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Anzeiger für (bas frühere kurhesfische) Oberhessen
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Das Abkommen mit Mmnianb
Rur bedingte Kündigung des SandeiSadl
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ml von 1928
4elsi«gfors. 29. Aug. In den Per geführten deutsch-finnischen Handels- oertragsverhandlnngen ist eine Einigung mit der finnischen Negierung zustande gekommen. Das neue Handelsabkommen wnrde heute nacht unterzeichnet.
Das polittsch Wichtige und für die deutsche Landwirtschaft Wesentliche ist, daß die Zollbindungeu für Butter, Aase und Oleo-Margarine beseitigt werden konnten, ohne daß e« darüber z» einem Bruch mit Finnland gekommen ist.
6s ist jetzt sichergestellt, daß spätestens am 29. November 1930 die Butterzollverbindung wegfällt, das heißt, daß der autonome Butterzoll von 50 JA in Kraft tritt. Falls die neuen Zollvereinbarungen schon früher ratifiziert werden, tritt der 50 JA-- Zoll schon früher in Kraft. Ebenso wie bei Butter erhält Deutschland auch bezüglich des Zolls für Oleo-Margarine freie Band, da auch dieser Zoll nur gegenüber innland gebunden war.
Bei Käse dagegen liegen bekanntlich noch Zollbindungen mit anderen Ländern vor, sodaß sich, am Käsezoll durch den Wegfall der Bindung gegenüber Finnland unmittelbar nichts ändert. Die neue Vereinbarung bedarf der Ratifizierung. Um das Inkrafttreten des Vutterzolls von 50 Mark unter allen Umständen sicherzustellen, hat die deutsche Regierung im Rahmen der mit Finnland getroffenen Vereinbarungen die bedingte Kündigung des Handelsabkommens von 1926 ausgesprochen. Die Kündigungsfrist läuft bis zum 29. November 1930. Die Kündigung wird unwirksam, wenn das neue Abkommen vorher rattfiziert wird.
Das neue Abkommen ist nach zwei Jahre« «ud sechs Monateu mit Sechs» Monatsfrist kündbar.
Die wesentliche Gegenleistung für den Verzicht Finnlands auf die genannten Zollbindungen besteht in der Gewährung eines Butterkontingents von 3000 Tonnen zu dem gegenwärtigen autonomen Zollsatz von 50 M. Dieser Zollsatz würde sich für das Kontigent später auf 40 JA ermäßigen, wenn das neue Abkommen nach zwei Jahren sechs Monaten nicht gekündigt wird. Für Käse ist ein Gesamt- kontingent von 2500 Tonnen gewährt worden, und zwar für 500 Tonnen Quark, für 90 Tonnen Tafelkäse und für 1910 Tonnen Hartkäse zu den in dem früheren Vertrag vereinbarten Zollsätzen von 5 JA, 30 JA. und 20 JA. Solange die erwähnte Bindung des Käsezolls gegenüber den anderen Ländern besteht, wird das Käsekon- üngent praktisch nicht in Erscheinung tre- treten. Daneben sind drei Zollermäßigungen gewährt worden, die sich auf Waren von begrenztem Interesse beziehen, nämlich für Renntierfleisch, für rohe Spulen (Ermäßigung von 6 JA auf 5JL) und für Sperrholz aus Birkenholz (Ermäßigung von 8 4t auf 7,50 JA). Mit dieser neuen Vereinbarung fällt das Zusatzabkommen vom 25. November 1929 weg. Selbstverständlich ist damit auch der frühere Plan von Privatverträgen über die Lieferung von Butter und Käse aufgegeben.
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Aus dem Kommunique geht hervor, daß das Ergebnis der Verhandlungen doch ganz anders aussieht, als es nach früheren Meldungen scheinen mußte, die nur die Kündigung des Vertrages in den Vordergrund zogen. In Wirklichkeit handelt es sich nm eine bedingte Kündigung, um eine Vereinbarung, die nur ein Teil des neuen »Vertrages ist. Die Kündigung würde nur
dann wirksam werden und einen vertragslosen Zustand herbeiführen, wenn das neue Abkommen innerhalb der dreimonatigen Kündigungsfrist des alten Vertrages nicht ratifiziert würde. Dieser Fall wird in unterrichteten Kreisen für sehr unwahrscheinlich gehalten, vielmehr rechnet man damit, daß beide Parlamente sich hinter das neue Abkommen stellen. Dann werden also der alte Vertrag und das Zusatzabkommen einfach automatisch fallen. Die Mission des deutschen Unterhändlers Dr. Ritter hat demnach den Erfolg gehabt, daß das Handelsvertragsverhältnis zwischen Deutschland und Finnland durch eine freundschaftliche Vereinbarung geändert
Berlin, 29. Aug. Das Reichs- krabinett hat gestern den Entwurf eines Penfionskürzungsgefet- z e s verabschiedet. Er wird morgen dem Reichsrat zugeleitet werden, lieber die grundlegenden Gesichtspunkte des Entwurfes erfahren wir von unterrichteter Seite: Der Entwurf besteht aus drei Teilen:
1. den Bestimmungen über die Pensions- Kürzung bei Doppelrentnern,
2. den Bestimmungen über das Höchstruhegehalt und
3. Bestimmungen zur Regelung einzelner Fälle.
Die Pensionskürzung für Doppelrentner will einem pensionierten Beamten, der durch Tätigkeit im Wirtschaftsleben ein Einkommen erarbeitet, das Ruhegehalt um einen diesem Anrechnungs- Einkommen angeglichenen Teil kürzen. Das Anrechnungs-Einkommen bleibt bis zur Höhe von 6000 JA kürzungsfrei. Von dem übrigen Betrag wird das Einkommen bis zur Hälfte gekürzt. Na- ürlich beginnt die Pension wieder in voller Höhe zu fließen, wenn das Anrechnungs-Einkommen aufhört. Zum Hö ch st- ruhegehalt ist vielfach der Wunfich geäußert worden, es auf den festen Betrag von 12 000 JA festzusetzen. Die Regierung ist diesem Wunsche insofern gefolgt, als Mißverhältnisse beseitigt worden sind. Die Regelung sieht vor, daß nach fünfjähriger Tätigkeit m der letzten Stellung die volle Höchstpen- fion* nach dem Gesetz gegeben werden soll. Bei kürzerer Tätigkeit wird der Betrag der Pension entsprechend gekürzt, bei Beschäftigung unter einem Jahr um 50 Prozent, für längere Tätigkeit entsprechend weniger bis zu einer Kürzung bei vierjähriger Tätigkeit um 10 Prozent. Weiter sind noch eine Reihe von Bestimmungen in das Gesetz ausgenommen, in denen verschiedene schon bestehende Einzelgesetze zusammengezogen sind. Der Entwurf ist verfassunas- ändernd. Er umfaßt außer den Beamten des Reiches auch alle Beamten der Länder und Gemeinden. Er hat rückwirkende Kraft für die bisher bezogenen Pensionen, doch gewährt er den Betroffenen eine Umstellungszeit von sechs Monaten.
Berlin, 29. Aug. lieber die Angaben die der Reichsfinanzminister über die Kassenlage des Reiches gemacht
— Autonomer Butterzoll
wird. Die Kritik weiter Kreise der deutschen Oeffentlichkeit an dem alten Abkommen richtete sich einmal gegen die lange Dauer, die fünf Jahre und für eine einzelne wichtige Position, nämlich für Butter, sogar sieben Jahre betrug, und dagegen, daß die Zollsätze für Butter und Käse auf diese lange Zeit hinaus nicht geändert werden konnten. Diese langfristige Bindung ist beseitigt und für die Zollkontingente gilt der autonome Satz.. In Berliner politischen Kreisen wird diese Regelung auerordentlich begrüßt, zumal sie ohne eine Trübung unseres freundschaftlichen Verhältnisses zu Finnland erreicht wurde.
hat, sind Pressekritiken veröffentlicht worden, die die Angaben entweder als. zu rosig oder als aus Zweckmäßigkeitsgründen gefärbt hinstellen. Demgegenüber erfahren wir von unterrichteter Seite, daß die Angaben des Reichsfinanzministers in jeder Beziehung der Wahrheit entsprechen.
Gegenüber den Gerüchten,, daß die Regierung nicht in der Lage fei, am 1. September die Beamtengehälter zu zahlen, und mit Banken Verhandlungen über einen kurzfristigen Kredit begonnen habe, wird von unterrichteter Seite erklärt, daß an diesen Gerüchten kein wahres Wort fei. Es wurden und es werden mit keiner Bank Verhandlungen über die Gewährung kurzfristiger Kredite an das Reich geführt Für die Za hlung von Beamtengehältern bestehen weder für diesen Monat noch für die nächsten Monate irgend welche Gefahren«
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Mtinftf verlaß! den Berliner Poften
Berlin, 30. Aug. Der Botschafter der Sowjetunion in Berlin Krestinski wird sich, wie die „DAZ." berichtet, am 6. September von Moskau wieder nach Berlin zurückbegeben, um dem Reichspräsidenten sein Abberufungsschreiben zu übergeben, da nunmehr bestimmt ist, daß Krestinski nicht, wie ursprünglich beabsichtigt, in Berlin seinen Posten beibehalten wird, sondern nach Moskau übersiedelt. Die Frage feiner Nachfolgerschaft wird erst Mitte September geklärt werden. Gleichzeitig mit dem Botschafter Krestinski verläßt auch der Pressechef der Botschaft, Stern, Berlin.
Große Unruhe in Buenos Aires.
Neuyork, 29. Aug. „Associated Preß" meldet aus Buenos Aires, daß in der gesamten Hauptstadt große Unruhe herrscht. Die umfassenden Maßnahmen der Regierung werden vielfach als nicht so dringend erachtet. Es werden vielerseits Stimmen laut, daß sie nur dazu angetan wären, die Unruhe im Landesinnern und die Befürchtungen im Auslande zu erhöhen.
Kürzung der Pensionen
Kolm Rlndeftgrenzo von 12000 M. - Ser Entwurf ist verlaftungSöndernv
Tageßiviegel
Heber den Tod des Rittmeisters a. D. Qlmlinger sind nach dem Selbstmord seiner Frau allerhand dunkle Gerüchte aufgetaucht, zu denen das Reichs- wehrministerium folgendes erklärt: Ober- leutnant Amlinger ist am 31. Juli 1929 mit dem Charakter eines Rittmeisters a. D. verabschiedet worden. Das Reichswehrministerium ist leider gezwungen, jährlich eine Reihe von verdienstvollen Offizieren zu verabschieden, um die Armee möglichst jung zu erhalten. Was alle diese verabschiedeten Offiziere nach ihrer Verabschiedung unternehmen, entzieht sich sowohl der Verantwortung, als auch der Kenntnis des Reichswehrministeriums.
Von ziviler zuständiger Stelle wird da zu erklärt, daß es nicht' begannt sei, unter welchen Umständen der Privatmann Am- linger in Rußland den Tod gefunden habe. Wan werde sich aber danach erkundigen. Im übrigen wird ausdrücklich festgestellt daß alle diese sensationellen Gerüchte um den Tod des Rittmeisters a. D. Amlinger in der englischen und französischen Presse nur auf Grund der Vermutungen und Unterstellungen aufgegriffen worden sind, die sich zuerst in der deutschen Presse befunden haben.
Wie wir von zuverlässiger Seile hören, wird das Bauprvgramm der Reichsregierung im Rahmen des allgemeinen Arbeitsbeschaffungsprogramms — entgegen anderslautenden Meldungen — bereits durchgeführt. In Sachsen haben die Bauarbeiten bereits begonnen, und auch die süddeutschen Länder und Preußen werden in der allernächsten Zeit folgen. Die zuständigen Stellen hoffen, daß sich die Auswirkungen des Dauprograrnrns auf dem Arbeitsmarkt und der Stellenvermittlung in kurzer Zeit bemerkbar machen und die Zahl der Arbeitslosen sinken wird. Um hierüber einen genauen Aeberblick zu gewinnen, hat die Reichsvegierung von den Arbeitsämtern in einer Rundfrage eingehende Berichte angefordert. Ebenso wird der Reichskommissar für, den zusätzlichen Wohnungsbau in Kürze einen Bericht über die Durchführung des Bauprograrnms veröffentlichen, nachdem alle Neubauten begonnen sind und die Arbeiten theoretisch festgelegt werden können. Auch hinsichtlich der Preissenkungsaktion dürften in diesem Zusammenhänge Erfolge erzielt werden, da das Arbeitsbeschaffungsprogramm für den Baumarkt eng mit Preissenkungen verbunden war. . <
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Die Reichsregierung arbeitet fieberhaft an der Sanierung der Arbeitslosenversicherung und schon taucht — viel früher als erwartet — ein neues Gespenst auf. Die Invalidenver sicher ung,derenKrife bei der augenblicklichen Entwicklung erst für 1934 erwartet wurde, scheint nach den letzten Berechnungen der zuständigen Stellen schon in etwa IV» Jahren nicht mehr fähig zu fein, ihre Leistungen aufrechtzuerhallen, wenn nicht inzwischen einmal eine Beitragserhöhung ober die Erhöhung der Reichsgelder erfolgt. Der Regierung ersteht hier die neue Sorge, wie für diese Versicherung, bei der man die Bezüge und Renten kaum kürzen kann, die notwendigen Mittel zu beschaffen sind. Man hat sich auch im Rahmen der letzten Kabinettsverhandlungen kurz mit diesem Problem beschäftigt, ohne jedoch heute schon zu einem Beschluß kommen zu können., Man wlll vielmehr abtoarten, wie sich die Finanzen der Invalidenversicherung im nächsten Jahr entwickeln, deren Stand ja wesentlich von der allgemeinen wirtschaftlichen Lage abhängt. Es läßt sich nämlich beobachten, daß eine ansteigende Kurve der Arbeitslosigkeit auch eine größere Beanspruchung der Invalidenversicherung zur Folge hat. Anscheinend entschließt sich der arbeitslose Arbeitnehmer eher, wegen einer Krankheit aus dem Produktionsprozeß end- gültig auszuscheiden und seine Rente bet