Mittwoch, »t» 27. August 1SM
i/it ^Oberhcssijchr ZrtUmg" er- ch«int sechsmal tvLchentlich. Le- rAgSpreiS monatlich 2Z2O EM.au«- schließt. ZustellmigSgebühr, tutet bit Post 2.45 GM. Für etwa durch Gtreik, Maschinen defekt oder eie» menlar« Ereiguiste «uSsallrud« Nummern wird kein Ctfot Pe» eistet. Verlag Dr. §. K^erotb. Druck bet Unid.-Buchdruckeret Ioh» Aug. Koch. Markt 21/23 Fernsprecher: Nr. 64. u. Nr. 65 Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Nr. 6015. — Sprechzeit ier Redaktion von 10—11 und »1,1—1 llbr.
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Anzeiger für (das frühere knrhefsische) Oberhessen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen sür Stadt nnd Kreis Marburg.
SriiWrr Protest In Warschau
Berlin, 26. Aug. Wie wir erfahren, ist wegen lleberfliegens der deutschen Ostgrenze bei Flatow durch ein polnisches Militärflugzeug durch den deutschen Geschäftsträger in Warschau de, polnischen Regierung am Sonnabend ein Protest der deutschen Regierung übergeben worden. Die polnische Regierung hat darauf noch keine Antwort erteilt, da sie die Angelegenheit erst nachprüfen mutz.
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Ak Rechte der Jeustcheu in Mslawien
Der Belgrader Korrespondent der Deutschen Allgemeinen Zeitung hatte mit dem jugosla- vischen Justizminißer Serschkitsch am Dienstag eine Unteredung, in der der Minister sagte:
„Der heutige Ministerrat hat der deutschen Minderheit die Rechte gegeben, die sie seit langem gefordert hat. Es ist somit die These bestätigt worden, daß die Diktatur den loyalen deutschen Staatsbürgern die Rechte gewähren wird, die sie unter den parlamentarischen System in zehnjährigem Kampf nicht zu erringen vermochte."
Heber die Art der Verordnung hat der Korrespondent der D. A. Z. folgende Einzelheiten erfahren:
Der „Deutsche Kulturbund" wird gestattet. Ferner wird die Forderung der deutschen Minderheit auf eine private Lehrerbildungsanstalt, die alle Rechte einer öffentlichen Bildungsanstalt hat, erfüllt werden. Es wird daher in Zukunft nickt mehr vorkommen können, daß die Kinder der deutschen Minderheit von Lehrern unterrichtet werden, die des Deutschen unzureichend mächtig sind. Als Ausnahmestimmung der jugoslawischen Schulgesetze werden deutsche Kindergärten zugelassen. Ferner wird deutschen Lehrern gestattet, deutsche Analphabetenkurse abzuhalten. Entgegen § 45 des Normal-Schulgesetzes beginnt der Unterricht in der serbokroatischen Staatssprache in den deutschen Minderheitsschulen nicht wie sonst in der ersten, sondern erst in der dritten Klasse.
Die Entscheidung über die Bildung von Minderheitsschulen in den einzelnen Gemeinden und bie Einschreibung der Schüler in diese vollzieht eine Kommission, die aus zwei Vertreter der Schulbehörde und zwei Vertretern der deutschen Minderheit besteht.
Absturz eines lmnMKen Miittürstnszeiißes
fl, Paris, 27. Aug. Bei einer Nachtübung des 22. Fliegerregiments, die gestern in der Gegend von Chartres abgehalten wurde, stürzte ein Flugzeug über dem Dorfe Chavannes (3 Kilometer von Chartres entfernt) ab und fiel auf die Strafte der Ortschaft. Die sechs Insassen, 2 Offiziere und 4 Unteroffiziere, wurden auf der Stelle getötet. Bisher find fünf Leichen vollkommen verstümmelt geborgen worden.
Zu dem Flugzeugunglück liegt weiter folgende Meldung vor:
In der Gegend von Chartres hatten große Hebungen stattgefunden. Ein großes Bombenflugzeug, in dem 2 Offiziere und 4 Serganten Platz genommen hatten, kreiste etwa 3 Kilometer von Chartres entfernt, als das Flugzeug aus einigen Hundert Meter Höhe abstürzte und in den Straßen von Chartres zerschellte. Beim Absturz streifte das Flugzeug noch einige Häuser, die aber nicht bewohnt waren, sodaß weitere Personen nicht zu Schaden kamen. Die Hebungen wurden sofort abgeblasen. Nach großen Anstrengungen gelang es die furchtbar verstümmelten Leichen der sechs Flieger aus dem Trümmerhaufen zu bergen. Man vermutet, daß das Hnglück auf eine Motorpanne zurückzuführe« ist.
Eln Gesetzentwurf zur Relchsreform
AerbriiMinMsriHlöM mie Kreist« -er Ltlsterkonstrem
Den Ministerien liegt, wie der Demokratische Zeitungsdienst erfährt, ein fertig ausgearbeiteter Entwurf eines Gesetzes über dis Reichsreform aus Kreisen der Länderkonferenz vor. Dieser Entwurf entspricht inhaltlich im großen und ganzen den Beschlüssen des Verfassungsausschusses der Länderkonferenz berücksichtigt aber deren Lücken und gibt auch Hinweise auf weitere Verbesserungen.
Der Entwurf sieht zwei Teile vor, einmal die dauernden Aenderungen der Reichsverfassung und zweitens die Hebergangsvorschriften, soweit sie notwendig sind. Als wichtigste Aenderung ist ein Artikel anzusehen, der als Artikel 19 a der geltenden Weimarer Verfassung einzufügen wäre und der besagt, daß die Vorschriften über die bisherige Zuständigkeitsverteilung zwischen Reich und Ländern nicht gelten „für Länder vereinfachter Verwaltungsform", für die auch der Name „Länder verstärkter Gemeinschaft" zur Wahl gestellt wird. Diesen Ländern soll ein Eesetzgebungsrecht nur zustehen, soweit es ihnen vom Reiche übertragen wird. Ihre Grenzen untereinander und ihre Verfassungen sollen durch Reichsrecht bestimmt werden. Doch soll^ um Zeit zur freien Verständigung zu lassen, die Bestimmung wegen der Grenzen erst nach zwei Jahren in Kraft treten. Die Iustiz soll
allein dem Reiche zustehen ebenso in höchster Instanz P o l i z e i, G e m e l n d e- aufsicht, Eewerbeaufsicht, Kirchen- und Schulangelegenheite n. Es soll allen Ländern nach der Verfassung freistehen, zu der vereinfachten Verwaltungsreform überzugehen.
In dem zweiten Teil heißt es, daß die bisherigen preußischen Provinzen und dre Länder Thüringen, Hessen, Hamburg, Mecklenburg-Schwerin, Oldenburg, Braunschweig, Anhalt, Bremen, Lippe, Lübeck, Mecklenburg-Streritz und Schaumburg- Lippe vorbehaltlich der territorialen Neugliederung sofort solche „Länder verern- sachter Verwaltungssorm" werden. Wahrend der Hebergangszeit soll in P r e u - ft e n der Landtag für besondere Aufgaben bestehen bleiben; denn es wird vorgesehen, daß die Reichsregierung unter entsprechender Erweiterung zugleich die preußischen Ministerien und die preußische Staatsverwaltung übernehmen soll. Die anderen Länder vereinfachter Verwaltungsform sollen anstelle ihrer Landesminister, Landesdirektoren erhalten. Die laufende Gesetzgebung soll bis zu dem Zeitpunkt, wo sie der Reichstag übernehmen kann, von der Reichsregierung mit dem durch Erweiterung des Preußischen Landtags gebildeten Gemeinschaftlichen Landtage besorgt werden.
v. Gronau iu Newyork
Die erist Szklmübrrmkmsi im SEugzwg
Newyork, 26. August. Das Eronausche Flugzeug erschien um 3.40 Uhr (Ortszeit), von Polizeiflugzeugen begleitet, über Batterq, kreiste einmal über diesem ältesten Teil New- yorks und ging dann im Hafen nieder, wo Polizeiboote die Auslaufstrecke vom Hasenverkehr freigemacht hatten. Das Flugzeug wurde allenthalben mit großer Begeisterung und Sirenengeheul begrützt. Es ist das erste Mal, daft ein Atlantikflieger in Newyork gelandet ist. Die 1000 Kilometer lange Strecke Halifax—Newyork hat das Flugzeug in einer durchschnittliche» Stundengeschwindigkeit von 160 Kilometer zurückgelegt.
Der deutsche Geschäftsträger Dr. Kiep sandte dem deutschen Flieger von Gronau und seinen Begleitern durch die Nervyorker Vertte- tung der Dornier-Werke ein herzliches Begrüßungstelegramm und beglückwünschte dre Lufthelden zu ihrer vervorragenden Leistung, die deutschen Flieger sind zu der gegenwärtig in Cbicago veranstateten Internationalen Flugwoche von dem Komitee offiziell und dringlich eingeladen worden, da sich dort zur Zeit alle führenden Männer des amerikanischen Flugwesens befinden, die ihnen einen großen kameradschaftlichen Willkommensempfang bereiten wollen. <-
Der erfolgreiche Dornier-Wal.
Anläßlich der Atlantiküberquerung durch Direktor Wolfgang von Gronau von der Deutschen Verkehrsfliegerschule Warnemunde mit dem Dornier Wal D 1442 teilte Dr. —or- nier einem Vertreter der Telunion folgendes mit: Der Atlantikflug Gronaus mit dem Flugboot Dornier Wal dürfte deshalb von besonderem Interesse sein, weil es
das erste Mal ist» daft mit einem Seeflugzeug der Nordatlantik überwunden worden ist.
Dieser Flug bedeute eine wichtige Pionierarbeit für den kommenden Transozeanflugoer- kehr. Nur mit Seeflugzeugen wird es möglich sein, einen solchen Verkehr unter Ausschaltung der Hauptgefahren durchzuführen. Besonders hervorzuheben ist die wohlüberlegte Vorbereitung und die gut gelungene Durchführung, die nur in Verbindung mit Wetterdienst und Funkanlage möglich war, und werter die Vorgeschichte des Flugbootes.
Das Flugboot ist ein Veteran der Luftfahrt und ist bereits 6 Jahre im Dienst.
1924 im Auftrage des Nordpolforschers Amundsen gebaut, wurde es 1925 zu dem Flug nach dem Nordpol benutzt. Während ein zweites Flugboot im Eis zurückgelassen werden mußte, konnte der heute von Gronau benutzte Wal die Besatzung beider Flugboote nach Spitzbergen und Oslo zurückbringen, -5M kommenden Jahre machte der Nordpolwal unter Führung des norwegischen Oberleutnants Holm eine Reihe von Erkundungsflugen, worauf er dann von den Dornierwerken wieder zurückerworben wurde. Im Jahre 1927 wurden die englischen Rolls Royce-Motoren gegen zwei 450 PS.-Nacier Lien-Motoren ausgewechselt. Der englische Flieger Courterney benutzte darauf das Flugboot zu dem Versuch einer Atlantiküberquerung, der jedoch wegen ungünstiger Witterung auf dem Wege nach den Azoren abgebrochen werden mußte, worauf der Wal wieder nach Friedrichshafen zurückkam. Es erfolgte hieauf ein neuer Motorenwechsel. Es wurden die beiden hinter in der Maschine befindlichen 450 und 600 PS.- Motoren der Bayerischen Motoren-Werke eingebaut. Die Maschine ging darauf in den Dienst der Deutschen Verkehrsfliegerschule in Warnemünde über. Die gleiche Flugzeugtype hat bereits zweimal den Südatlantik überquert. 1926 unter Führung des spanischen Majors Franco und 1927 unter dem portugiesischen Major Saremento de Berres.
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§«§ SmLemmgM aus dm MkteMMM
Katiowitz, 26. Aug. Zu dem Grubenunglück auf dem Hildebrand-schacht wird noch gemeldet: Die Rertungsarbelten geitaiten sich durch die dauernd nachstürzenden Ee- steinsmassen außerordentlich schwierig. Auf dem Hildebrand-Schacht wurden 9 Opfer bisher zutage gefördert. Von ihnen smd drei tot, die übrigen schwer noch von den Gesteinsmassen Emgechlossenen wird man bestenfalls erst morgen abenbge= langen können: sie geben ans Klopfzeichen keine Antwort mehr. Aus Kreisen der Bergverwaltung wird noch mrtgetellt, daß das Hnglück auf ein tektonisches,Beben zuruckzu- führen sei. das den Pseilererniturz veranlaßt habe.
AgeSWgrl
Die polnische Spionagefurcht hat bekanntlich neben den vielen anderen Schikanen gegen Angehörige der deutschen Bevölkerung in Polen auch die Verfügung ersonnen, daß die deutschen Reisenden, die int deutschen D-Zug durch den Korridor von Berlin nach Ostpreußen oder umgekehrt reisen, in verriegelten und plombierten Wagen fahren müssen. Hm sich diese Bestimmung in ihrer ganzen Tragweite klar zu machen, braucht man sich nur vorzustellen, welche Folgen sie im Falle eines Zugunglücks haben würde. Es ist daher begreiflich wenn auch vernünftige Leute in Polen auf die Gefahren dieser Bestimmungen aufmerksam machen. Sv schreibt das Warschauer sozialisstsche Blatt „Robotnik" in einer Betrachtung über die deutsch-polnische Grenzfrage, daß das Plombieren der Wagen Polen keinen Votteil bringen, weil die deutschen Zugbeamten auf den Bahnhöfen doch den Zug verlassen mühten und mtt dem polnischen Bahnhvfspersonal in Berührung kämen. Man wird die sozialistischen Befürchtungen und Schlußfolgerungen des Warschauer Blattes verstehen, aber man wird auch hinzufügen dürfen, daß das Hindernis für eine Verständigung zwischen Deutschland und Polen nicht die plombierten D-Zug- wagen allein sind, sondern daß es in dem ganzen Fragenkomplex der Grenzregulie- rung zu suchen ist, von dessen Erörterung die Polen heute weniger denn je wissen wollen.
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' Es hat sich in den letzten Jahren gezeigt, daß sportliche Einzelleistungen zwar die vorübergehende Begeisterung fremder Völler erregen, wenn sie von Deutschen vollbracht werden, dcch eine nachhalttge Wirkung jedoch nur von Stiftungen aus- gcht, die gleichzeitig auch eine Pioniertat bedeuten. Der Enthusiasmus über einen Ozeanflug im Landflugzeug ist schnell verflogen, denn er beweist nicht anderes, als den Wagemut eines Einzelnen, dem heute die Flugzeugindustrien fast aller Staaten brauchbare Maschinen zur Verfügung stellen. Der jetzt erfolgreich durchgeführte Trans ixzeanflug des deutschen Fliegers von Gronau wird zweifellos eine nachhaltigere Wirkung ausüben. Ohne daß vorher die Reklamettommel ge= richrt wurde, hat das sturmerprobte deutsche Flugzeug — es ist die gleiche Maschine, mit der Amundsen 1925 im Eise festsaß — planmäßig von Etappe zu Etappe das kanadische Festland erreicht. Wenn sich als schwerster Feind wiederum der Rebel erwies, so werden die Erfahrungen dieses Fluges erneut dazu anspornen, dre geeigneten Instrumente für die Aeberwrn- dung des Aebels zu erfinden. Die Aufnahme von Gronaus in Kanada und in den Vereinigten Staaten ist ungewöhnlich herzlich. Don Gronau ist als Botschafter deutscher Gründlichkeit, Bescheidenheit und Sachlichkett über den Ozean geflogen. Solche Taten wiegen schwerer als ein, Boxrummel, der nur allzuleicht mit einem Tiefschlag für das deutsche Ansehen endet.
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Wie wir erfahren, wird der Reichswahlausschuß am 2. September zusammeittre- ten, um über die Wahlvorschläge der Parteien und die technischen Einzelheiten der bevorstehenden Reichstagswahl zu entscheiden. Bis zu diesem Zeitpunkt werden die Kreis-, die Reichswahlvorschläge und die Verbindungserklärungen vvrliegen, so daß dann nur noch die Anschlußerklärungen fehlen. Bisher ist dem Reichswahlltiter erst ein kleinerer Teil der Reichswahlvvrschläge zugegangen; namentlich schien die der großen Parteien noch. Man kann sich aber schon jetzt ein Bild davon machen, wieviel Parteien bei der bevorstehenden Wahl aufmarschieren werden Von unterrichteter Stelle rechnet man mit etwa 22 Vorschlägen, so daß also ge- qenüber den 38 Vorschlägen, die bei der Wahl vom 20. Mar 1928 im Kampf standen, eine erhebliche Verminderung ein*