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Sonnabend, dea B. August IW

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Marburger ± | SeMrbe

ZagrSanzetger / W B B SB I I II Lamszsitung

Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhelfen

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Die Leiche Andres gefunden

Sie Kolariragvdie nach K Zähren ausgekläri Inierestanies ans allen Sokumenlen

Aus der Weihen Insel in der Rahe vo« Kranz-Zoseph-Land ist, wieSvenska Dagbladet" erfährt, von einer norwegi­sche« Expedition die Leiche des schwedischen Polarforschers Salomon August A n- ? dese aufgesunden worden, der im Jahre 1897 mit zwei Begleitern versuchte, na Luftballon von Spitzbergen ans den Nordpol zu erreiche« und seitdem verschöl­le« war. Ein norwegisches Fischerboot, das am Freitag nach Tromsö zurückgekehrt ist, brachte die Nachricht mit. Die Leiche des schwedischen Forschers ist im Eis sehr gut erhalten geblieben, wahrscheinlich wer­de« die Ueberreste sobald als möglich nach Schweden überführt werden.

Das Lager, in dem die Leiche des seit 1897 vermißten Nordpoolforschers Andree gefunden wurde, ist am 6. August von der von dem norwegischen Geologen Dr. Horn geleiteten arktischen Expedition an der Südwestküste von White Island gesichtet worden. Das Lager befand sich etwa 150 Meter von der Küste entfernt.

Ma« fa«d ei« Boot und einen Schlit­ten, und in dem Boot die anscheinen­de« Ueberreste eines menschliche« Skeletts.

Auch das Logbuch und einige Ausrüstungs­gegenstände, die die AufschriftAndrees Polarexpedition 1896 trugen, wurden aufgefunden. Wenige Meter von dem Boot entfernt lag die Leiche Andräes völ­lig im Eis eingefroren, aber nur von einer dünnen Eisschicht bedeckt. Sie war k völlig bekleidet und gut erhal­ten. In den Taschen fand man Andrees Tagebuch und neben anderen Gegenstän­den auch einen Pedometer.

Nicht weit vo« Andräe lag die gleich­falls gut erhaltene Leiche eines zwei­te» Mitgliedes der Andr^ejche«

Expedition, die jedoch noch nicht mit Sicherheit identi­fiziert werden konnte. Das Lager war augenscheinlich von Eisbären heimgesucht worden, befand sich aber im großen und ganzen im gutem Zustand. Die Leichen und die gefundenen Ausrüstungsgegen­stände werden an Bord eines norwegischen Robbenfängers gebracht, der anfangs September in Norwegen eintreffen dürfte.

Nach den letzten Berichten aus Tromsö handelt es sich bei der Weißen Insel, auf der Andrees Lager aufgefunden wurde, nicht um die zum Franz-Josephs-Land ge­hörende Insel dieses Namens, sondern um die auch Eillis-Land genannte Weiße In­sel, die einige Kilometer nördlich vom 80. Breitengrad zwischen Nordostspitzbergen und Franz-Josephs-Land liegt. Der Ka­pitän des Walfängers, der die Nachricht jetzt nach Tromsö brachte, erklärt, daß nach seinen Mitteilungen von dem Ballon An­dres keine Spuren gefunden wurden.

Die Nordpolexpedition des schwedischen Ingenieurs Andrer, desien Leiche jetzt im Eise aufgesunden worden ist, hat sei­nerzeit in der ganzen Welt außergewöhn­liches Aufsehen erregt. Schon die Ver­wendung eines Freiballons war Grund genug, um dem Unternehmen ein unge­heures Interesse zu sichern. Die Notwen­digkeit längerer Vorbereitungen verzöger­ten das für 1896 geplante Unternehmen bis in den Sommer 1897 hinein. Andree hatte dann die Absicht mit seinen beiden Gefährten Fränkel und S t r i n d - berg am L Juli von Spitzbergen aus aufzusteigen. Ungünstige Windverhätlnisie verzögerten den Start bis zum Sonntag, den 11. Juli, nachmittags 2y2 Uhr. Um %11 Uhr erst begann man mit den letzten Vorbereitungen, die etwas übereilt durch- g^ührt wurden. In den alten Depeschen

wird erzählt, daß der Abschied ergreifend war, aber auch, daß gleich zu Beginn die Gefahr einsetzte. Der Ballon stiegt auf 200 Meter, wurde jedoch bis auf die Nähe des Meeresspiegel wieder niedergedrückt, sodaß schleunigst Sandsäcke ausgeworfen werden mußten, damit der Adler sich wie­der erhob. Mit diesem geringen Ballast machte er anfangs mindestens 30 Kilo­meter in der Stunde, und zwar in Rich­tung nordnordoft. Bald schon setzte die Sorge um das Schicksal der Expedition ein. Das einzige Lebenszeichen, das, von ihr eintraf, war ein versiegeltes Brieftau­bentelegramm an die Stockholmer Zeitung Aftonbladet, mit der Andree ein Nach­richtenabkommen getroffen hatte. Diese Depesche wurde am 20. September be- kann und lautete:

13. Juli 12.30 Uhr nachmittags 82,2 nördlicher Breite. 15,5 Grad östliche

Prag, 22. Aug. In der Nähe von Fried­richsdorf bei 2glau stürzte heute früh 6 Uhr ein Flugzeug ab, das auf der Strecke PragPrehburg verkehrte. 2u dem Flugzeug befanden sich 13 Personen, von denen bei dem Absturz vier auf der Stelle ge­tötet wurden. Von den schwerverletzten Personen find kurz nach der Einlieferung in das IglauerKrankenhaus vier gestorben. Ferner find zwei Pasiagiere schwer und einer leicht verletzt worden. Unter den Getöteten befindet fich der Ingenieur Bernhard Eimann aus Dresden. Das Flugzeug war vom Typ Ford und stand bei den tschechoslowakischen staatlichen Aero-Linien seit Frühjahr vorigen Jahres in Dienst. Es vermochte 14 Pasiagiere und zwei Mann Besatzung zu fasien. Das Flugzeug ist anscheinend in eine Gewitterzone geraten.

Brünn, 22. Aug. Die Flugzeug­katastrophe bei Iglau, die sich heute nach­mittag 4 Ahr, nicht, wie zuerst gemeldet, heute früh 6 Ahr, ereignete, hat nach neue­ren Meldungen zehn Todesopfer gefor­dert, da von den ins Krankenhaus ein-

Das Urteil im RöntgMHMvzch

Berlin, 22. Aug. Im Röntgenthal- Prozeß wurde heute nachmittag folgendes Urteil verkündet: Das Schwurgericht ver­urteilt 13 Angeklagte wegen gemeinschaft­licher Körperverletzung mit Todeserfolg in Tateinheit mit schwerem Landfriedens­bruch und Raufhandel und zwar den 21- jährigen Marquardt zu drei Jahren Ge­fängnis, den 21 Jahre alten Köppner zu zwei Jahren Gefängnis, die Angeklagten Wuttke, Unruh, Schawb, Heyn zu je einem Jahr neun Monaten Gefängnis, die An­geklagten von Zittwitz, Schindler, Wiese, Kellermann zu je einem Jahr sechs Mo­naten Gefängnis, den Obertertianer Schienten zu einem Jahr drei Monaten Gefängnis, den Schüler Renner zu einem Jahr Gefängnis und den Lehrling Skusa zu neun Monaten Gefängnis. Die Ange­klagten Pankrath, Frank, Kupelinfki, Mergelsberg und Pahl wurden frei­gesprochen.

Revision im Röntgentaler Prozeß.

Berlin, 23. Aug. Wie die Berliner Morgenblätter melden, wird Rechtsanwalt Dr. Sack gegen das Urteil im Röntgen­taler-Prozeß gegen die Nationalsozialisten Revision einlegen.

Länge. Ente Fahrt gegen Ost. 10 Erad Süd. Alles wohl an Bord. Dieses ist die dritte Brieftanbenpost. gez.: Andr6e. Ende September wollte dann der Kapitän eines Fangschiffes im Eisfjord am Prinz- Karl-Vorland einen großen rotbraunen Gegenstand treibend gesehen haben, den man für die Ballonhülle hielt. An­geblich waren auch Hilferufe gehört wor­den. Darauf rüstete Norwegen eine Ret­tungsexpedition mit dem Dampfer Victoria aus, sie kehrte aber bereits am 21. November nach Tromsö zurück, ohne daß sie irgend etwas gefunden hatte. In der Folgezeit sind noch häufig Nachrichten über das Schicksal Andrees aufgetaucht, aber sie haben sich immer als unrichtig herausgestellt. Das Geheimnis, das 33 Jahre über dem Schicksal der Expedition lag, ist jetzt zum Teil gelüstet worden.

gelieferten Verletzten sechs gestorben sind. Anter den Toten befinden sich zwei Ausländer, außer dem bereits genannten Ingenieur Eimann aus Dresden ein Passagier namens Ködenstein ans Dänemark. Man vermutet, daß der Pilot im Sturm die Orientierung verlor, unter die Wolken herabging und das Flugzeug infolge eines t Windstoßes abglitt. Ein Teil des Flugzeuges bohrte sich in die Erde ein, der andere geriet in Brand.

Zwei Bergleute kurz vor der Ausfahrt tödlich verunglückt.

Recklinghausen, 22. Aug. In der öst­lichen Richtstrecke der dritten Sohle der Zeche Augusta Viktoria löste sich heute mittag plötz­lich ein großer Stein und fiel auf einen dort stehenden leeren Zug, der für die Rückfahrt von Arbeitern zum Schacht nach beendeter Schicht bestimmt war. Zwei Bergleute, die bereits in einen Förderwagen eingestiegen waren, wurden von dem Stein getroffen und so schwer am Kopf verletzt, daß der Tod auf der Stelle eintrat. Ein weiterer Bergmann erlitt einen Beinbruch, mehrere andere Berg­leute, die ebenfalls in den Wagen gestiegen waren, kamen ohne Verletzungen davon.

Mthmerime la Nanking aus« gereckt

Nanking sollte in die Lust gesprengt werden.

Berlin, 23. Aug. Die Polizei in Nanking hat eine große angelegte Ver­schwörung gegen die Nankinger Regierung ausgedeckt. Das Ziel der Attentäter war, die Büros der Regierung und das Polizei- hauptquartier in die Luft zu spren­gen. Die Polizei kam der Verschwörung durch eine Anzahl von Gerüchten aus die Spur und veranlaßte darauf die Unter­suchung verschiedener Häuser in einem Be­zirk. 20 Studenten, Soldaten und Ange­stellte des Telegraphenamtes wurden zu­nächst verhaftet. Später nahm die Polizei eine Anzahl weiterer Personen fest, die als Führer der Verschwörung galten,, unter ihnen ein Mädchen, das Spionagedienst in den Regierungsämtern geleistet haben soll. Die polizeilichen Nachforschungen haben ferner zu einer Aufdeckung großer Muni­tionslager und von Plänen geführt, in denen die Stadt Nanking in vier Bezirke eingeteilt wird, die ganz systematisch in die Lust ge­sprengt werden sollten.

SooeWteei

Zu den Gerüchten über den Rücktritt des Generalober st en Hetze erfah­ren wir aus Reichswehrkreisen, daß, wie schon vor zwei Tagen erklärt wurde, zum 1. Oktober keine Aenderung in der Kom­mandoleitung der Reichswehr vorgesehen ist. Ruch liegt ein Rücktrittsgesuch des Generalobersten Heye zu diesem Termin nicht vor. Allerdings ist es richtig, daß Generaloberst Hetze schon vor längerer Zeit den Wunsch geäußert hat, nicht mehr zu lange im Dienst zu verbleiben. Die Gründe für seinen Entschluß sind nicht po­litischer, sondern rein persönlicher Natur« Allen Versuchen, die Reichswehr in die Politik hineinzuziehen, wird sich der Reichswehrminister, so wird weiter in maß­gebenden Kreisen erklärt, nachdrücklichst widersetzen. Die Person des Herrn Reichs­präsidenten und des Reichswehrministers geben die Gewähr dafür, daß in der Reichswehr bei Neubesetzung der Kom­mandostellen nicht politische, sondern rein militärische Gesichtspunkte maßgebend sind.

Die Gerüchte um den General Hetze, denen das Reichswehrministerium nur allzu lange freien Laus gelassen hat, wer­den auch im Ausland stark kommentiert. Die französische Presse spricht von einer bevorstehenden Diktatur, und selbst de­mokratische Blätter wieOeuvre weifen auf eine bevorstehende militärische Am- wälzung hin. Auch die englische Presse redet von Putschplänen, die in Verbindung mit einem ehemaligen General, Hiller und einer großen Berliner Dank gebracht werden. Namentlich die Aufregung in der französischen Presse nimmt Wunder, denn, wie jetzt durch eine angeblich nam­hafte Persönlichkeit der Reichswehr in der Presse behauptet wird, sollen die ganzen Gerüchte um Hetze zurückzuführen sein aus den Großindustriellen R.-(gemeint ist wohl Rechberg), der ein fanatischer Anhänger eines deutsch-französischen Militärbünd- nisses sei. All diesen Gerüchten gegen­über ist die Erklärung, daß General Hetze nur aus persönlichen Gründen seinen Posten verläßt, sehr zu begrüßen. In manchen pvlittschen Kreisen Deutschlands ist leider der Boden für die Mißtrauens- saat gegen die Reichswehr besonders gün­stig, und es wurde höchste Zeit, daß all diesen Machenschaften endlich ein ein» deutiges Dementi entgegengestellt wurde.

Wie wir hören, beabsichllgt Reichs­finanzminister Dietrich neben den laufenden Fragen, die augenblicklich im Kabinett beraten werden, auch die grund­sätzlichen Probleme des schon so lange steckengebliebenen Finanzausgleichs und des Steuervereinheitlichungsgesetzes erneut aufzurvllen und einer endgültigen Klärung zuzuführen. Im Augenblick stehen aller­dings noch andere wichtige Finanzfragen im Vordergrund, die in engem Zusammen­hang mit der Frage der Deckung des De­fizits stehen, das die Arbeitslosenver­sicherung wahrscheinlich noch im laufenden Etatsjahr durch die starke zu erwartende Winterarbeitslosigkeit aufzuweisen hat. Wie wir bereits mitteilen konnten, wird zur Deckung des Defizits kaum eine Steuererhöhung zu vermeiden fein. In diesem Zusammenhang ist wieder einmal der Gedanke oufgetaucht, die Am satz­steuer zu erhöhen, da schon eine geringe Erhöhung um Vi Prozent _ eine Mehreinnahme von etwa 150 Millionen erbringen würde. Hinzu kommt, daß der Reichskanzler diesem Plan persönlich nicht ablehnend gegenübersteht und die Mei­nung der Patteien in dieser Frage aus­einandergeht. So befürworten z.B. Kreise sowohl des Zentrums als auch der Volks­pattei eine Amsatzsteuererhöhung, doch find die Widerstände innerhalb derselben Par­teien mindestens ebenso groß, da eine auch noch so geringe Erhöhung der Am- fatzsteuer eine schwerwiegende Belastung für die Wirtschaft bedeuten wurde. Es scheint also, daß trotz der positiven Ein­stellung des Reichskanzlers der Gedanke dieser Steuererhöhung wieder fallengelaf-i

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