelegenheit zu einer Auseinandersetzung mit Pomeare, der der kürzlich geäußerten Auffassung des Ministers über die deutsche Ostgrenze und über die Revisionsmöglichkeiten ent­gegengetreten ist. Minister Treviranus fährt fort: Umso eher darf Herr Poineare bei uns Verständnis voraussetzen, wenn er jetzt für den Ewigkeitswert der Ver­träge, die ihm zu milde sind, mit alter Leidenschaft ficht. Diese Vertrage ließen zwar für uns nicht den Raum für eine Hoffnung, wie sie Poincarö hegt, in einem heiteren Frieden zu leben Jte zwangen uns vielmehr, die letzten Kräfte eines verzweifelten Volkes zufammenzu- raffen, um feinen und den Bestand des Reiches zu sichern. Der Friede kann für unsnicht nur ein leeres Wort fein, weil wir ihn brauchen, um überhaupt le­ben zu können. Wäre die Debatte um die Revision der Verträge, die nicht in Deutschland anhub, überhaupt entstan­den» wenn in der Welt die Ueberzeugung fest verankert wäre, daß diese Vertrage den Frieden für ewige Zeiten sicherten? Sind die Verträge für Europa da, oder lebt Europa für die Verträge?

Poincarö hält uns vor, was Frank­reich sich von den Verträgen habe ab- handeln lassen. Ich vermag in dem Ver­zicht Frankreichs auf die Auslieferung unserer Führer, einer Forderung, die man nur in der Kriegsgeschichte halb­wilder Stämme findet, in der Errichtung des Dawes-Planes, an dem Herr Poin- care als Ministerpräsident nicht unbetei­ligt ist, und in feiner Fortbildung, dem Joung-Plan, ebensowenig als in der vor­zeitigen Räumung des Rheinlandes, das die Amerikaner längst vorher verlassen hatten, kaum eine notdürftige Korrek­tur einiger Schönheitsfehler des Versail­ler Vertrages zu sehen. Entschieden aber weise ich die Behauptung Poincares zu­rück, Frankreich habe für diese Zuge­ständnisse" nicht den geringsten Gegen­wert erhalten.

Gibt es in der Geschichte ein Beispiel dafür, daß ein Volk die ihm durch ein Zwangsdiktat gezogenen Grenzen frei­willig in völkerrechtlich bindender Form garantiert? Wir sind, um es offen gu fugen, erschüttert, daß ein französischer Staatsmann die BedeutungPaktes von Loearno, die Annahme des Kellogg- Paktes, überhaupt nicht zu würdigen scheint. Ich fürchte, Herr Poineare würde schlecht abschneiden, wenn wir unsererseits die advokatorische Hart- näckigkeit soweit trieben, seiner Aufzah­lung der französifchen Konzefsionen eme ähnliche deutsche Rechnung entgegenzu­stellen Herr Poinearö bekämpft meine Auffassung über die deutsche Ostgrenze, über die 'Revisionsmöglichkeiten, welche uns der Artikel 19 der Völkerbundsfat- zung gibt. Er sucht nachzuweisen, daß die heutige Grenzziehung gerecht und un Einklang mit dem Selbstbestimmungs- recht der Völker sei. Die Welt ist nicht im Zweifel darüber, welches Ergebnis eine Abstimmung im Korridorgebiet ge­habt hätte, ehe Polen feine Auswei­sungspolitik begann. Oder hat man die Danziger deutsche Bevölkerung gefragt, ob sie vom Reich getrennt und als Freie Stadt unter polnischer Oberhoheit leben will?

Herr Poincarß bestreitet uns ein Recht, das uns der Professor an öer Sorbonne Rene Märtel in fernem Buche (Les frontieres orientales de 1 Allemagne auf Grund eingehender Studien resttos zuer- kennt; nämlich davon zu sprechen, daß durch die Grenzziehung IM Osten em bei-