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Marburger rageölmzetger

Äbev^ssischL Zeitung

Anzeiger für (bas frühere kurheMche) Oberhessen

Nr. Al SZ.Mrg. Marburg uM«

Der Anzeigend reis beträgt fth den 11 gespalt. Zeilenmillimeter 0.08 EM., sog. kleine Anzeigen und Familienanzeige« bei Barzahlung 0.07 S2X amtlich« und aus­wärtige Anzeigen 0.10 EM. Bei schwierigem Satz sowie »ei Platz» dorschrtst 50»,'. Aufschlag. Sautmelanzeige« 100 »s. Auf- schlag. Neklam.-Millim. 0,40 EM. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt.

Ziel 5 Tage-

Offerten-Eebsthr: 25 Pfg. Belege werden berechnet. Erfüllungsort Marburg.

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Ein ntMtr Sinntal in Berlin

Der Magistrat stellte Millivnenbeträge als BauMen zur Lersügung Das Selb statt anbere Berwenbung Die Saabwetter unb Lteleranlen warben nicht bezahlt

Ser litt, 27. Aug. Wie derLokal- ilnzeiger« berichtet, ist bei der Staats« anwaltschaft am Landgericht III eine Strafanzeige eingegangen in der behaup- tet wird, daß die Stadt Berlin den jetzigen Besitzern des dnrch seine Baufälligkeit wertlosen Grundstücks Hebbelstratze IS, das diese bei der Zwangsversteigerung für 70 000 M erworben haben, bisher zu Re- «ovierungszwecken mehr als eine halbe Million- zur Verfügung ge­stellt hat und das weiter dieselben Leute zur Bebauung eines anderen für 170 000 Mark angekauften Charlottenburger Ge­ländes aus öffentlichen Mittel« eine Million 500000 M zugeschanzt er­halten haben. Die beiden Eigentümer ließen dann auch sowohl auf dem Grund­stück Hebbelstraße 19 wie auf dem anderen Gelände Bauarbeiten durchführen, fanden aber für die von der Stadt erhaltenen zwei Millionen anderweitige Verwendung, bezahlten die Lieferanten, Handwerker und Arbeiter nicht, so daß jetzt von den Ge­schädigten Strafanzeige erstattet wurde.

Inzwischen hat einer der Architekten vor einigen Wochen mit einer Schuldenlast von 900 000 M seine Zahlungen eingestellt, so daß allein die Lieferanten und Handwer­ker, die Schuldenforderungen von 450 000 Mark haben, leer ausgehen.

Der neue Berliner Kommunalskandal, der bekannt wurde durch den wirtschaft­lichen Zusammenbruch der Architekten Wagner und Ernst Schaldach, der Eigentümer des baufälligen Hauses Heb- belftraße 19 und eines Gebäudekomplexes in der Weringeroderstratze, hat, roie, der Berliner Lokalanzeiger erfährt, gestern sowohl die interssierten städtischen Kreise als auch die Gläubiger eingehend beschäf­tigt. Heute vormittag findet beim Amts­gericht Charlottenburg ein Termin statt, in dem Schaldach, der übrigens wegen Be­truges erst vor einigen Tagen zu 1500 Mark Geldstrafe oder 100 Tagen Gefäng­nis verurteilt worden ist, nunmehr auch den Offenbarungseid leisten soll.

Von den Gläubigern Schaldachs wird behauptet, daß es Schaldach nur da­durch gelungen wäre, so erhebliche Schulden aufzuhäufen, weil bei seinen Unternehmnngen städtische Be­amte angeblich ehrenamt­lich beschäftigt gewesen wären.

Die von den Gläubigern gegen Schadlach und Wagner erstattete Anzeige hat die Staatsanwaltschaft III an die Polizei wei- «tgeleitet. Das Nachrichtenamt der Stadt Merlin hat gestern nachmittag mitgeteilt, daß

Schaldach aus öffentlichen Mitteln tat­sächlich 1472 3000 Mark für die Woh- »ungsbauten in der Wernigeroder- stratze «nd Wagner außerdem 342 000 Mark für die Instandsetzung des Ee- dandes in der Hebbelstraße erhalten hätte.

Die 1472 300 Mark seien Wagner und ^chaldach, die 342 000 Mark nur Wagner dewilligt worden. Einzelne Lieferanten nNd, wie gestern in einer Gläubigersitzung erklärt wurde, in so verzweifelte Lage ge­lten, daß sie sich mit Selbstmordabsichten tragen. Nach Ansicht des Lokalanzeigers

dürften die Lieferanten leer aus­geh e n, während die Stadt vielleicht einen Teil ihres Geldes retten könnte.

Aufgedeckte Betrügereien.

Gelsenkirchen, 27. August. Von der Polizei wurde der 41 Jahre alte Kaufmann Heinz K. verhaftet, durch desien betrügerische Machenschaften eine hiesige Firma um ins­gesamt 20 000 M geschädigt worden ist. Der Petrüger lebte auf großem Fuße, führte ein Schlemmerleben, und wohnte meistens in vornehmen Hotels. Es gelang der Kriminal­polizei, einen Teil der Geschenke im Werte von 8000 M zu beschlagnahmen, die er einer

Freundin verehrt hatte. Der Betrüger wurde dem Amtsgericht zugeführt.

Essen 27. August. Der beim Ruhrver­band beschäftigte 23 Jahre alte Vürogehilfe Konrad Elm hat sich im Laufe des Jahres umfangreiche Unterschlagungen und Urkun­denfälschungen zuschulden kommen lasten. Elm war unter dem Namen Dr. Elm ver­heiratet und nannte sich auch außerhalb des Dienstes so. Durch seine Festnahme und die Sicherstellung der in seinem Besitz befindli­chen Werte gelang es, größeren Schaden ab­zuwenden. Soweit festgestellt ist, beträgt die unterschlagene Summe etwa 30 000 M. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen.

Der B-mSevlem-Nro-

es zu bcn jWementotiemn" kam

Altona, 27. Aug. In dem Bomben- legerprozeß folgte nur der Angeklagte Reh­ling der Aufforderung durch den Vorfitzeü- den, sich zu den Anklagepunkten zu äußern. Sämtliche anderen Angeklagten verwiesen auf ihre erste Erklä­rung, der sie nichts hinzuzufügen hätten. Da

di« Angeklagten sich auch ht der Mitt­woch-Verhandlung weigerten, zur Sache auszusagen,

mußte in die Verlesung derjenigen Protokolle eingetreten werden, die die Staatsanwalt­schaft als wichtig für die Ueberführung und den Schuldbeweis betrachtet und die Geständ­nisse bzw. Beschuldigungen der einzelnen An­geklagten enthalten.

Rechtsanwalt Dr. Bloch wendet sich scharf gegen die von ihm als tendenziös empfundene Berichterstattung eines Berliner Mittags­blattes, die ereine infame Verleumdung des verstorbenen Kapitäns Göttin g" nennt. Rechtsanwalt Dr. Brandt Beantragte, Auf­klärung über die Richtigkeit der dort gemach­ten Angaben zu schaffen. Der Angeklagte Johnsen soll nämlich den ihm aus der Haft gewährten Urlaub dazu benutzt haben, mit dem inzwischen verstorbenen Kapitän Eötting in Verbindung zu freien. Das Ge­richt beschließt, Zeugen zur Sache zu laden.

Angeklagter Volck war nach seinen Aus­sagen in der Absicht nach Holstein gekommen, eine Stahlhelmgruppe zu bilden. Da dies nicht gelang, würde die Gründung einer an­deren Organisation namens der Deutsch- nationalen Volkspattei beschlossen und die­ser Beschluß zur Ausführung gebracht, zunächst durch die Bildung einerWachtbundvereini- gung für Stadt und Land", deren Haupt­aufgabeder Kampf gegen die von Rußland andringende bolschewistische Welle" sein sollte. Volck bezog als Organisator 800 Mark monatlich.

Im November 1928 wurde mit Heim und Himkens wegen der Ausführung von Knalldemonstrarionen verhandelt und auch Einigkeit darüber erzielt.

Schmidt, Kaphengst, Rathjen und Johnsen waren damals schon beteiligt. Man wünschte, die völkische Studentenschaft in die Bewegung hineinzuziehen., Kaphengst, der sich mit Schmidt in einer Altonaer Besprechung zur Hilfe berellerklätte, soll damals Führer einer Ehrhardt-Gruppe gewesen sein. Man ist auch an den Alldeutschen Verband und an Justiz­rat C l a ß herangetreten, das Unternehmen, das damals noch geheimgehalten wurde, zu fmanzreren. Die Verhandlungen scheiterten ebenw rote die mit Kapitän Ehrhardt an den Forderungen Heims, der allein 100 000 Mark verlangte, während Volck 80 000 Mark erhalten sollte. , Ein Versuch Heims, mit Hugenberg in Verbindung zu kommen, ist gleichfalls gescheitett. Trotzdem wurde die Sache in Itzehoe unternommen. Muth- mann, em Parteifreund Ehrhardts, nannte Volck einen Verräter, der sich m Holstein

nicht mehr blicken lassen solkte. Kaphengst soll freier gesagt haben, Muthmcmn lasse sich als Urheber per Anschläge feiern, ohne es zu sein. Infolge der Warnung eines Hamburger Astrologen, der Gefangenschaft oder Erik für den Urheber der Anschläge fürchtete, ging Volck ins Ausland. Samplens und Salomon will Volck erst nach Aus­führung der Anschläge kennengelernt haben. Er fuhr über München und Kufstein nach San Remo, Monte Carlo und Locarno. Als er von den Verhaftungen in Deutschland hörte, wechselte er fortwährend seinen Auf­enthalt. bis er es Anfang November für bes­ser hielt, zurückzukehren, worauf dann seine Verhaftung efrolgt.

Aus dem Protokoll ergibt sich

eine schwere Velastnng für alle Mitangeklagten.

Rechtsanwalt Bloch bittet, Volk zu fragen, ob ihm als alten Soldaten bekannt war, daß Handgranaten, wie sie in Wesselburen verwendet wurden, nach zehnjährigem Lagern garnicht mehr gebrauchsfähig sein konnten. Volck bejaht dies.

Der Vorsitzende fragt, wie er denn mit solchen Dingen habe demonstrieren wollen. Volck wendet sich achselzuckend ab.

Anschließend wird das Protokoll der Ver­nehmung vom 13. November 1929 verlesen, in denn sich Volck über Erwerb und Weiter­gabe von Waffen äußerte. Er will nur als Unterhändler fungiert haben. Es handelt sich bei den Waffen um zahlreiche Gewehre, Pistolen und Patronen. Volck hat anscheinend die Beschaffenheit, der Sprengstoffe gut ge­kannt und diese mit Johnsen zusammen öfters umlagert.

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Neuer schwerer FluguuW in Frankreich

Außer dem gestern früh gemeldeten schweren Flugzengunfall bei dem nächt­lichen Luftmanöver des 22. Fliegerregi­ments in Chartres haben zwei weitere Apparate des gleichen Regiments schwere Unfälle erlitte». Aus Dijon wird ge­meldet. daß sieben Kilometer wesllich die­ser Stadt bei der Ortschaft Corcelles-les- Monts ein großer doppekmotoriger Appa­rat der 6. Staffel brennend abge - stürzt sei. A»s de« Trümmern konnten vier Unteroffiziere nur als Leichen ge­borgen werden, während sich zwei weitere Unteroffiziere durch Fallschirmabsprung ret­ten konnten und nur leicht verletzt wurden.

Ferner stieß beim Start ei« von einem Offizier gesteuerter Apparat gegen eine Flugzeughalle und wurde schwer beschä­digt. Der Flugzeugführer wurde leicht verletzt.

Tagesspiegel

Echo de Paris" meldet, daß frönt* liche Militärattaches der fremden Staa» e ten von Deutschland Einladungen zu den Manöver» erhalten hätten, außer diejenigen Frankreichs, Belgiens und Po- Polens. Mtt dieser Aebergehung wolle man in Deutschland gegen die noch immer anhaltende Besetzung des Saargebietes durch Frankreich, gegen die Wegnahme Eupen-Malmedys durch Belgien und ge­gen das starre Verhallen Polens in der Frage der deutschen Ostgrenze protestieren. In der dem englischen Militärattache zu­gegangenen Einladung erblicke man einen Ausdruck besonderer Hochachtung Hinden­burgs für die englische Armee. Dieser Darstellung gegenüber erfahren wir von unterrichteter Seite: Bei der Zulassung der Militärattaches der Staaten, die gegen Deutschland Ktteg geführt haben, muß auf deutscher Seite die Nnladung deutscher Vertreter zu den fremden Manövern ab- gewattet werden, ehe Deutschland die fremden Attaches zu den eigenen Manö- vern einladen kann. Die Vereinigten Staa­ten, Großbritannien und Italien haben deutsche Militärattaches zu ihren Manö- vern zugezogen. Daraufhin sind die Mill- tärattaches dieser Staaten zu den deutschen Manövern eingeladen worden. Frankreich, Belgien und Polen haben dies noch nicht getan. Da ihre Manöver unmittelbar be­vorstehen, können Offiziere dieser Armeen für dieses Jahr auch nicht zu den deutschen Manövern zugelassen werden.

Die durch die statte Verschuldung der Landwirtschaft notwendig werdenden Zwangsversteigerungen von Grundstücken mehren sich in er­schreckendem Maße. Die höchste Zahl der Zwangsversteigerungen wurde im ersten Vietteljahr 1930 erreicht, in welchem Zellraum eine Fläche von rund 37512 Hek­tar in den deutschen Ländern, mit Aus­nahme von Bayern und Baden, im Zwangswege versteigert wurden. Seit der Währungsstabllisierung ist diese Zahl noch nicht erreicht worden. Im Rechnungsjahr 1929/30 übertraf die zur Steigerung ge­langte Fläche von Grundstücken über 2 Hettar diejenige des Vorjahres um 135,5 Prozent! Wenn man auch die saisonbe­dingten Schwankungen berücksichtigt, so stellt das Instttut für Konjunkturforschung doch fest, daß sich in den letzten Jahren ein ununterbrochenes sprunghaftes Ansteigen der Versteigerungsziffern ergibt. Aus der Stattstik geht weiter hervor, daß vor allem die größeren Betttebe von den Zwangs- versteigerungen betroffen sind, denn wäh­rend die Zahl der Zwangsdersteigerungs- fälle im ersten Vietteljahr 1930 gegenüber der entsprechenden Zell des Vorjahres um 91,3 Prozent gestiegen ist, ist bei der Größe der vettteigerten Fläche eine Zunahme um 218,1 Prozent zu verzeichnen. Allerdings beginnen auch die mittleren Betttebe stark in Mitleidenschaft gezogen zu werden, denn seit den letzten Monaten 1929 ist die Zahl der Versteigerungsfälle sogar etwas starker gestiegen als die Größe der ver­steigerten Fläche.

Dabei fft die Verschuldung der Land- wittschaft immer noch im Ansteigen be­griffen. Ende 1929 hatte die Verschuldung einen Stand von etwa 11 Milliarden er­reicht, sie ist inzwischen aber noch ange­stiegen. Nach vorsichtigen Schätzungen er- fordette diese ungeheure Schuldsumme eine Verzinsung von runb 965 Millionen RM.. während es Ende 1928 noch 915 Millionen und Ende 1927 etwa 800 Millionen waren. Die Summe für 1929 übertrifft die Zins­last, die die Landwirtschaft im Jahre 1913 zu tragen hatte, noch um rund 29 Prozent. Allerdings dürste sich sell Beginn des Jahres 1930 die Zinsenlast trotz größerer Verschuldung nicht vermehrt haben, da eine mehrfache Kredllverbilligung seitdem eingetreten ist. - '