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Di« ^Vberh«ssisch« Zeitung" eich eint sechsmal wöchentlich. De» ugSpriie monatlich 2.20 EM.au«- ichlteßl. Zustellungsgebühr, turch 6k Post 2.45 GM. Für etwa durch Streik, Maschtnendefekt oder eie» men ton Ereignisse auSsallende Nummern wird kein Ersar ge» eistet. Verlag Dr. §. Kitzeroth. Druck bet Unib.-V«chdruck«rei Job. Ang. Koch, Markt 21/23 Fernsprecher: Nr. 54. tu Nr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Nr. 6015. — Sprech,ei, er Redaktion von 10—11 und
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Anzeiger für (bas frühere knrhessifche) Oberhesse«
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Die Mmirrrsorm der Reichsregierung «ein Krogramm. lonictn Wilinien - Abermaliges «»rechen der Sleuerienkuug
Berlin, 28. Aug. Die mehrtägigen Beratungen des Reichskabinetts über seine finanziellen Reformpläne wurden heute unter Vorsitz des Reichskanzlers Dr. Brüning zu Ende geführt. Es wurde Ueber- einstimmung über diejenigen Grundsätze erzielt, nach denen nunmehr die erforderlichen Gesetzesvorlagen durch die zuständigen Ressorts in den nächsten Wochen zwecks Vorlage an den Reichsrat und den Reichstag ausgearbeitet werden sollen.
Voraussetzung für das Gelingen aller Reformpläne ist eine geordnete Kassenlage und ein die Wirtschaftslage berücksichtigender Haushaltsplan.
Das Kabinett hat für die Aufstellung dieses Programmes als wesentliche Gesichtspunkte die folgenden festgelegt:
1. Im Haushaltsplan 1931 wird über die bereits im Haushaltsplan 1930 vorgesehene Senkung der Ausgaben von 169 Millionen hinaus auf Grund der vom Reichsfinanzminister gemachten Vorschläge ein weiterer namhafter Betrag eingespart werden.
2. Es wird ein mehrjähriges Programm für den Wohnungsbau und die ländliche Siedlung mit dem Ziel der beschleunigten Verminderung der Wohnungsnot der unbemittelten Schichten und unter Berücksichtigung ihrer Leistungsfähigkeit aufgestellt. Die Finanzierung der größeren Wohnungen wird auf anderem Wege durchgeführt.
3. Der Reichshaushalt soll gegen die bisherige unbegrenzte und unvorsehbare Beanspruchung durch die verschiedenen Formen der Arbeitslosenhilfe gesichert werden, indessen ohne daß dadurch die notwendigen Leistungen gefährdet werden.
4. Der Finanzausgleich wird durch eine anderweitige Verteilung der öffentlichen Einnahmen unter Reich, Länder und Gemeinden entsprechend den ihnen obliegenden Aufgaben umgestaltet werden; dabei soll vor allem auf Klarstellung der selbständigen Verantwortung für die Aus- gabengebahrung hingewirkt werden. Dieser endgültige Finanzausgleich kann in Kraft treten, sobald der Reichstag das Steuervereinheitlichungsgesetz, zu desien Vorbereitung in der Notverordnung entsprechende Maßnahmen vorgesehen und eingeleitet sind, verabschiedet hat. Zn diesem Zusammenhang ist auch eine Vereinfachung des Steuersystems in Aussicht genommen und zwar zunächst bei der Landwirtschaft, sodann durch Freistellung der Vermögen bis zu 20 000 Mk. von der Vermögenssteuer.
• Die Auswüchse auf dem Gebiete der kommunalen Beamtenbesoldung sollen beseitigt werden; hierbei wird bei denjenigen Gemeinden einzusetzen sein, deren Realsteuern besonders überhöht sind.
5. Eine Bewirtschaftung der Kreditbedürfnisse der öffentlichen Körperschaften unter einheitlichen Gesichtspunkten wirb die notwendige Senkung des zu hohen Zinsfußes unterstützen.
Die Gesamtheit dieser Maßnahmen rmrd eine Senkung der zu hohen steuerlichen Belastung des deutschen Volkes ermöglichen. Ein solches Senkungsprogramm kann nur fortschreitend durchgeführt werden. Begonnen werden soll aber bereits im Jahre 1931 mit der Senkung der die Produktion am meisten hemmenden Realsteuer. Dadurch soll der Wirtschaft Antrieb und neue Arbeit gegeben werden.
Die neuen Neuem
Der Reichsrat stimmte am Donnerstag den Durchführungsbestimmungen für Eemeindebiersteuer, Gemeindegetränkesteuer und BUrgersteuer zu. Die neue Verordnung stellte u. a. klar, daß die Erhebung der Eemeindegetränkesteuer nur zulässig ist, wenn die Gemeindebiersteuer bereits erhoben wird. Die Bürgersteuer wird abhängig gemacht vom Wohnsitz. Wer in mehreren Gemeinden einen Wohnsitz hat, ist in jeder dieser Gemeinden steuerpflichtig. Klosternovizen werden von der Steuer befreit. Der Landessatz der Bürgersteuer kann nur für alle Gemeinden einheitlich festgesetzt werden. Die Bürgersteuer wird je zur Hälfte am 10.
Januar und 10. März fällig. Sie wird zugleich mit der Lohnsteuer einbehalten oder zugleich mit der Einkommensteuer veranlagt. Für die erst von 1931 ab wirksam werdende Verkoppelung bet Eemeindebiersteuer und der Bürgersteuer mit den Realsteuern bleibt der Erlaß weiterer Durchführungsbestimmungen vorbehalten.
Ferner stimmte der Reichsrat einer Ausführungsverordnung zum Weingesetz zu, die im wesentlichen den bisherigen Ausführungsbestimmungen zum alten Weingesetz entspricht.
Den 250 Millionen, Reichsbahnschatzanweisungen zur Finanzierung des Arbeitsbeschaffungsprogramms billigte der Reichsrat die Mündelsicherheit zu.
Die Notverordnung vor dem StaatsgerWöbos?
Sie KrlegsbeWWen beantragen, die »ctetbunngen ffit
Mittig zu erklären
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Berlin, 28. Aug. Der R-ichsbunv der Kriegsbeschädigten. Kriegsteilnehmer und Kriegshinterbliebenen hat. da die breite Masse der Kriegsopfer durch die Notverordnung des Reichspräsidenten erheblich betroffen wird, den Staats- gerichtshof angerufen. Diese Anrufung erfolgt, weil der Bundesvorstand die Rechtsansicht vertritt, daß Artikel 48, Absatz 2 der Reichsverfassung im Gegensatz zum Artikel 55 der preußischen Verfassung Notverordnungen finanzieller und wirtschaftlicher Art nicht kenne und nicht zulasse. Der Reichsbund hat deshalb beantragt, der Schiedsgerichtshof möge die Notverordnung für, verfassungswidrig und rechtsungültig erklären.
Wie wir erfahren, sind auch in der Behandlung Kriegsbeschädigter, besondtts in ihrer Ausstattung mit künstlichen Gliedmaßen, Sparmaßnahmen ernge- führt worden, indem die Anfertigung der
orthopädischen Gliedmaßen im Verdingungswesen vergeben wird. Dadurch soll erreicht werden, die künstlichen Gliedmaßen billiger herzustellen. Ihre Güte soll aber darunter unter keinen Umständen leiden. Es handelt sich also nicht um Sparmaßnahmen an den Kriegsbeschädigten, sondern für sie.
Einberufung des preußischen Landtags verlangt.
V e r l i n, 28. Aug. In einem Schreiben an den Präsidenten des preußischen Landtags Bartels, verlangt die ko mm uni- stis'che Fraktion die sofortige Einberufung des preußischen Landtages. Auf der Tagesordnung dieser Feriensitzung soll die Beratung kommunistischer Anträge stehen, die eine Erhebung der durch Notverordnung des Reichspräsidenten verfügten neuen Gemeindesteuern in Preußen unterbinden und den Erlaß der preußischen Regierung ausheben wollen, der den Beamten die Mitgliedschaft in der kommunistischen Partei verbietet.
Der 8V-Millionenkredit für die Roggenstützung.
Berlin, 28.Aug. Der Kreditvertrag Zwischen der Deutschen Getreidehandelsgesellschaft m. b. H. und der Getreide-Industrie- und Kommissions-A.-G. ist, rote WTB.-Handelsdienst erfährt, nunmehr abgeschlossen und auch bereits von dem Verwaltungsrat der erstgenannten Gesellschaft genehmigt. Der Vertrag stellt eine Verlängerung des demnächst ablaufenden, der der D. G. H. einen Kredit von 30 Millionen R-R einräumte, um ein weiteres Jahr dar, umfaßt aber jetzt eine Summe von 60 Millionen 9ML Kreditgeber ist die Getreideindustrie- und Kom- missions-A. G. (G. I. C.), die ihrerseits aus das hinter ihr stehende Bankenkon- fortium zurückgreist, das zu diesem Zwecke eine Erweiterung erfahren hat. Der Ausschlietzlichkeitsvertrag zwischen der D.G.H. und der G.I.C., der nut dem bisherigen Kreditabkommen parallel lief, hat eine Einschränkung erfahren, die D. G. H. wird künftig ihre Stützungskäufe und die Verwertung des Roggens zu zwei Dritteln durch Vermittlung der G. I. C. vornehmen, den Rest nach freiem Ermessen auf Handel und Genossenschaften verteilen.
Der gtimlnntotrtrao wird gtfünbigt
• Berlin. 28. Aug. Wie die Telunion von zuverlässiger Seite erfährt, sind die in Helfingfors geführten Verhandlungen des Vertreters des Auswärtigen Amtes, Ministerialdirektor Ritter, über die neue Regelung der Handelsvertragsbeziehungen mit Finnland im wesentlichen abgeschlossen. Cs wurde vereinbart, daß der laufende Handelsvertrag gekündigt wird und am 1- Januar dem Zeitpunkt des Ablaufs des Vertrages, ein neuerVertrag in Kraft tritt, der die Vertragszölle für Butter und andere Molkereiprodukte auf wesentlich höhere Zollgrundlage als der gegenwärtigen festsetzt.
Verschärfung der Lage in Judien.
fk. London, 29. Aug. Nunmehr hat auch die Regierung in Madras den Arbeitsausschuß des Allindischen Kongresses für ungesetzlich erklärt.
Wenn man sich bestrebt fühlt, energisch gegen das Auftauchen der Splitterparteien Stellung zu nehmen, so tut man dies aus der Erkenntnis, welch ringe-
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Je mehr sich der Mann in Frankreich darüber klar wird, daß das S a a r g e b i e t rein deutsch ist und auch bei der Abstimmung im Jahre 1935 deutsch bleiben wird, um so eifriger setzt die Propaganda ein, die einmal darauf ausgeht, der französischen Oeffentlichkeit unter Vorspiegelung falscher Tatsachen die Hartnäckigkeit Frankreichs bezüglich einer vorzeitigen Rückgabe an Deutschland schmackhafter zu machen, zum anderen aber auch bei der. Saarbevölkerung selbst den Eindruck zu erwecken, daß die französische Herrschaft für sie das Paradies bedeute, während die Rückkehr zu Deutschland unweigerlich den Ruin des Saargebietes nach sich ziehen würde. So macht ein französischer General de Cugnae in einem französischen Blatt verzweifelte Anstrengungen, die Saarbevölkerung davon zu überzeugen, dah ihre Rückkehr zu Deutschland gleichbedeutend mit Selbstmord wäre. Selbst die geographische Lage des Saargebietes, so behauptet der General, widerspreche einer Angliederung an Deutschland. In völliger Verkennung der wirklichen Stimmung der, Sarbevölkerung versucht der General bei seinen Landsleuten den Glauben zu erwecken, daß bei einer Abstimmung im Jahre 1935 eine Mehrheit für Frankreich erzielt werde, besonders wenn Frankreich die Zeit richtig nutze.
Durch das Angebot der bayerischen Sozialdemokraten ist die Regierungs- k r i s e i n B a h e r n in ein neues Stadium getreten. Es läßt sich indessen schon jetzt erkennen, daß in den von der Sozial- demvkratie formulierten Voraussetzungen die Grundlage für eine neue Mehrheitsbildung nicht zu erblicken ist, denn die Sozialdemokratie muh sich darüber klar sein, daß ihr Verlangen, die freiwilligen Leistungen des Staates an die Religionsgesellschaften einzuschränken, von der Bayerischen Vollspartei unter keinen Arn- ständen unterstützt werden wird. Die Presse der Bayerischen Vollspartei hat sich bereits in diesem Sinne sehr unzweideutig geäußert. Da aber in Bayern ohne die Bayerische Vollspartei überhaupt keine praktische Regierungsbildung möglich ist, kann man schon jetzt sagen, daß die sozialdemokratischen Bemühungen scheitern werden. Man rechnet ganz allgemein damit, daß die bayerische Regierungskrise sich noch über die Reichstagswahlen hinauS- ziehen wird.
Es hat in der Oeffentlichkeit einiges Erstaunen erregt, daß die Kandidatenlisten des Zentrums den Namen des Reichsverkehrsministers von Guerard nicht enthalten. Herr von Guerard wird also im kommenden Reichstag kein Mandat haben. Wie wir von unterrichteter Seite dazu erfahren, besteht in gewissen Zentrumskreisen schon feit längerer Zeit eine erhebliche Mißstimmung gegen Herrn von Gerard. Sein eigener Wahlkreis Koblenz- Trier hat die Wiederaufstellung von Guerards abgelehnt, wobei es übrigens bezeichnend ist, daß dies der Wahlkreis auch des Paarteiführers Prälaten Kaas ist. As ist dann der Versuch unternommen worden, für Herrn von Guerard in Ostpreußen einen Platz auf der Zentrumsliste freizumachen, doch ist auch das mißlungen. Aus der Reichsliste des Zentrums ist der Name von Guerard ebenfalls nicht enthalten. Es gewinnt den Anschein, als ob das Zentrum seinen langjährigen Fraktionsführer im Reichstag allmählich fallen lassen wolle. Falls es in absehbarer Zeit zu einer Personalveränderung im Reichskabinett kommen sollte, würde wahrscheinlich von Guerard bei dieser Gelegenheit aus dem Kabinett ausschewen.